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18.11.1998 Viel zu wenige MS-Kranke bekommen ß-Interferon

München (mal). In Deutschland gibt es nach Schätzungen etwa 120 000 Patienten mit Multipler Sklerose (MS). 72 000 davon haben eine schubförmige oder eine sekundär progrediente Erkrankung. Sie könnten, wie durch Studien belegt ist, von einer immunmodulierenden Therapie profitieren, sagt Privatdozent Dr. Peter Rieckmann von der Universität Würzburg. Doch nur etwa 15 Prozent von ihnen würden derzeit auch so behandelt.

MS-Forscher aus Deutschland, Österreich und der Schweiz haben beim 4. Internationalen MS-Symposium der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) in München bei einer Pressekonferenz diese Situation kritisiert. Für sie gilt ß-Interferon (IFN), wie berichtet, nach einer aktuellen Bestandsaufnahme als der am besten wissenschaftlich evaluierte und am besten geeignete Wirkstoff für eine Basistherapie bei MS-Kranken im schubfreien Intervall oder bei sekundär progredienter Erkrankung. Zwar beliefen sich die Kosten einer solchen Behandlung pro Patient jährlich auf etwa 30 000 DM, so die Forscher. Durch verhinderte MS-Schübe oder Krankheitsverläufe mit verzögerter Progression würden aber auch Kosten gespart.

Um die Möglichkeiten der immunmodulierenden Therapie zu verbessern, laufen derzeit Studien etwa zur Dosis-Wirkungs-Beziehung bei ß-IFN-Therapie, wie Professor Hans-Peter Hartung von der Universitätsklinik in Graz berichtet hat. Auch werde geprüft, welche Vorteile ein früher Therapiebeginn mit ß-IFN bringt. Dazu würden Patienten mit MS-Symptomen bereits nach dem ersten Schub behandelt. Geplant seien etwa auch Studien zum Effekt einer oralen Behandlung mit ß-IFN oder mit Glatirameracetat (Copolymer).

Große Chancen für die Zukunft sehen die MS-Forscher auch in Kombinationstherapien. Mehrere Ansätze würden dabei geprüft, so Hartung, etwa die Kombination von ß-IFN mit Azathioprin, mit Glatirameracetat, mit Immunglobulinen oder mit Mitoxantron. Gesucht werde aber auch nach Möglichkeiten, im Sinne einer Neuroprotektion die Re-Myelinisierung anzuregen.

Quelle:
18.11.1998 -- Ärzte Zeitung Online - die einzige Tageszeitung zur Gesundheit


11.11.1998 MS-Bestandsaufnahme: Kortikoide bleiben Standard

München (mal). Bei Patienten mit Multipler Sklerose (MS) ohne aktuellen Schub ist ß-Interferon (IFN) nach Bewertung deutschsprachiger MS-Forscher derzeit das für eine Basistherapie am besten wissenschaftlich evaluierte und am besten geeignete Medikament. Außer für Patienten mit schubförmig remittierender MS ist ß-IFN auch bei sekundär progredienter Erkrankung indiziert. Dies hat eine Bestandsaufnahme der Forscher von Therapiemöglichkeiten bei MS-Patienten ergeben.

MS-Forscher aus der Deutschland, aus Österreich und aus der Schweiz haben sich seit dem Frühjahr 1998 immer wieder an einen Tisch gesetzt, um die derzeit verfügbaren medikamentösen Therapieoptionen bei MS zu bewerten. Wesentliche Ergebnisse dieser Bestandsaufnahme hat jetzt Privatdozent Dr. Peter Rieckmann von der Universitätsklinik Würzburg bei einer Pressekonferenz zum 4. Internationalen MS-Symposium der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) in München genannt:

  • Für die MS-Schubtherapie sind Kortikoide weiterhin Standard.
  • Im Zentrum der Basistherapie zur Prophylaxe von Schüben oder von MS-assoziierten Defiziten steht aufgrund der mittlerweile umfangreichen positiven Studiendaten ß-IFN, wobei die Forscher zwischen IFN-1a und IFN-1b keinen nennenswerten Unterschied in der Wirkung sehen.
  • Glatirameracetat (Copolymer 1) ist ebenfalls als Basistherapeutikum geeignet. Aufgrund der im Vergleich zu ß-IFN aber momentan noch weniger umfangreichen Daten bewerten die Forscher diese Substanz derzeit als Alternative zu ß-IFN etwa für Patienten, die ß-IFN-nicht vertragen. Ebenso wird Azathioprin als alternatives Basistherapeutikum etwa bei ß-IFN-Unverträglichkeit bewertet.
  • Bei Patienten, die weder mit ß-IFN noch mit Glatirameracetat oder Aza-thioprin zurechtkommen oder die damit nicht ausreichend behandelt sind, komme im Sinne einer Eskalationstherapie die Behandlung mit Immunglobulinen, mit Mitoxantron oder letztlich auch mit Cyclophosphamid in Frage, so Rieckmann.

    Die Bestandsaufnahme zur MS-Therapie soll etwa als Grundlage für eine - auch internationale - Diskussion zu MS-Therapieempfehlungen dienen, wie Professor Klaus V. Toyka aus Würzburg, Vorsitzender des Ärztlichen Beirates der Deutschen Multiplen Sklerose Gesellschaft (DMSG), gesagt hat. Sie soll in der Zeitschrift "Der Nervenarzt" und auch in einer europäischen neurologischen Zeitschrift veröffentlicht werden, hieß es in München. Neue Erkenntnisse der MS-Forschung machten es ferner nötig, daß die Therapiekonzepte in Zukunft immer wieder überarbeitet werden, so Toyka.

    Quelle:
    11.11.1998 -- Ärzte Zeitung Online - die einzige Tageszeitung zur Gesundheit


  • 22.10.1998 Assoziation von Herpesinfekt mit MS weiter unklar

    Montreal (frk). Die These, daß die Ursache der Multiplen Sklerose oder akute MS-Schübe in Verbindung mit einer Herpesvirusinfektion vom Typ 6 stehen könnten, ist von einer Studie gestützt worden. Trotzdem bleiben Unklarheiten.

    Wie Dr. Konstance K. Knox vom Institut für Viruspathogenese in Greenfield im US-Staat Wisconsin beim Treffen der American Neurological Association berichtet hat, konnten bei sieben von zehn untersuchten MS-Patienten eine HHV-6-Infektion nachgewiesen werden. Bei 17 von 19 Proben aus aktiv demyelinisierendem Gewebe konnte HHV-6 nachgewiesen werden, im Vergleich zu nur einer von 19 Proben aus Gewebe, das ohne Krankheitsaktivität war.

    Das deutet zumindest darauf hin, daß es eine enge Verbindung zwischen der Anwesenheit eines aktiv-reduplizierenden HHV-6 und dem Vorliegen einer MS gibt, so Knox.

    In den "Annals of Neurology" (44, 1998, 391) hatte eine Forschergruppe um M. Mayne aus Winnipeg in Kanada im September allerdings ein anderes Ergebnis publiziert. In Zellen des peripheren Bluts hatten die Forscher bei MS-Kranken und Gesunden mit der Polymerasekettenreaktion nach HHV-6 gesucht. Das Virus wurde hier gleich häufig gefunden.

    Quelle:
    22.10.1998 -- Ärzte Zeitung Online - die einzige Tageszeitung zur Gesundheit


    07.10.1998 Mit Schlafattacken und bizarren Symptomen ecken
                         Narkolepsie-Kranke oft in Beruf und Privatleben an


    "Heben Sie bitte Ihren rechten Arm", sagt Dr. Geert Mayer, Chefarzt der Neurologischen Klinik Hetapha in Schwalmstadt-Treysa, zu seiner 45jährigen Patientin. Ein leichtes Zucken des Arms ist die Reaktion, dann fällt er kraftlos zurück in ihren Schoß. Der Kopf pendelt von links nach rechts, die Augenlider sind zugefallen. "Öffnen Sie bitte Ihre Augen", sagt der Neurologe, und man sieht im Gesicht der Frau, wie angestrengt sie sich darum bemüht. Aber die Lider heben sich nicht. Der Schlaf hat sie überwältigt, für einige Minuten scheint sie fest zu schlummern, und erst nach dieser kleinen Ruhepause kann sie der Aufforderung, ihren Vornamen zu nennen, nachkommen.

    Krankheitsbild Narkolepsie ist hierzulande kaum bekannt

    Imperativen Schlafdrang nennt Mayer das auffällige Symptom einer Krankheit, unter der seine Patientin leidet, der Narkolepsie. Kaum jemand hierzulande kenne das Krankheitsbild, so Mayer, obwohl die Narkolepsie Schätzungen zufolge so häufig ist wie die Multiple Sklerose: 26 bis 180 von 100 000 Einwohnern leiden darunter. Die Patienten würden mit ihren teilweise bizarren Symptomen oft als Schizophrene oder als Epileptiker verkannt, manchmal diagnostizierten die Kollegen nur idiopathische Hypersomnie.

    Für die Betroffenen, die mit ihrem Verhalten in Beruf und Privatleben oft anecken, gibt es durchaus therapeutische Möglichkeiten, wie auf einer Veranstaltung des Unternehmens Merckle in Frankfurt / Main deutlich geworden ist. Sowohl medikamentös als auch durch spezifisches Verhaltenstraining lassen sich ihre Symptome lindern.

    Dazu aber muß die Narkolepsie erst einmal diagnostiziert worden sein. "Das Krankheitsbild ist charakteristisch. Wer einmal einen solchen Patienten gesehen hat, erkennt jeden neuen", sagt Mayer. Die Tagesschläfrigkeit äußert sich in nicht beherrschbaren Schlafattacken oder ständiger Müdigkeit. Im Halbschlaf machen die Betroffenen oft Bewegungen automatisch weiter, etwa Schreibbewegungen. Der Nachtschlaf ist bei vielen Narkolepsie-Kranken regelmäßig unterbrochen; oft liegen sie ein oder zwei Stunden wach.

    Kataplektische Anfälle, also plötzliche Tonusverluste der Haltemuskulatur, die durch Emotionen ausgelöst werden, haben 70 Prozent der Narkoleptiker. Sie erleben sie meist im wachen Zustand. Im Gegensatz zum epileptischen Anfall, bei dem das Bewußtsein getrübt ist, nehmen sie also Bewegungshemmungen oder Stürze voll wahr. Dasselbe gilt für Schlaflähmungen: Vor dem Einschlafen oder nach dem Aufwachen tritt eine Bewegungsunfähigkeit ein, die es nicht einmal möglich macht, sich umzudrehen. Diese Erlebnisse lösen oft große Ängste aus.

    Auch visuelle Trugwahrnehmungen, die in Phasen der Schläfrigkeit auftreten und von der Wirklichkeit nicht unterschieden werden können, gehören zum Krankheitsbild. Schmerz oder andere taktile Wahrnehmungen und Gefahren für die Person seien häufig Inhalt dieser Halluzinationen, so Mayer. Deshalb würden die Betroffenen, wenn die übrigen Symptome außer acht blieben, oft als schizophren verkannt.

    Wie imperativer Schlafdrang entsteht, ist unklar

    Zu einer sicheren Diagnose der Narkolepsie gehören ein Test im Schlaflabor und eine Bestimmung von HLA-Merkmalen. Typisch für Narkoleptiker ist, daß sie zweimal in der Nacht vorzeitig in REM-Schlaf fallen. Betragen die Abstände zwischen den REM-Phasen bei Gesunden zwischen 90 und 120 Minuten, verkürzen sie sich bei den Kranken auf acht Minuten oder weniger. Außerdem ist Narkolepsie mit einer bestimmten Kombination von HLA-Allelen assoziiert: 98,5 Prozent der Betroffenen haben die Merkmale HLA DR 15/DQ 6. Diese Kombination tritt nur bei etwa 30 Prozent der Normalbevölkerung auf.

    Die Ursachen der Narkolepsie sind bislang unbekannt. Genetische Faktoren, aber auch Hirntraumata oder Encephalitiden werden diskutiert. Über die neurobiologischen Charakteristika wissen die Experten ebenfalls wenig, so Professor Roza Hayduk vom Scripps Research Institute in La Jolla in Kalifornien. Offenbar seien die Rezeptoren auf Neuronen in Hirngebieten, die den Schlaf-Wach-Rhythmus steuerten, im quantitativen Ungleichgewicht. Die höhere Zahl Acetylcholin-empfindlicher Bindungsstellen etwa könnte eine größere Sensibilität für Schlaf-Signale hervorrufen und damit Überreaktionen auf Anzeichen von Müdigkeit.

    Bei geringer Symptomatik reicht oft Verhaltenstherapie

    Bei leichter Narkolepsie reicht oft schon ein Verhaltenstraining als Therapie, berichtete Mayer. Die Patienten führen ein Tagebuch, in dem sie die Zeiten der Einschlafattacken notieren sowie die Qualität des Nachtschlafs. Läßt sich daraus eine Rhythmik von Aktivität und Müdigkeit erkennen, wird ihnen geraten, zu Zeiten der zu erwartenden Tiefs ein Nikkerchen zu halten. "Nach 15 oder 20 Minuten fühlen sich die meisten wieder frisch", sagte Mayer. Übergewicht und opulente Mahlzeiten steigerten die Neigung zum Einschlafen und sollten deshalb vermieden werden.

    Sind die Patienten schwerer betroffen, ist eine Pharmakotherapie unverzichtbar. Gegen die Schlummerattaken wurden bislang Weckmittel eingesetzt, vor allem vom Amphetamin-Typ. Sie haben den Nachteil, daß sie abhängig machen können und die Patienten mit der Zeit tolerant werden, was zu Dosissteigerungen führt.

    Noch fehlen Daten zu Kombinationstherapien

    Eine Alternative könnte Modafinil sein, das, wie berichtet, im November auf den deutschen Markt kommen soll. Etwa sieben von zehn Behandelten sprechen darauf an. Es macht nicht abhängig und induziert keine Toleranz. Gegen schwere, kataplektische Anfälle helfen Antidepressiva, die nach den Worten von Hayduk auch mit Modafinil kombinierbar sind. Umfangreichere Studien über Kombinationstherapien stünden aber noch aus. Die Dosis von Trizyklika kann und sollte bei einer Kombinationstherapie reduziert werden.

    Narkolepsie-Kranken ohne erfolgreiche Therapie sei dringend von der Teilnahme am Straßenverkehr abzuraten, so die Experten.

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    07.10.1998 -- Ärzte Zeitung Online - die einzige Tageszeitung zur Gesundheit


    06.10.1998 STIKO zieht keine Konsequenzen aus Teilstopp der Impfungen in
                         Frankreich


    Neu-Isenburg (eis). Um Meldungen über Multiple-Sklerose-Erkrankungen nach Hepatitis-B-Impfung zu klären, ist in Frankreich das Impfprogramm teilweise gestoppt worden. In Deutschland ist dies kein Anlaß, die Impfempfehlungen zu ändern, sagt Professor Burghard Stück, Mitglied der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut in Berlin. Der ursächliche Zusammenhang zwischen Impfung und Erkrankung sei bisher in keiner Weise belegt.

    In Frankreich soll die bisher übliche Hepatitis-B-Impfung von Sechsjährigen an Schulen zwar fortgeführt, die Impfung von Jugendlichen aber vorübergehend eingestellt werden (wir berichteten). Die französischen Behörden wollen untersuchen, ob die Impfung Multiple Sklerose (MS) oder andere demyelinisierende Erkrankungen auslösen kann.

    Über MS, Optikusneuritis und weitere demyelinisierende Erkrankungen in zeitlicher Nähe zur Hepatitis-B-Impfung ist bei einzelnen Patienten in verschiedenen Ländern berichtet worden.

    In Frankreich wurde für diese Krankheiten zusammen eine Rate von 0,6 pro 100 000 Impflinge ermittelt, schreibt Professor Sieghard Dittmann vom WHO-Regionalbüro in Kopenhagen (Impfungen, Aktuelle Empfehlungen, Seite 57, München 1998). Bezogen auf Multiple Sklerose seien in der französischen Bevölkerung ein bis drei Erkrankungen pro 100 000 Menschen zu erwarten.

    Das französische Gesundheitsministerium hat den Teilstopp des Impfprogramms jetzt veranlaßt, obwohl die gemeldeten Erkrankungen seit Jahren bekannt sind und es keine neuen Erkenntnise zu den fraglichen Impfschäden gibt, wie Stück berichtet hat. Er empfiehlt deshalb die Impfung auch weiterhin.

    Quelle:
    06.10.1998 -- Ärzte Zeitung Online - die einzige Tageszeitung zur Gesundheit


    17.06.1998 Noch viel zu wenige MS-Patienten bekommen Interferon

    Nizza (nsi). Einen therapeutischen Nihilismus, der sachlich nicht mehr begründet sei, lastet MS-Expertin Professor Judith Haas aus Berlin deutschen Ärzten bei der Behandlung der Multiplen Sklerose an. Nur etwa ein Drittel der MS-Kranken erhielten einer Umfrage zufolge eine medikamentöse Behandlung, obwohl Wirksamkeit und Sicherheit von Interferon für die Indikation der MS klar belegt seien.

    Derzeit bekämen lediglich sechs Prozent der 120 000 MS-Kranken in Deutschland Interferon, so die Leiterin der Abteilung Neurologie am Jüdischen Krankenhaus Berlin während der Jahrestagung der European Neurological Society in Nizza.

    Für Interferon-beta-1a (Avonex(R)) hätten Folgeauswertungen von Daten der Phase-II-Studie, die Grundlage für die Zulassungen des Präparates in den USA und in Deutschland gewesen sei, die Ergebnisse der früheren Analysen gefestigt, berichtete Professor Patrick Vermersch, der an der Universitätsklinik Lille die Abteilung Neurologie leitet. An der doppelblinden, randomisierten Untersuchung hatten 301 Patienten mit schubförmiger MS teilgenommen und zwei Jahre lang entweder Interferon-beta-1a (6 MIU einmal pro Woche i.m.) oder Placebo erhalten.

    Das Risiko für eine Progression reduzierte sich innerhalb von zwölf Monaten in der Verumgruppe um 37 Prozent im Vergleich zu Placebo, berichtete Vermersch.

    Während in dieser Zeit der Behinderungsgrad bei 18 Prozent der mit dem Scheinpräparat behandelten Patienten um zwei Punkte auf der expanded Disability Status Scale (EDSS) zunahm, verschlechterten sich der Behinderungsgrad nur bei sechs Prozent der Patienten der Interferon-Gruppe um zwei EDSS-Punkte, so der Forscher auf der von dem Unternehmen Biogen unterstützten Veranstaltung.

    Auch die Schubfrequenz unterschied sich Vermersch zufolge nach zwei Jahren signfikant: Sie betrug 0,9 pro Jahr unter Placebo und 0,67 Prozent bei Patienten der Verumgruppe.

    "Patienten mit aktiver Erkrankung, die in den letzten zwei Jahren wenigstens einen schweren oder mehrere leichte Schübe hatten, würde ich Interferon anbieten", sagte die Berliner MS-Expertin Haas zu "Ärzte Zeitung".

    Das aber mache ein großer Teil der Kollegen unter dem Einfluß der Kostendiskussion nicht. Da Interferone bei MS indiziert und dafür zugelassen seien, erstatteten die Krankenkassen die Kosten.

    Als Kontraindikationen für Interferone nannte Haas andere Autoim-munerkrankungen, Diabetes und chronische Krankheiten.

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    17.06.1998 -- Ärzte Zeitung Online - die einzige Tageszeitung zur Gesundheit


    10.06.1998 Interferon verzögert MS-Progression um ein Jahr

    Nizza (nsi). Während des 8. Kongresses der European Neurological Society in Nizza sind erstmals die Ergebnisse der europäischen Interferon-ß-1b-Studie zur Therapie bei Multipler Sklerose (MS) mit sekundär-progredientem Verlauf vorgestellt worden. Das Medikament verzögert die Zeit bis zur Progression (Verschlechterung um einen Punkt auf der Kurtzke Expanded Disability Status Skala, EDSS) um neun bis zwölf Monate, unabhängig vom Ausgangswert und damit der Schwere der Erkrankung.

    Darüber hinaus reduziert es die Häufigkeit der Krankheitsschübe um 30 Prozent, ist sicher und im allgemeinen gut verträglich. So faßte Professor Chris Polman vom Academic Ziekenhuis der Universität Amsterdam die Daten für die 32 europäischen Zentren zusammen. 718 MS-Kranke haben an der doppelblinden, randomisierten Studie teilgenommen und sollten wenigstens 24 Monate behandelt werden. Auch Drei-Jahres-Daten wurden erhoben. Die Patienten erhielten jeden zweiten Tag Betaferon(R) (8 Millionen IU IFN-ß-1b) als subkutane Injektion oder Placebo. Sie waren im Durchschnitt knapp 41 Jahre alt. Ihre Erkrankung ging etwa vier Jahre vor Studienbeginn in die sekundär-progrediente Form der MS über. Der Grad der Behinderung, ermittelt nach der 10-Punkte-EDSS, lag zwischen 3,5 und sechs Punkten bei Eintritt in die Untersuchung.

    In der Placebogruppe blieben 60 Prozent der Teilnehmer 16 bis 18 Monate progressionsfrei, in der Verumgruppe derselbe Anteil der Kranken für 28 bis 30 Monate. Die Anzahl der Schübe lag unter Placebo bei 0,64 pro Jahr, bei den mit dem Interferon Behandelten bei 0,44 pro Jahr und war damit um ein Drittel geringer. Fast 25 Prozent der Kranken in der Placebogruppe waren für die Fortbewegung erstmals vollständig auf den Rollstuhl angewiesen (EDSS 7), aber nur 16,7 Prozent in der Verumgruppe.

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    10.06.1998 -- Ärzte Zeitung Online - die einzige Tageszeitung zur Gesundheit


    04.06.1998 Wirksamkeit und Verträglichkeit von Glatiramer-Acetat bei MS bestätigt

    Baltimore (run). Der Nutzen einer Therapie mit Glatiramer-Acetat, auch als Copolymer 1 bekannt, bei Patienten mit schubförmig-remittierender Multipler Skerose ist in einer Doppelblind-Studie über zwei Jahre deutlich belegt worden. Neue Daten der weitergeführten Untersuchung haben nun den positiven Effekt und die gute Verträglichkeit auch nach weiterer Behandlung um bis zu elf Monate bestätigt.

    An der multizentrischen US-amerikanischen Studie haben ursprünglich 251 MS-Patienten mit unterschiedlichem Behinderungsgrad teilgenommen. Sie erhielten dabei 24 Monate lang täglich entweder eine subkutane Injektion mit Glatiramer-Acetat (Copaxone®) oder Placebo. Durch die Behandlung wurde die Schubrate in der Verumgruppe im Vergleich zur Placebogruppe um 29 Prozent verringert. Außerdem stabiliserte sich der Behinderungsgrad und bei einigen Patienten, die Glatiramer-Acetat erhalten hatten, besserte er sich sogar - gemessen als Veränderung im EDDS-Score um mindestens einen Punkt.

    Die Weiterbehandlung von insgesamt 203 Patienten nach dem bisherigen Studienschema über im Mittel etwa fünf Monate bestätigte die ersten Daten, wie die an der Studie beteiligten Wissenschaftler berichten (Neurology 50, 1998, 701): Die Schubfrequenz unter Glatiramer-Acetat wurde um 32 Prozent gesenkt verglichen mit Placebo. Der Behinderungsgrad besserte sich sogar tendentiell im Gegensatz zur Placebobehandlung. Die Therapie ist nach Angaben der Neurologen im wesentlichen gut vertragen worden. Es seien keine Veränderungen der Laborwerte beobachtet worden, und die typischen lokalen Reaktionen seien kurzfristig und mild gewesen. Noch unklar sei die Bedeutung neutralisierender Antikörper für den Therapieerfolg. Diese bilden sich bei der Behandlung mit Glatiramer-Acetat ähnlich wie bei der Therapie mit b-Interferonen, wie die Wissenschaftler erläutern.

    Insgesamt blieben über den gesamten Studienzeitraum 34 Prozent der Patienten unter Glatiramer-Acetat und 25 Prozent der Patienten unter Placebo anfallsfrei. Die mittlere Zeit bis zum nächsten Anfall betrug bei den anderen Patienten 287 Tage bei Verum- und 198 Tage bei Placebotherapie. Dieses Resultat sei nicht nur von Bedeutung für die Lebensqualität der Patienten, die durch häufige Schübe beeinträchtigt werden, so die amerikanischen Neurologen. Es gebe zudem Hinweise, daß die Schubhäufigkeit die Manifestation von Behinderungen beeinflusse. Aufgrund der deutlichen Effekte auf die Schubfrequenz und der guten Verträglichkeit sollte erwogen werden, die neue Substanz als First-line-Therapie zur Prävention von MS-Schüben anzuwenden und als Alternative für Patienten, die auf b-Interferon nicht ansprechen oder deren Nebenwirkungen nicht tolerieren.

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    04.06.1998 -- Ärzte Zeitung Online - die einzige Tageszeitung zur Gesundheit


    14.05.1998 Kleine organische Moleküle gegen die Immunreaktion bei Multipler Sklerose

    Minneapolis (sim). Mit aufwendigen Computersimulationen haben Wissenschaftler unter 150 000 organischen Verbindungen mindestens drei Substanzen identifiziert, die eine für die Pathogenese der Multiplen Sklerose (MS) wichtige Zellreaktion blockieren könnten.

    Ziel der Arbeitsgruppe um Dr. John Richert am Georgetown University Medical Center in Washington D.C. in den USA war es, die Aktivierung von T-Zellen zu verhindern, die sich gegen ein bestimmtes Eiweiß, das Myelin Basic Protein (MBP), richten.

    T-Zellen werden durch Dreierkomplex sensibilisiert

    Diese T-Zellen gelten als die wichtigsten Vermittler einer fatalen Autoimmunreaktion, die letztlich zu den Ausfallerscheinungen des Nervensystems führt, welche für die Multiple Sklerose typisch sind. Bevor sich die T-Zelle gegen MBP richten kann, muß sie dagegen sensibilisiert werden. Der entscheidende Schritt hierfür ist die Ausbildung eines Dreierkomplexes zwischen T-Zell-Rezeptor, MBP-Bruchstücken und einem eng begrenzten Bereich des "Erkennungsmoleküls" HLA-DR (human leucocyte antigen) auf der Oberfläche einer Antigen-präsentierenden Zelle.

    Kleine, nicht-peptidische organische Moleküle bevorzugt

    Verschiedene Forschergruppen haben bereits versucht, die Bildung dieses Komplexes durch die Injektion von Antikörpern oder kurzen Peptiden zu verhindern, erläuterte Dr. Niklas Köhler auf der 50. Jahrestagung der American Academy of Neurology in Minneapolis. Köhler, der zu Richerts Arbeitsgruppe gehört, setzt dagegen auf kleine, nicht-peptidische organische Moleküle. Diese versprächen sowohl längere Halbwertszeiten als auch die Chance, im Magen-Darm-Trakt absorbiert zu werden und die Blut-Hirn-Schranke zu überwinden.

    Moleküle können Sekretion von Interleukin 2 blockieren

    Unter 150 000 verschiedenen Molekülen, deren Strukturen in einer Datenbank des National Cancer Institute in den USA gespeichert sind, ermittelten Köhler und seine Kollegen mit Hilfe von Computerprogrammen etwa 350 mögliche Kandidaten, die die Bildung des Komplexes verhindern könnten. Nachdem diese in einer zweiten Auswahlrunde auf ihre Paßgenauigkeit gegenüber HLA-DR getestet worden waren, blieben nur noch drei Moleküle mit den gewünschten Eigenschaften übrig. "Sie haben sich in Zellkultur-Versuchen als nicht toxisch erwiesen und können die Sekretion von Interleukin 2 reversibel, hochspezifisch und dosisabhängig blockieren", so Köhler. Interleukin 2 wird von aktivierten T-Helfer-Zellen gebildet und aktiviert weitere Immunzellen.

    Genaue Molekül-Struktur wurde nicht bekanntgegeben

    Die Strukturen der nicht näher benannten Moleküle wurden auf der Tagung ohne Seitenketten präsentiert, um eine kommerzielle Nutzung durch konkurrierende Arbeitsgruppen zu erschweren. Die fehlenden Daten sollen jedoch, so Köhler, demnächst in einem Fachartikel veröffentlicht werden. Modellversuche seien in naher Zukunft geplant.

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    14.05.1998 -- Ärzte Zeitung Online - die einzige Tageszeitung zur Gesundheit


    11.05.1998 Neuer Therapieansatz bei MS mit Auto-Antikörpern

    Berlin (nsi). So paradox es klingen mag: Multiple Sklerose, eine Autoimmunerkrankung, könnte sich mit Antikörpern lindern lassen. Über diese experimentelle, immunmodulierende Therapie von Patienten mit MS hat Professor Moses Rodriguez von der Mayo Clinic in Rochester im US-Staat Minnesota während des zweiten Kongresses über Molekulare Medizin in Berlin berichtet.

    Rodriguez hat herausgefunden, daß bestimmte Autoimmunglobuline die Oligodendrozyten im Zentralnervensystem von Mäusen zur Vermehrung und Remyelinisierung der Hauptnervenzellfortsätze stimulieren. "Bei manchen Patienten schreitet die Multiple Sklerose rasch fort, bei anderen bessert sie sich spontan, gelegentlich für lange Zeit. Wir wollten herausfinden, welche Faktoren zu den spontanen Remissionen beitragen", erläuterte der Wissenschaftler die Überlegungen für seine Studie.

    Als er und seine Mitarbeiter bei unterschiedlichen Krankheitsverläufen von Mäusen, in denen künstlich eine Demyelinisierung hervorgerufen worden war, das Antikörpermuster untersuchten, sei der Verdacht aufgekommen, daß eine bestimmte Gruppe von Autoimmunglobulinen die Tiere schützen könnte, berichtete Rodriguez. Es handelte sich um Antikörper der Klasse IgM. Sie stammen aus unreifen B-Lymphozyten, deren Gen-Anordnung noch der der Keimzellen entspricht. Diese unreifen Zellen machen bis zu fünf Prozent der B-Lymphoyzten aus.

    Erhielten kranke Mäuse diesen Typ Autoantikörper, nachdem sie monoklonal vermehrt worden waren, remyelinisierten die pathogen veränderten Axone, die Symptomatik ging zurück.

    Wie es dazu komme, sei unklar, sagte Rodriguez. Möglicherweise stimulierten diese nicht hochreaktiven Antikörper die Oligodendrozyten direkt zu Proliferation und Differenzierung. Oder sie lösten in Makrophagen eine Phagozytose des von den Axonen abgelösten Myelins aus, ohne weitere Zerstörungen einzuleiten, und ebneten so den Weg für eine Neubildung der Myelinscheiden.

    Ob solche Immunglobuline auch beim Menschen therapeutische Wirkung haben, wird derzeit in einer Studie mit MS-Kranken und Nervus- opticus-Neuritis an der Mayo-Klinik untersucht. "Einer kleinen Gruppe von Patienten könnten solche Immunglobuline vielleicht helfen", sagte MS-Experte Professor Hans Lassmann von der Universität Wien zur "Ärzte Zeitung".

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    11.05.1998 -- Ärzte Zeitung Online - die einzige Tageszeitung zur Gesundheit


    16.04.1998 Wirksamkeit und Verträglichkeit von Glatiramer-Acetat bei MS bestätigt

    Baltimore (run). Der Nutzen einer Therapie mit Glatiramer-Acetat, auch als Copolymer 1 bekannt, bei Patienten mit schubförmig-remittierender Multipler Skerose ist in einer Doppelblind-Studie über zwei Jahre deutlich belegt worden. Neue Daten der weitergeführten Untersuchung haben nun den positiven Effekt und die gute Verträglichkeit auch nach weiterer Behandlung um bis zu elf Monate bestätigt.

    An der multizentrischen US-amerikanischen Studie haben ursprünglich 251 MS-Patienten mit unterschiedlichem Behinderungsgrad teilgenommen. Sie erhielten dabei 24 Monate lang täglich entweder eine subkutane Injektion mit Glatiramer-Acetat (Copaxone®) oder Placebo. Durch die Behandlung wurde die Schubrate in der Verumgruppe im Vergleich zur Placebogruppe um 29 Prozent verringert. Außerdem stabiliserte sich der Behinderungsgrad und bei einigen Patienten, die Glatiramer-Acetat erhalten hatten, besserte er sich sogar - gemessen als Veränderung im EDDS-Score um mindestens einen Punkt.

    Die Weiterbehandlung von insgesamt 203 Patienten nach dem bisherigen Studienschema über im Mittel etwa fünf Monate bestätigte die ersten Daten, wie die an der Studie beteiligten Wissenschaftler berichten (Neurology 50, 1998, 701): Die Schubfrequenz unter Glatiramer-Acetat wurde um 32 Prozent gesenkt verglichen mit Placebo. Der Behinderungsgrad besserte sich sogar tendentiell im Gegensatz zur Placebobehandlung. Die Therapie ist nach Angaben der Neurologen im wesentlichen gut vertragen worden. Es seien keine Veränderungen der Laborwerte beobachtet worden, und die typischen lokalen Reaktionen seien kurzfristig und mild gewesen. Noch unklar sei die Bedeutung neutralisierender Antikörper für den Therapieerfolg. Diese bilden sich bei der Behandlung mit Glatiramer-Acetat ähnlich wie bei der Therapie mit b-Interferonen, wie die Wissenschaftler erläutern.

    Insgesamt blieben über den gesamten Studienzeitraum 34 Prozent der Patienten unter Glatiramer-Acetat und 25 Prozent der Patienten unter Placebo anfallsfrei. Die mittlere Zeit bis zum nächsten Anfall betrug bei den anderen Patienten 287 Tage bei Verum- und 198 Tage bei Placebotherapie. Dieses Resultat sei nicht nur von Bedeutung für die Lebensqualität der Patienten, die durch häufige Schübe beeinträchtigt werden, so die amerikanischen Neurologen. Es gebe zudem Hinweise, daß die Schubhäufigkeit die Manifestation von Behinderungen beeinflusse. Aufgrund der deutlichen Effekte auf die Schubfrequenz und der guten Verträglichkeit sollte erwogen werden, die neue Substanz als First-line-Therapie zur Prävention von MS-Schüben anzuwenden und als Alternative für Patienten, die auf b-Interferon nicht ansprechen oder deren Nebenwirkungen nicht tolerieren.

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    16.04.1998 -- Ärzte Zeitung Online - die einzige Tageszeitung zur Gesundheit