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13.12.2000 Zum natürlichen Verlauf der Multiplen Sklerose

In der Ausgabe des New England Journal of Medicine vom 16. November 2000 publizierten Confavreux et al. (1) eine breit angelegte epidemiologische Studie. Als Basis diente die Multiple Sklerose-Datenbank von Lyon, untersucht wurde der Zusammenhang zwischen Behinderungszunahme und Schubhäufigkeit.

In die Studie eingeschlossen wurden 1844 Patienten mit klinisch wahrscheinlicher oder klinisch sicherer Diagnose und einer mittleren Krankheitsdauer (± SD) von 11 (± 10) Jahren. Evaluiert wurden der Zeitpunkt des Krankeitsbeginns, die initiale (schubförmig-remittierend oder progredient) und die darauffolgende (schubförmig-remittierend, sekundär-progressiv oder primär-progressiv) Verlaufsform, die Zeitpunkte der Schübe, der Zeitpunkt von irreversibel auftretender Behinderung und der zeitliche Verlauf der irreversiblen Behinderungszunahme. Für die Charakterisierung der Patienten wurden drei Punkte auf der Behinderungsskala nach Kurtzke (EDSS) berücksichtigt: EDSS 4 (eingeschränkte Gehfähigkeit, jedoch Gefähigkeit ohne Hilfe und ohne Pause für min. 500 m), EDSS 6 (Bedarf einseitiges Hilfsmittel um ohne Pause ca. 100 m Gehen zu können) und EDSS 7 (unfähig selbst mit Hilfe mehr als 10 m zu gehen, bewegt den Rollstuhl selbst und transferiert ohne Hilfe). Der Einfluss der Schubrate auf den Behinderungsgrad wurde mittels Kaplan-Meier-Analyse bestimmt.

1562 Patienten hatten initial einen schubförmig-remittierenden Verlauf. Die mediane Zeit vom Beginn der MS bis zum Erreichen des EDSS 4, EDSS 6 und EDSS 7 betrug bei ihnen 11.4, 23.1 beziehungsweise 33.1 Jahre. Die 282 Patienten mit einem initial progredientem Verlauf erreichten die entsprechenden EDSS-Punkte nach 0.0, 7.1 beziehungsweise nach 13.4 Jahre. Sämtlich Ergebnisse waren stat. Signifikant (P < 0.001). Vergleichbar für beide Gruppen war die Zeit von EDSS 4 zu EDSS 6 (5.7 und 5.4 Jahre, p=0.74). Beim primär progredienten Verlauf war die Behinderungszunahme unabhängig von der Präsenz, bzw. Absenz von überlappenden Schüben.

Die Autoren folgerten, dass die Behinderungszunahme bei Patienten mit initial progressivem Verlauf anfangs rascher verlaufe als bei Patienten mit einem initial schubförmigen Verlauf. Sobald jedoch der Übergang in die sekundär-progrediente Phase stattgefunden habe, verlaufe die Progressionszunahme in beiden Patientengruppe vergleichbar. Zudem habe die Schubaktivität keinen Einfluss auf die irreversible Behinderungszunahme. Diese fehlende Korrelation lasse vermuten, dass eine Dissoziation von Schüben und Behinderung bereits auf der biologischen Ebene stattfinde. Schübe sind durch wiederkehrende akute, fokale Entzündungsreaktionen charakterisiert und die Progression widerspiegelt die Degeneration (Demyeliniserung, Axonsverlust, etc) des zentralen Nervensystems. Medikamente mit einem kurzfristen Effekt auf die Schubaktivität müssen demzufolge nicht unbedingt einen Effekt auf die längerfristige Progression haben.

(1) Confavreux et al.; Relapses and progression of disability in multiple sclerosis, N. Engl. J. Med 2000; 343, 1430-1438

Zusammenfassung: Dr. Martina Sintzel, Schering (Schweiz) AG
( 13.12.2000; N. Engl. J. Med 2000; 343, 1430-1438 )


13.12.2000 Glatirameracetat verbessert die Prognose der MS

Berlin (wma). Die langfristige Behandlung mit dem Immunmodulator Glatirameracetat vermindert bei Patienten mit schubförmiger Multipler Sklerose (MS) die Schubfrequenz und verlangsamt das Fortschreiten der Behinderung. Das Präparat ähnelt in seiner Zusammensetzung dem Myelinprotein der Markscheiden und nimmt Einfluß auf die MS-typischen Entzündungsreaktionen.

Bei über 90 Prozent der Patienten tritt die MS anfangs in Schüben auf, wobei sich im Laufe der Jahre die neurologischen Ausfälle immer schlechter zurückbilden und schließlich zu bleibenden Behinderungen führen, sagte Professor Dr. Judith Haas aus Berlin auf einer Pressekonferenz des Unternehmens Aventis. Nach 15jähriger Krankheitsdauer ist die Hälfte der Patienten auf den Rollstuhl angewiesen.

Haas berichtete von einer US-amerikanischen Studie, an der 251 MS-Patienten mit mindestens zwei Schüben in den vergangenen zwei Jahren teilnahmen. Zunächst erhielten die Patienten über drei Jahre entweder 20 Milligramm pro Tag Glatirameracetat (Copaxone®) oder Placebo subkutan. Unter der Verumtherapie traten 30 Prozent weniger Schübe auf, und die Progression der Erkrankung war deutlich verlangsamt.

208 der Patienten wurden weitere drei Jahre mit dem Immunmodulator behandelt. Dabei hat sich herausgestellt, daß das Risiko für eine bleibende Behinderung um so geringer war, je länger die Patienten therapiert wurden. Bei 70 Prozent der Patienten, die sechs Jahre kontinuierlich das Verum erhalten hatten, veschlechterten sich ihre Behinderungen nicht. In der Gruppe, die anfangs Placebo bekommen hatte, war das nur bei 57 Prozent der Fall, so Haas.

Ein Vorteil im Vergleich zu der Behandlung mit ß-Interferon sei die gute Verträglichkeit. Reaktionen an der Einstichstelle oder das Postinjektionssyndrom mit kurzzeitigem Schwindel, Dyspnoe und Tachykardie wurden bei entsprechender Aufklärung meist gut toleriert, so Haas. Die Zulassung von Glatirameracetat in Deutschland wird für die zweite Hälfte des nächsten Jahres erwartet.

Quelle:
13.12.2000 -- Ärzte Zeitung Online - die einzige Tageszeitung zur Gesundheit



08.12.2000 Knochenmarkstransplantationen bei Multipler Sklerose

In der September-Ausgabe vom Journal of Neurology berichteten Mandalfino et al. (1) über Knochenmarkstransplantationen bei Multipler Sklerose.

Vieles deutet darauf hin, dass Multiple Sklerose eine Autoimmunerkrankung ist.
Rückenmarktransplantationen haben bei Autoimmunerkrankungen ein therapeutisches Potential, deshalb wurden sie schon als radikale Therapie bei lebensbedrohenden und bösartigen Erkrankungen eingesetzt. Kontrollierte Studien zu Rückenmarktransplantationen bei MS-Patienten gibt es noch nicht.

Das Forscherteam von London Ontario berichtete über 4 MS-Patienten, bei denen eine Knochenmarktransplantation vollzogen wurde. Die anschliessende Beobachtungszeit betrug 6-48 Monate. Bei 3 Patienten gab eine weitere bösartige Krankheit (Leukämien und Lymphome) die Indikation für die Transplantation und beim 4.Patienten stammte das Knochenmark von einem nicht betroffenen Zwilling. Die Aussagen dieser Fallbeispiele sind beschränkt, sie geben jedoch Hinweise für weitere Studien bei Patienten mit maligne verlaufender Form. Um eine effektive Aussage über die Knochenmarkstransplantationen zu machen, müssen systematischere Untersuchungen über die Sicherheit, die Effizienz der Therapie und die Methode durchgeführt werden.

(1) Mandalfino P, Rice G, Smith A, Klein JL, Rystedt L, Ebers GC; Bone marrow transplantation in multiple sclerosis; J Neurol 2000 Sep;247(9):691-5 Quelle:
08.12.2000 -- medpoint.ch -- The Portalsite of the Swiss Health community!



24.11.2000 Aktuelle Übersicht zu fehlgeschlagenen und
                     abgebrochenen Therapiestudien


Neue immunbiologische Erkenntnisse haben zusammen mit Fortschritten in der Biotechnologie, Verbesserungen im Design von Medikamentenstudien und Entwicklung der Kernspintomographie zu einer Vielfalt prüfbarer Therapieansätze bei der multiplen Sklerose geführt. Neben erfolgreichen immunmodulatorischen Therapien gibt es jedoch einige Fehlschläge: Trotz eindrucksvoller tierexperimenteller Daten, überzeugender Konzepte oder gar Erfolg versprechender Phase I/Il-Studien erbrachten die untersuchten Medikamente letztendlich keine positive Wirkung oder zeigten unerwartete schwere Nebenwirkungen. Eine aktuelle Zusammenstellung von Therapiestudien, die fehlgeschlagen sind oder aus anderen Gründen abgebrochen wurden findet sich in der Ausgabe 8/2000 der deutschen Zeitschrift «Der Nervenarzt»:

Lenercept und Infliximab zur Blockierung des Tumornekrosefaktors (TNFa)


Im Zentrum der fehlgeschlagenen Studien steht die Blockierung des Tumornekrosefaktor (TNFa), die in 2 Studien (Lenercept, Infliximab) sogar zu negativen Therapieeffekten geführt hatte. TNFa spielt eine zentrale Rolle bei akuten und chronischen Entzündungen. Bei der MS wurde er in entzündlichen ZNS-Läsionen nachgewiesen, er ist u.a. bei pathologischen Gewebsschädigungen in akuten Läsionen beteiligt. Die Studienresultate werfen kritische Fragen bezüglich Läsionspathogenese und Wertigkeit der Kernspintomographie in der Beurteilung klinischer Therapieeffekte auf. So haben die TNF-Studien gezeigt, dass MRI-Effekte und klinische Wirkungen merklich auseinander klaffen können. Es wird vermutet, dass die Beurteilung einiger Facetten des Krankheitsprozesses (wie Remyelinisierung, Gliose, neuronaler und axonaler Schaden) mit Hilfe der Bildgebung nur unzureichend möglich ist.

Ausserdem werden unter anderem die Studien für die immunsuppressiven Agenzien Linomid, Deoxyspergualin, Sulfasalazin und Cladribin, die Studien zur Remyelinisierung durch intravenöse Immunglobuline (IVIg), zur oralen Toleranzinduktion und zur extrakorporalen Photopherese diskutiert. Im folgenden werden einige relevante Beispiel herausgegriffen:

Linomid:

Linomid ist ein synthetischer Immunmodulator, der in Tiermodellen verschiedener Autoimmunerkrankungen erfolgreich eingesetzt wurde. Die Ergebnisse der Studien mit Linomid machen den wichtigen Gesichtspunkt der speziesspezifischen Nebenwirkungen drastisch deutlich: Obwohl die aus tierexperimentellen Studien vielversprechende Substanz in den Phase II-Studien überzeugende Ergebnisse gezeigt und zu enthusiastischen Erwartungen geführt hatte, scheiterte die Phase-III-Studie an einer speziesspezifischen Nebenwirkung auf das kardiovaskuläre System (gehäufte Rate von Herzinfarkten). Die Erfahrungen mit Linomid dokumentieren die Wichtigkeit gross angelegter und gut strukturierter Phase-III-Studien für die Identifizierung seltener Medikamententoxizitäten.


Sulfasalazin:

Sulfasalazin ist ein aus der Rheumatologie lange bekanntes, oral appliziertes Medikament mit bekanntem antiinflammatorischen und immunmodulatorischen Wirkspektrum. In einer randomisierten Doppelblindstudie konnte vorerst einen therapeutischen Effekt gezeigt werden, doch überraschenderweise setzte sich dieser Effekt nicht bis in die 2.Hälfte der Studie fort. Das Medikament hatte nach 3 Jahren Beobachtungszeit gegenüber Plazebo zu keinerVerlangsamung der Krankheitsprogression geführt. Die Studie unterstreicht die Bedeutung längerer Beobachtungszeiträumen in der Beurteilung klinisch positiver Therapieeffekten. Kurz und mittelfristige Besserungen lassen nicht immer Schlussfolgerungen bezüglich eines langfristigen Benefits für Behinderungsgrad oder Verlauf der MS zu.

15-Deoxyspergualin:

15- Deoxyspergualin (DSG) ist ein synthetisches Analogon zu antitumoralen Antibiotikum Spergualin. Des weiteren hat DSG starke immunsuppressive Eigenschaften und wird als effektive Therapie bei Transplantationsabstossungen benutzt. DSG wurde in Einzelfallberichten als besonders wirksam für die MS-Therapie herausgestellt. In einer europäischen Multizenterstudie zeigte sich allerdings kein überzeugender Effekt auf die Krankheitsprogression oder die MRI-Aktivitäten. Die Erfahrungen mit DSG zeigen, dass für eine sinnvolle Therapieempfehlung kontrollierte und ausreichend grosse Studien durchgeführt werden müssen.

Aspekte der Remyelinisierung

Der therapeutische Ansatzpunkt der Remyelinisierungsförderung gehört zu den wichtigsten Strategien in der zukünftigen Behandlung bestehender neurologischen Defizite bei der MS. Derzeit befinden sich spezifische Remyelinisierungsstrategien im experimentellen Stadium, dazu gehört u.a. der Einsatz von intravenösen Immunglobulinen (IVIg).

Orale Toleranz: Myloral (AI-100)

Ein klinischer Nutzen von oralem Myelin wurde in einer kleinen Phase-II-Vorläuferstudie postuliert, deren Aussage u.a. wegen Fehlens bildgebender Zusatzuntersuchungen eingeschränkt war. Dieser Effekt konnte in einer nachfolgenden multizentrischen, doppelblinden, placebokontrollierten Phase-III -Studie (516 Personen mit schubförmiger MS) nicht bestätigt werden. Die tägliche orale Einnahme von Rinder-MBP (Myelin-Basic-Protein) zeigte keinen positiven Therapieeffekt auf den Krankheitsverlauf oder die MRI-Aktivität.

Extrakorporale Photopherese (PTX)

Die extrakorporale Photopherese (PTX) ist eine etablierte und praktisch nebenwirkungsfreie Therapie bei kutanen T-Zell-Lymphomen sowie Transplantationsabstossungen von Haut oder Organen. Die Behandlung zeigte auch bei Autoimmunerkrankungen (prog. System. Sklerose, Psoriasisarthritis) positive Effekte. Für die MS wurde eine kleine, randomisierte, plazebokontrollierte Studie an 16 Patienten mit chronisch-progredientem Verlauf durchgeführt. Die Therapie konnte über den Beobachtungsverlauf von 18 Monaten den natürlichen Verlauf der MS nicht ändern. Die Autoren argumentierten mit einem nichtsignifikante Trend zugunsten einer reduzierten MRI-Aktivität als mögliches Indiz für eine nicht ausreichende Studiendauer zur Detektion klinisch positiver Effekte. Der positive Effekt der Photopherese bleibt fraglich.

Schlussbemerkung:

Die Autoren folgerten, dass gerade fehlgeschagene Therapiestrategien wichtig für eine kritische Revision immunpathologischer Mechanismen sowie ihrer bildgebenden Darstellung sind. Dadurch können sie zur Erweiterung des Verständnisses beitragen.

Zusammenfassung: Dr. Martina Sintzel, Schering (Schweiz) AG

Quelle:
24.11.2000 -- medpoint.ch -- The Portalsite of the Swiss Health community!



15.11.2000 Kognitives Defizit ist manchmal erstes Zeichen von MS

Baden-Baden (sim). Etwa 40 Prozent der Patienten mit Multipler Sklerose (MS) haben neuropsychologische Defizite, so Dr. Volker Limmroth von der Neurologischen Universitätsklinik Essen. Obwohl dies bereits Mitte der 80er Jahre mehrfach belegt worden sei, würden die kognitiven Beeinträchtigungen infolge der MS noch vielfach unterschätzt oder überhaupt nicht beachtet. Die Behandlung mit Interferon-beta-1a kann die Gedächtnisleistungen verbessern.

Bei bis zu fünf Prozent aller MS-Patienten sind neuropsychologische Defizite das erste Symptom der Erkrankung, sagte Limmroth bei einem Satelittensymposium des Unternehmens Biogen bei der 73. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie in Baden-Baden. "Erstaunlich gering" sei die Korrelation zwischen neuropsychologischen Testergebnissen und dem EDS-Score, der in erster Linie die motorischen Defizite der Krankheit erfaßt. Ebenso wenig sei es bisher gelungen, einen eindeutigen Zusammenhang mit dem kernspintomographisch darstellbaren Ausmaß der Gadolinium-aufnehmenden Läsionen im Gehirn zu belegen.

Angesichts der vielfältigen Konsequenzen kognitiver Beeinträchtigungen für Arbeits- und Familienleben, aber etwa auch für die Teilnahme am Straßenverkehr oder für die Einhaltung der Therapieschemata empfahl Limmroth, standardisierte computergestützte neuropsychologische Testverfahren in die Verlaufskontrolle von Therapiestudien zu integrieren.

Vor diesem Hintergrund hat der Neurologe eine offene Studie mit 28 Patienten gemacht. Darin hat er untersucht, ob die Behandlung mit Interferon-beta-1a (Avonex®), die Reaktionszeiten und Gedächtnisleistung der MS-Kranken innerhalb von sechs bis zwölf Monaten beeinflussen kann. Um Lerneffekte auszuschließen, war der eigentlichen Untersuchung eine längere Trainingsphase vorangegangen. Die Analyse der Studiendaten ergab einen Trend zu besseren Gedächtnisleistungen und eine eindeutige Verkürzung der Reaktionszeiten um durchschnittlich 15 bis 20 Prozent. "Allerdings ist gegenwärtig noch unklar, ob die Testwerte sich im Langzeitverlauf nicht wieder der Ausgangssituation annähern."

Quelle:
15.11.2000 -- Ärzte Zeitung Online - die einzige Tageszeitung zur Gesundheit



08.11.2000 Nicht warten, sondern Interferon bei ersten MS Zeichen geben!

Baden-Baden (sim). Besteht bei einem Patienten der Verdacht auf Multiple Sklerose (MS), so sollte eine frühe Behandlung mit rekombinantem Interferon-beta in Erwägung gezogen werden - und zwar schon zu einem Zeitpunkt, zu dem nach den derzeitig gültigen Kriterien die Diagnose noch gar nicht gesichert ist.

Diesen Schluß zieht Professor Ludwig Kappos vom Kantonsspital Basel aus der CHAMP-Studie, die kürzlich im New England Journal of Medicine (343, 2000, 898) veröffentlicht worden ist. Bisher wurde die Interferon-Therapie erst angewendet, nachdem ein zweiter, für MS typischer Schub aufgetreten war. Erst dann gilt die Diagnose als klinisch gesichert. In der CHAMP-(Controlled High Risk Subject Avonex Multiple Sclerosis Prevention) Studie wurde geprüft, ob eine Therapie bereitsnach den ersten Anzeichen einer MS sinnvoll ist (wir berichteten).

Wie Kappos bei einem Symposium des Unternehmens Biogen zur 73. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie in Baden-Baden gesagt hat, sprechen mehrere Beobachtungen für einen möglichst frühen Behandlungsbeginn bei MS-Kranken. Zum Beispiel korrelierten sowohl der zeitliche Abstand zwischen dem ersten und zweiten Schub als auch die Progression in den ersten fünf Jahren gut mit dem späteren Ausmaß der Behinderung. "Je früher wir mit der Therapie anfangen, umso eher können wir die Hypothek verringern, welche die Kranken mit sich tragen", folgerte Kappos.

Wie der Neurologe berichtete, hatten die 385 Patienten der CHAMP-Studie mit Verdacht auf MS fast alle eine isoliert aufgetretene monosymptomatische neurologische Störung wie eine Optikusneuritis. Nach einer initialen hochdosierten Steroidbehandlung wurde innerhalb von maximal 28 Tagen eine Therapie mit Injektionen von 30 µg Interferon-beta-1a (Avonex®) pro Woche oder Placebo begonnen. Aufgrund der Ergebnisse einer Zwischenanalyse wurde die Studie vorzeitig abgebrochen.

Nach drei Jahren war durch einen zweiten Krankheitsschub bei 35 Prozent der Studienteilnehmer in der Verumgruppe eine MS diagnostiziert worden, in der Placebogruppe bei 50 Prozent. Dieser Unterschied war statistisch signifikant. Auch kernspintomographisch sei eine deutliche Reduktion der entzündlichen Aktivität unter Interferon-beta-1a beobachtet worden, sagte Kappos.

"Diese Ergebnisse sollten uns ermutigen, Patienten, die die Aufnahmekriterien der CHAMP-Studie erfüllen, auf die Möglichkeiten und die erwartete Wirkung einer frühen Behandlung mit Interferon-beta aufmerksam zu machen", so Kappos. Dies erfordere allerdings unter anderem eine enge psychologische Betreuung. Patienten brauchten oft Monate, um sich mit der Diagnose MS abzufinden.

Quelle:
08.11.2000 -- Ärzte Zeitung Online - die einzige Tageszeitung zur Gesundheit



26.10.2000 Interferontherapie nach erstem MS Schub beginnen!

Baden-Baden (hae). Kernspintomographie oder Interferontherapie sind neue Ansätze, die im letzten Jahrzehnt die Behandlung von Patienten mit multipler Sklerose (MS) grundlegend verbessert haben.

Unterschiedliche Verlaufsformen und Komplikationen der Erkrankung wie etwa Störungen der Blasenentleerung, Sexualfunktionsstörungen oder eine chronische Müdigkeit erfordern jeweils angepaßten Umgang mit der Krankheit. "Die Krankheit hat tausend Gesichter, es gibt nicht "den" Patienten und auch nicht "die" Therapie", betonte daher Dr. Gudrun Japp aus Königstein bei einem Pressegespräch aus Anlaß des 73. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Neurologie in Baden-Baden.

Noch vor 10 bis 15 Jahren sei den Patienten die Diagnose möglichst verheimlicht oder zumindest verharmlost worden, heute vergingen im Mittel nur noch drei Jahre bis zur Diagnosestellung. Als wichtigste Differentialdiagnosen gelten dabei die durch Liquortiter abgrenzbaren Borrelieninfektionen sowie Vaskulitiden. Klinisch sei die MS bereits durch einen zweiten Schub relativ sicher zu erkennen, sagte Japp bei der Veranstaltung des Münchener Unternehmens Serono.

Vor allem die Einführung der immunmodulatorisch wirkenden Beta-Interferone habe die Therapie deutlich verbessert. Besonders vorteilhaft sei die frühzeitig eingesetzte und hochdosierte Interferontherapie. Sie beeinflußt etwa nach den Langzeitdaten der PRISMS-Studie (Prevention of Relapses and Disability by Interferon beta 1a subcutaneously in Multiple Sclerosis) Läsionslast, Schubgeschehen und Behinderungsprogression positiv. Nach den Resultaten der ETOMS-Studie (Early Treatment Of Multiple Sclerosis) kann eine immunmodulatorische Therapie mit Beta-Interferon (zum Beispiel Rebif®), die direkt nach dem ersten MS-typischen Krankheitsschub begonnen wird, sogar den Ausbruch der Erkrankung verhindern oder zumindest verzögern.

Quelle:
26.10.2000 -- Ärzte Zeitung Online - die einzige Tageszeitung zur Gesundheit



19.10.2000 Orale Kontrazeption und das Auftreten von Multipler Sklerose

Hernan MA et al. veröffentlichten Ende September im Neurology eine Studie über orale Kontrazeption und die Inzidenz von Multipler Sklerose (MS)1.

Als Hintergrund für die Studie dienten experimentelle und klinische Daten, die vermuten lassen, dass Östrogene einen protektiven Effekt auf Entwicklung und Progression der MS haben könnte.

Die in den USA durchgeführte Studie prüfte, ob die Inzidenz der MS abhängig, bzw. unabhängig von einer oralen Kontrazeption sei. Untersucht wurden zwei Frauengruppen mit unterschiedlicher Beobachtungszeit:

Gruppe I: 121"700 Frauen, Alter 30-55 bei Studienbeginn in 1976 und
Gruppe II: 116"671 Frauen, Alter 25-42 bei Studienbeginn in 1989.
Frauen mit diagnostizierter MS wurden von der Studie ausgeschlossen.

Ob eine Frau ein orales Kontrazeptivum einnimmt oder nicht, wurde zu Studienbeginn und danach alle zwei Jahre mittels eines Fragebogen evaluiert. Während der Beobachtungszeit von 18 Jahren für die Gruppe I und von 8 Jahren für die Gruppe II, wurden insgesamt 315 Fälle mit gesicherter oder wahrscheinlicher MS dokumentiert.

Es konnte keine signifikante Assoziation zur Entwicklung einer MS in Zusammenhang mit oraler Kontrazeption gefunden werden. Für die Analysen wurden sämtliche Studienteilnehmerinnen in 3 Untergruppen eingeteilt und miteinander verglichen:

  • Gruppe A: Frauen, die nie mit einem oralen Kontrazeptivum verhütet haben
  • Gruppe B: Frauen, die in der Vergangenheit orale Kontrazeptiva eingenommen haben und jetzt keine mehr
  • Gruppe C: Frauen, die fortlaufend mit einem oralen Kontrazeptivum verhütet haben.

    Im Vergleich zur Gruppe A und unter Berücksichtigung des Alters betrug das Risiko für Frauen der Gruppe B 1.2 (0.9, 1.5; 95% CI) und für Frauen der Gruppe C 1.0 (0.6, 1.7; 95%CI). Vergleichbare Resultate wurden ebenfalls in Bezug auf andere möglicherweise eine MS-Diagnose beeinflussenden Faktoren, wie beispielsweise die geographische Breitenlage des Wohnortes oder die Abstammung gefunden. Es gab auch keinen klaren Trend zwischen der Dauer der Einnahme eines oralen Kontrazeptivum oder der Zeit seit dessen Absetzung. Ebenfalls konnte das Alter der Frau bei der Geburt des ersten Kindes nicht mit dem MS-Risiko assoziiert werden.

    Diese prospektive Studie konnte die Annahme, dass orale Kontrazeptiva oder die Geburt eines Kindes möglicherweise einen protektiven Effekt auf die Entwicklung einer MS hätte, nicht bestätigen. Die Autoren kamen zum Schluss, dass die Entscheidung mit einem oralen Kontrazeptivum zu verhüten unabhängig von einem möglichen MS-Risiko beurteilt werden soll.

    Quelle:
    Hernan MA et al., Oral contraceptives and the incidence of multiple sclerosis, Neurology 55 (2000) 848-853. Quelle:
    19.10.2000 -- medpoint.ch -- The Portalsite of the Swiss Health community!



  • 19.10.2000 Interferon beta nach einer Erstmanifestation von Multipler Sklerose

    Im Laufe dieses Jahres wurden zwei Studien vorgestellt, die den Einsatz von beta Interferonen nach einem ersten Multiple Sklerose verdächtigen Ereignis prüften: die CHAMPS-Studie mit intramuskulärem Interferon beta-1a (Avonex®) und die ETOMS-Studie mit subcutanem Interferon beta-1a (Rebif®). Beide Studien zeigten, dass eine frühzeitige Behandlung mit Interferon beta die gesicherte Diagnose der Multiplen Sklerose hinauszögern kann. Die CHAMPS-Studie1 wurde diese Woche in der Zeitschrift „New England Journal of Medicine“ publiziert.

    Das erste MS verdächtige Ereignis ist nach heutigen Richtlinien nicht ausreichend für die Diagnose einer klinisch gesicherten MS. Erst der zweite Schub, dem ein zeitlich und örtlich getrenntes Entmyelinisierungsereignis zugrunde liegen muss, erlaubt die endgültige Diagnose.

    Patienten, die erste MS-Symptome aufweisen wie Sehstörungen, Gleichgewichts-probleme oder Lähmungserscheinungen, haben oft auch ein abnormales MRI (Kernspintomogramm). Menschen mit einer ersten MS-Attacke und gleichzeitigen MRI-Abnormalitäten haben ein sehr hohes Risiko (bis zu 80%), danach den zweiten Schub zu erleiden und somit definitiv an MS zu erkranken2,3,4. Gemäss Dr. Lawrence Jacobs, Studienleiter und Professor für Neurologie an der State University of New York, schwelen MRI-Läsionen (MS-Herde) schon in diesem frühen Stadium klinisch unsichtbar vor sich hin und richten weiteren Schaden an.

    Bis anhin bestehen keine Behandlungsrichtlinien für Patienten mit einer ersten MS-Attacke. Deshalb wurde in den beiden Studien CHAMPS und ETOMS untersucht, ob die Frühbehandlung mit Interferon beta 1a den Ausbruch der MS bei Patienten mit hohem Risiko zur Krankheitsprogression (erster Schub und abnormales MRI) verlangsamen oder gar verhindern kann.

    CHAMPS-Studie1:
    (Controlled High Risk Subjects AVONEX Multiple Sclerosis Prevention Study)

    Methode:

    Design:
    Randomisierte Doppelblind-Studie mit 383 Patienten an 50 Zentren in den USA und Kanada.
    Einschlusskriterien:
    Auftreten eines MS spezifischen, isolierten neurologischen Ereignisses (z. B. Sehstörungen, Lähmungserscheinungen, Blasen- und Darmprobleme oder Gleichgewichtsstörungen). Zusätzlich mussten diese Patienten ein abnormales MRI mit mindestens zwei klinisch ruhigen T2-gewichteten MS-Herden haben. Patienten, die diese Kriterien erfüllten, galten als Individuen mit hohem Risiko zukünftig an klinisch gesichterter MS zu erkranken.
    Studiendauer:
    Die Studie, die ursprünglich für drei Behandlungsjahre geplant war, wurde nach 2 Jahren frühzeitig gestoppt. In einer planmässigen Interimsanalyse fand man klar positive Resultate und hat folglich aus ethischen Gründen die Studie abgebrochen, um Patienten aus der Plazebogruppe den Wechsel auf die aktive Behandlung zu ermöglichen.
    Studienarme:
    190 Patienten bekamen Plazebo und 193 Patienten wurden mit 1x wöchentlich 30µg Interferon beta-1a (INFB-1a) i.m. behandelt.
    Studienendpunkte:
    Primärer Studienendpunkt war das Eintreten des zweiten Schubes (Diagnose einer klinisch gesicherten MS). Verschiedene MRI-Parameter dienten als sekundäre Endpunkte.

    Resultate:

    Innerhalb der dreijährigen Beobachtungszeit wurde durch die Behandlung mit 1x wöchentlich INFB-1a i.m. das Risiko an klinisch gesicherter MS zu erkranken um 44% gesenkt. Auch die verschiedenen MRI-Resultate der Studie waren positiv und unterstützten den beobachteten klinischen Befund. So zeigte die Studie, dass die Volumenzunahme der T2-gewichteten MRI-Läsionen in der Verum-Gruppe um 91% reduziert und die Anzahl aktiver, entzündlicher T1-Läsionen (Gadolinium-positiv) um 67% verringert wurden. Der Therapieeffekt war unabhängig von der Art des Erstereignisses und von der bei Studienbeginn vorhandenen Anzahl T2-Läsionen. Ausserdem demonstrierten die Studienergebnisse, dass die Wirkung von INFB-1a innerhalb der ersten 6 Monaten einsetzte und über die ganze Studiendauer hinweg anhaltend war.

    Nebenwirkungen und neutralisierende Antiköper:

    Die Behandlung war generell gut verträglich mit grippeähnlichen Symptomen in den ersten Monaten als häufigste Nebenwirkung (26% Plazebo vs 54% INFB-1a). Nur ein Patient im Verum -Arm stoppte die Therapie aufgrund von Nebenwirkungen (<1%). Bloss 1-2% aller INFB-1a Patienten entwickelten einen bedenklichen Titer an neutralisierenden Antikörper.

    Konklusionen:

    Die Studie zeigte, dass eine frühzeitige Behandlung mit INFB-1a den Krankheitsverlauf der MS deutlich verlangsamen kann. Dr. Lawrence Jacobs betonte, dass das Risiko des Fortschreitens der Krankheit durch die 1x wöchentliche Behandlung mit INFB-1a i.m. beinahe halbiert werden könne. Gemäss Dr. Thomas Leist, Direktor des MS-Zenters der Thomas Jefferson Universität in Philadelphia waren die Befunde dieser Studie wichtig, weil sie zeigten, dass das Schicksal von Patienten durch eine Frühbehandlung verändert werden könne.

    Für Dr. Stephen Reingold, Vize-Präsident für Forschungsprogramme der Nationalen MS Gesellschaft in den USA, war klar, dass Neurologen zukünftig vermehrt MRI-Untersuchungen nach einem ersten MS-Schub vornehmen sollten. Er meinte, dass MRI-Läsionen bei der ersten MS-Attacke zu einem Behandlungsbeginn ermutigen sollten. Vom Beobachten und Abwarten werde man zukünftig mittels MRI schneller zu Diagnose und Behandlungsbeginn voranschreiten, um kommenden Schüben und Behinderungen vorzubeugen.

    Bemerkungen:

    In der Schweiz hat der Ärztliche Beirat der Schweizerischen MS-Gesellschaft aufgrund der Resultate der CHAMPS- und ETOMS-Studie beim SVK (Schweizerischer Verband für Gemeinschaftsaufgaben der Krankenversicherer) eine Änderung der Kostenübernahmeregelung bewirkt. Ab sofort prüft der SVK Kostengutsprachen für die Behandlung von MS mit INFB-1a in der Dosis ein Mal pro Woche bereits nach dem ersten auf MS hochverdächtigen Schub.

    Die Kostengutsprache setzt voraus:
    Einen auf MS hochgradig verdächtigen Schub mit entweder Optikusneuritis oder Hirnstammsymptomatik oder spinaler Symptomatik mit passendem, mit einem erhöhten MS-Risiko einhergehenden Befund in der kranialen Kernspintomographie (mindestens 2 mit der jeweils beobachteten Symptomatik nicht direkt zusammenhängende MS-verdächtige Herde) sowie sorgfältigen Ausschluss anderer möglicher Differentialdiagnosen durch einen kompetenten Neurologen/eine kompetente Neurologin.

    Quellen: CNN, NRE, SDA und NEJM

    Referenzen:

    Jacobs, L.D.; Beck, R.D.; Simon, J.H. et al., The Effect of Intramuscular Interferon beta-1a Treatment Initiated at the Time of a First Acute Clinical Demyelination Event on the Rate of Development of Clinically Definite Multiple Sclerosis, N Engl J Med., 343: 898-904 (2000)

    Achiron, A. and Barak, Y., Multiple Sclerosis - From Probable to Definite Diagnosis, Arch. Neurol., 57: 974-979 (2000)

    O"Riordan, J.I.; Thompson, A.J.; Kingsley, D.P.E. et al., The prognostic value of brain MRI in clinically isolated syndromes of the CNS: A 10-year follow-up Brain, 121: 495-503 (1998)

    Optic Neuritis Study Group (ONST), The 5-year risk of MS after optic neuritis: Experience of the Optic Neuritis Treatment Trial, Neurology, 49: 1404-1413 (1997)

    ( 19.10.2000; 27.09.00: Zusammenfassung: Dr. Reto Kessler, Dompé-Biogen AG, Zug )


    17.10.2000 Immunmodulatorische Stufentherapie der Multiplen Sklerose -
                         Das Konsensus-Papier der Ärzte


    Mitglieder der Ärztlichen Beiräte der MS-Gesellschaften aus Deutschland, Österreich und der Schweiz geben erstmals eine Rahmenempfehlung zur Behandlung der MS.

    Die Multiple Sklerose ist die in unseren Breitengraden häufigste chronisch-entzündliche Erkrankung. Die Krankheitsursache ist bis heute nicht geklärt. Vieles spricht für eine Kombination aus Umwelteinflüssen und begünstigenden Erbanlagen mit Fehlreaktionen des körpereigenen Abwehr- oder Immunsystems. Diese bestehen in Entzündungen im Gehirn und/oder Rückenmark, die eine Schädigung des Schutzmantels der Nervenfasern oder sogar der Fasern selber zur Folge haben.

    Um dieser Schädigung vorzubeugen, gibt es heute verschiedene immunmodulatorische Therapien,die das körpereigene Abwehrsystem beeinflussen. Unterschiedliche Therapieansätze sind bekannt, wie eine generelle Abschwächung des Immunsystems oder eine gezielte Blockade der T-Zellen, welche eine wichtige Rolle im Entzündungsvorgang spielen.

    Weitere Ansatzpunkte sind das Eindringen der Immunzellen durch die Blut-Hirn-Schranke sowie ein Schutz vor der Freisetzung von Substanzen, die eine toxische Wirkung auf andere Zellen besitzen. Die immunmodulatorische Behandlung der Multiplen Sklerose hat in den letzten Jahren durch die positiven Ergebnisse mehrerer gross angelegter klinischer Studien einen wichtigen Durchbruch erlebt. Für verschiedene Substanzen, wie zum Beispiel die Betainterferone und Copolymer-I, wurde gezeigt, dass neben einer Reduktion der Schubzahl auch die Progression der Erkrankung beeinflussbar ist.

    Die Grundlage für die Stufentherapie-Empfehlungen sind veröffentlichte Studien zu immunmodulatorischen (die Immunantwort verändernden) und immunsuppressiven (die Immunantwort abschwächenden) Medikamenten bei MS sowie gut dokumentierte Erfahrungsberichte und empirische Hinweise. Auszüge aus dem Konsensus-Statement sind im folgenden zusammengefasst.

    Was sind Kriterien für eine frühzeitige immunmodulatorische Behandlung zur Prophylaxe des Voranschreitens der Krankheit?

  • Diagnose einer klinisch gesicherten, schubförmigen Multiplen Sklerose.
  • Mindestens zwei Schübe in den letzten zwei Jahren, die eine Funktion beeinträchtigten, oder ein schwerer Schub mit tendenziell schlechter Besserung oder Rückbildung der Symptome
  • Erhaltene Gehfähigkeit, auch mit Hilfsmitteln
  • Möglichkeit und Bereitschaft eine effektive Empfängnisverhütung durchzuführen.

    Für den sekundär-progredienten Verlauf einer MS (d.h. nach anfänglichen Schüben ein Übergang in die chronische Form) gibt es derzeit noch keine allgemein anerkannten Therapieempfehlungen für immunmodulatorische/ immunprophylaktische Massnahmen. Diese werden aufgrund der positiven Resultate einer grossen europäischen Studie mit Betaferon® jedoch bald formuliert. Für eine derartige Behandlung des primär-chronischen Verlaufs einer MS sind klinische Studien im Gang, deren Resultate abzuwarten sind.

    Ob immunprophylaktische Therapiemassnahmen schon bei einem ersten, MS-verdächtigen Symptom mit Hinweisen im Magnetresonanztomogramm (MRI) und/oder in Liquoruntersuchungen erfolgen sollen, ist mangels klinisch verwertbarer Untersuchungen noch nicht klar.

    Bei paraklinisch nachweisbarem Ausbreiten der Krankheit, das heisst z.B. wenn die Zunahme der Herde im MRI erkennbar ist, gibt es folgende Zusatzargumente, die aufgrund von Studien für einen frühen Behandlungsbeginn sprechen:
  • Eine hohe Schubzahl in den ersten beiden Jahren nach der Diagnose weist auf einen ungünstigen Langzeitverlauf hin.
  • Der Grad der Behinderung nach 10 Jahren hängt von der Anzahl Herde im MRI zu Beginn ab.
  • Nervenfasern in aktiven Entzündungsherden können schon früh irreparabel in ihrer Funktion geschädigt werden.

    Wann soll eine immunprophylaktische Therapie mit einer spezifischen Substanz abgebrochen werden?

    Bisher gibt es keine allgemein gültige Definition eines Therapieversagens bei der MS. Folgende Definitionen wurden recht breit gefasst und beziehen sich auf den Zeitraum eines Jahres Behandlung im Vergleich zum Intervall vor Therapiebeginn: Beim schubförmigen Verlauf der MS wird eine gleichbleibende oder zunehmende Schubrate, bei progredientem Verlauf eine gleichbleibende oder zunehmende Progressionsrate als Therapieversagen gewertet. Für die Zukunft wünscht man sich jedoch empfindlichere Kriterien, wie z.B. die Zahl neuer Läsionen im MRI oder immunologische Marker, die eng an die Wirksamkeit der Therapie gebunden sind.

    Man unterscheidet zudem zwischen primärem und sekundärem Therapieversagen. Ein primäres Therapieversagen liegt demnach bei einem Patienten vor, dessen bisheriger Krankheitsverlauf nicht durch den Einsatz einer immunprophylaktischen Therapie beeinflusst wird. Beim sekundären Therapieversagen kommt es zunächst zu einer Stabilisierung des Verlaufes bzw. zur Verringerung der Schubfrequenz, später stellt sich jedoch die vorher bekannte Krankheitsaktivität bzw. Progression wieder ein.

    Was kann unternommen werden, wenn die Therapie mangelhaft wirksam ist?

    Generell sollten Änderungen der immunprophylaktischen Therapie immer in Absprache mit einem in der MS-Therapie erfahrenen Zentrum durchgeführt werden. Die Wirksamkeit einer Therapie kann oft erst nach Monaten beurteilt werden. Grundsätzlich bieten sich für eine Veränderung folgende Massnahmen an: eine Dosissteigerung, eine Änderung der Applikationsintervalle,ein Wechsel der therapeutischen Substanz oder eine Erweiterung der Immuntherapie mit Substanzen mit additivem / komplementärem Wirkprofil.

    Therapieansätze in der Übersicht

    Kortikosteroidbehandlung im akuten Schub

    Die Therapie des akuten Schubes mit Kortikosteroiden ist als etablierter Standard anzusehen. Die Wirkung der Kortikosteroide wird unter anderem durch die Abschwächung der Entzündungsreaktion, Verringerung von entzündungsbedingter Flüssigkeitsansammlung (Ödem) und Wiederherstellen der Blut-Hirn-Schranke erklärt.

    Die Behandlung des akuten MS Schubes mit einer intravenösen Stosstherapie für drei bis fünf Tage ist durch mehrere Studien gut gesichert. Bei erstmaliger intravenöser Kortisongabe empfiehlt sich ein stationärer Klinikaufenthalt aufgrund möglicher Nebenwirkungen, die selten sind, aber bedrohlich sein können. Beispiele dafür sind eine allergische Überempfindlichkeitsreaktion, Psychose, Entzündung der Bauchspeicheldrüse und Blutdruckkrisen bei vorbestehendem Bluthochdruck.

    Bei guter Verträglichkeit sind weitere Steroid-Pulstherapien ambulant durchführbar und sollten vom individuellen Risikoprofil abhängig gemacht werden. Die Infusionen werden mit Vorteil morgens durchgeführt, um ein mögliche Übererregung nicht auf den Abend hin zu erzeugen.

    Als mögliche Alternative bietet sich neuerdings auch eine orale Hochdosistherapie (Tabletten) über fünf Tage an, die anschliessend über 10 Tage ausgeschlichen wird. Von einer prophylaktischen Langzeittherapie mit niedrig dosierten oralen Kortikosteroiden ist aufgrund der zu erwartenden Nebenwirkungen abzuraten.

    Bei chronisch progredientem Verlauf bietet sich mangels an derer Therapieoptionen die Möglichkeit einer intermittierenden Kortikosteroidtherapie. Dies bedeutet eine mehrmalige intravenöse Steroidpulstherapie im Abstand von drei bis sechs Monaten. Allerdings sollte der Patient oder die Patientin nach der ersten Behandlung engmaschig beobachtet und dokumentiert und eine Wiederholung nur bei positivem Effekt in Betracht gezogen werden. Eine laufende immunprophylaktische Therapie sollte während der Kortikosteroidbehandlung eines Schubes nicht abgesetzt werden.

    Interferon beta I b (Betaferon®) und Interferon beta I a (Avonex™, Rebif®)

    Betainterferone hemmen entzündungsfördernde Prozesse. Aufgrund der unabhängig voneinander nachgewiesenen Wirksamkeit auf die Schubfrequenz, das Fortschreiten der Behinderung oder kernspintomographische Aktivität können alle drei Betainterferone als MS-wirksam angesehen und zur Basistherapie der schubförmigen MS eingesetzt werden.

    Bisher gibt es keine direkten Vergleichsstudien zu den verschiedenen Präparaten, so dass keine allgemeingültige Empfehlung für eines der Präparate abgegeben werden kann. Für den Arzt kann es sinnvoll sein, die Krankheitsaktivität im Einzelfall mit den jeweiligen Untersuchungsgruppen der einzelnen Studien für die Wahl eines Therapieregimes zu vergleichen. Für die Basisbehandlung der sekundär-progredienten Multiplen Sklerose steht bisher nur ein ß-lnterferon zur Verfügung (Betaferon®), da für die anderen Präparate noch keine Ergebnisse aus Wirksamkeitsstudien vorliegen.

    Die Teilnehmer der Konsensus-Gruppe empfehlen, eine Betaferon®-Therapie beim Übergang von der schubförmigen in die sekundär-progrediente Verlaufsform nicht abzubrechen. Es sei denn, die Kriterien für ein Therapieversagen liegen vor.

    Glatirameracetat/ Copolymer-l (Copaxone®)

    Bei dieser unter dem Namen Copaxone® geführten Substanz handelt es sich um ein synthetisches Eiweiss, das Ähnlichkeit besitzt mit einem natürlichen Eiweiss der Nervenfaserhülle (Myelin).

    Es hemmt auf indirektem Weg die entzündungsbedingte Schädigung dieses Myelins. Copaxone® stellt eine Alternative zur immunprophylaktischen Therapie bei Unverträglichkeit der ß-lnterferon-Behandlung oder bei geringer Behinderung dar. Es gehört in die Reihe der Medikamente für die immunmodulatorische Basistherapie. Eine frühere Studie bei der chronisch-progredienten Verlaufsform der MS zeigte keine Überlegenheit im Vergleich zu Placebo.

    In der Schweiz ist Copaxone® (Glatirameracetat) seit Juni 1999 für die Behandlung der MS zugelassen.

    Intravenöse Immunglobuline (IVlg)

    Intravenös verabreichte Immunglobuline besitzen bei verschiedenen immunvermittelten neurologischen Erkrankungen therapeutische Wirksamkeit. Zahlreiche Einzelfalldarstellungen und eine erste, kontrollierte Studie aus Österreich bei der schubförmigen Verlaufsform der MS weisen bei einem niedrig dosierten Therapieschema auf eine Wirkung dieser Behandlungsmassnahme hin.

    Insgesamt ergeben sich aus den bekannten Untersuchungen Hinweise auf eine Wirksamkeit von IVlg bei schubförmiger MS. Diese Produkte mit variabler Zusammensetzung werden in der Schweiz derzeit nur in klinischen Studien eingesetzt. Sie sollten nur bei ausgewählten Indikationen nach Rücksprache mit einem MS-Zentrum verabreicht werden.

    Azathioprin (Imurek®)

    In derTherapie der Multiplen Sklerose wird Azathioprin langjährig eingesetzt. Die Reduktion der Schubrate mit diesem Immunsuppressivum liegt bei 30 bis 40% gegenüber Placebo. Einschränkend ist zu sagen, dass die Studien mit Azathioprin vom Design her nicht direkt mit den grossen Studien der neuen immunmodulatorischen Substanzen vergleichbar sind.

    Trotzdem kann Azathioprin als Basistherapie beim schubförmigen Verlauf der MS eingesetzt werden, besonders bei Patienten, bei denen Einschränkungen für die Injektionspräparate bestehen. Patienten, die bereits über Jahre mit Azathioprin behandelt werden und einen stabilen Krankheitsverlauf zeigen, können aufgrund neuer Erkenntnisse zur Langzeitsicherheit dieses Präparates die Therapie (unter engmaschiger Kontrolle des Blutbildes) weiter fortführen.

    Mitoxantron (Novantron®)

    Mitoxantron ist ursprünglich als Zytostatikum in der Behandlung von Brustkrebs, akuten Leukämien und anderen neoplastischen Erkrankungen etabliert. Bei Multipler Sklerose konnte für die Substanz eine signifikante Reduktion des Voranschreitens der Krankheit nachgewiesen werden.

    Es muss als ein sehr effektives immunprophylaktisches Medikament zur Behandlung der schubförmigen MS angesehen werden. Aufgrund der Gefahr der Herzschädigung bei hohen Dosen darf es jedoch nur zeitlich begrenzt (ca. 24 bis 36 Monate) eingesetzt werden.

    Der Einsatz des Medikamentes sollte nur nach Rücksprache mit einem MS-Zentrum sorgfältig abgewogen werden. In erster Linie kommen folgende Patienten dafür in Frage: Patienten mit hochfrequentem schubförmigem Verlauf und schlechter Rückbildung der Symptome, bei Therapieversagen eines ß-lnterferons und bei sekundär progredientem Verlauf mit rascher Progression. Eine engmaschige Kontrolle des Blutbildes sowie der Leber- und Nierenfunktionswerte sind notwendig.

    Cyclophosphamid (Cyclophosphamid Farmos®, Endoxan-Asta®)

    Obwohl es aus den berichteten Studien keine eindeutigen Wirksamkeitsnachweise gibt, erachtet die Konsensus-Gruppe den Einsatz von Cyclophosphamid zur Eskalationstherapie der MS in besonders schweren und rasch progredient verlaufenden Erkrankungsfällen als sinnvoll.

    Voraussetzung ist, dass die oben erwähnten Therapien bereits ausgeschöpft sind.

    Methotrexat

    Zum jetzigen Zeitpunkt kann man keine allgemeine Empfehlung für den Einsatz von Methotrexat bei der Multiplen Sklerose geben, insbesondere, da in nur einer Studie geringe Therapieeffekte erzielt wurden, mit Dosierungen wie sie in der Rheumatherapie eingesetzt werden.

    Zur Stabilisierung von objektivierbaren Koordinationsstörungen kann ein Behandlungsversuch im Einzelfall jedoch sinnvoll sein. Jedoch nur bei Versagen anderer Therapiemassnahmen. Bei rasch progredientem und schwerem Krankheitsverlauf sollte zunächst Mitoxantron oder Cyclophosphamid gewählt werden.

    Vorschläge zur immunmodulatorischen Stufentherapie der MS

    Die Konsensus Gruppe vertritt derzeit folgende Expertenmeinung, die auf klinischer Erfahrung basiert:

    1. Beginn einer immunprophylaktischen Therapie in erster Linie mit einem Betainterferon-Präparat möglichst früh nach Diagnosestellung (für einen aktiven Verlauf).

    2. In Abhängigkeit von der individuellen Situation des Patienten kommen auch weitere Substanzen, wie z.B. Copaxone®, Azathioprin oder Immunglobuline für eine erste immunprophylaktische Therapie in Frage.

    3. Bei nicht tolerablen, lokalen Nebenwirkungen an der Haut oder Absterben von Gewebe durch Iniektion eines der ß Interferon-Präparate unter die Haut (subcutane Applikation), empfielt sich die Umstellung auf ein Präparat mit intramuskulärer Applikationsform oder auf ein Präparat aus Punkt 2.

    4. Bei primärem Therapieversagen unter einer ß-lnterferon-Behandlung (wenn der bisherige Krankheitsverlauf nicht beeinflusst werden kann) kann eine Umstellung auf ein anderes ß-lnterferon-Präparat mit häufigerer Anwendung bzw. höherer Dosis erwogen werden. Zusätzlich kommt die Umstellung auf andere Immunsuppressive Massnahmen in Frage, dies jedoch besonders bei sekundärem Therapieversagen (Behandlung mit nur vorübergehendem Effekt).

    Dieser Text stellt eine vereinfachte Zusammenfassung eines Artikels in der Fachzeitschrift «Nervenarzt»( 1999, Nr. 70, S. 371 386) dar und wurde durch Anmerkungen der Redaktion ergänzt.

    Der Originalartikel mit allen Details und Literaturhinweisen kann bei der Schweizerischen MS-Gesellschaft kostenlos angefordert werden.

    Quelle: 17.02.2000; fortissimo Nr. 3/99



  • 10.10.2000 Modafinil hilft bei erhöhter Tagesschläfrigkeit

    Baden-Baden (sim). Den Wirkstoff Modafinil erproben Mediziner derzeit bei mehreren Krankheiten zur Bekämpfung des Symptoms "erhöhte Tagesschläfrigkeit". Das bereits zur Behandlung von Patienten mit Narkolepsie zugelassene Präparat könnte unter anderem bei der Myotonischen Dystrophie Curschmann-Steinert und bei MS-Patienten mit Fatigue-Symptomatik angewandt werden.

    Das war bei einem Satellitensymposium des Unternehmens Merckle auf der 73. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie in Baden-Baden zu hören. Eine Pilotstudie zur Behandlung bei Hypersomnie der Myotonischen Dystrophie Curschmann-Steinert (DM) hat Privatdozent Dr. Maxwell S. Damian an der Neurologischen Universitätsklinik Dresden gemacht.

    Bei dieser Krankheit hätten bisherige Therapieversuche mit Amphetaminen, Selegelin, Baclofen oder Antidepressiva keinen befriedigenden Effekt erbracht, begründete Damian seine Untersuchung. Neun Patienten, bei denen nach den Kriterien der Deutschen Gesellschaft für Schlafmedizin eine behandlungswürdige Tagesschläfrigkeit festgestellt worden war, erhielten dabei Modafinil (Vigil®) über mehrere Monate in Dosierungen von 200 bis 400 mg täglich. Nach etwa einem halben Jahr stellte Damian eine deutliche Zunahme der durchschnittlichen Schlaflatenz von 7,3 auf 22 Minuten fest. Die subjektive Bewertung anhand der Epworth Sleepiness-Skala ergab eine Abnahme des Meßwertes von 13,25 auf 7,75, was nach Damian einer deutlichen Besserung entspricht. Drei Patienten hätten ihren Zustand zum Studienende als "völlig normal" bezeichnet, und alle hätten sich eine Weiterführung der Medikation gewünscht, ohne daß es zu unerwünschten Wirkungen gekommen sei.

    Oberarzt Dr. Jürgen Reeß von der Fachklinik für Neurologie Dietenbronn GmbH berichtete in Baden-Baden über einen 14tägigen Therapieversuch bei 15 Multiple-Sklerose-Patienten mit Fatigue-Symptomatik. Während zwei Patienten die Medikation nach drei Tagen wegen starker innerer Unruhe beendeten, verbesserten sich die übrigen Studienteilnehmer unter 200 oder 300 Milligramm Modafinil täglich um neun Prozent auf der MS-spezifischen "Fatigue Severity Scale". Aus der Selbstbeurteilung der Patienten ergab sich außerdem eine Verbesserung um zwölf oder fünfzehn Prozent auf den Skalen FSS (Fatigue Severity Scale) und MFIS (Modified Fatigue Impact Scale). Eine merkliche Abnahme der Symptome im Alltag hätten acht von dreizehn Patienten berichtet, sagte Reeß.

    Bereits im Mai hatten Forscher auf der Jahrestagung der US-Neurologen eine placebokontrollierte Studie mit 72 Patienten vorgestellt, bei der unter Modafinil hochsignifikant die Fatigue-Werte auf drei verschiedene Skalen gesunken waren.

    Quelle:
    10.10.2000 -- Ärzte Zeitung Online - die einzige Tageszeitung zur Gesundheit



    29.09.2000 Schon Patienten mit ersten Symptomen einer MS profitieren von Interferon

    Buffalo (frk). Erhalten Patienten bei Erstmanifestation einer Multiplen Sklerose (MS) bereits innerhalb von 14 Tagen eine Behandlung mit Interferon beta 1-a, wird die definitive MS-Diagnose bei jedem zweiten Patienten herauszögert. Dies ist jetzt in einer US-Studie belegt worden.

    Bisher wurde die Interferontherapie erst angewendet, wenn es zum zweiten Schub gekommen war. Der zweite Schub ist Bedingung für die definitive MS-Diagnose nach den bisher gültigen Kriterien.

    An der dreijährigen CHAMP-(Controlled High Risk Subject Avonex Multiple Sclerosis Prevention) Studie haben 383 Patienten teilgenommen, wie Professor Lawrence D. Jacobs und seine Kollegen aus Buffalo im US-Staat New York jetzt berichten. Die Patienten hatten wöchentlich eine intramuskuläre Injektion von 30 Mikrogramm Interferon beta 1-a (Avonex®) bekommen. Verglichen wurde die Erkrankungsrate mit der einer Placebogruppe. Nach drei Jahren ergaben sich signifikant unterschiedliche Verläufe der MS: in der Verumgruppe wurde bei 35 Prozent der Studienteilnehmer eine MS diagnostiziert, in der Placebogruppe bei 50 Prozent.

    Wie im "New England Journal of Medicine" (343, 2000, 898) berichtet, wurden Patienten im Alter zwischen 18 und 50 Jahren, bei denen erstmals ophthalmologische oder neurologische Symptome vorgekommen waren, in die Studie aufgenommen. Ferner waren bei ihnen im Kernspintomogramm zwei oder mehr Läsionen von mindestens 3 Millimeter Durchmesser zu finden. Alle erhielten kurzfristig eine Kortikoidtherapie. Weiterbehandelt wurde mit Interferon beta 1-a oder Placeboinjektionen. Patienten, bei denen die definitive Diagnose MS gestellt worden war, wurden aus ethischen Gründen aus der Studie genommen. Konsequenz: mit Interferon sollte bei MS frühestmöglich behandelt werden.

    Quelle:
    29.09.2000 -- Ärzte Zeitung Online - die einzige Tageszeitung zur Gesundheit


    06.09.2000 Frühe MS Therapie beugt Narben im Gehirn vor

    München (sto). Die Aussichten für eine Verbesserung der Therapie bei Multipler Sklerose (MS) sind nach Ansicht des Münchner Neuroimmunologen Professor Reinhard Hohlfeld "so gut wie noch nie zuvor". Die Entwicklung der Biotechnologie sowie neue Methoden der Gen- und Proteinanalyse machen in absehbarer Zeit eine gezielte Beeinflussung des Immunsystems möglich, wie Hohlfeld in München gesagt hat.

    In den vergangenen Jahren habe das Wissen um die immunologischen Vorgänge und die resultierenden Schädigungen am Nervensystem bei MS "nahezu explosionsartig" zugenommen, sagte Hohlfeld bei einer Veranstaltung zum 40jährigen Bestehen des Landesverbands Bayern der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG). Inzwischen wisse man aus der Untersuchung von Hirnbiopsien auch, daß es mindestens vier Unterformen der MS gibt, was das völlig unterschiedliche Ansprechen auf Therapien erklären würde.

    Immer deutlicher zeichne sich ab, daß die Behandlung mit Beta-Interferon möglichst früh im Verlauf der MS beginnen sollte, um Narben im Gehirn und im Rückenmark zu verhindern, so Hohlfeld. Er erwarte künftig zudem Möglichkeiten der therapeutischen Neuroprotektion und der Regenerationsförderung der Rükkenmark- und Gehirnzellen.

    Bei etwa 80 Prozent der Patienten verläuft MS anfangs in Schüben und Remissionen. Nach den Erfahrungen von Dr. Nicolaus König, Chefarzt der MS-Klinik in Kempfenhausen am Starnberger See, verläuft nur bei etwa 20 Prozent die Krankheit von Anfang an chronisch-progredient. Meist beginnt die Erkrankung zwischen dem 20. und dem 40. Lebensjahr. Zunehmend häufiger seien aber auch Kinder, manchmal sogar Kleinkinder betroffen, so der Neurologe. Da bei einer beginnenden MS zunächst Gefühlsstörungen, Lähmungserscheinungen, Bewegungs- und Sehstörungen sowie Blasen- und Darmstörungen auftreten sei die Diagnostik vor allem bei kleineren Kindern problematisch. Die Therapie bei Kindern unterscheide sich jedoch nicht wesentlich von der bei Erwachsenen.

    Quelle:
    06.09.2000 -- Ärzte Zeitung Online - die einzige Tageszeitung zur Gesundheit



    12.08.2000 Zusatzuntersuchungen helfen bei MS Frühdiagnostik

    Würzburg (ost). Obwohl die Diagnose der Multiplen Sklerose (MS) nach wie vor auf klinischen Kriterien beruht, gewinnen technische Zusatzuntersuchungen wie die Kernspintomographie, die Liquoruntersuchung und die Ableitung der evozierten Potentiale für die Frühdiagnostik und die Abschätzung der Krankheitsaktivität zunehmend an Bedeutung.

    Am wichtigsten ist dabei die Kernspintomographie (Magnetresonanztomographie, MRT), wie Dr. Peter Flachenecker und Professor Klaus V. Toyka von der Neurologischen Universitätsklinik Würzburg berichten (Versicherungsmedizin 52, 2000, 119). Zusätzliche Informationen könnten sich bei dieser Untersuchungstechnik durch Anwendung des Kontrastmittels Gadolinium-DTPA gewinnen lassen.

    Das Kontrastmittel kann die Blut-Hirn-Schranke normalerweise nicht passieren. Doch MS-Herde können diese Schranke stören. In diesem Fall kann das Gadolinium-DTPA in die Herde übertreten und sich dort anreichern.

    Obwohl die Kernspintomographie eine hohe Empfindlichkeit aufweise, sei sie allein nicht beweisend für die Diagnose einer Multiplen Sklerose, da ähnliche Veränderungen auch bei anderen Krankheiten und - besonders im höheren Lebensalter - auch bei Gesunden als unspezifische Entmarkungsherde vorhanden seien. Für die Diagnosestellung sei es daher wichtig, mehrere MS-typische Herde in der weißen Substanz von Gehirn und Rückenmark nachzuweisen.

    Die Kernspintomographie könne einen aktiven Krankheitsprozeß mit viel höherer Empfindlichkeit anzeigen als der klinische Verlauf. Aus Verlaufsuntersuchungen sei bekannt, daß neun von zehn Schüben offenbar klinisch stumm ablaufen.

    Trotz der in den vergangenen Jahren deutlich gestiegenen Bedeutung der Kernspintomographie sei eine Liquoruntersuchung bei den meisten Patienten mit dem klinischen Verdacht auf Multiple Sklerose zur Diagnosesicherung weiterhin unerläßlich. Der wichtigste und für eine MS charakteristische Befund sei dabei die intrathekale Immunglobulin-Synthese, also eine Produktion von Immunglobulinen ausschließlich im Liquor, die als oligoklonale Banden bezeichnet wird. Die Empfindlichkeit dieser Untersuchung ähnle nicht zuletzt durch die Verbesserung der Labormethoden mit 90 bis 95 Prozent der der Kernspintomographie.

    Die evozierten Potentiale seien wie die bildgebenden Verfahren als Erweiterung der klinischen Untersuchung zu betrachten. Mit ihnen ließen sich Funktionsstörungen in neuronalen Bahnsystemen nachweisen, die bisher nicht zu Symptomen geführt haben. In der MS-Diagnostik haben sich visuell-evozierte (VEP), somatosensibel-evozierte (SEP) und magnet-evozierte (MEP) Potentiale bewährt.

    Quelle:
    12.08.2000 -- Ärzte Zeitung Online - die einzige Tageszeitung zur Gesundheit



    02.08.2000 Können MS Patienten, die unter Depressionen leiden, mit Betaferon
                         behandelt werden ?


    Bei Patienten mit schweren depressiven Störungen und/oder Suizidneigungen in der Anamnese ist Interferon beta-1b (Betaferon ®) kontraindiziert.

    Ein vorsichtiger Einsatz von Interferon beta-1b (Betaferon ®) kann erwogen werden bei anamnestisch bekannter Depression, wenn der Patient zur Zeit nicht depressiv ist oder bei einer bestehenden leichten Depression.

    Unter Interferon beta-1b (Betaferon ®) können depressive Verstimmungen vorübergehend verstärkt auftreten oder sich unter der Therapie erstmals bemerkbar machen. In der mehrjährigen, zulassungsrelevanten, klinischen Multicenterstudie waren Depressionen unter Interferon beta-1b (Betaferon ®) allerdings nicht signifikant häufiger als in der Placebogruppe.

    Im Rahmen der klinischen Studie zur Behandlung der sekundär progredienten MS mit Interferon beta-1b (Betaferon ®) wurde besonders die Frage einer möglichen Depressionsentwicklung unter Therapie mittels Testmethoden wie dem MADRS (Montgomery Asberg Depression Rating Scale) untersucht. Hierbei konnte gezeigt werden, daß keine Unterschiede zwischen Verum und Plazebogruppe bezüglich Depression bestanden.

    Aus den Nebenwirkungsmeldungen seit Einführung von Betaferon in den USA und in Europa ergibt sich auch kein Hinweis auf eine erhöhte Suizidrate. Untersuchungen an großen Patientenkollektiven haben gezeigt, daß die Suizidrate bei MS-Patienten im Allgemeinen bis zu 7,5fach höher als in der altersgleichen Bevölkerung ist.

    Treten depressive Verstimmungen unter der Betaferon-Therapie auf, so ist eine engmaschige Kontrolle erforderlich. Der vorübergehende Einsatz oder eine Dosiserhöhung von Antidepressiva sollte erwogen werden. Hier können trizyklische Antidepressiva oder Serotoninreuptake-Hemmer zum Einsatz kommen. Gegebenenfalls ist die Betaferon-Therapie zu unterbrechen. Nach Abklingen der Depression kann die Therapie mit einschleichender Dosierung wieder aufgenommen werden.

    Quelle:
    02.08.2000 -- medpoint.ch -- The Portalsite of the Swiss Health community!



    27.07.2000 Frühe Interferon Therapie verbessert Prognose bei MS

    München (wst). Je früher bei Patienten mit schubförmig verlaufender Multipler Sklerose (MS) eine Therapie mit Interferon-beta-1a begonnen wird, desto besser ist ihre Prognose. Dabei scheint auch die Dosis des Immunmodulators einen wichtigen Einfluß auf den Krankheitsverlauf zu haben.

    Das sind Studienergebnisse, die Privatdozent Dr. Peter Rieckmann von der Neurologischen Klinik der Universität Würzburg bei einer Pressekonferenz des Unternehmens Serono in München vorgestellt hat.

    In der PRISMS (Prevention of Relapses and Disability by Interferon-beta-1a Subcutaneously in Multiple Sclerosis)-Studie sind 560 Patienten mit seit mindestens einem Jahr bestehender schubförmig verlaufender MS randomisiert einer von drei Therapiegruppen zugeordnet worden. Die Patienten erhielten dreimal wöchentlich 22 oder 44 Mikrogramm Interferon- beta-1a (Rebif®) subkutan oder Placebo. Nach zwei Jahren wurden die Patienten unter Placebo nach einer Zufallsverteilung ebenfalls mit täglich 22 oder 44 Mikrogramm IFN-ß-1a weiterbehandelt. Es liegen Daten einer Studienlaufzeit von insgesamt vier Jahren vor.

    Nach zwei Jahren hatten die Patienten mit IFN-ß -1a - sowohl mit der niedrigeren als auch mit der höheren Dosierung - signifikant bessere Ergebnisse als die Placebo-Patienten. Das traf für den klinischen Verlauf - also für Schubrate, den Anteil schubfreier Patienten, die Progression der Behinderung und die Krankheitsaktivität - und für den NMR-Befund zu. Die Ergebnisse nach vier Jahren, so Rieckmann, hätten weiterhin keine Hinweise gebracht, daß der Effekt der Therapie mit der Zeit abnehme. Insgesamt schnitten Patienten mit der höheren Dosierung aber besser ab als die mit niedriger Dosierung des Interferon-Präparates. Auch Patienten, die in den ersten zwei Jahren Placebo bekommen hatten, hätten von der folgenden IFN-ß-1aTherapie profitiert, indem sich bei ihnen die Krankheitsprogression verlangsamt habe, so Rieckmann. Auch bei ihnen habe die höhere Dosierung die besseren Ergebnisse gebracht. Der Vorteil, den die von Anfang an mit dem Interferon-Mittel behandelten Patienten gehabt hätten, habe bei späterem Therapiebeginn jedoch nicht mehr ausgeglichen werden können.

    Bestätigt wird der Nutzen einer möglichst frühen Therapie auch durch die Ergebnisse der randomisierten, placebokontrollierten und doppelblinden ETOMS (Early Treatment of Multiple Sclerosis)-Studie mit 309 Patienten. Innerhalb von drei Monaten nach einem ersten MS-typischen Krankheitsschub wurde hier bei der Hälfte der Patienten eine Behandlung mit einmal wöchentlich 22 Mikrogramm Interferon-beta-1a subkutan begonnen, während die andere Hälfte lediglich Placebo erhielt.

    Im zweijährigen Beobachtungszeitraum bekamen 45 Prozent der Placebo-Patienten, aber nur 34 Prozent der Verumpatienten einen zweiten Schub. Damit war die jährliche Rückfallrate mit Verum um 23 Prozent niedriger als mit Placebo, und das Auftreten des zweiten Schubes war unter Verum um durchschnittlich 9,4 Monate verzögert. Diese Unterschiede waren signifikant.

    Quelle:
    27.07.2000 -- Ärzte Zeitung Online - die einzige Tageszeitung zur Gesundheit



    25.07.2000 Jüngster bekannter MS Patient in Deutschland war drei Jahre alt

    München (wst). Schätzungen zufolge erkranken in Deutschland jährlich 100 bis 150 Kinder unter 16 Jahren an Multipler Sklerose (MS). Da aber kaum ein Arzt bei Kindern mit MS rechnet, werden die Symptome häufig verkannt, und die Diagnose oft erst viele Jahre später gestellt.

    Dies hat Dr. Daniela Pohl vom Schwerpunktzentrum für Neuropädiatrie der Universität Göttingen auf einer Pressekonferenz des Unternehmens Serono in München erklärt. In der "Erhebung seltener pädiatrischer Erkrankungen in Deutschland" sind dem Zentrum von 1997 bis 1999 jährlich über 50 MS-Neuerkrankungen bei Kindern unter 16 Jahren gemeldet worden, sagte Pohl. Aufgrund kaum vermeidbarer Erfassungslükken, dürfte die tatsächliche jährliche Inzidenz jedoch deutlich höher bei etwa 100 bis 150 Neuerkrankungen liegen, stellte die Expertin klar.

    Der jüngste in Deutschland registrierte MS-Patient war beim Auftreten typischer Symptome drei Jahre alt. Ein erster Häufigkeitsgipfel der Erkrankung fällt jedoch in die Zeit der beginnenden Pubertät, was die These vom Einfluß der Sexualhormone auf die Manifestation stützt, berichtete Pohl.

    Häufige Initialsymptome sind auch bei Kindern passagere Sehstörungen, Schwindel, Sensibilitäts-, Koordinations- und Gleichgewichtsstörungen. Bei über 95 Prozent der MS-kranken Kinder - im Vergleich zu 80 Prozent bei den Erwachsenen - beginnt das Leiden mit einem primär schubförmigen Verlauf. Prognostisch ist das deutlich besser, als wenn sich eine primär chronisch progressive Verlaufsform manifestiert. Nach einer retrospektiven israelischen Studie, die bislang als einzige Untersuchung Aussagen zur Langzeitprognose bei Kindern und Jugendlichen mit MS erlaubt, waren 15 Jahre nach Diagnosestellung noch 90 Prozent der Betroffenen ohne wesentliche Behinderung. Inwieweit dieser günstige Trend einer prospektiven Untersuchung standhält und wie sich die Prognose noch längerfristiger verhält, ist klärungsbedürftig, so Pohl.

    Die Diagnose MS sollte Kindern nicht verschwiegen und dabei auf die häufig günstige Prognose hingewiesen werden.

    Zusätzlich zur immunsupressiven Schubtherapie wird in Göttingen auch bei Kindern zur Progressionsverlangsamung nach dem zweiten Schub eine Intervalltherapie mit Interferon beta (als Rebif® von Serono im Handel) erwogen und nach dem dritten Schub üblicherweise empfohlen. Mangels Erfahrung mit Interferon bei Kindern sollte die Indikation für den Immunmodulator aber um so strenger gestellt werden, je jünger sie sind, sagte Pohl.

    Quelle:
    25.07.2000 -- Ärzte Zeitung Online - die einzige Tageszeitung zur Gesundheit



    24.07.2000 MS Läsionen im ZNS enthalten durchtrennte Axone

    Die Multiple Sklerose wurde bereits im vorigen Jahrhundert als eine degenerative, entzündliche Erkrankung erkannt, die mit einer selektiven Zerstörung der Nervenscheide einhergeht.

    In den vergangenen Jahren haben nun allerdings neue Erkenntnisse ein verändertes Bild der Pathogenese geschaffen. So ist inzwischen bekannt, daß es außer zur Zerstörung des Myelins auch zu einem irreparablen Axonverlust kommt. In Untersuchungen wurden zum Beispiel bei MS-Kranken in den krankheitstypischen Läsionen in der weißen Gehirnsubstanz durchtrennte Axone nachgewiesen, wobei das Ausmaß der Axon-Schäden mit dem Grad der Entzündung korrelierte. Die Schäden am Axon sind zudem nicht auf das Endstadium der Erkrankung beschränkt, sondern treten bereits bei Krankheitsbeginn auf und auch in klinisch stummen Phasen.

    Diese Erkenntnisse könnten auch eine Erklärung dafür liefern, warum sich bei den meisten MS-Patienten irgendwann die neurologischen Störungen nach einem akuten Schub nicht mehr zurückbilden. Denn anders als die Demyelinisierung ist die Axonzerstörung irreversibel. Anfangs kann das ZNS diese Schäden zwar oft noch kompensieren. Ist jedoch ein Schwellenwert an Nervenschädigung überschritten, bleibt der damit verbundene Funktionsverlust bestehen - die Erkrankung wird progredient.

    Dies spricht nach Ansicht von Experten auch dafür, so früh wie möglich mit einer antiinflammatorischen Therapie zu beginnen. Durch eine Behandlung mit einem ß-Interferon oder mit Glatirameracetat, aber auch mit Azathioprin, läßt sich zudem die Schubhäufigkeit nachweislich deutlich mindern. Und gerade in den ersten Jahren der Erkrankung hat die Schubrate prognostische Bedeutung: Je mehr Schübe, desto schneller schreitet die MS fort.

    Weitere Erkenntnisse zur Pathogenese verdeutlichen außerdem, daß es sich bei der MS vermutlich nicht um einen bei allen Patienten einheitlichen Krankheitsprozeß handelt und es womöglich verschiedene Patienten-Subtypen gibt, für die unterschiedliche Behandlungsansätze sinnvoll sein könnten.

    Außer der Freisetzung entzündungsfördernder Mediatoren durch autoaggressive T-Lymphozyten und Makrophagen wird zum Beispiel zunehmend den Autoantikörpern gegen Myelin-Antigene als ein Mechanismus der Demyelinisierung Bedeutung beigemessen. Die Schädigung der Myelin-bildenden Oligodendrozyten könnte ein weiterer Pathogenesemechanismus sein.

    Diskutiert wird auch verstärkt, ob es durch eine ZNS-Infektion - etwa mit Chlamydien - möglicherweise zu einer veränderten Expression der Myelinproteine kommt, wodurch dann die Autoimmunreaktion ausgelöst wird. (run)

    Quelle:
    24.07.2000 -- Ärzte Zeitung Online - die einzige Tageszeitung zur Gesundheit



    13.07.2000 Die Kernspintomographie wird weiter optimiert

    Brüssel (thf). Verbesserte Methoden zur Darstellung des Gehirns in dreidimensionalen Kernspinresonanz-Bildern liefern präzisere Patienteninformationen als dies bislang möglich war und ermöglichen neue Therapieansätze bei Patienten mit Multipler Sklerose (MS), Schizophrenie und bei der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit.

    Die Kernspinresonanz-Spektroskopie (NMR) gewinnt bei der Erforschung von Ursachen und Entwicklung neurologischer und psychiatrischer Krankheiten zunehmend an Bedeutung. Europäische Spezialisten für bildgebende Diagnostik arbeiten seit 1996 im Projekt Biomorph (development and validation for brain morphometry) an der Entwicklung morphometrischer Techniken mit Hilfe der NMR. Das Projekt wird zum Teil aus dem EU-Forschungsprogramm Biomed II finanziert.

    Die Forscher an den Universitätskliniken von Kent, Zürich, Oxford und Leuven wollen damit die Flut von NMR-Daten in neuen bildgebenden Verfahren zur bestmöglichen Beobachtung und Behandlung von Patienten nutzbar machen. "Mit NMR sieht der Arzt das Gehirn, wie er es nie zuvor gesehen hat," erklärt Projektkoordinator Alan Colchester von der englischen Universität Kent die neue Herausforderung. Für den behandelnden Arzt komme es dabei nicht nur darauf an, das Unbekannte zu interpretieren, sondern immer genauer zwischen "normal" und "anormal" zu unterscheiden.

    Daher müßten bei der Interpretation einer Anomalie stets ergänzende Informationen gesunder Menschen mit herangezogen werden, sagte Colchester beim Kongreß des Collegium Internationale Neuropsychopharmacologicum (CINP) in Brüssel. So könnten etwa bei Patienten Hirnveränderungen durch Multiple Sklerose bereits deutlich zu erkennen sein, bevor klinische Symptome auftreten.

    Nachdem die MR-Techniken verfügbar sind, mit denen Gehirnstrukturen und -gewebe in vereinfachter Darstellung erkannt werden können, stehen die Forscher vor neuen Problemen. Es gelte, Grenzen neu zu bestimmen und in numerischer Sprache zu beschreiben, hieß es auf dem Kongreß. Auch die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Informatikern, Spezialisten für Bildbearbeitung und Ärzten wird immer wichtiger. So haben die europäischen Projektpartner Algorithmen entwickelt, um die geometrische Beschreibung der Strukturen, zum Beispiel des normalen und des erkrankten Hippokampus, quantifizieren zu können. "Hier stellt sich heraus, daß die Informatikmethoden an ihre Grenzen stoßen," erklärt Alan Colchester "aber das menschliche Gehirn ziemlich fit ist."

    In der zweiten, nunmehr angelaufenen Biomorph-Forschungsphase wenden die Wissenschaftler im klinischen Bereich die optimierten NMR-Techniken bei einer großen Gruppe von MS-, Schizophrenie- und Amnesie-Patienten an.

    So gelang es, mit den neuen bildgebenden dreidimensionalen Darstellungsformen, die zur Analyse großer Datenmengen erforderliche Zeit erheblich zu reduzieren. So kann beispielsweise bei MS-Patienten die räumliche und zeitliche Entwicklung von Läsionen eindeutig beobachtet und entsprechend farblich dargestellt werden. "Damit könnte geklärt werden, welche Mechanismen für den Ausbruch der Symptome verantwortlich und wie wirksam die Behandlungen sind," gibt sich der Neurologe und Leiter der Gruppe für medizinische Elektronik an der Universität Kent, Alan Colchester, für die Zukunft zuversichtlich.

    Quelle:
    13.07.2000 -- Ärzte Zeitung Online - die einzige Tageszeitung zur Gesundheit



    03.07.2000 Psychotherapie bei multiple Sklerose Patienten

    Die folgende Untersuchung wollte herausfinden, ob Psychotherapie den physischen Verlauf der multiplen Sklerose beeinflussen kann und welche Konsequenzen die Psychotherapie für den Umgang mit der Diagnose hat.

    Verglichen wurden 46 Patienten mit diagnostizierter multiplen Sklerose, die sich einer einjährigen Psychotherapie in der Gruppe unterzogen mit 24 Multiple Sklerose Patienten ohne Therapie. Die angewendeten Untersuchungsmethoden sind: Giessen Test (Persönlichkeitstest), persönlicher Leistungsfragebogen (achievement capacities questionnaire by Kesselring), ein ausführliches Gespräch, sowie ein Test für das verbale Verhalten (content analysis scales of verbal behavior by Gottschalk & Gleser). Die verschiedenen Tests wurden jeweils an vier Sitzungen durchgeführt. Es folgte eine Nachuntersuchungszeit von zwei Jahren.

    Was den Umgang mit Beziehungen und die Aggressivität (ausführliches Gespräch) anbelangt, konnte ein signifikanter Unterschied zwischen der Therapie und der Kontrollgruppe beobachtet werden. Die Gruppen verhielten sich auch unterschiedlich in bezug auf die physischen Symptome (achievement capacities questionnaire). In der Therapiegruppe wurde im Vergleich zur Kontrollgruppe eine Verbesserung der physischen Mobilität und eine Abnahme um körperliche Sorgen festgestellt. Letzteres scheint ein bekannter Effekt bei Therapien von psychosomatischen Erkrankungen zu sein. Psychoanalystisch wurde dies als Widerstand gegen die zunehmende Angst, die durch die Krankheit Multiple Sklerose im Unterbewusstsein gehalten wird, interpretiert.

    In der Nachuntersuchungszeit war die Therapiegruppe optimistischer gestimmt und auch das physische Wohlbefinden war besser (Niedergeschlagenheit und Energielosigkeit nahmen ab). Eine Veränderungen zum Positiven konnte in beiden Gruppen beobachtet werden, so z.B. Verbesserung der Kognitiven Fähigkeiten (Gottschalk & Gleser). Es scheint, dass die durch die Studie geschenkte Aufmerksamkeit beide Gruppen beeinflusst hatte, weil die Mitglieder beider Gruppe teilweise Kontakt untereinander hatten und sowohl die Therapie- als auch die Kontrollgruppe über das Projekt und sein Ziel informiert waren.

    Quelle:
    03.07.2000; Langmayr A, Schottes N., Psychol Rep 2000 Apr; 86(2): 495-508


    28.06.2000 Hochrechnung der Zahl an MS erkrankten Patienten in Deutschland

    Originaltitel: Projection of the number of multiple sclerosis patients in Germany
    Autoren: T. Hein (1), W. Hopfenmüller (2)


    Zusammenfassung

    Zur Prävalenz der Multiplen Sklerose in Deutschland liegen Ergebnisse aus verschiedenen epidemiologischen Studien vor. Bei der Übertragung der Prävalenzraten jüngerer epidemiologischer Studien auf die Gesamtbevölkerung Deutschlands ergeben sich Schätzungen von 67.000-138.000 Multiple-Sklerose-Patienten. Die sehr unterschiedlichen Ergebnisse der epidemiologischen Studien sind evtl. durch Probleme der Patientenermittlung, des epidemiologischen Areals sowie der Struktur der jeweiligen Population bedingt. Zur Vermeidung dieser Probleme wurde die Anzahl diagnostizierter Multiple-Sklerose-Patienten durch eine repräsentative Erhebung bei Arztgruppen, die für die Behandlung von Multiple-Sklerose-Patienten relevant sind, erfasst. Nachteil dieser Erhebungsmethode ist die fehlende Möglichkeit zur Abklärung der Diagnose. Die Hochrechnung und anschließende Zusammenführung der Ergebnisse der Befragung der einzelnen Arztgruppen ergab eine Anzahl von ca. 122.000 Multiple-Sklerose-Patienten in Deutschland. Dies entspricht einer Prävalenzrate von 149,1 auf 100.000 Einwohner und ist im Bereich der von Poser et al. [19] erhobenen Prävalenzrate: 127 ohne die diagnostische Kategorie "fragliche MS" und 170 inklusive dieser diagnostischen Kategorie.

    Summary

    For determining the prevalence of multiple sclerosis (MS) in Germany, the outcomes of several epidemiological studies are available. If these rates are transferred to Germany as a whole, figures result of 67,000 to 138,000 MS patients in all. The differing prevalence rates may be caused by various problems in finding patients, the epidemiological area, and different population structures. To avoid these difficulties, a new approach for calculating the number of patients with diagnosed MS was chosen based on representative samples taken from the groups of physicians involved in MS treatment. The disadvantage of this approach is that it does not allow any questioning of the diagnosis. Projecting the results in this way and their subsequent compilation - taking "double treatments" into consideration - showed a total of 122,000 patients with diagnosed multiple sclerosis in Germany. This figure corresponds to a prevalence rate of 149.1 per 100,000 inhabitants and is within the range found by Poser et al. [19]: 127 per 100,000 excluding the diagnostic category "possible multiple sclerosis" and 170 per 100,000 including it.

    (1) Schering Deutschland GmbH, Berlin
    (2) Universitätsklinikum Benjamin Franklin, Institut für Epidemiologie, Medizinische Statistik und Informatik, Freie Universität Berlin
    Quelle:

    Der Nervenarzt, Abstract Volume 71 Issue 4 (2000) pp 288-294


    19.06.2000 Tips zur Verbesserung der Lebensqualität von MS Patienten

    Rostock (nke). Eine kausale Therapie von Patienten mit Multipler Sklerose (MS), die alle Probleme auf einen Schlag beseitigen würde, gibt es nicht. MS-Patienten benötigen daher zusätzlich zur immunmodulatorischen Therapie, die in den Krankheitsverlauf eingreift, eine maßgeschneiderte symptomatische Behandlung. Denn hiermit kann die Lebensqualität der Patienten unmittelbar verbessert werden.

    Beim 2. Ostsee-Symposium Klinische Neuroimmunologie beschäftigten sich Experten in einer Sitzung ausschließlich mit unspezifischen Symptomen, unter denen MS-Kranke abgesehen etwa von Sensitivitätsstörungen, Paresen und Spastik leiden, und den Behandlungsmöglichkeiten.

    Dr. Nicolaus König aus Berg empfahl, gezielt nach Blasenfunktionsstörungen zu fragen. Denn häufig werde das Problem, vor allem bei obstruktiven Symptomen, nicht spontan geäußert. Dies sei problematisch, da bei Harnverhalt oder Restharnbildung das Risiko für aufsteigende Infektionen steige. Kommt es zu einem Harnwegsinfekt, ist für die Auswahl des geeigneten Antibiotikums unbedingt eine bakteriologische Untersuchung erforderlich, so König, da bei MS häufig komplizierte Erreger vorkämen.

    Zur Behandlung bei Blasenfunktionsstörungen kämen außer anticholinerg wirkenden Medikamenten wie Oxybutynin auch krankengymnastische Maßnahmen (Beckenbodentraining) oder die intermittierende Selbstkatheterisierung in Frage. Außerdem sollten die Patienten aufgefordert werden, ausreichend zu trinken, betonte König bei der vom Unternehmen Serono unterstützten Veranstaltung.

    Gegen das ebenfalls häufige MS-Symptom Obstipation empfahl König Maßnahmen wie ballaststoffreiche Kost, viel trinken und Bewegung. Auch Darmmassagen, die Einnahme von Lactulose oder die Vermeidung anticholinerg wirkender Medikamente könnten die Darmentleerung fördern.

    Probleme beim Sex beruhen seiner Ansicht nach nicht nur auf organischen Problemen. Mitentscheidend sei auch die psychische Verfassung der Kranken. Darüber hinaus werde die Sexualfunktion auch durch Medikamente wie Anticholinergika oder Antidepressiva beeinträchtigt. Männern mit MS könne erfahrungsgemäß mit Sildenafil recht gut geholfen werden.

    Wenig beachtet werden nach Aussage von Dr. Peter Flachenecker aus Würzburg die Folgen der MS auf die Herz-Kreislauffunktion. Häufigstes Symptom sei die orthostatische Hypotonie. Ein Viertel bis zwei Drittel der MS-Patienten leiden daran, so Flachenecker. Beobachtet würden außerdem neurogene Lungenödeme, paroxysmales Vorhofflimmern sowie eine subklinische Einschränkung der Ventrikelfunktion. Offenbar kommt es bei MS zu einer Sympatikusstörung, wie Flachenecker gesagt hat.

    Bei Schlafstörungen rät Flachenekker zu einem kausalorientierten Vorgehen. Wenn zum Beispiel Blasen- oder Mastdarmstörungen den Schlaf störten, sollte ursächlich behandelt werden. Weitere typische Ursachen für Schlafstörungen bei MS seien Spastik, Depressionen, periodische Beinbewegungen sowie die medikamentöse Therapie bei MS etwa mit Steroiden. Wichtig für guten Schlaf sei außerdem eine ausreichende körperliche Bewegung und Verzicht auf Koffein und Alkohol.

    Krankengymnastik, physikalische Maßnahmen und Physiotherapie wirken gegen die Spastiken. Ergänzend können Medikamente mit antispastischer Wirksamkeit gegeben werden. Mittel der ersten Wahl sind, wie Professor Reiner Benecke aus Rostock gesagt hat, Baclofen, oral oder intrathekal, sowie Tizanidin. Ebenfalls eingesetzt würden Diazepam, Memantin oder Tolperison.

    Die wichtigste Entwicklung der vergangenen fünf Jahre sei die Botulinum-Toxin-A-Injektion direkt in den spastischen Muskel. Damit können Spastizität, Spasmen sowie die damit verbundenen Schmerzen deutlich reduziert werden, wie in Studien nachgewiesen worden sei. Die Wirkung der Injektion lasse nach etwa zwei bis drei Monaten nach und müsse dann eventuell wiederholt werden.

    Quelle:
    19.06.2000 -- Ärzte Zeitung Online - die einzige Tageszeitung zur Gesundheit


    14.06.2000 Auch Kinder können bereits an MS erkranken

    Göttingen (eb). Multiple Sklerose (MS) bei Kindern bleibt häufig unerkannt, so daß mit der Therapie zu spät begonnen wird, so Wissenschaftler von der Universität Göttingen. Diese hatten in einer vierjährigen Studie nachgewiesen, daß MS-Symptome wie Lähmungen und Sehstörungen bereits bei sehr jungen Kindern auftreten können.

    Bislang sei man davon ausgegangen, daß die MS fast ausschließlich bei Erwachsenen auftrete, so die Forscher von der Abteilung für Kinderheilkunde der Universität Göttingen um Professor Folker Hanefeld. Seit Beginn der Studie im Jahre 1996 seien aus der gesamten Bundesrepublik mehr als 200 MS-verdächtige Erkrankungen bei Kindern zwischen drei und 16 Jahren gemeldet worden. Etwa 160 Erkrankungen seien bisher analysiert worden. "Wir stellten bei 42 Kindern eine gesicherte MS fest, bei 80 Kindern besteht der Verdacht einer MS", sagte Hanefeld.

    Die Göttinger Kinderärzte gehen aufgrund dieser Zahlen davon aus, daß pro Jahr mehr als 50 Kinder in Deutschland neu an MS erkranken. Insgesamt rechne man pro Jahr mit 5000 Neuerkrankungen. Dies bedeute, daß jeder 100. Patient bereits als Kind MS habe.

    Bei früher Diagnose könne man auch eher mit einer medikamentösen Therapie beginnen, betonen die Kinderärzte. In Göttingen werden diese Patienten in einer speziellen Sprechstunde betreut.

    Quelle:
    14.06.2000 -- Ärzte Zeitung Online - die einzige Tageszeitung zur Gesundheit


    13.06.2000 Früher Einsatz von Interferon beta 1b verspricht Erfolg

    Berlin (eb). Die Behandlung von Patienten mit einer der beiden häufigsten Formen der MS mit Interferon beta-1b ist erfolgreich, wenn die Therapie frühzeitig bei akuten Schüben beginnt, eine entzündliche Komponente zur Progression beiträgt und neurologische Schäden erst gering ausgeprägt sind.

    Das ergibt eine auf dem Kongreß der American Academy of Neurology vorgestellte nordamerikanische Studie mit Betaferon®, wie das Unternehmen Schering AG mitgeteilt hat. Sie bestätigt die Ergebnisse einer europäischen Studie von 1998, die eine signifikante Verminderung der Schub-häufigkeit und Entzündungsaktivität im Gehirn für die beiden Formen der MS, die schubförmige und die sekundär progrediente (SPMS) unter der Therapie nachwies.

    Im Vergleich mit der Placebo-gruppe zeigten die 939 SPMS-Patienten in der nordamerikanischen Studie keinen signifikanten Unterschied für den Zielparameter Verzögerung von Behinderungen. Professor Henry McFarland aus Bethesda im US-Staat Maryland, der an beiden Studien beteiligt war, hält bei diesen Patienten die Therapie für wirksam, wenn sie akute Entzündungen haben, wie beide Studien belegen.

    Quelle:
    13.06.2000 -- Ärzte Zeitung Online - die einzige Tageszeitung zur Gesundheit


    11.06.2000 Epstein Barr Virus in Verdacht

    Lübeck (run). Infektionen mit Viren wie mit dem Epstein-Barr-Virus (EBV) könnten an der Entstehung der Multiplen Sklerose beteiligt sein. Wenngleich dieser Zusammenhang nicht sicher belegt ist, so kann offenbar eine EBV-Infektion die Krankheitsaktivität ungünstig beeinflussen.

    Zu diesem Ergebnis sind Dr. Klaus-Peter Wandinger und seine Mitarbeiter von der Universität Lübeck gekommen. Die Forscher haben bei ihren Untersuchungen Antikörper gegen verschiedene Viren bei 108 Patienten mit Multipler Sklerose untersucht, darunter Antikörper gegen das Herpes-Simplex-Virus (HSV) vom Typ 1 und 2, gegen das Zytomegalievirus sowie gegen das EB-Virus. Die Befunde wurden mit Untersuchungsergebnissen von 163 gesunden Kontrollpersonen verglichen.

    Dabei stellten die Wissenschaftler fest, daß alle MS-Patienten seropositiv für EBV waren, verglichen mit nur 90 Prozent der Kontrollpersonen. Eine ähnlich hohe Seropositivität wurde für die anderen Viren nicht nachgewiesen (Neurology 55, 2000, 178). Dieser Befund deutet nach Ansicht der Forscher darauf hin, daß es tatsächlich einen Zusammenhang zwischen der EBV-Infektion und der Autoimmunerkrankung gibt.

    Noch wichtiger sei jedoch das Resultat einer anschließenden Untersuchung bei einer Gruppe von 19 MS-Patienten, bei denen die EB-Virusaktivität über ein Jahr kontrolliert wurde, betonen die Lübecker Forscher. Bei über der Hälfte der Patienten mit Exazerbationen wurde dabei eine erhöhte virale Aktivität ermittelt. Aber nur bei zwölf Prozent der Kranken mit stabiler MS war das ebenso der Fall. Virus-DNA konnte sogar bei allen MS-Kranken nachgewiesen werden, die einen Rückfall hatten oder deren Behinderung sich verschlimmerte, aber bei keinem Patienten mit stabiler Erkrankung.

    Für EBV als krankheitsförderndes Agens sprechen nach Auffassung der Wissenschaftler auch andere Forschungsdaten. So sei erst vor kurzem festgestellt worden, daß sich durch eine antivirale Therapie mit Aciclovir Exazerbationen bei MS-Kranken deutlich verringern ließen.

    Viren irritieren das Immunsystem

    Multiple Sklerose gilt als eine Autoimmunkrankheit, die von T-Zellen verursacht wird, die sich gegen das Myelin-Protein um die Nervenfasern richten. Diese auto-aggressiven T-Zellen können in Experimenten auch von viralen und bakteriellen Peptiden stimuliert werden.

    Forscher vermuten daher, daß solche T-Zellen bei der Immunabwehr gegen Fremd-Peptide entstehen. Gefährlich könnten dabei besonders latente Infektionen wie mit Epstein-Barr-Virus (EBV) sein: Sie provozieren ständig eine Immunantwort. Als Folge könnten sich die T-Zellen stark vermehren, die Fremd-Peptide erkennen und zugleich auto-aggressiv sind.

    Unklar ist jedoch, warum dies trotzdem nur selten zu einer Autoimmunkrankheit führt. Entscheidend könnten hierbei auch individuelle Unterschiede bei T-Zell-Rezeptoren und Erkennungsmolekülen von Antigen-präsentierenden Zellen sein. Als weitere exogene Auslöser von Multipler Sklerose werden auch Herpes Simplex Viren diskutiert.

    Quelle:
    11.06.2000 -- Ärzte Zeitung Online - die einzige Tageszeitung zur Gesundheit


    09.06.2000 Frühe Interferon-Therapie ist bei MS entscheidend

    Rostock (nke). Patienten mit schubförmig verlaufender MS sollten so früh wie möglich mit der maximal verträglichen Dosis Beta-Interferon (IFN-ß) behandelt werden. Dieses Fazit zieht Professor Mark S. Freedmann aus Ottawa in Kanada aus der PRISMS-Langzeitstudie. Die Studie belege eine konsistente Wirksamkeit von IFN-ß-1a in wöchentlichen Dosen von dreimal 22 Mikrogramm (µg) und dreimal 44 µg über einen Zeitraum von vier Jahren. Dabei habe sich die höhere Dosis als überlegen erwiesen.

    In allen wichtigen Endpunkten wie Schubzahl, Progression der Behinderung sowie Aktivität und Läsionsbelastung im MRT war die höhere Dosierung des Beta-Interferons wirksamer, wie Freedmann bei einem Symposium in Rostock gesagt hat. Im Vergleich mit Placebo hätten beide Interferon-Dosierungen in den ersten zwei Studienjahren bessere Ergebnisse erbracht. So habe das Schubrisiko mit dreimal 22µg IFN-ß-1a im Vergleich zu Placebo um 27 Prozent und mit dreimal 44 µg IFN-ß-1a um 33 Prozent abgenommen, die Zeit bis zum ersten Schub habe um drei beziehungsweise fünf Monate zugenommen. Darüber hinaus habe die Interferon-Therapie die Progredienz der Behinderung verzögert.

    Nach zwei Jahren Therapie wurden die mit Placebo behandelten Patienten ebenfalls auf IFN-ß-1a, dreimal 22 µg oder dreimal 44 µg pro Woche, eingestellt, wie Freedmann bei der von dem Unternehmen Serono unterstützten Veranstaltung gesagt hat. Die bereits mit Interferon behandelten Patienten behielten ihre Medikation bei. Im Vergleich zu Patienten, die zu Studienbeginn die aktive Therapie erhalten hatten, schnitten die ursprünglich mit Placebo behandelten Patienten hinsichtlich des Therapieerfolgs nach vier Jahren zwar insgesamt schlechter ab. Aber auch sie profitierten von der Therapie, so Freedmann. Die Schubrate sei bei Placebo-Patienten nach Umstellung auf Interferon um mehr als 50 Prozent gesunken. Allerdings hatten Patienten mit früher Therapie nach Angaben von Freedmann weniger Schübe, eine längere Zeit bis zum zweiten Schub, eine längere Dauer bis zur Krankheitsprogression, eine allgemein geringere Krankheitsprogression und weniger Läsionen im MRT verglichen mit Patienten, bei denen die Therapie verzögert einsetzte.

    Stichwort PRISMS

    Das Akronym PRISMS steht für Prevention of Relapses and Disability by Interferon- ß-1a Subcutaneously in Multiple Sclerosis. In der Multicenter-Studie wurden Wirksamkeit und Verträglichkeit von Interferon beta (IFN-ß-1a) sowie der Einfluß von frühem oder späten Behandlungsbeginn untersucht. Hierzu wurden 560 Patienten mit schubförmiger MS und einem EDSS (Expanded Disability Status Skala) von 0 bis 5 ausgesucht und initial auf wöchentlich 3 x 22 µg, 3 x 44 µg IFN-ß1a subkutan oder Placebo randomisiert. Nach zwei Jahren erhielten auch die Placebo-Patienten Interferon beta. Alle Studiengruppen wurden zwei weitere Jahre beobachtet.

    Quelle:
    09.06.2000 -- Ärzte Zeitung Online - die einzige Tageszeitung zur Gesundheit


    08.06.2000 Alternative Therapiemethoden bei MS sind kein Ersatz zur Schulmedizin

    Rostock (nke). Viele Patienten mit Multipler Sklerose (MS) sehen in alternativen Therapien eine Chance, die sie zusätzlich zur Schulmedizin nutzen möchten. Nach Angaben von Professor Berthold Schalke aus Regensburg setzen mehr als 70 Prozent der MS-Kranken auch alternative Verfahren ein, um aktiv an der Krankheitsabwehr mitzuwirken.

    Problematisch ist, wie Schalke beim 2. Ostsee-Symposium "Klinische Neuroimmunologie" in Rostock berichtet hat, wenn die ärztlich verordnete Therapie abgesetzt wird und der behandelnde Arzt davon nichts erfährt. Grundsätzlich sollte man von gefährlichen und teuren Therapien abraten und harmlose Therapie tolerieren. Die Wirksamkeit der Maßnahmen sei in der Regel nicht belegt.

    Gerade in der letzten Zeit werde die Frischzellentherapie wieder ganz massiv auf den Markt gebracht, sagte Schalke auf der vom Unternehmen Serono unterstützten Tagung. Die Injektion von aus Schafembryonen gewonnenen Zellen sei bislang verboten gewesen, jetzt aber wegen eines Formfehlers wieder zugelassen. Das Verfahren zählt nach Aussage von Schalke zu den gefährlichen und teuren Therapien. Durch Injektion der Tierzellen könne es zu schwer bis tödlich verlaufenden Überempfindlichkeitsreaktionen kommen. Auch an die potentielle Gefahr durch Übertragung des BSE-Erregers müsse gedacht werden. Bisher lägen zur Wirksamkeit nur Erfahrungsberichte vor. Das Verfahren werde, so Schalke, als placebowirksam eingestuft.

    Gewarnt werden muß nach seiner Ansicht auch vor der Schweinehirn-Implantation in die Bauchdecke. Dieses Verfahren habe schon zu Todesfällen geführt und könne einen Krankheitsschub auslösen. Mögliche Komplikationen seien außerdem Schock, Sepsis oder allergische Enzephalitis. Der Verwendung von Thymus-Extrakt habe keinen Effekt auf den Verlauf der MS, könne aber wie die Frischzellentherapie zu Überempfindlichkeitsreaktionen, Infektionen und lokalen Reizungen führen. Ebenfalls problematisch wegen des Allergie- und Infektionsrisikos sei die Immunaugmentation, da hierbei humane Serumpräparationen verwendet würden. Die Wirksamkeit des Verfahrens ist nach Darstellung von Schalke nicht erwiesen.

    Die Therapie mit eiweißspaltenden Enzymen wie Wobenzym® oder Wobe-Mugos® in Tablettenform ist nach Aussage des Experten ungefährlich. Die positive Wirkung von Enzymen auf den Verlauf der Erkrankung sei zwar nicht belegt. Aber sie schade nicht, sei nicht so teuer und könne daher, so Schalke, toleriert werden. Beta-Interferon sei aber in jedem Falle die bessere Therapie. Schalkes Fazit: "Alternative Behandlungsmethoden sind keine Alternative, und sie dürfen nicht als Ersatz zur Schulmedizin verwendet werden."

    Quelle:
    08.06.2000 -- Ärzte Zeitung Online - die einzige Tageszeitung zur Gesundheit


    07.06.2000 MS Patienten haben neue Therapie in erster Studie gut vertragen

    San Francisco (sim). Die erste klinische Studie zur Verträglichkeit komplexierter Gewebeantigene bei einer Immunkrankheit ist erfolgreich verlaufen. Bei der sekundär progredienten Form der Multiplen Sklerose waren die Nebenwirkungen der Testsubstanz AG284 ähnlich gering wie bei Placebo. Diese neue Behandlung müsse deshalb bald auf ihre klinische Wirksamkeit untersucht werden, fordert Donald E. Goodkin von der University of California in San Francisco.

    Mit AG284 soll das 20 Jahre alte Konzept der induzierten T-Zell-Toleranz in die klinische Praxis umgesetzt werden, erläutern Goodkin und seine Kollegen in der Fachzeitschrift Neurology (54, 2000, 1414). Demnach können T-Zellen lernen, bestimmte Antigene zu tolerieren, wenn diese in isolierter Form präsentiert werden. MG284 ist ein solches Antigen, das von Forschern des kalifornischen Unternehmens Anergen speziell für die Anwendung bei Multipler Sklerose entwickelt worden ist. MG284 besteht zu gleichen Teilen aus dem Bruchteil eines Proteins der Myelinscheide sowie aus dem Molekül HLA-DR2, das etwa 60 Prozent aller MS-Patienten auf den Oberflächen ihrer Zellen tragen.

    Bei der nun publizierten, randomisierten, multizentrischen Dosis-Eskalationsstudie war AG284 25 Patienten mit sekundär-progredienter MS infundiert worden. Acht andere Patienten bekamen statt dessen Placebo. Die Teilnehmer erhielten drei Infusionen pro Woche, bei Dosen zwischen 0,6 und 150 Mikrogramm je Kilogramm Körpergewicht.

    In der dreimonatigen Nachbeobachtungszeit bekamen sechs der 25 Verum-Patienten - 24 Prozent - eine Exazerbation im Vergleich zu drei von acht Placebo-Empfängern - 37,5 Prozent. Eine Dosis-Wirkungsbeziehung war nicht festzustellen, doch berichten die Wissenschaftler, daß die neun Patienten mit den drei höchsten AG284-Dosen keine Exazerbationen hatten. Nebenwirkungen, die bei jeweils vier oder mehr Patienten festgestellt wurden, waren Hypertonie, Harnwegsinfektionen, Kopfschmerzen und Schmerzen an der Injektionsstelle. Es gab weder Studienabbrüche, noch kam es zu Klinikeinweisungen.

    Zu den sekundären Zielparametern der Untersuchung zählten Veränderungen des EDSS-Score, mit dem die Behinderungen MS-Kranker eingestuft werden können, und im Kernspin meßbare Läsionen. Bei keinem dieser Prüfwerte ergaben sich signifikante Unterschiede zwischen Verum- und Plazebogruppe, schreiben Goodkin und seine Kollegen.

    Daß keine der Analysen eine klinische Wirksamkeit von AG284 belegt, habe man wegen der geringen Zahl der Teilnehmer erwartet. "Weil aber AG284 in dieser Studie gut toleriert wurde, glauben wir, daß es ausreichend Gründe für einen Phase-II-Versuch mit dieser Substanz gibt."

    Quelle:
    07.06.2000 -- Ärzte Zeitung Online - die einzige Tageszeitung zur Gesundheit


    10.05.2000 Narkolepsie Mittel hilft gegen chronische Müdigkeit bei MS

    San Diego (sim). Das in Deutschland für die Behandlung bei Narkolepsie zugelassene Medikament Vigil®, das den Wirkstoff Modafinil enthält, kann möglicherweise eine der häufigsten Beschwerden von Patienten mit Multipler Sklerose (MS) lindern: die chronische Müdigkeit. In einer Studie mit 72 Patienten reduzierte Modafinil in einer Dosierung von täglich 200 Milligramm hochsignifikant die Meßwerte auf drei verschiedenen Skalen zur Beurteilung der Symptomatik.

    Kottil Rammohan von der Ohio State University in Columbus im US-Staat Ohio hat auf der Jahrestagung der American Academy of Neurology in San Diego von der Studie berichtet. Darin hätten viele Patienten von Modafinil profitiert, bei denen zuvor andere Arzneien erfolglos gewesen seien. Alle Studienteilnehmer erhielten in den ersten beiden Wochen Placebo, dann zwei Wochen lang täglich 200 mg Modafinil, gefolgt von täglich 400 mg für weitere zwei Wochen und dann erneut für drei Wochen Placebo.

    Bei 85 Prozent der Patienten hätten sich die Beschwerden nach der Umstellung von Placebo auf Verum gebessert, so Rammohan. Nach der ersten Umstellung verringerten sich die Werte auf der "Fatigue Severity Scale" hochsignifikant von 49,4 auf 42,4. Auf der zehn Punkte umfassenden "visuell-analogen Globalen Fatigue-Skala" (VAFS) besserten sich die Werte von im Mittel 5,5 auf 4,3 und auf der Modified Fatigue Impact Scale von 46,2 auf 37,2. "Diese Daten legen nahe, daß Modafinil die Standardbehandlung gegen Fatigue bei MS-Patienten werden könnte", sagte Rammohan. Als unerwünschte Wirkungen wurden vorwiegend Kopfschmerzen und Nervosität beobachtet, die bei der 400-mg-Dosierung zu vier Therapieabbrüchen führten.

    Quelle:
    10.05.2000 -- Ärzte Zeitung Online - die einzige Tageszeitung zur Gesundheit


    09.05.2000 Guidelines für verlaufsmodulierende MS Therapeutika

    Der wissenschaftliche Beirat der amerikanischen MS-Gesellschaft (National Multiple Sclerosis Society) hat folgende Empfehlung für den Einsatz von verlaufsmodulierenden MS-Therapien (b-Interferone und Copolymer) herausgegeben

    Nach gesicherter Diagnose und definiertem schubförmigem Verlauf soll möglichst rasch mit einer verlaufsmodulierenden Therapie gestartet werden.

    Die Verschreibung einer verlaufsmodulierenden Therapie soll nicht durch die Schubrate, das Alter oder der Behinderungsgrad des Patienten limitiert werden.

    Der Nutzen der Therapie soll in einer Evaluationsphase beurteilt werden, während dieser Phase soll die Therapie nicht gestoppt werden.

    Die Therapie soll weitergeführt werden, ausser der Patient spricht eindeutig nicht auf die Therapie an, es treten untolerierbare Nebenwirkungen auf, neue Erkenntnisse würden gegen den Einsatz einer Therapie sprechen oder eine bessere Therapie steht zur Verfügung.

    Die Kosten dieser Therapien sollten von den Krankenversicherer übernommen werden, denn so können Arzt und Patient auf einer individuellen Basis entscheiden, welche Therapie am besten geeignet ist.

    Der Wechsel von der einen zur anderen Therapie sollte möglich sein

    Aus medizinischer Sicht sind nur sehr wenige Kontraindikationen für diese Therapien bekannt.

    Quelle:
    09.05.2000 -- medpoint.ch -- The Portalsite of the Swiss Health community!


    06.05.2000 Reduktion tierischer Fette bessert den Verlauf von MS

    Rostock (nke). Möglichst wenig Fette tierischer Herkunft essen und stattdessen Fischöl sowie Pflanzenöl mit reichlich mehrfach ungesättigten Fettsäuren bevorzugen - das ist kurzgefaßt die wichtigste Ernährungs-Empfehlung für Patienten mit Multipler Sklerose (MS). Nach Angaben von Privatdozent Dr. Jürgen Mertin aus Bad Winsheim spricht einiges dafür, daß die mit der Nahrung zugeführten Fettsäuren tierischer Herkunft als Vorläufer von Entzündungsmediatoren, den Prostaglandinen, den Krankheitsverlauf beeinflussen.

    Essentielle Fettsäuren wie Linolsäure, Alpha- und Gamma-Linolensäure sowie Eicosapentaensäure, die nur in hochwertigen Pflanzenölen und Fischöl enthalten sind, werde ein protektiver Effekt zugesprochen, sagte Mertin. Sie unterdrückten die Bildung entzündungsfördernder Prostaglandine. Arachidonsäure, die ausschließlich über tierische Fette aufgenommen wird, verstärkt dagegen die Bildung dieser Entzündungsmediatoren, wie Mertin beim 2. Ostsee-Symposium Klinische Neuroimmunologie in Rostock gesagt hat.

    Mehrere Studien bei MS-Patienten haben den positiven Effekt einer linolsäurereichen Ernährung auf den Krankheitsverlauf nachgewiesen. Im Vergleich zu Patienten, die eine Diät mit einfach ungesättigten Fettsäuren erhielten, habe die erhöhte Zufuhr von Linolsäure die Krankheitsschübe abgeschwächt und verkürzt. Vor allem Patienten im frühen Krankheitsstadium könnten von den immunmodulatorischen Effekten profitieren.

    Am meisten hat sich der norwegische Arzt Dr. R. Swank mit der Krankheitsmodulation durch Verminderung der Nahrungsfette tierischer Herkunft befaßt. Wichtigste Maßnahme der Swank-Diät ist die strikte Begrenzung tierischer und gesättigter Fette auf unter 20 Gramm pro Tag. Stattdessen sollten MS-Kranke vier bis maximal 10 Teelöffel hochwertiges Öl und täglich einen Löffel Lebertran oder ein entsprechendes Präparat zu sich nehmen. Swank habe, so Mertin, 150 Patienten, die diese Diät einhielten, 38 Jahre lang beobachtet. Die Patienten hatten weniger Schübe und einen besseren Verlauf der MS als Patienten ohne Diät.

    Aufgrund dieser Daten hat die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Ernährungsempfehlungen für MS-kranke Patienten herausgegeben (http://www.dmsg.de/presse_ernaehrungsratschlag-1199/htm). Die Modifikation der Fettzufuhr steht im Vordergrund. Zudem wird eine vegetarisch betonte Ernährung mit viel Ballaststoffen, viel Fisch und wenig zukkerhaltigen Lebensmitteln empfohlen.

    Quelle:
    05.06.2000 -- Ärzte Zeitung Online - die einzige Tageszeitung zur Gesundheit


    06.05.2000 Impfungen sind bei MS kein Problem

    Rostock (nke). Impfungen sind bei Patienten mit Multipler Sklerose kein Problem. Nach Angaben von Dr. Eilhard Mix von der Neurologischen Universitätsklinik in Rostock gibt es keine Hinweise dafür, daß eine Impfung die Erkrankung triggert oder induziert. Die Impfindikationen für MS-Kranke unterschieden sich nicht von denen für gesunde Personen. Auch während einer immunmodulatorischen Therapie mit ß-Interferon sei die Impffähigkeit nicht eingeschränkt.

    Einzige Einschränkung: Während einer immunsuppressiven Therapie sind Lebendimpfstoffe kontraindiziert. Außerdem sollte hier der Impferfolg kontrolliert werden, wie Mix beim 2. Ostsee-Symposium Klinische Neuroimmunologie in Rostock gesagt hat.

    Patienten, die eine immunsuppressive Therapie erhalten oder mit hochdosierten Immunglobulinen i. v. behandelt werden, sollten daher an spezialisierte Zentren überwiesen werden, wie Privatdozent Dr. Uwe Zettl aus Rostock ergänzt hat.

    Grundsätzlich sollte man MS-Patienten nicht von einer Impfung abraten, sagte Mix bei der von Serono Pharma unterstützten Veranstaltung. Denn die Erkrankung könne ungünstiger für den Verlauf der MS sein als die Impfung, wie eine Studie zu Influenza bei MS-Kranken ergeben habe. Danach löse eine Influenza-Erkrankung wesentlich öfter einen Schub aus als die Impfung.

    Auch gibt es keine Hinweise, daß Impfungen eine MS induzieren können. Eine Metaanalyse mit über 100 000 Personen habe ergeben, so Mix, daß Menschen, die gegen Hepatitis B geimpft worden sind, nicht häufiger an MS erkranken als nicht geimpfte Personen.

    DNA-Vakzine und Plasmide, die Impfstoffe der Zukunft, könnten aber möglicherweise problematisch sein. Bei Tieren mit experimentell-allergischer Enzephalomyelitis (EAE), dem Tiermodell für MS, wirkten sich DNA-Vakzine und Plasmide zwar meist günstig aus. Aber einmal habe eine Bakterien-DNA eine EAE ausgelöst. Mix rät daher zur Vorsicht mit neuen Formen von Impfstoffen bei MS-Patienten.

    Quelle:
    05.06.2000 -- Ärzte Zeitung Online - die einzige Tageszeitung zur Gesundheit


    20.04.2000 Verschlechterung kognitiver Funktionen bei Multipler Sklerose

    Die multiple Sklerose (MS) ist durch eine Vielfalt neurologischer Symptome gekennzeichnet, einschliesslich kognitiver Ausfälle. In der klinischen Praxis wird geschätzt, dass etwa 50% aller MS-Patienten Veränderungen kognitiver Funktionen durchmachen. Es wird angenommen, dass das Gedächtnis, die Informationsverarbeitung und das Denken die am meisten bedrohten Funktionen darstellen.

    Neuere Untersuchungen haben jedoch gezeigt, dass andere Aspekte, wie zum Beispiel die Sprachfunktion, ebenfalls beeinträchtigt sein können. Es hat sich erwiesen, dass bei MS-Patienten mit einer festgestellten Verschlechterung der kognitiven Funktionen die Gefahr einer weiteren progredienten Beeinträchtigung dieser Funktionen besteht.
    Es ist jedoch unmöglich vorauszusagen, ob und in welchem Stadium des Krankheitsverlaufs ein Patient mit MS kognitive Probleme erleben wird. Da Veränderungen der kognitiven Funktionen die Lebensqualität des Patienten stark beeinträchtigen können, sollte alles versucht werden, die Auswirkungen dieser Veränderungen zu vermindern.

    Quelle:
    20.04.2000 -- medpoint.ch -- The Portalsite of the Swiss Health community!


    20.04.2000 Verfahren zur Remyelinisierung bei Multipler Sklerose

    Bei multipler Sklerose könnte theoretisch die Wiederherstellung der Myelinscheiden bei entmyelinisierten Achsenzylindern durch eine Transplantation myelinbildender Zellen oder durch Stimulierung einer spontanen Remyelinisierung sowie die Erzeugung menschlicher Zellen mit Potential zur Remyelinisierung weisen eine neue Richtung für die klinische Behandlung.

    Wichtig ist, dass beim Übergang vom Labor zur Klinik die Biologie der Remyelinisierung und die Ergebnisse experimenteller Untersuchungen berücksichtigt werden, da zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht geklärt ist, ob eine klinisch signifikante Remyelinisierung erreicht werden kann.

    Quelle:
    20.04.2000 -- medpoint.ch -- The Portalsite of the Swiss Health community!


    20.04.2000 Über die Bedeutung der axonalen Degeneration

    In einer Studie von Trapp et al. [1] konnte mittels konfokalem Mikroskop und der Anwendung von Antikörpern gegen Neurofilament, dass eine axonale Unterbrechung oder Transsektion ein relativ häufiges Phänomen darstellt. In den Läsionen konnten sie axonale Ovoide darstellen, es handelt sich dabei um abgebrochene Axone.

    Dieses Phänomen einer axonalen Degeneration in MS-Plaques hat tiefgreifende Implikationen. Erstens wäre das sicher ein Grund zum Früheinsetzen einer Therapie zu Beginn der Krankheit, d.h. bevor irreversible Schäden zustande gekommen sind. Zweitens könnten dies axonalen Schäden bei der Multiplen Sklerose auch eine Erklärung dafür sein, warum gewissen Patienten einen irreversiblen Verlauf ohne Remission zeigen.
    [1] Trapp BD et al. N Engl J Med 1998; 338: 278-285

    Quelle:
    20.04.2000 -- medpoint.ch -- The Portalsite of the Swiss Health community!


    20.04.2000 Pathologie der Axone bei Multipler Sklerose und bestehender Behinderung

    Es ist allgemein anerkannt, dass im Endstadium der multiplen Sklerose ein Axonverlust stattfindet.

    Da sich die Axone im Fasergeflecht des Zentralnervensystems nur sehr gering regenerieren (wenn überhaupt), ist wahrscheinlich der Axonverlust für die dauerhaften klinischen Ausfälle bei MS verantwortlich.

    Die Schlüsselfrage ist darum nicht, ob bei MS eine Axondegeneration auftritt, sondern zu welchem Zeitpunkt im Krankheitsverlauf dieses geschieht. Wenn der Axonverlust bereits im Frühstadium der Krankheit auftritt und nicht nur Folge langanhaltender Demyelinisierung ist, würde dies für Therapien sprechen, die die pathologischen Vorgänge bereits im Frühstadium der Erkrankung verhindern helfen.

    Quelle:
    20.04.2000 -- medpoint.ch -- The Portalsite of the Swiss Health community!


    20.04.2000 Neue Therapieansätze

    Eine Verbesserung des therapeutischen Effekts durch Kombination verschiedener Medikamente wäre denkbar.

    So könnte durch Kombination von Interferon-beta mit Azathioprin oder Methotrexat ein additiver Effekt erzielt werden. Copaxone und Interferon-beta könnten sich in der Wirkungsweise ergänzen, wobei die hierzu in vitro gewonnenen Ergebnisse nicht eindeutig sind.

    Zu bedenken sind immer die eventuelle Zunahme von Nebenwirkungen und negativer Interaktionen der Substanzen. Neuere Immunmodulatoren mit gezielterem Eingriff in die Immunregulation - wie z.B. alterierte Peptidliganden - werden aktuell in klinischen Studien untersucht. Substanzen zur Förderung der Remyelinisierung sind bisher noch Gegenstand der experimentellen Forschung.

    In der Behandlung von Schüben könnte der Einsatz von Metalloproteaseinhibitoren eine Verbesserung bringen.

    Quelle:
    20.04.2000 -- medpoint.ch -- The Portalsite of the Swiss Health community!


    20.04.2000 MS Genetik - Neue biotechnologische Methoden für strukturelle
                         und funktionelle Ansätze


    Die jüngsten technologischen Entwicklungen werden die Genetikforschung bezüglich multifaktorieller Erkrankungen einschliesslich der Multiple Sklerose in naher Zukunft verändern. Mit der Zeit könnten diese Methoden zu einer Verbesserung des Monitorings von Krankheitsaktivität und Therapieansprechen führen.

    Die Mehrzahl der neuen Verfahren beruht auf "DNA Microarrays" oder "DNA Chips". Das Entscheidende bei Microarrays ist eine Verkleinerung bis zur Miniatur. Wie bei den Northern und Southern Blotting-Methoden stützen sich Microarrays auf eine Hybridisierung . Anstelle einer heterogenen Probe werden jedoch multiple und definiert komplementäre Desoxyribonukleinsäuren (cDNAs) oder Oligonukleotide an bestimmten Stellen auf den sogenannten "Chips" angeordnet.

    Als Folge davon können Variationen in der Bindungsaffinität gleichzeitig gemessen werden. Diese Verfahrensart hat verschiedene wichtige Verwendungen bei der strukturellen Genetik gefunden. Darüberhinaus hat sie einen neuen, als "funktionelle Genomik" bezeichneten Forschungsbereich eröffnet, wodurch die Möglichkeit zur globalen und dynamischen Erfassung der Genexpression geschaffen.

    Quelle:
    20.04.2000 -- medpoint.ch -- The Portalsite of the Swiss Health community!


    20.04.2000 Klinische Studien mit intravenösem Immunglobulin bei Multipler Sklerose

    Kürzlich wurde in drei plazebokontrollierten Doppelblindstudien die Wirksamkeit wiederholter intravenöser Infusionen von Immunoglobulin (IVIg) bei Patienten mit schubförmig-remittierender multipler Sklerose (MS) untersucht.

    In der österreichischen Studie wurde eine günstige Wirkung von Immunglobulin auf die Krankheitsprogression bei 24% der MS-Patienten nachgewiesen und es traten nur noch annähernd die Hälfte der Schübe auf, verglichen mit Plazebo. In einer kleineren, in Israel durchgeführten Untersuchung war unter IVIg die jährliche Schubrate signifikant reduziert und die Anzahl schubfreier Patienten signifikant erhöht. Schliesslich bestätigten Sorensen et. al. in einer Studie mit sehr hoher Dosierung und dem Einsatz der seriellen kontrastverstärkten MRT, dass die Krankheitsaktivität unter IVIg signifikant verringert ist.

    Auch wenn die Anzahl erfolgreich behandelter Patienten noch klein ist, Langzeit-MRT-Daten noch fehlen und die bisher eingesetzten unterschiedliche Dosierungsschemata noch keine endgültigen Behandlungsempfehlungen zulassen, sind diese Ergebnisse doch ein starker Ansporn für weitere Studien mit IVIg als alternative Behandlung bei MS.

    Quelle:
    20.04.2000 -- medpoint.ch -- The Portalsite of the Swiss Health community!


    20.04.2000 Ausblick auf zukünftige Therapieverfahren

    Die derzeitigen zur Behandlung der Multiplen Sklerose zugelassenen Medikamente (Beta-Interferone) und Glatiramer sind teilwirksam, wobei bislang eindeutige response-Marker nicht identifiziert sind.

    Es ist zu erwarten, daß bald auch in Europa Mitoxantron als erstes Immunsuppressivum zur Therapie der MS (schubförmige Form mit zunehmendem Defizit, sekundär progrediente Form) zugelassen wird. Studien mit einer Reihe potentiell sehr interessanten Substanzen mußten wegen ernster Nebenwirkungen abgebrochen werden (z.B:. Linomide, TGF-ß) oder konnten keine therapeutische Wirksamkeit zeigen (orales bovines Myelin, rek. TNF- bindendes Protein).

    Weiterhin werden Agentien untersucht, die die vermutete gestörte TH1/TH2-Zytokinbalance normalisieren. Auch gibt es verschiedene Zugänge, die den Einstrom potentiell autoaggressiver T-Lymphozyten und anderer Entzündungszellen in das ZNS behindern (Antikörper gegen Adhäsionsmoleküle, Bindungsantagonisten, MMP-Inhibitoren, Chemokinrezeptor-Antagonisten).

    Antigenspezifische Therapien erscheinen derzeit nicht realistisch. Die Aktivierung autoreaktiver T-Lymphozyten könnte aber durch Blockade costimulatorischer Signale unterdrückt und die Zellen der Apoptose zugeführt werden (Anti-B7, AntiCD40-CE40L).

    Neue Therapiestrategien werden insbesondere auch darauf abzielen, die bereits frühzeitig einsetzende axonale Schädigung zu verhindern. Hier werden Substanzen eingesetzt, die einen vermehrten Calziumeinstrom reduzieren, Sauerstoffradikale inaktivieren oder die Wirkung von exzitatorischen Aminosäuren blockieren.

    Es ist zu hoffen, daß eine weitergehende Aufklärung der Heterogenität der Erkrankung und ihrer zugrundeliegenden Mechanismen sowie die Identifizierung subtypen- und krankheits-aktivitätsbezogener Marker dazu beitragen wird, eine gezieltere und effektivere Therapie im Einzelfall einzusetzen.

    Literatur:
    Noseworthy, J.H., R. Gold and H.-P. Hartung (1999) Editorial Review: Treatment of multiple sclerosis: recent trials and future perspectives.Current Opinion in Neurology 12: 279-293.

    Quelle:
    20.04.2000 -- medpoint.ch -- The Portalsite of the Swiss Health community!


    15.04.2000 Gezielte Therapie für Multiple Sklerose

    Am internationalen Multiple-Sklerose-Symposium in Basel (8. April 2000, a.d.R.) stellten Wissenschafter neue Untersuchungsmethoden vor, mit deren Hilfe sich die Nervenkrankheit gezielter therapieren lässt.


    Basel.
    Vergleicht man die Nervenbahnen eines Menschen mit Stromkabeln, wird schnell einmal klar, weshalb die Multiple Sklerose (MS) zu Bewegungsstörungen und Lähmungen führt. Denn ein Stromkabel muss isoliert sein, um Impulse weiterleiten zu können - je löchriger die isolierende Hülle, desto unsicherer die elektrische Übertragung. Genau dies ist bei MS der Fall: Myelin, ein fettähnlicher Stoff, der die Nervenbahnen umhüllt, entzündet sich, schwillt an und stirbt schliesslich ab. Als Folge davon erhalten die Muskeln Befehle des Gehirns nur unvollständig oder gar nicht, es kommt zu Seh- und Sprachstörungen sowie Lähmungen.
    Die bis heute unheilbare Nervenkrankheit tritt schubweise auf; zu den typischen Bewegungsstörungen hinzu kommen schleichende Veränderungen wie eine schrumpfende Hirnmasse, verlangsamte Informationsverarbeitung und nachlassende intellektuelle Fähigkeiten. Neue Untersuchungsverfahren, die vergangenen Samstag im Rahmen des von der Neurologischen Universitätsklinik Basel organisierten internationalen MS-Symposiums vorgestellt wurden, können diese so genannten subklinischen Abnormitäten schon früh aufzeigen. Damit erhoffen sich die Wissenschafter eine bessere Überwachung des Krankheitszustands und grösseren Therapieerfolg.
    So sollen mit Hilfe einer neuen Magnet-Resonanz-Spektroskopie (MRS) - ein Verfahren, das die chemische Zusammensetzung des Gehirns und damit die Dichte der Nervenfasern misst - Schädigungen und Verlust von Axonen besser quantifiziert werden können. «Die konventionelle MRS zeigte nur die Spitze des Eisbergs. Mit der neuen Methode können wir direkte Rückschlüsse auf das Ausmass der geschädigten Axone ziehen», sagte der Neurologe Paul M. Matthews von der Universität Oxford. Überraschenderweise haben nun Untersuchungen gezeigt, dass nicht nur in akuten und chronischen MS-Herden geschädigte Nervenfasern vorhanden sind, sondern auch in der weissen Substanz ausserhalb der betroffenen Zonen. Dieser diffuse Verlust in der weissen Substanz, so Matthews, könne teilweise mit degenerativen Auswirkungen bereits geschädigter Bereiche erklärt werden.
    Der fortschreitende und endgültige Verlust von Nervenfasern führt zu einem Verlust an Hirnvolumen. Elizabeth Fisher, Assistenzprofessorin an der Radiologieabteilung der Cleveland Clinic in Ohio/USA, beschrieb eine einfache Methode, den Hirnschwund schon in einem sehr frühen Krankheitsstadium zu messen. Das von ihr entwickelte Bildanalyseverfahren kann die Schrumpfung des Hirnvolumens von rund 0,3 Prozent im Jahr exakt reproduzieren. Fisher konnte nun zeigen, dass Hirnschwund schon auftritt, bevor sich die Krankheit durch ihre typischen Symptome bemerkbar macht. Eine klinische Studie ergab, dass der Hirnschwund bei MS-Betroffenen durch medikamentöse Behandlung mit Interferon-Beta verlangsamt werden kann. Gerade bei Patienten, bei denen sich keine klinischen Schübe bemerkbar machten, so Fisher, bewähre sich das Sichtbarmachen der abnehmenden Hirnmasse. Denn auf diese Weise könne das Fortschreiten von MS beobachtet und die Krankheit gezielter therapiert werden. Auch Peter Fuhr von der Neurologischen Universitätsklinik Basel beschrieb ein Testverfahren, das das Aufspüren geschädigter Hirnareale verbessert. So können mit elektrophysiologischen Untersuchungen klinisch stumme Läsionen gefunden werden.

    Das Symposium in Basel zeigte, dass vermehrt ein interdisziplinärer Ansatz gesucht wird, um MS optimal behandeln zu können. Neuropsychologische Tests etwa sollen Aufschluss geben über nachlassende intellektuelle Fähigkeiten.

    Ein neues Feld für MS-Spezialisten: Lange Zeit glaubte man, dass kognitive Störungen wie Informationsverarbeitung, Gedächtnisstörungen und Orientierungsschwierigkeiten bei MS-Patienten spät und selten auftreten. Neue Studien haben jedoch gezeigt, dass kognitive Störungen bei rund der Hälfte aller MS-Betroffenen vorkommen. Diese Beeinträchtigungen verschlechterten sich im Laufe der Krankheit und erschwerten den Alltag und die Arbeitsfähigkeit der Betroffenen, so die nordamerikanische Neuropsychologin Jill Fisher. Auch hier zeigte sich, dass Interferon-Beta kognitive Störungen verlangsamen oder sogar stabilisieren kann. «Die grösste Verbesserung gab es bei der Informationsverarbeitung und Gedächtnisleistung», sagte Fisher. Unabhängig davon, ob bereits Bewegungsstörungen oder Lähmungen auftreten, solle man deshalb bei den ersten Anzeichen von nachlassenden intellektuellen Fähigkeiten mit der medikamentösen Behandlung beginnen. Fisher wies darauf hin, dass MS-Betroffene in späteren Krankheitsstadien Mühe hätten, die komplexe medikamentöse Therapie zu befolgen: Interferon wird mehrmals wöchentlich vom Betroffenen selbst gespritzt; dazu kommen weitere Medikamente wie Tabletten gegen Spasmen. Auch Ludwig Kappos, Basler MS-Experte und einer der Organisatoren des Symposiums, unterstrich die Bedeutung, intellektuelle Fähigkeiten zu kontrollieren. Bisher habe man vor allem Bewegungsfunktionen geprüft, um das MS-Stadium zu bestimmen. Ein neuer Messwert, der gegenwärtig getestet werde, berücksichtige zusätzlich auch die intellektuellen Fähigkeiten.

    Basler Zeitung vom 15. April 2000



    14.04.2000 Ultraschall liefert frühzeitig Hinweis auf MS

    Königswinter (ako). In dem Maße, wie bei Patienten mit Multipler Sklerose (MS) Therapien entwickelt werden, die gerade in Frühstadien der Erkrankung effektiv sind, gewinnt auch die Frühdiagnostik an Bedeutung. "Wir müssen die Bevölkerung stärker für Frühsymptome sensibilisieren und möglichst schon subklinische Verläufe bildgebend erfassen", betont Privatdozent Dr. Peter Rieckmann von der Universitätsklinik in Würzburg.

    "Die Diagnose MS wird oft sehr spät gestellt, da die Krankheit in der Bevölkerung wenig bekannt ist und erste Symptome häufig bagatellisiert werden - oder weil Ärzte ihre Patienten vor einer Diagnose mit der Perspektive "Rollstuhl" so lange wie möglich verschonen wollen", hat der Neurologe auf dem Auftaktkongreß zum Jahrzehnt des Gehirns in Königswinter berichtet.

    Schon subklinische Verläufe gingen mit zentralnervösen Läsionen einher. "Die kernspintomograpisch meßbare Krankheitsaktivität ist etwa zehn- bis zwanzigmal höher als das, was wir als Schübe wahrnehmen", so Rieckmann auf dem vom Unternehmen Biogen unterstützen Satellitensymposium zur Multiplen Sklerose. Vor allem im Frühstadium der Entzündung seien diese Läsionen noch reversibel und ließen sich durch medikamentöse Therapie beeinflussen. Eine Demyelinisierung und axonale Schäden könnten jedoch nicht mehr rückgängig gemacht werden.

    Die MS beginnt meistens schubförmig mit Sensibilitätsausfällen, Visusverminderungen oder auch motorischen Störungen. Man spricht üblicherweise von einer MS, wenn innerhalb von zwei Jahren zwei Schübe aufgetreten sind. Da die Schübe aber nur die "Spitze des Eisbergs" darstellten, so Rieckmann, reichten diese Kriterien allein nicht zur Diagnose aus. "Wir müssen auch paraklinische Zeichen wie psychopathologische Symptome als Hinweise hinzuziehen und nach speziellen Auffälligkeiten bei der neurologischen Untersuchung suchen", sagt Rieckmann. Dem sollten sich möglichst bald eine Liquoranalyse und bildgebende Diagnostik anschließen. Im MR, so der Neurologe, seien außer den entzündlichen Herden bereits früh eine Hirnatrophie und eine Reduktion der weißen Substanz nachzuweisen. Außerdem gebe es mit dem transkraniellen Ultraschall ein einfaches Diagnoseverfahren: Über die Zunahme des Ventrikelvolumens kann früh eine Hirnatrophie nachgewiesen werden.

    "Wir sollten die Chance nutzen, daß bei der MS im Unterschied zu anderen degenerativen ZNS-Erkrankungen schon im Frühstadium Veränderungen nachzuweisen sind, die wir mit Präparaten wie Interferonen effektiv angehen können", so Rieckmann.

    Quelle:
    14.04.2000 -- Ärzte Zeitung Online - die einzige Tageszeitung zur Gesundheit


    12.04.2000 Interferon Beta 1a (IFNB) verlangsamt den Verlust der intellektuellen
                         Fähigkeiten signifikant


    Eine diese Woche in der Zeitschrift "Annals of Neurology" veröffentlichte Studie zeigt, dass Interferon beta-1a (Avonex®) den intellektuellen Zerfall im Vergleich zur Plazebogruppe statistisch signifikant reduziert1.

    MS bedingte kognitive Beeinträchtigungen können eine verheerende Wirkung auf das Leben von MS-Betroffenen und ihre Familien haben. Die Arbeitstätigkeit, soziale Kontakte und das Familienleben leiden unter den mentalen Störungen. Für Dr. Dennis Bourdette, Direktor des Multiple Sklerose Zenters in Oregon, bedeutet diese Studie deshalb eine grosse Hoffnung, da er viele Familien aufgrund MS verursachter kognitiver Störungen hat auseinanderbrechen sehen.

    MS ist bekannt als eine Autoimmunerkrankung, die das Zentralnervensystem befällt und zu physischer Behinderung führt. Körperliche Behinderungen wie Lähmungserscheinungen und Muskelschwäche können einen Rollstuhl notwendig machen. Obwohl über 50% der MS-Patienten kognitive Störungen aufweisen2,3,4 wurde dieses Symptom bisher eher vernachlässigt und nicht systematisch untersucht. Dies zu Unrecht, da gemäss Dr. Dennis Bourdette kognitive und nicht physische Behinderung als häufigster Grund für die Aufgabe der Arbeitstätigkeit genannt wird. Bei MS-Patienten sind hauptsächlich die Gedächtnisleistung (Lernen und Speichern von Information/Kurzzeitgedächtnis) und die Geschwindigkeit der Informationsverarbeitung (Konzentration und Denkarbeit) betroffen. Beides wichtige Faktoren für das erfolgreiche Bestehen in der heutigen Arbeitswelt.

    Um den Behandlungseffekt von IFNB auf die kognitiven Funktionen zu untersuchen, wurden im Rahmen der multizentrischen, randomisierten Phase III Studie5 166 Patienten zu Beginn und nach 2 Jahren Behandlung einer umfassenden kognitiven Testbatterie unterworfen. Die Studie zeigt, dass die proaktive Behandlung mit IFNB eine signifikante, positive Wirkung auf die intellektuellen Funktionen der MS Patienten hat. Das Risiko einer Verschlechterung der kognitiven Fähigkeiten wird durch die 1x wöchentliche Behandlung mit IFNB im Vergleich zu Plazebo um 47% reduziert1. Der Effekt ist vor allem bei der Gedächtnisleistung und der Informationsverarbeitung zu sehen. Ein positiver Trend war bei den durch MS ebenfalls betroffenen Fähigkeiten der Problemlösung und räumlichen Orientierung auszumachen.

    Studienleiterin Dr. Jill Fischer führt den positiven Effekt von IFNB auf die kurzfristige antientzündliche Wirkung und die damit einhergehende langfristige Verhinderung von ernsthaften Gewebeschäden. Auch Dr. Dennis Bourdette sieht einen klaren Zusammenhang zwischen der erwiesenen Reduktion der Hirnatrophie durch IFNB6 und dem nun gezeigten Effekt auf die kognitiven Funktionen. Bei denselben Patienten konnte ausserdem das Fortschreiten der körperlichen Behinderung durch die IFNB-Behandlung verlangsamt werden5.

    Frühere Studien haben gezeigt, dass Störungen der intellektuellen Fähigkeiten bei MS-Patienten schon früh auftreten und zu Arbeitslosigkeit, Unfällen, Eheproblemen und Isolation führen2,3. Erstmals konnte mit der vorliegenden Studie demonstriert werden, dass der Verlust an kognitiven Fähigkeiten durch Behandlung mit einem MS-Medikament verringert werden kann. In der Plazebogruppe verschlechtern sich die intellektuellen Funktionen bei fast doppelt so vielen Patienten wie in INFB-Gruppe. Für Dr. Stephen Reingold, Vize-Präsident der Nationalen MS-Gesellschaft in den USA, sind die Resultate dieser Studie deshalb so wichtig, weil der verheerende Effekt der kognitiven Behinderung auf die Lebensqualität der Betroffenen erwiesenermassen durch die Behandlung mit IFNB deutlich reduziert werden kann. Den kognitiven Funktionen sollte deshalb generell mehr Bedeutung zugeteilt werden. Für Dr. Dennis Bourdette ist klar, dass intellektuelle Beeinträchtigungen bei der Diskussion um einen Therapiebeginn mit immunmodulierenden Medikamenten miteinbezogen werden müssen.

    (04.12.00: Zusammenfassung: Dr. Reto Kessler, Dompé-Biogen AG, Zug )

    Referenzen:

    1.Fischer, J.S.; Price, R.L., Jacobs, L.D. et al.,
    Neuropsychological effects of interferon beta-1a in relapsing multiple sclerosis,
    Ann Neurol., 48: 885-892 (2000)
    2. Amato, M.P. et al.,
    Cognitive impairment in early-onset multiple sclerosis,
    Arch Neurol, 52: 168-172 (1995)
    3. Rao, S.M. et al.,
    Cognitive dysfunction in multilple sclerosis: Impact on employment and social functioning,
    Neurology, 41:692-696 (1991)
    4. Lyon-Caen, O. et al.,
    Cognitive function in recent-onset demyelinating diseases,
    Arch Neurol., 43:1138-41 (1986),
    5. Jacobs, L. D.; Cookfair, D. L. et al., (MSCRG)
    Intramuscular Interferon Beta-1a for Disease Progression in relapsing multiple sclerosis
    Ann. Neurol., 39: 285-294 (1996)
    6. Rudick, R.A.; Fisher, E.; Lee, J-C.; Simon, J. and Jacobs, L.,
    Use of the brain parenchymal fraction to measure whole brain atrophy in relapsing-remitting MS,
    Neurology, 53: 1698-1704 (1999)

    Quellen: Ref. 1, USA-Today, www.ohsu.edu, and www.nmss.org )


    06.04.2000 Bericht vom Internationalen Symposium über die Anwendung von
                         Betaferon® in der Behandlung der MS vom 4. März 2000 in Berlin


    von Dr. med. Martin Landolt
    Neurologie FMH
    Neubadstrasse 35
    4054 Basel



    Am 4. März 2000 fand in Berlin ein internationales Symposium über die Anwendung von Betaferon® in der Behandlung der Multiplen Sklerose statt. Es nahmen ca. 350 Neurologen aus ganz Europa teil, die Referenten stammten aus Europa und Nordamerika. Im folgenden eine kurze Zusammenfassung dieses Symposiums.

    Prof. H. Lassmann aus Wien referierte über neue Aspekte in der Pathophysiologie (=Entstehung) der Multiplen Sklerose. Die MS ist bekanntermassen eine chronisch entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, welche zuerst zu einer Zerstörung der Myelinscheiden der Nervenzellen führt. Dieser Entzündungsprozess bewirkt im Schub einen neurologischen Ausfall. Längerfristig ist jedoch die Zerstörung des Nervenzellfortsatzes, des sog. Axons von grösserer Bedeutung, da dadurch das bleibende funktionelle Defizit, d.h. die Behinderung verursacht wird.

    Prof. L. Kappos aus Basel berichtete über zusätzlich durchgeführte Analysen der Daten der bereits publizierten Europäischen Studie über Interferon beta-1b (=Betaferon®) bei der Therapie der sekundär progredienten MS (kontinuierliche Zunahme der Behinderung mit oder ohne überlagerte Schübe). Diese grosse Studie führte zur Zulassung des Medikaments bei dieser Indikation; vorgängig waren Interferone nur bei der primär schubförmigen Verlaufsform zugelassen. Mittels komplexer statistischer Auswertungen konnten die bereits in der ersten Studie erhobenen Befunde erneut bestätigt werden.

    Die Verlangsamung der Behinderungszunahme (in der Studie um 9-12 Monate bei einer Beobachtungszeit von 2-3 Jahren) war unabhängig vom Behinderungsgrad zu Beginn und der Schubanzahl während der Therapie. Auch bei Patienten, die unter Betaferon® eine Progression der Krankheit zeigten, war die Zeit bis zur 2. Verschlechterung immer noch länger als unter Placebo (einem Scheinmedikament), d.h. ein positiver Effekt war trotzdem nachweisbar. Der Anteil der Patienten, die unter Betaferon® schubfrei, ohne Progression und auch im MRI ohne Zunahme der Entzündungsherde blieben, war deutlich höher als unter Placebo. Auch bezüglich neuropsychologischer Defizite wie Gedächtnisstörungen etc. war ein eindeutiger Unterschied auszumachen; Der Zustand unter Betaferon® blieb über 3 Jahre stabil, während es in der Kontrollgruppe mit Placebo zu einer Verschlechterung ab dem 2. Jahr kam. Die mittels Fragebogen ermittelte Lebensqualität nahm in beiden Gruppen mit der Zeit ab, sie war aber unter Betaferon® über die Studienzeit anhaltend besser als unter Placebo. Die Nebenwirkungen waren in etwa gleich ausgeprägt wie bei der schubförmig verlaufenden MS, ausser vermehrter Spastizität, welche häufiger beklagt wurde (sie ist bei der sekundär progressiven Form sowieso häufiger). Die grippeartigen Symptome hörten meist nach 3 Monaten auf oder waren deutlich abgeschwächt. Das Vorhandensein oder das Fehlen von sog. neutralisierenden Antikörpern hatte insgesamt keinen relevanten Effekt auf die Progression; im Verlauf wurden viele zunächst Antikörper-Titer positive Patienten wieder negativ.

    Prof. F. Barkhof aus Amsterdam sprach über MRI-Marker für den Axonverlust und die Bedeutung für die Behandlung. Da wie oben erwähnt dem axonalen Schaden bei der MS im Zusammenhang mit der Behinderung eine grosse Bedeutung zugemessen wird, werden bildliche Marker im MRI zum Nachweis und zur Quantifizierung des Axonverlustes erforscht. Mit bestimmten Untersuchungstechniken kann dieser Axonverlust nachgewiesen werden, wobei eine gewisse Korrelation zur Klinik besteht, aber diesbezüglich auch noch viele Fragen offen bleiben.

    Prof. G. Rice aus Ontario, Kanada berichtete über seine Langzeiterfahrungen mit Betaferon®. Die ersten Patienten in Kanada wurden 1988 mit Betaferon® behandelt, d.h. es gibt jetzt Beobachtungen von über 10 Jahren. Der klinische Effekt auf die Schubrate und die Behinderungszunahme hielt soweit beurteilbar an, wobei hier einschränkend erwähnt werden muss, dass es sich um Behandlungsbeobachtungen und nicht um Studienresultate handelt. Die Verträglichkeit war im Allgemeinen sehr gut, ausser den Hautreaktionen an den Injektionsstellen verschwanden praktisch alle Nebenwirkungen mit der Zeit. Die Nebenwirkungen sind gemäss Prof. Rice Dosis- und nicht Präparate-abhängig. Neutralisierende Antikörper waren nach einem Jahr bei 1/3 der Patienten nachweisbar, wobei davon 60% im weiteren Verlauf auch zumindest einen negativen Antikörper-Test hatten; nach 3 Jahren waren bei weniger als 5% noch Antikörper nachweisbar. Die Schubrate war bei Antikörper-positiven Patienten nicht erhöht. Die Bedeutung dieser Antikörper bleibt letztlich unklar, ein Effekt auf den Langzeitverlauf besteht aber nicht. Zusammenfassend beurteilt Prof. Rice die Betaferon®-Behandlung als gut verträglich und mit über die Zeit anhaltendem klinischem Effekt, was die Wichtigkeit einer frühen und konsequenten, d.h. langfristigen Behandlung unterstreicht.

    Prof. R. Lisak aus Detroit, USA berichtete über eine von Khan et. al. durchgeführte offene Vergleichsstudie, wobei der Effekt von Interferon beta-1a (Avonex®) einmal wöchentlich intramuskulär, Interferon beta-1b (Betaferon®) jeden 2. Tag subkutan und Glatirameracetat (Copaxone®) täglich subkutan bei einer Beobachtungszeit von 12 Monaten auf die Schubrate bei primär schubförmig verlaufender MS verglichen wurde. Es wurden die üblichen Dosierungen dieser Präparate gegeben und die 156 insgesamt wenig behinderten Patienten (EDSS <4) in 3 etwa gleich grosse Gruppen eingeteilt. Eine statistisch signifikante Schubreduktion konnte für Interferon beta-1b und Glatirameracetat nachgewiesen werden, nicht jedoch für Interferon beta-1a einmal wöchentlich intramuskulär. Obwohl diese Studie zahlreiche Einschränkungen hat, gibt sie doch gewisse Hinweise auf den relativen Effekt einzelner Präparate bei wenig behinderten MS-Patienten mit schubförmigem Verlauf. Für die Interferone wird damit einmal mehr die Dosis-Wirkungs-Beziehung unterstrichen.

    PD Dr. P. Rieckmann aus Würzburg referierte über die Indikationen zu einer immunmodulierenden und somit den Krankheitsverlauf beeinflussenden Behandlung. Da nun mehrere Studien einen Effekt in unterschiedlichem Ausmass auf die Schubrate und den Gesamtverlauf der MS gezeigt haben, stellt sich die Frage, welches Medikament bei welchem Patienten zu welchem Zeitpunkt eingesetzt werden soll. Prinzipiell in Frage kommen nebst den Beta-Interferonen das Glatirameracetat (Copaxone®) und das Azathioprin (Imurek®), bei schwereren Verläufen auch stärkere Immunsuppressiva. Da direkte Vergleichsstudien fehlen und die vorhandenen Studien nur bedingt vergleichbar sind, wurden in verschiedenen Ländern sog. Guidelines, d.h. Empfehlungen für die immunmodulierende Behandlung aufgestellt. Diese Guidlines variieren z.T. etwas, da nicht alle Präparate in allen Ländern zugelassen sind. Übereinstimmend wird aber eine sog. Stufentherapie bei der MS empfohlen, wobei die Präparate in Abhängigkeit von der Schwere der Krankheitsaktivität, der Behinderung und ihres klinischen Effekts ausgewählt werden. Kombinationsbehandlungen sind noch nicht zugelassen, werden z.T. aber jetzt in klinischen Studien erforscht.

    Merkpunkte:
  • Axonverlust führt zu bleibendem neurologischem Defizit
  • Betaferon bei der sekundär chronisch progredienten MS indiziert, Besserung des Krankheitsverlaufs
  • Mittels bestimmter MRI-Techniken kann der Axondefekt sichtbar gemacht werden
  • Behandlungsbeobachtung von Betaferon in Kanada über 10 Jahre: Anhalten der Wirkung auf die Schubrate und die Behinderungszunahme, Nebenwirkungen va. lokal, insgesamt tolerabel
  • Im direkten Vergleich verschiedener Präparate im Rahmen einer Beobachtungsstudie bei leicht behinderten MS-Betroffenen mit schubförmigem Verlauf waren Betaferon und Copaxone am wirksamsten
  • Die Zukunft bringt möglicherweise eine individuell besser angepasste immunmodulierende Behandlung, möglicherweise im Sinne von Medikamenten-Kombinationen

    ( 06.04.2000; Dr. med. Martin Landolt )


  • 04.04.2000 Bei MS bringt hochdosierte Interferon-beta-Therapie Vorteile

    Schubförmig remittierende Multiple Sklerose (MS) / Vier-Jahres-Daten der PRISMS-Studie mit 560 Patienten bestätigen Nutzen der Behandlung

    Lausanne (aw). Von einer hoch dosierten Behandlung mit Interferon-beta-1a profitieren Patienten mit schubförmig remittierender Multipler Sklerose stärker als von einer niedrig dosierten Therapie dieser Art. Dies belegen die Vier-Jahres-Daten der PRISMS-Studie, die Professor M. S. Freedman aus Ottawa in Kanada vor kurzem auf der Tagung der European Charcot Foundation in Lausanne in der Schweiz vorgestellt hat.


    Die Ergebnisse der multizentrischen Studie belegen erneut, daß ein frühzeitiger Therapiebeginn bei der MS-Therapie entscheidend ist. "Je früher wir mit der Therapie beginnen, umso größer ist der Nutzen für die Patienten", betonte Freedman. Wie der Neurologe gesagt hat, wurde in der PRISMS (Prevention of Relapses and Disability by Interferon-beta- 1a Subcutaneously in Multiple Sclerosis)-Studie untersucht, ob eine Therapie mit dreimal 44 Mikrogramm Interferon-beta-1a (Rebif®) subkutan pro Woche, einer Therapie mit dreimal 22 Mikrogramm wöchentlich überlegen ist.

    Ein weiteres Studienziel war, Informationen darüber zu erhalten, ob ein frühzeitiger Therapiebeginn einen klinisch relevanten Einfluß auf die weitere Progression der Erkrankung haben kann. In diese mit vier Jahren Studiendauer längste kontrollierte Studie bei Patienten mit schubförmig remittierender MS haben insgesamt 560 Patienten (389 Frauen und 171 Männer) mit klinisch und labortechnisch gesicherter Diagnose im Alter zwischen 18 und 50 Jahren teilgenommen.

    Schon die Zwei-Jahres-Ergebnisse dieser Studie ließen erkennen, daß Patienten mit schubförmig remittierender MS ganz erheblich von einer Therapie mit Interferon-beta-1a profitieren, und zwar sowohl von der niedrigen als auch von der höheren Dosierung. Die nun vorgelegten Daten aus der Verlängerungsstudie bestätigen diesen Trend. Wie Freedman sagte, belegen die Daten unter anderem, daß der therapeutische Effekt der Interferon-beta-1a-Therapie über den gesamten Studienzeitraum von vier Jahren aufrechterhalten wird.

    "Auch hinsichtlich der Dosierung sind die Studienergebnisse richtungsweisend: Dreimal 44 Mikrogramm wöchentlich waren in allen Studienendpunkten der Therapie mit dreimal 22 Mikrogramm pro Woche deutlich überlegen", so Freedman. Dies zeigt sich sowohl klinisch in der Zahl der Rezidive, der mittleren Zeit bis zum ersten Rezidiv, dem Behinderungsgrad durch die Erkrankung als auch in den magnetresonanztomographisch erhobenen Parametern.

    Aus klinischer Sicht ist wichtig, daß die Therapie so früh wie möglich begonnen wird. Auch das bestätigen die Ergebnisse der PRISMS-Studie.

    Ein weiteres Ergebnis: Aus den Daten der Placebo-Gruppe, welche nach zwei Jahren zu Interferon-beta- 1a re-randomisiert wurde, kann geschlossen werden, daß auch diese Patienten noch eindeutig von einer Therapie mit dem Interferon profitierten. Denn auch hier wurde eine Reduktion der Rezidivrate um 50 Prozent ermittelt.

    Das Interferon wurde gut vertragen. Lediglich milde bis moderate Interferon-typische Nebenwirkungen wie Erkältungssymptome, Kopfschmerzen oder Entzündungen am Injektionsort wurden in der Verumgruppe häufiger beobachtet.

    Quelle:
    04.04.2000 -- Ärzte Zeitung Online - die einzige Tageszeitung zur Gesundheit


    30.03.2000 Fortschreiten der zerebralen Atrophie bei MS verringert

    Philadelphia (run). In Studien mit MS-Patienten werden zwar nach wie vor als primäre Zielkriterien Veränderungen der Schubhäufigkeit und der Behinderungsprogression ermittelt. Zunehmend gewinnen aber auch die kernspintomographisch gewonnenen Aussagen an Bedeutung. Als Marker für pathologische Vorgänge können damit ebenfalls Medikamenteneffekte dokumentiert werden.

    In einer kleinen Untersuchung mit dem Wirkstoff Glatiramer-Acetat wurde nun kernspintomographisch nachgewiesen, daß damit unter anderem das Fortschreiten der zerebralen Atrophie deutlich vermindert wird. Dies ist von Bedeutung, da es Hinweise gibt, daß die Gehirnatrophie mit der Behinderungsprogression korreliert.

    In der Studie haben amerikanische Wissenschaftler der Universität von Pennsylvania in Philadelphia 27 Patienten mit schubförmig rezidivierender Multipler Sklerose entweder mit täglich 20 Milligramm Glatirameracetat - früher auch Copolymer 1 genannt - (in den USA und der Schweiz als Copaxone® zur MS-Therapie zugelassen) subkutan oder mit Placebo über insgesamt etwa 24 Monate behandelt (Neurology 54, 2000, 813).

    Zu Beginn der Untersuchung und am Ende wurden kernspintomographisch die Läsionen im Gehirn und ihr Volumen dokumentiert. Das Resultat: Am Studienanfang waren der Behinderungsgrad nach EDSS (Expanded Disability Status Scale) und die Zahl der einzelnen zerebralen Läsionen in beiden Behandlungsgruppen ähnlich. Durch die Glatiramer-Behandlung verringert sich jedoch bei den Patienten die Zahl der Läsionen und vor allem ihr Ausmaß nahm signifikant ab. Der Verlust an Hirnparenchym war bei den Patienten in der Verumgruppe deutlich geringer ausgeprägt als in der Placebogruppe: Der prozentuale Volumenverlust an Gehirnmasse pro Jahr war in der Placebogruppe fast dreimal so hoch wie in der Glatiramergruppe.

    Quelle:
    30.03.2000 -- Ärzte Zeitung Online - die einzige Tageszeitung zur Gesundheit


    22.03. 2000 Der Effekt von oral oder intravenös appliziertem
                         Methylprednisolon auf die Schubrate bei MS


    Es wurde der Effekt von oral oder intravenös appliziertem Methylprednisolon auf die folgende Schubrate bei MS-Patienten untersucht.

    Zur Entwicklung der Doppelblindstudie für die Ermittlung des Unterschiedes zwischen oral und intravenös appliziertem Methylprednisolon auf die Erholungsrate von MS-Patienten mit akutem Schub, verfolgte man die Krankheitsgeschichte hinsichtlich der Schübe von 80 Patienten durch halbjährliche Befragung.

    Die jährliche Schubrate war bei Patienten mit oraler Applikation leicht erhöht gegenüber Patienten, die eine intravenöse Methylprednisolonbehandlung erhielten (1.06 vs. 0.78). Die Differenz war aber statistisch nicht signifikant (0.18; 95% CI -0.19 to 0.55, P=0.3). Die Zeit bis zum Beginn und die Schwere des ersten Schubes nach der Behandlung, sowie die Anzahl schubfreien Patienten nach der Beobachtungszeit, sowie die Schwere der Schübe während der gesamten Studienzeit waren in den beiden Gruppen vergleichbar.

    Schlussfolgerung:

    In der vorliegenden Studie konnte kein statistisch signifikanter Unterschied der Schubrate während der ersten zwei Jahre nach intravenöser bzw. oraler Methylprednisolonbehandlung aufgezeigt werden.

    Quelle:
    22.03.2000 -- medpoint.ch -- The Portalsite of the Swiss Health community!


    16.03.2000 Steroidtherapie

    Die Therapie des akuten MS-Schubes mit Kortikosteroiden ist als etablierter Standard anzusehen.

    Folgende Dosierungschemen gelten als empfehlenswert:

    Schubtherapie

    1g /d Prednisonäquivalent in 1 bis 2 Dosen als Kurzinfusion über 3 Tage

    oder:

    0.5g/d über 5 Tage

    In einigen Fällen wird eine Fortsetzung in niedriger oraler Dosis für etwa zwei weitere Wochen bevorzugt:

    Fortsetzungstherapie

    1mg/kg KG -- oral, bis Tag 14
    20mg -- oral, Tag 15
    10mg -- oral, je Tag 16 und Tag 18

    In letzter Zeit wurde als mögliche Alternative auch eine orale Hochdosistherapie mit 500 mg Methylprednisolon einmal täglich über 5 Tage mit anschliessendem Ausschleichen über 10 Tage (Gesamtdosis 3676 Methylprednisolon) diskutiert. Diesbezüglich sind erst wenige kontrollierte Studien publiziert worden und ein direkter Vergleich mit der intravenösen Applikationsweise steht noch aus.

    Die Behandlung eines MS-Schubes mit ACTH (adrenokortikotrophes Hormon) gilt heute eigenlich als obsolet, denn direkte Vergleichsstudien von ACTH und hochdosierten i.v. Steroiden legen den Schluss nahe, dass letztere zu einer zuverlässigeren und schnelleren Besserung mit weniger Nebenwirkungen führen. Wahrscheinlich spielt dabei auch eine Rolle, dass eine grosse intra-und interindivduelle Variabilität der Sekretion von Glukokortikosteroiden in der Nebennierenrinde bei Stimulation mit ACTH besteht. In vereinzelten Fällen wird ACTH zur Behandlung eines akuten MS-Schubes trotzdem noch eingesetzt.

    Die Wirkung der Kortikosteroide auf den MS-Schub wird unter anderem durch die Suppression der Entzündungsreaktionen, Verringerung des entzündlich bedingten Oedems und Restauration der Blut-Hirnschranke erklärt.

    Bei erstmaliger, intravenöser Cortisongabe ist eine stationäre Aufnahme aufgrund zwar seltener, aber möglicherweise bedrohlicher Nebenwirkungen (Anaphylaxie, Psychose, Pankreatitis, Blutdruckkrisen bei bekanntem Hypertonus) empfehlenswert. Bei guter Verträglichkeit sind weitere Pulstherapien ambulant durchführbar.

    Keinesfalls sollte eine Dauerbehandlung mit Steroiden erfolgen, da deren Wirkung nicht belegt ist und mit erheblichen Nebenwirkungen gerechnet werden muss.

    Quellen:
    1. MS-Therapie-Konsensus-Gruppe, Nervenarzt, 1999, 4, 371-186
    2. C. Lienert et al. Der informierte Arzt, 1998, 10/11, 503-507
    3. L. Kappos, Ars Medici-Dossier, 1999, 5, 34-36

    J. Kesselring, Multiple Sklerose, Verlag Kohlhammer, Stuttgart, 3. Auflage, 1997, S. 179ff


    16.03.2000 Hirnatrophie: Ein neuer Parameter für Studien bei MS

    London (run). Die fortschreitende zerebrale Atrophie ist ein wesentliches Krankheitszeichen bei Patienten mit Multipler Sklerose (MS). Neue volumetrische Kernspin-Methoden helfen, diesen Prozeß nun besser als bisher nachzuweisen, wie britische Neurologen festgestellt haben. Somit könnte die Atrophie auch als ein aussagekräftiger Marker bei Therapiestudien herangezogen werden.

    Die bislang in Studien verwendeten Kernspin-Verfahren zur Bestimmung des Läsionsvolumens - meist wird die Signalintensität ausgewertet - sind nach Ansicht der Wissenschaftler vom Institute of Neurology in London zeitaufwendig und außerdem gebe es Schwierigkeiten bei der Reproduzierbarkeit.

    Alternativ habe man daher nun versucht, die zerebrale Atrophie als Maß der Axonzerstörung bei MS durch eine neue volumetrische Kernspintomographie nachzuweisen, bei der die Lage des Gehirns genau bestimmt und registriert wird und die Daten somit gut reproduzierbar sind (Neurology 54, 2000, 807).

    Bei 26 MS-Patienten und 26 gesunden Kontrollpersonen wurden dabei Kernspin-Aufnahmen gemacht und nach einem Jahr wiederholt. Von einer Messung zur nächsten konnten dann durch digitale Subtraktion der Bilder Änderungen im Gesamtgehirnvolumen direkt erfaßt werden.

    Bereits zu Untersuchungsbeginn war das Gehirnvolumen der MS-Patienten um sechs Prozent und damit signifikant kleiner sowie das Volumen der Ventrikelräume um 80 Prozent größer als bei den Kontrollpersonen, wie die Neurologen berichten.

    Über das Jahr nahm die zerebrale Atrophie bei den Patienten mehr als doppelt so stark zu im Vergleich zu den gesunden Probanden.

    Die Atrophie bei den Patienten mit Multipler Sklerose betrug 0,8 Prozent pro Jahr. Das ventrikuläre Volumen vergrößerte sich fünfmal so stark wie bei den Kontrollpersonen. Zwischen Gehirnvolumen und Krankheitsdauer hat nach Angaben der Wissenschaftler zudem eine deutliche negative Korrelation bestanden. Dies deute auf ein Fortschreiten der Atrophie hin.

    Allerdings konnte mit den Studiendaten kein signifikanter Zusammenhang zwischen den Veränderungen des Behinderungsgrades im Laufe des Studienjahres und den Veränderungen des Gehirnvolumens oder des Volumens der Ventrikelräume nachgewiesen werden. Dies sei vermutlich auf die heterogene Patientengruppe und den kurzen Untersuchungszeitraum zurückzuführen, so die Forscher.

    Quelle:
    16.03.2000 -- Ärzte Zeitung Online - die einzige Tageszeitung zur Gesundheit


    15.03.2000 Forschungsrückblick

    In den letzten Jahren waren wir Zeugen wichtiger Fortschritte auf der Suche nach Behandlungsmöglichkeiten zur Beeinflussung des pathogenetischen Prozesses der Multiplen Sklerose. Die Fortschritte auf diesem Gebiet wurden beschleunigt durch die bessere Kenntnis der MS-Pathogenese, bessere Methoden zur Erfassung des Krankheitsprozesses, Fortschritte der Methologie therapeutischer Studien und durch die Einführung neuer Therapeutika. Mit der zunehmenden Evidenz, welche eine entscheidende Rolle des Immunsystems in der MS-Pathogenese anzeigt, sind fast alle neuen Therapien auf einzelne Teile des immunregulatorischen Netzwerkes gerichtet.

    1. Über die Bedeutung der axonalen Degeneration

    In einer Studie von Trapp et al. [1] konnte mittels konfokalem Mikroskop und der Anwendung von Antikörpern gegen Neurofilament, dass eine axonale Unterbrechung oder Transsektion ein relativ häufiges Phänomen darstellt. In den Läsionen konnten sie axonale Ovoide darstellen, es handelt sich dabei um abgebrochene Axone.

    Dieses Phänomen einer axonalen Degeneration in MS-Plaques hat tiefgreifende Implikationen. Erstens wäre das sicher ein Grund zum Früheinsetzen einer Therapie zu Beginn der Krankheit, d.h. bevor irreversible Schäden zustande gekommen sind. Zweitens könnten dies axonalen Schäden bei der Multiplen Sklerose auch eine Erklärung dafür sein, warum gewissen Patienten einen irreversiblen Verlauf ohne Remission zeigen.

    [1] Trapp BD et al. N Engl J Med 1998; 338: 278-285

    (Quelle: A.Steck, Schweiz. Med. Wochenblatt 1999, 129; 1764-1768)

    1a Pathologie der Axone bei Multipler Sklerose und bestehender Behinderung

    Es ist allgemein anerkannt, dass im Endstadium der multiplen Sklerose ein Axonverlust stattfindet. Da sich die Axone im Fasergeflecht des Zentralnervensystems nur sehr gering regenerieren (wenn überhaupt), ist wahrscheinlich der Axonverlust für die dauerhaften klinischen Ausfälle bei MS verantwortlich.

    Die Schlüsselfrage ist darum nicht, ob bei MS eine Axondegeneration auftritt, sondern zu welchem Zeitpunkt im Krankheitsverlauf dieses geschieht. Wenn der Axonverlust bereits im Frühstadium der Krankheit auftritt und nicht nur Folge langanhaltender Demyelinisierung ist, würde dies für Therapien sprechen, die die pathologischen Vorgänge bereits im Frühstadium der Erkrankung verhindern helfen.

    (Quelle: V. Hugh Perry et al., Int MSJ. Vol.6 No.1, 1999)

    2. Neue Therapieansätze

    Eine Verbesserung des therapeutischen Effekts durch Kombination verschiedener Medikamente wäre denkbar. So könnte durch Kombination von Interferon-beta mit Azathioprin oder Methotrexat ein additiver Effekt erzielt werden. Copaxone und Interferon-beta könnten sich in der Wirkungsweise ergänzen, wobei die hierzu in vitro gewonnenen Ergebnisse nicht eindeutig sind.

    Zu bedenken sind immer die eventuelle Zunahme von Nebenwirkungen und negativer Interaktionen der Substanzen. Neuere Immunmodulatoren mit gezielterem Eingriff in die Immunregulation - wie z.B. alterierte Peptidliganden - werden aktuell in klinischen Studien untersucht. Substanzen zur Förderung der Remyelinisierung sind bisher noch Gegenstand der experimentellen Forschung.

    In der Behandlung von Schüben könnte der Einsatz von Metalloproteaseinhibitoren eine Verbesserung bringen.

    (Quelle: C. Lienert et al. Der informierte Arzt, 1998, 10/11, 503-507)

    3. Ausblick auf zukünftige Therapieverfahren

    Hans-Peter Hartung, Universitätsklinik für Neurologie, Karl-Franzens-Universität Graz

    Die derzeitigen zur Behandlung der Multiplen Sklerose zugelassenen Medikamente (Beta-Interferone) und Glatiramer sind teilwirksam, wobei bislang eindeutige response-Marker nicht identifiziert sind.

    Es ist zu erwarten, daß bald auch in Europa Mitoxantron als erstes Immunsuppressivum zur Therapie der MS (schubförmige Form mit zunehmendem Defizit, sekundär progrediente Form) zugelassen wird. Studien mit einer Reihe potentiell sehr interessanten Substanzen mußten wegen ernster Nebenwirkungen abgebrochen werden (z.B:. Linomide, TGF-ß) oder konnten keine therapeutische Wirksamkeit zeigen (orales bovines Myelin, rek. TNF- bindendes Protein).

    Weiterhin werden Agentien untersucht, die die vermutete gestörte TH1/TH2-Zytokinbalance normalisieren. Auch gibt es verschiedene Zugänge, die den Einstrom potentiell autoaggressiver T-Lymphozyten und anderer Entzündungszellen in das ZNS behindern (Antikörper gegen Adhäsionsmoleküle, Bindungsantagonisten, MMP-Inhibitoren, Chemokinrezeptor-Antagonisten).

    Antigenspezifische Therapien erscheinen derzeit nicht realistisch. Die Aktivierung autoreaktiver T-Lymphozyten könnte aber durch Blockade costimulatorischer Signale unterdrückt und die Zellen der Apoptose zugeführt werden (Anti-B7, AntiCD40-CE40L).

    Neue Therapiestrategien werden insbesondere auch darauf abzielen, die bereits frühzeitig einsetzende axonale Schädigung zu verhindern. Hier werden Substanzen eingesetzt, die einen vermehrten Calziumeinstrom reduzieren, Sauerstoffradikale inaktivieren oder die Wirkung von exzitatorischen Aminosäuren blockieren.

    Es ist zu hoffen, daß eine weitergehende Aufklärung der Heterogenität der Erkrankung und ihrer zugrundeliegenden Mechanismen sowie die Identifizierung subtypen- und krankheits-aktivitätsbezogener Marker dazu beitragen wird, eine gezieltere und effektivere Therapie im Einzelfall einzusetzen.

    (Quelle: 3-Ländersymposium über die "Therapie der sekundär progredienten MS", Wien, 18.03.00, Abstractbook)

    Literatur:
    Noseworthy, J.H., R. Gold and H.-P. Hartung (1999) Editorial Review: Treatment of multiple sclerosis: recent trials and future perspectives.

    (Quelle: Current Opinion in Neurology 12: 279-293.)

    4. Die Rolle der MS-Schwester

    Die Wahrscheinlichkeit, eine Interferon-Therapie über einen langen Zeitraum fortzuführen, ist bei MS-Patienten grösser, wenn sie bei Therapiebeginn besser informiert und unterstützt werden. Nur wenige Ärzte sind in der Lage, die für die intensive Unterstützung und Betreuung notwendige Zeit aufzubringen. Damit gewinnt die Rolle der MS-Krankenschwester, bzw. des MS-Krankenpflegers an Bedeutung und wird zunehmend zu einem kritischen Erfolgsfaktor bei der Interferonbehandlung.

    (Quelle: Ch. Meyer et al., Int MSJ. Vol.5 No.1, 1998)

    5. MS Genetik: Neue biotechnologische Methoden für strukturelle und funktionelle Ansätze

    Die jüngsten technologischen Entwicklungen werden die Genetikforschung bezüglich multifaktorieller Erkrankungen einschliesslich der Multiple Sklerose in naher Zukunft verändern. Mit der Zeit könnten diese Methoden zu einer Verbesserung des Monitorings von Krankheitsaktivität und Therapieansprechen führen.

    Die Mehrzahl der neuen Verfahren beruht auf "DNA Microarrays" oder "DNA Chips". Das Entscheidende bei Microarrays ist eine Verkleinerung bis zur Miniatur. Wie bei den Northern und Southern Blotting-Methoden stützen sich Microarrays auf eine Hybridisierung . Anstelle einer heterogenen Probe werden jedoch multiple und definiert komplementäre Desoxyribonukleinsäuren (cDNAs) oder Oligonukleotide an bestimmten Stellen auf den sogenannten "Chips" angeordnet.

    Als Folge davon können Variationen in der Bindungsaffinität gleichzeitig gemessen werden. Diese Verfahrensart hat verschiedene wichtige Verwendungen bei der strukturellen Genetik gefunden. Darüberhinaus hat sie einen neuen, als "funktionelle Genomik" bezeichneten Forschungsbereich eröffnet, wodurch die Möglichkeit zur globalen und dynamischen Erfassung der Genexpression geschaffen.

    (Quelle: R. Bomprezzi et al., Int MSJ. Vol.6 No.2, 1999)

    6. Verfahren zur Remyelinisierung bei Multipler Sklerose

    Bei multipler Sklerose könnte theoretisch die Wiederherstellung der Myelinscheiden bei entmyelinisierten Achsenzylindern durch eine Transplantation myelinbildender Zellen oder durch Stimulierung einer spontanen Remyelinisierung sowie die Erzeugung menschlicher Zellen mit Potential zur Remyelinisierung weisen eine neue Richtung für die klinische Behandlung.

    Wichtig ist, dass beim Übergang vom Labor zur Klinik die Biologie der Remyelinisierung und die Ergebnisse experimenteller Untersuchungen berücksichtigt werden, da zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht geklärt ist, ob eine klinisch signifikante Remyelinisierung erreicht werden kann.

    (Quelle: S. Shields et al., Int MSJ. Vol.6 No.2, 1999)

    7. Verschlechterung kognitiver Funktionen bei Multipler Sklerose

    Die multiple Sklerose (MS) ist durch eine Vielfalt neurologischer Symptome gekennzeichnet, einschliesslich kognitiver Ausfälle. In der klinischen Praxis wird geschätzt, dass etwa 50% aller MS-Patienten Veränderungen kognitiver Funktionen durchmachen. Es wird angenommen, dass das Gedächtnis, die Informationsverarbeitung und das Denken die am meisten bedrohten Funktionen darstellen.

    Neuere Untersuchungen haben jedoch gezeigt, dass andere Aspekte, wie zum Beispiel die Sprachfunktion, ebenfalls beeinträchtigt sein können. Es hat sich erwiesen, dass bei MS-Patienten mit einer festgestellten Verschlechterung der kognitiven Funktionen die Gefahr einer weiteren progredienten Beeinträchtigung dieser Funktionen besteht.

    Es ist jedoch unmöglich vorauszusagen, ob und in welchem Stadium des Krankheitsverlaufs ein Patient mit MS kognitive Probleme erleben wird. Da Veränderungen der kognitiven Funktionen die Lebensqualität des Patienten stark beeinträchtigen können, sollte alles versucht werden, die Auswirkungen dieser Veränderungen zu vermindern.

    (Quelle: P. Hämäläinen et al., Int MSJ. Vol.6 No.2, 1999)

    8. Klinische Studien mit intravenösem Immunglobulin bei Multipler Sklerose

    Kürzlich wurde in drei plazebokontrollierten Doppelblindstudien die Wirksamkeit wiederholter intravenöser Infusionen von Immunoglobulin (IVIg) bei Patienten mit schubförmig-remittierender multipler Sklerose (MS) untersucht.

    In der österreichischen Studie wurde eine günstige Wirkung von Immunglobulin auf die Krankheitsprogression bei 24% der MS-Patienten nachgewiesen und es traten nur noch annähernd die Hälfte der Schübe auf, verglichen mit Plazebo. In einer kleineren, in Israel durchgeführten Untersuchung war unter IVIg die jährliche Schubrate signifikant reduziert und die Anzahl schubfreier Patienten signifikant erhöht. Schliesslich bestätigten Sorensen et. al. in einer Studie mit sehr hoher Dosierung und dem Einsatz der seriellen kontrastverstärkten MRT, dass die Krankheitsaktivität unter IVIg signifikant verringert ist.

    Auch wenn die Anzahl erfolgreich behandelter Patienten noch klein ist, Langzeit-MRT-Daten noch fehlen und die bisher eingesetzten unterschiedliche Dosierungsschemata noch keine endgültigen Behandlungsempfehlungen zulassen, sind diese Ergebnisse doch ein starker Ansporn für weitere Studien mit IVIg als alternative Behandlung bei MS.

    ( 15.03.2000; Quelle: F. Fazekas et al., Int MSJ. Vol.6 No.1, 1999 )


    10.03.2000 Neuer Immunmechanismus bei Multipler Sklerose entdeckt

    ATLANTA - Die im Journal of Experimental Medicine publizierte Studie wirft neues Licht ins Entstehungsdickicht des unheilbaren Nervenleidens und könnte auch neue Behandlungswege eröffnen.

    Die Pathologin Melissa Brown und ihr Team kamen den Mastzellen schrittweise auf die Spur: Zunächst fanden sie, dass viele der bei MS mitwirkenden Immunbotenstoffe (Zytokine) von Mastzellen produziert werden. Als nächstes wiesen sie die Zellen im zentralen Nervensystem nach und stellten fest, dass sie nicht nur Zytokine herstellen, sondern auch so genannte Proteasen, Enzyme, die andere Proteine "anknabbern".

    Überzeugt von der wichtigen Rolle der Mastzellen, testeten die Forscher Substanzen, die MS-artige Entzündungen auslösen an genveränderten Mäusen mit Mastzellenmangel. Verglichen mit normalen Nagern bekamen diese Tiere die Symptome der Nervenkrankheit seltener und schwächer.

    "Kliniker und die meisten Forscher haben die potenzielle Rolle der Mastzellen bei MS nicht ernsthaft betrachtet", sagte Brown. Bekannt ist Mastzellenaktivität seit langem bei Allergien und Asthma. Dort bremst man Zellen mit bestimmten Medikamenten. Die Wissenschaftlerin fragt sich nun, ob gegen Asthma und Allergie wirksame Mastzellenhemmstoffe, auch bei Multipler Sklerose greifen können oder für das Nervensystem modifiziert werden müssen.

    Quelle:
    10.03.2000 -- medpoint.ch -- The Portalsite of the Swiss Health community!



    08.03.2000 Neue Daten zur Interferontherapie bei MS Patienten

    Neu-Isenburg (eb). Neue Resultate der PRISMS-Studie bei Patienten mit schubförmiger Multipler Sklerose bestätigen, daß eine höher dosierte Behandlung mit Interferon beta-1a wirksamer ist als eine niedrig dosierte.

    Wie das Unterschleißheimer Unternehmen Serono mitteilt, sprechen die Vierjahresergebnisse der PRISMS (Prevention of Relapses and Disability by Interferon ß-1 Subcutaneously in Multiple Sclerosis)-Studie dafür, frühzeitig mit der höchsten verträglichen Dosis zu behandeln, um den maximalen Therapieerfolg zu erzielen und das Fortschreiten der Erkrankung zu bremsen.

    In der Studie war die höhere Dosierung von dreimal 44 Mikrogramm Interferon beta-1a (Rebif®) wöchentlich im Vergleich zu dreimal 22 Mikrogramm wirksamer sowohl bei den klinischen als auch bei den per Magnet-resonanztomographie erhobenen Parametern. Durch beide Dosierungen konnte im Vergleich zu Placebo die Zahl und der Schweregrad der Krankheitsschübe signifikant reduziert sowie das Fortschreiten der Behinderung verlangsamt werden.

    Das Unternehmen will aufgrund der Ergebnisse die Zulassungsbehörden um eine Änderung des Anwendungshinweises ersuchen.

    Quelle:
    08.03.2000 -- Ärzte Zeitung Online - die einzige Tageszeitung zur Gesundheit


    07.03.2000 Interferon beta 1b verhindert bei sekundär progredienter MS die
                         Entwicklung zerstörender Hirnläsionen (BLACK HOLES)


    Black Holes sind eine der Ursachen für den Verlust von körperlichen Funktionen und von geistigen Fähigkeiten.

    JERUSALEM, Dienstag, den 20 Juni 2000. Neue Ergebnisse der Europäischen Studiengruppe zu IFNB-1b bei sekundär progredienter MS (SPMS) deuten darauf hin, dass, verglichen mit Plazebo, die Behandlung mit Betaferon® (Interferon beta-1b) die Schädigung von Nervenzellen im Gehirn von SPMS Patienten verlangsamt.

    Dr. Frederik Barkhof, der Leiter des MRI-Auswertungszentrums am Hospital der Freien Universität Amsterdam und einer der Prüfärzte stellte heute anlässlich des 10jährigen Treffens der Europäischen Neurologischen Gesellschaft neue Daten der Europäischen Studie vor. So konnte gezeigt werden, dass die Behandlung mit Betaferon® die Bildung von hypointensen T1-Läsionen, auch bekannt als "black holes"(“schwarze Löcher”), fast um die Hälfte reduziert im Vergleich zu Plazebo. Black Holes im Gehirn stehen in Verbindung mit dem Verlust von Axonen, d.h. dem Teil der Nervenzelle, der die elektrischen Signale weiterleitet, wodurch die Beschwerden ausgelöst werden, mit denen viele Menschen mit SPMS zu tun haben. Diese Probleme reichen vom Verlust der körperlichen Beweglichkeit bis hin zu geistigen Einschränkungen.

    Die Untersuchungen zur Entwicklung der Black Holes wurden an fünf Studienzentren durchgeführt, wobei eine Untergruppe von 95 SPMS Patienten, die an der plazebo-kontrollierten Studie mit 8 Mio IE Betaferon® jeden 2. Tag teilnahmen, gesondert untersucht wurde. Dazu wurden sechs monatliche T1-gewichtete kernspintomografische Aufnahmen (MRI) ohne Kontrastmittel über 36 Monate durchgeführt. Hypointense Läsionen wurden durch verblindete Auswerter markiert und gezählt.

    Dr. Barkhof kommentierte diese Ergebnisse wie folgt: “Unsere Studie zeigt, dass die Anwendung von Interferon beta-1b (IFBN-1b) bei SPMS, die Entwicklung von Black Holes über einen Behandlungszeitraum von 3 Jahren um 45 % zu reduziert und das der Behandlungseffekt bereits nach sechs Monaten gesehen wird. Die Krankheitslast bei Multipler Sklerose baut sich eher über Jahrzehnte denn über Monate oder Jahre auf. Die Reduktion von axonalen Schädigungen und der Erhalt des neuralen Netzwerkes im Gehirn könnte daher eine langfristige Verzögerung von funktionellen Schäden darstellen.

    Diese Ergebnisse, zusammen mit anderen neuen Erkenntnissen, unterstützen das Konzept, dass eine Behandlung in frühen Studien der Multiplen Sklerose die irreversiblen pathologischen Veränderungen verzögen kann, wie z.B. den axonalen Untergang auf den der Tod der Nervenzelle folgt. Diese Substudie betont die klinischen Ergebnisse der grossen Europäischen Studie, welche zeigen konnte, dass IFNB-1b das Fortschreiten der Krankheitsprogression bei Menschen mit SPMS nachhaltig verlangsamt, was mit unseren Ergebnissen übereinstimmt“.

    Die Europäische Studie zu IFNB-1b bei 718 Menschen mit SPMS wurde vor zwei Jahren in der Zeitschrift The Lancet veröffentlicht und belegt eine hochsignifikante Verzögerung der Krankheitsprogression und der Zeit bis zur Rollstuhlpflichtigkeit bei Menschen mit SPMS die Betaferon® erhielten.

    In der von Dr. Barkhofs Arbeitsgruppe durchgeführten Studie, hatte im Vergleich zu Studienbeginn (Baseline), nach 36 Monaten das mittlere Black Hole Volumen in der Plazebogruppe um 42 % zugenommen, verglichen mit 23 % in der Betaferon®-Gruppe (p=0.0003). Frühere Studien von Dr. Barkhofs Arbeitsgruppe hatten gezeigt, dass Black Holes auf Hirngebiete mit reduzierter Axonendichte schliessen lassen und mit der krankheitsbezogenen Behinderung korrelieren.

    "Das Interesse an Studien zur Vermessung der Black Holes wächst rapide. Die Daten aus dieser Studie weisen erneut darauf hin, das eine Zunahme der Behinderung bei SPMS Patienten mit der axonalen Schädigung in Verbindung steht und daher eine Behandlung mit Betaferon® von Nutzen ist“ sagte Dr. Barkhof.

    Quelle:
    07.03.2000 -- medpoint.ch -- The Portalsite of the Swiss Health community!


    06.03.2000 Können Chlamydieninfektionen Multiple Sklerose auslösen?

    Entgegen früherer Berichte scheinen Chlamydia pneumoniae-Bakterien kein Auslöser einer MS zu sein.

    Margaret Hammerschlag, die am Chlamydia Research Laboratory an der New York State University forscht, wollte Ergebnisse verifizieren, die im Sommer 1999 anlässlich des Kongresses der American Academy of Neurology publiziert wurden und nach denen sich Chlamydien in der Spinalflüssigkeit von MS-Patienten gefunden hatten.

    Dazu untersuchte sie die Spinalflüssigkeit von 48 MS-Patienten und 51 Patienten mit anderen neurologischen Erkrankungen. Weder bei den MS-Patienten noch bei den anderen Patienten ließen sich Chlamydien nachweisen. Beim Nachweis von Antikörpern gegen Chlamydien verlief bei 82 Prozent der Patienten bei anderen neurologischen Erkrankungen, aber nur bei 68 Prozent der MS-Patienten positiv.

    Die Forscherin räumt allerdings ein, dass die derzeit benutzten Testmethoden zum Bakteriennachweis nicht standardisiert seien und der Nachweis selbst schwierig sei. Es muss weiter untersucht werden, ob bakterielle Infektionen eine krankheitsauslösende Rolle bei MS spielen können. Allerdings sei es viel zu früh, so Hammerschlag, Patienten mit MS prophylaktisch einer Antibiotika-Therapie gegen Chlamydia pneumoniae zu unterziehen.

    Quelle:
    06.03.2000 -- medpoint.ch -- The Portalsite of the Swiss Health community!


    02.03.2000 Symptomatische Therapie von Müdigkeit

    Eine kurze Übersicht über die symptomatische Therapie der MS-bedingten Müdigkeit

    "Fatique" (Erschöpfung, Abgeschlagenheit, Ermüdung) ist ein häufiges Symptom bei Patienten mit multipler Sklerose. Die übermässige Erschöpfung und verminderte Belastbarkeit führt bei vielen Patienten zu Schwierigkeiten, einen normalen Tagesablauf zu bewältigen. Durch Ruhepausen kann die Fatique nur zum Teil kompensiert werden. Die pathophysiologischen Mechanismen der Fatique sind bisher nicht geklärt. Als Ursache kommen neben der direkten Schädigung strategisch wichtiger neuroanatomischer Regionen auch generalisierte Effekte von Entzündungsmediatoren in Betracht. Für einige Medikamente wie z.B. Amantadin konnte ein positiver Einfluss auf die Fatique gezeigt werden. Als neue Therapieansätze werden in der Zwischenzeit Aminopyridine (4-Aminopyridin und 3,4-Diaminopyridin) eingesetzt. Neben einer Verbesserung der Nervenleitfähigkeit haben diese beiden Substanzen wahrscheinlich einen zentral stimulierenden Effekt. Bei Überdosierung können deswegen epileptische Anfälle und Verwirrtheitszustände auftreten.

    Quelle:
    02.03.2000 -- medpoint.ch -- The Portalsite of the Swiss Health community!


    01.03.2000 Diäten helfen, heilen aber nicht

    Immer wieder werden Wunderdiäten angepriesen, die angeblich sogar MS heilen könnten. Damit werden vollkommen falsche Hoffnungen geweckt. Dennoch können auch und gerade MS-Betroffene ihr Wohlbefinden mit der richtigen Ernährung verbessern. Eine Ernährungsberaterin sagt wie.

    "Nach dem derzeitigen Kenntnisstand der Medizin gibt es keine spezielle Diät, welche den Krankheitsverlauf bei MS verlangsamen oder verhindern kann", sagt Caroline Weberhofer, dipl. Ernährungsberaterin SRK und Ernährungswissenschaftlerin. Es gibt jedoch viele Hinweise dafür, dass die Ernährung einen Einfluss auf die allgemeine Befindlichkeit, auf den Zustand der Blutgefässe und auf das Immunsystem hat.

    Durch falsche Ernährung werden Erkrankungen wie Fettstoffwechselstörungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Fettleibigkeit, Diabetes Typ 2 oder Osteoporose gefördert. Ein Mangel an Eiweiss und Mikronährstoffen kann zu Muskelabbau, Infektanfälligkeit, Wundheilungsstörungen und reduziertem Allgemeinbefinden führen.

    Eine ausgewogene Ernährung ist deshalb grundsätzlich für jeden und ganz besonders bei MS von Bedeutung. Sie ist dem individuellen Bedarf angepasst und abhängig vom Alter, Geschlecht, der Aktivität und der Krankheit. Sie deckt die nötige Zufuhr von Nahrungsbestandteilen wie Nährstoffen, Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen, Faserstoffen, Wasser und sekundären Pflanzeninhaltsstoffen. Stoffe, die den Körper eher belasten, werden nur in Massen einbezogen. Dazu gehören Fett, Zucker, Salz, Alkohol, Koffein und Schadstoffe. Essen bedeutet aber nicht nur Nahrungsaufnahme, sondern auch Genuss, Abwechslung und Geselligkeit.

    Ob eine Beziehung zwischen der Ernährung und MS besteht, muss durch Studien überprüft werden. Deren Durchführung und Bewertung ist aber schwierig, da MS eine Krankheit mit unvorhersehbarem und verschiedenartigem Verlauf ist. Ausserdem ist es sehr aufwendig, Ernährungsstudien mit genau vorgeschriebenen Nahrungsvorschriften über längere Zeit im Alltag konsequent durchzuführen. Nach dem derzeitigen Wissen kann eine optimale Ernährung bei MS zwar unterstützen, aber sie stellt keinen Ersatz für eine medizinische Therapie dar.

    Spezielle Diäten sind fragwürdig

    In der Presse finden sich zahlreiche Vorschläge zur Ernährung bei Multipler Sklerose.

    Die meisten der empfohlenen Diäten basieren auf spekulativen und hypothetischen Überlegungen. Deren Wirksamkeit ist entweder wissenschaftlich nicht bewiesen oder widerlegt. Viele der Diäten basieren auf teuren Zusatzpräparaten, sind sehr zeitaufwendig und kompliziert oder können sogar Mangelerscheinungen hervorrufen. Aus diesen Gründen sind folgende Diäten NICHT für eine Behandlung bei MS geeignet oder sogar gefährlich: z.B. Allergenfreie Diät, Bakterienfreie Diät nach Ihming, Evers-Diät, Fettarme Diät nach Swank, Fratzer-Diät, Heilfasten, Kohlenhydratfreie Diät nach Lutz, Megavitamintherapie (hochdosierte Vitamin-/Mineralstoffpräparate), Methanol-Hypothese (Pektin- und Fruktosearme Diät), Milchfreie Diät.

    Da der Multiplen Sklerose eine Fehlsteuerung des Immunsystems zugrunde liegt, haben diätetische Massnahmen, die Entzündungsprozessen vorbeugen, möglicherweise einen günstigen Einfluss. Dazu gehört eine verminderte Aufnahme von Arachidonsäure, vermehrte Einnahme von Omega-3-Fettsäuren und Antioxidantien. In der Praxis bedeutet dies eine fettarme, vegetarisch orientierte Ernährung mit nur zwei Fleischmahlzeiten pro Woche, zwei bis drei Fischmahlzeiten pro Woche, insbesondere Lachs, Makrele, Hering und Sardine und die Verwendung von Leinöl, Baumnussöl, Sojaöl, Rapsöl sowie täglich insgesamt fünf Portionen Gemüse und Früchte.

    Viel hilft nicht viel

    Die unkontrollierte Einnahme von hochdosierten Präparaten ist nicht zu empfehlen. Denn "viel hilft viel" gilt auch hier nicht. Vitamin A und Selen können bei hoher Dosierung toxisch wirken und Vitamin C, in Gramm-Mengen eingenommen, wird zu 99% ungenutzt im Urin ausgeschieden.

    "Eine Einnahme von hochdosierten Präparaten soll immer kritisch betrachtet und mit dem Arzt diskutiert werden", rät Caroline Weberhofer. "Sie ist dann sinnvoll, wenn beispielsweise ein Mangel an Eisen oder Vitamin B12 festgestellt worden ist oder um einen Mangel - etwa an Kalzium - vorzubeugen."

    Unproblematisch sind hingegen Multivitaminpräparate mit Mineralstoffen und Spurenelementen, die pro Tablette die empfohlene Tagesdosis enthalten. Als Ergänzung sind sie zu empfehlen bei vermindertem Appetit infolge Krankheit, bei geringer Nahrungsaufnahme aufgrund eingeschränkter körperlicher Aktivität und wenn infolge Kau- oder Schluckstörungen wenig Gemüse, Obst und Fleisch gegessen werden kann.

    Für MS-Betroffene ist die Prävention einer Osteoporose (Knochenbrüchigkeit) besonders wichtig. Neben den hauptsächlichen genetischen und hormonellen Faktoren spielen nämlich die ungenügende Kalziumeinnahme, eingeschränkte körperliche Aktivität und häufige Kortisontherapien eine Rolle.

    Der Bedarf von 800 bis 1000mg Kalzium pro Tag kann mit drei bis vier Portionen kalziumreicher Milchprodukte, z.B. ein Glas Milch, ein Joghurt oder 30g Käse, zugeführt werden. Auch kalziumreiche Mineralwasser helfen mit, den Bedarf zu decken.

    Gegen Verstopfung und Blähungen

    Nicht nur bei MS-Betroffenen sind Verstopfung (Obstipation) und Blähungen (Flatulenz) ein häufiges Problem. Von einer Verstopfung spricht man, wenn es wöchentlich zu weniger als drei Stuhlentleerungen kommt oder wenn der Stuhlgang schmerzvoll ist.

    Folgende Tips dazu von der Ernährungsberaterin: "Führen Sie am Morgen im Bett ein paar Übungen zur Stärkung der Bauchmuskulatur durch. Das bringt auch den Darm in Bewegung. Trinken Sie vor dem Frühstück ein Glas Wasser und essen Sie zum Frühstück ein ballaststoffreiches Müsli, ergänzt mit frischem Obst, Beeren und Nüssen oder essen Sie ein Vollkornbrot mit wenig Butter oder Margarine und Beerenkonfitüre. Gut kauen!" Wenn sich der Stuhldrang einstellt, unbedingt sofort zur Toilette gehen. Unterdrückt man ihn, meldet er sich in der Regel nicht so bald wieder. Über den Tag verteilt sollte man mindestens 1.5 Liter trinken, 5 Portionen Obst oder Gemüse essen und Vollkornprodukte bevorzugen. Bei MS-bedingter Verstopfung reichen obengenannte Massnahmen nicht immer aus. In solchen Fällen wird der Arzt ein darmregulierendes Präparat empfehlen. Gewisse - auch "natürliche" - Abführmittel können sehr schädlich sein und die Verstopfung längerfristig noch verschlimmern.

    Blähungen oder "Flatulenz" haben alle Menschen. Wie kann aber eine allzu grosse Ansammlung von Verdauungsgasen im Darmtrakt verhindert werden?

    Essen Sie langsam und beobachten Sie, welche Nahrungsmittel Blähungen auslösen. Zwiebeln, alle Kohlsorten und Hülsenfrüchte sind bekannt für ihre blähende Wirkung, welche aber durch richtiges Garkochen weitgehend vermieden werden kann. Auch der Milchzucker (Laktose), wie er in grossen Mengen in der Milch und geringen Mengen in Joghurt vorkommt, verursacht bei vielen Leuten Blähungen. In Käse ist jedoch kaum Laktose vorhanden. Fruchtzucker und Sorbit, z.B. in Bonbons und Kaugummis, kann zu erheblichen Beschwerden führen. Für die Zubereitung von Speisen können blähungslindernde Gewürze wie Kümmel und Lorbeerblätter verwendet werden, und Getränke wie Pfefferminz-, Fenchel- oder Kamillentee lindern auch meist das unangenehme Völlegefühl. Bei medizinisch indizierter Antibiotikatherapie ist der Magen-Darm-Trakt in der Regel besonders empfindlich. Die in Joghurt enthaltenen Milchbakterien können die angegriffene Dickdarmflora wieder ins Gleichgewicht bringen.

    Dieser Artikel ist eine Zusammenfassung eines Textes von Caroline Weberhofer. Bei weiteren Fragen kann man sich an Dr. Andrea Gerfin bei der MS-Gesellschaft wenden (Tel. 01 461 46 00).

    Quelle:
    01.03.2000 -- medpoint.ch -- The Portalsite of the Swiss Health community!


    28.02.2000 Matrix Metalloprotease Inhibitoren als neue Hoffnung für
                         die Behandlung der Multiplen Sklerose


    Schweizer Forscher entwickeln Behandlungsstrategien gegen die Multiple Sklerose

    Die Aktion ist gut gemeint, das Ergebnis indes verheerend: Weil die Abwehrzellen des Immunsystems Freund und Feind nicht richtig unterscheiden können, müssen bis zu 12 000 Schweizer an der Multiplen Sklerose (MS) leiden. Schuld daran sind wohl wenige «schlechte» T-Zellen, die die Qualitätskontrolle in der Thymusdrüse übertölpeln und später im Gehirn und Rückenmark die Hüllen von Nervenzellen zerstören. Wie bei schlecht isolierten Stromkabeln ist dann die Signalleitung gestört: Die Muskeln gehorchen den Befehlen des Gehirns nicht mehr zuverlässig, Seh- und Sprachstörungen sowie Lähmungen sind die Folge.

    Bislang standen Mediziner der Krankheit eher hilflos gegenüber. Mit den heute verfügbaren Arzneien (siehe Kasten) kann das Fortschreiten der MS zwar gebremst, nicht aber gestoppt werden. Eine Heilung würde voraussetzen, dass es gelingt, die randalierenden T-Zellen aus dem Verkehr zu ziehen, ohne dabei die Abwehrkräfte des Körpers lahm zu legen. Dieser Vision sind jetzt zwei Schweizer Forscher einen Schritt näher gekommen. Der Neurologe David Leppert vom Kantonsspital Basel und der Infektiologe Stephan Leib von der Uni Bern wollen den randalierenden T-Zellen im wahrsten Sinne des Wortes einen Riegel schieben.

    Im Visier der Wissenschaftler stehen bestimmte Eiweissmoleküle, die als Pförtner an der Blut-Hirn-Schranke sitzen. Nur im Krankheitsfall lockern diese so genannten Matrix-Metalloproteinasen (MMP) den Zusammenhalt zwischen den dicht gepackten Zellen der Blutgefässe und erlauben den verhältnismässig grossen Abwehrzellen Eintritt ins Gehirn. Dort attackieren diese dann blindwütig die Hüllen der Nervenzellen und verspritzen so viel Reizstoffe, dass es zu einer dauerhaften Entzündungsreaktion kommt.

    Eine billige Substanz erwies sich im Tierversuch als lebensrettend Leib und Leppert ist es nun gelungen, einige MMP mit der synthetisch hergestellten und vergleichsweise billigen Substanz GM6001 zu hemmen. Bei Ratten mit einer durch Bakterien ausgelösten Hirnhautinfektion erwies sich dieser Eingriff als lebensrettend: «Ohne GM6001 kommt es zu einer Entzündung, die ein Fünftel des Gehirns zerstört und für die meisten Tiere tödlich endet», sagt Leppert. Mit dem MMP-Hemmer blieb die Hirnmasse grösstenteils intakt. Mehr als 90 Prozent der Tiere überlebten die Infektion, Folgeschäden wie Krämpfe oder Lähmungen traten sehr viel seltener auf.

    Dass MMP-Hemmer nicht nur bei der vergleichsweise seltenen Hirnhautentzündung wirksam sein können, sondern auch bei der Multiplen Sklerose, hoffen Leib und Leppert mit einer neuen Reihe von Versuchen zu beweisen. Im Gehirn verstorbener MS-Patienten suchen sie derzeit nach Hinweisen, welche der knapp 20 bekannten MMP bei dieser Krankheit beteiligt sind. Im zweiten Schritt wird überprüft, ob GM6001 hier ebenfalls wirkt, oder ob andere MMP-Hemmer besser geeignet sind, wie sie derzeit schon in klinischen Studien gegen chronische Arthritis («Rheuma») und Krebs getestet werden.

    Mit ihren Versuchen, den weltweit 2,5 Millionen MS-Kranken zu helfen, befinden sich die Schweizer in bester Gesellschaft: Seite an Seite berichteten deutsche, englische und amerikanische Forscher kürzlich in der Fachzeitschrift «Nature Medicine» über Experimente, die langfristig dazu beitragen könnten, die Krankheit schon in einem sehr frühen Stadium zu erkennen und das Nervensystem besser zu schützen.

    Bewegungsstörungen wurden annähernd halbiert

    Substanzen, die ursprünglich zur Linderung der Folgen eines Schlaganfalls entwickelt wurden (so genannte AMPA-Antagonisten), können demnach womöglich den Nerventod im Spätstadium der MS verringern. Zwar mussten die beteiligten Wissenschafter ihre Schlüsse ebenfalls aus Maus- und Rattenexperimenten herleiten. Bei diesen Modellorganismen aber erzielten sie beeindruckende Resultate: Zellverluste im Rückenmark wurden um 50 bis 90 Prozent verringert, Lähmungen, Krämpfe und andere Bewegungsstörungen im Vergleich zu unbehandelten Tieren annähernd halbiert.

    Trotz dieser eindrücklichen Zahlen halten sich MS-Experten wie Lawrence Steinman von der Stanford-Universität mit Heilsversprechungen zurück: «Gelänge es, die neuen Konzepte vom Labor in die Klinik zu bringen, könnten Patienten sowohl im frühen als auch im späten Stadium der Krankheit davon profitieren.»

    Schubweise Lähmungen

    Um die schubförmig auftretenden Lähmungserscheinungen bei der Multiplen Sklerose zu lindern, verschreiben Ärzte meist den Entzündungshemmer Kortison. Wesentlich teurer sind die wenigen Medikamente, die den Krankheitsverlauf bremsen können: Gentechnisch hergestelltes Beta-Interferon kann die Häufigkeit und Schwere der Schübe reduzieren und so Behinderungen hinauszögern.

    Als Alternative dazu werden Glatiramer-Acetat, Azathioprin und speziell gereinigte Immunglobuline (Antikörper) eingesetzt. Zudem sind Dutzende neuer Substanzen und Kombinationsbehandlungen gegen MS in Erprobung, ausserdem Verfahren wie die Blutwäsche und - im Tierversuch - die Transplantation von Nervenzellen in Gehirn und Rückenmark.

    Quelle:
    28.02.2000 -- medpoint.ch -- The Portalsite of the Swiss Health community!


    18.02.2000 Gegenwärtige Möglichkeiten und zukünftige Optimierungsperspektiven

    Aufgrund der Heterogenität des Krankheitsbilds Multiple Sklerose bedarf es einer Patienten-individuellen Therapieplanung bei der symptomatische und kausalorientierte Maßnahmen gleichberechtigt berücksichtigt werden sollten.

    Grundvoraussetzung für eine kausalorientierte immunmodulatorische oder immunsuppressive MS-Behandlung sei die gesicherte Diagnose. Man müsse leider davon ausgehen, so Uwe Zettl, Rostock, daß bei etwa 5 bis 10% der MS-Patienten eine Fehldiagnose vorliege. Neben Verlaufstyp, Krankheitsaktivität und Behinderungsgrad sollten in die Therapieentscheidung auch Faktoren, wie beispielsweise Akzeptanz der Krankheit, psychische oder organische Begleiterkrankungen, Alter, zu erwartende Compliance bzw. Handhabung einer parenteralen Applikationsform, einfließen.

    Die Magnetresonanztomographie zur Bestandsaufnahme der zerebralen Veränderungen gibt nach Ansicht von Zettl nur sehr indirekt Antworten auf die Frage, ob der Patient von einer immunmo-dulatorischenTherapie profitieren wird. Aufgrund der gegenwärtigen Datenlage müsse man davon ausgehen,daß im Gehirn nuretwa jede zehnte MS-Läsion und im Rückenmark nur jeder dritte Herd klinisch auffällig werde. Relativ einheitlich wird heute weltweit für einen Therapiebe-ginn im frühen Krankheitsstadium plädiert. Es gibt inzwischen sehr profunde Erkenntnisse, daß dann eine größere Chance besteht, die Patienten längerfristig vor einem Fortschreiten der Behinderung zu schützen. Vor allem die Ergebnisse der großen Beta-lnterferon-Studien haben zu einem Umdenken geführt. Bei einer internationalen Erhebung im Jahr 1996 hätten nur 36% der befrag-ten MS-Experten eine Behandlung im Frühstadium befürwortet, berichtete Zettl, bei einer kürzlich erfolgten erneuten Recherche seien es dagegen 92% gewesen.

    Schub-Behandlung

    Zur Therapie eines akuten Schubs ist heute die hochdosierte parenterale Gabe von Steroiden über drei bis fünf Tage die Methode der Wahl. Ob die Behandlung dann abrupt oder über eine orale Ausschleichphase beendet wird, handhaben die MS-Zentren unterschiedlich.

    Als Schubprophylaxe stehen heute die Beta-lnterferone im Vordergrund. Der Pionier dieser Substanzgruppe,das Interferon beta-1 b (Betaferon®) war das erste Medikament überhaupt, das speziell für die Indikation Multiple Sklerose zugelassen wurde. Inzwischen stehen zwei Interferon-beta-1a-Präparate, Immunglobuline sowie als weitere Alternative Glatirameracetat zur Verfügung. Bereits seit vielen Jahren wird auch eine relativ unspezifische immunsup-pressive Therapie mit Azathioprin praktiziert.

    Die Entscheidung für eines der Beta-lnterferon-Präparate hängt weitgehend von den Erfahrungen des behandelnden Arztes ab. Zettl gibt Patienten mit bereits ausgeprägten neurologischen Ausfällen und hoher Schubfrequenz bzw. mit Hinweisen auf einen sekundär progredienten Verlauf primär Interferon beta-1b und setzt Interferon beta-1a vorwiegend bei MS-Kranken mit noch geringer Krankheitsaktivität ein.

    Liegen Kontraindikationen für eine Beta-lnterferon-Prophylaxe vor, lehnt der Patient die parenterale Applikation ab und ist die MS-Symptomatik noch nicht sehr ausgeprägt, weicht Zettl auf Azathioprin aus. Das seit Juni 1999 auch in der Schweiz zugelassene Glatirameracetat ist seiner Meinung erst dann eine Alternative bei Patienten mit noch mäßig ausgeprägtem Funktionsverlust, wenn sowohl Beta-lnterferone als auch Azathioprin kontraindiziert sind und nicht beherrschbare Interferon-Nebenwirkungen oder Antikörper-Titer mit klinischer Relevanz vorliegen. Den Einsatz von Immunglobulinen beschränkt Zettl vorwiegend auf schwangere oder stillende Patientinnen sowie Kinder und Jugendliche.

    Zu progredientem oder malignem Verlauf bisher kaum Daten

    Bei sekundär progredienter MS ist Interferon betaub eindeutig die erste Wahl. Bei ausbleibendem Therapieerfolg kann ein Versuch mit Zytostatika unternommen werden, deren Anwendung aber besondere Erfahrung bei der Dosierung erfordert. Für maligne oder primär chronische Verläufe gibt es bisher keine klar definierten Therapieempfehlungen. Auf bisher rein empirischer Basis beruhen die Versuche mit der Kombination synergistisch oder komplementär wirksamer Substanzen (Eskalationstherapie). Das gilt auch für die Steroid-lntervallbehandlung, Plasmaaustausch / lmmunabsorption oder die autologe Stammzelltransplantation, die allerdings bisher nur bei sehr wenigen Patienten durchgeführt wurde.

    Erfreulicherweise wird auf dem Gebiet der Multiplen Sklerose zur Zeit sehr intensiv geforscht und es gibt viele erfolgversprechende Ansätze auf allen Ebenen der vermuteten pathogenetischen "Kettenreaktion" (Abb. 1). Die meisten Substanzen sind allerdings noch im vorklinischen Stadium. Hoffnung setzt man beispielsweise auf die Wachstumsfaktoren IGF-1 und GGF-2 (Insulin-like Growth Factor und Glial Growth Factor), um neuronale Reparationsprozesse in Gang zu setzen. Inhibitoren der Matrix-Metalloproteinasen, der Phosphodiesterase oder der intrazellularen /vaskulären Adhäsionsmoleküle sollen die Migration von Entzündungszellen ins zentrale Nervensystem verhindern. Mit Hilfe verschiedener Zytokine wird versucht, in immunregulatorische Prozesse einzugreifen. Mit der Gabe von Myelinantigenen oder modifizierten Peptiden will man die Antigen-Erkennung verhindern.

    Quelle:
    18.10.2000 -- medpoint.ch -- The Portalsite of the Swiss Health community!


    14.02.2000 Immunglobuline werden in Phase IV Studie geprüft

    Berlin (wma). Intravenös verabreichte humane Immunglobuline können möglicherweise den Krankheitsverlauf der chronisch progredienten Multiplen Sklerose positiv beeinflussen. In einer multizentrischen Phase-IV-Studie wird zur Zeit geprüft, ob die Behandlung mit Immunglobulinen die Progredienz der MS verzögern und vielleicht sogar schon bestehende Behinderungen verbessern kann.

    Humane Immunglobuline werdenschon seit längerem bei verschiedenen entzündlichen Erkrankungen des peripheren Nervensystems wie Guillain-Barré-Syndrom oder entzündlichen Polyneuropathien eingesetzt. Darauf hat der Studienleiter Dr. Dieter Pöhlau von der Sauerlandklinik in Sundern/Hachen auf einer Veranstaltung der Deutschen Multiplen Sklerose Gesellschaft in Berlin hingewiesen. In mehreren kontrollierten Studien konnte bereits nachgewiesen werden, daß intravenöse Immunglobuline bei Patienten mit schubförmiger MS die Schubrate vermindern und die Progression der Behinderungen verlangsamen können. Hiervon könnten vor allem Patienten profitieren, die ß-Interferon nicht vertragen, das Pöhlau als Mittel der ersten Wahl bei schubförmiger MS bezeichnete.

    Erste Daten aus kleineren klinischen Studien geben darüber hinaus Anlaß zur Hoffnung, daß mit den Immunglobulinen auch MS-Patienten mit chronisch progredienter Verlaufsform geholfen werden kann.

    Um dies zu überprüfen, ist jetzt von dem Unternehmen Novartis eine bundesweite Phase-IV-Studie initiiert worden, in die bisher 190 MS-Patienten mit sekundär chronischem und 40 mit primär chronischem Verlauf aufgenommen worden sind. Gerade für Patienten mit primär chronischem Verlauf gibt es noch keine generell akzeptierte Therapieform, wie der Neurologe auf der von dem Unternehmen Novartis unterstützten Veranstaltung gesagt hat.

    Über zwei Jahre erhalten die Patienten randomisiert alle vier Wochen 400 mg/kg KG Immunglobuline i.v. oder eine Placebo-Injektion. Endpunkte der Studie sind eine Verlangsamung der Progression und eine Funktionsverbesserung bestehender Behinderungen. Darüber hinaus soll untersucht werden, ob verschiedene Subgruppen von Patienten besonders gut auf die Therapie ansprechen.

    Mit schweren Komplikationen sei bei der Therapie nicht zu rechnen, da es sich bei den Immunglobulinen um ein seit Jahren sehr häufig eingesetztes Medikament handele, sagte Dr. Maren Carbon vom Berliner Benjamin-Franklin-Klinikum. Nur bei etwa einem Prozent der Pantienten träten nach den bisherigen Erfahrungen zumeist leichte und reversible unerwünschte Wirkungen auf. Bis Ende März können noch Patienten in die Studie aufgenommen werden, hieß es bei der Veranstaltung in Berlin. Erste Ergebnisse der Studie werden im Jahr 2002 erwartet.

    Quelle:
    14.02.2000 -- Ärzte Zeitung Online - die einzige Tageszeitung zur Gesundheit


    09.02.2000 Müdigkeit und MS - ein Guideline

    Die generellen Ziele dieses Guideline sind es unpassende Behandlungen zu reduzieren, den Patienten-Outcome und die Qualitätssicherung zu verbessern, die Gesundheitskosten zu senken sowie auch die medizinische Ausbildung. In die Entwicklung dieses Guidline sind viele Gesundheitsorganisationen involviert und es wurde die Meinung vieler Kliniker (MS-Spezialisten) beigezogen.

    Der vollständige, in englischer Sprache aufgesetzte fatigue Guideline des MSC (Multiple Sclerosis Council) kann heruntergeladen und dann ausgedruckt werden. Eine Speicherung nach dem download ist leider nicht möglich.


    Download Vollversion: fatigue Guidelinedes MSC (Multiple Sclerosis Council)

    Einleitung:

    Müdigkeit ist als das meist verbreitetste Symptom von MS anerkannt. Studien zeigen, dass 75 bis 95% der MS-Betroffenen mit Müdigkeit konfrontiert sind. 50 bis 60% der Erkrankten bezeichnen die Müdikeit sogar als ihr grösstes Problem mit dem sie zu kämpfen haben. Müdigkeit als Aspekt der Lebensqualität kann nicht überschätzt werden. Es sind deshalb folgende Ziele dieses Guidline zu highlighten:
  • Wissenschaftliche Beweise nachzuprüfen und zu klassieren, welche die laufende Evaluation und Managementstrategien für MS-abhängige Müdigkeit unterstützen und zu einem Konsensus zu kommen, wo wenig oder keine wissenschaftliche Daten existieren.
  • Die Natur der MS-abhängigen Müdikeit zu kategoriesieren und in ein Rahmenprogramm einzubetten, welches der Patientenbefragung und Therapie behilflich ist.
  • Angebrachte Behandlung und abdeckende Strategien für die MS-verknüpfte Müdigkeit zu entwickeln, die auf wissenschaftlichen Beweisen oder einem Expertenkonsensus beruht.
  • Einen Guideline zu entwickeln, der von allen health providers und gleichzeitig Konsumenten gebraucht werden können.
  • Ein Rahmenprogramm für die klinische Forschung zu liefern, welches die initialen Strategien verbessern und erneuern könnte.
  • Gefragte Resourcen für ein effektives Management der Müdigkeit zu dokumentieren.
    Im fatigue Guideline geht es vor allem darum, zuerst einmal die Müdigkeit zu definieren. Die Frage also, geht es in erster Linie um chronische Müdigkeit, die an 50% der Tage während mehr als 6 Wochen auftritt und die täglichen Aktivitäten einschränkt, oder geht es um eine akute Müdigkeit, welche neu aufgetreten ist bzw. während 6 Wochen einen stetigen Anstieg erfahren hat und dadurch ebenfalls die täglichen Aktivitäten einschränkt.

    Diese Definitionen dienen als Grundlage für die Entwicklung eines Management -Algorithmus", der im Guideline präsentiert wird. Zur Erlangung der entsprechenden Daten sind Fragebogen (Müdigkeits-Fragebogen, Schlaf-Fragebogen, MS Aktivitätentagebuch) gestaltet worden, die ebenfalls dem Guideline beigelegt sind. Dem Algorithmus liegen folgende Prinzipien zugrunde:
  • Behandlungsempfehlungen und Evaluationen basieren auf wissenschaftlichen Erkenntnissen oder auf einem Expertenkonsensus.
  • Der Algorithmus anerkennt die multidimensionale Natur der Müdigkeit.
  • Evaluation und Management sind iterative Prozesse mit vielfachen Loops. Dadurch werden die unsicheren Dimensionen, die mit der Müdigkeit zu jedem Zeitpunkt verknüpft sind, erkannt und die Nötigkeit von erneuten Evaluationen und Empfehlungsanpassungen impliziert.
  • Der Algorithmus erkennt zusätzlich die Multidisziplinarität des Müdigkeitsmanagement und die unterschiedlichen Resourcen zu denen Patienten verschiedener Gebiete Zugang haben.

    "Energy Effectivness Strategies" (EES)

    Ein weiteres Kapitel ist der Lehre vom ökonomischem Umgang mit der Energie gewidmet. Die Müdigkeit soll durch eine systematische Entwicklung von Aktivitätsmodifikationen durch die Analyse der täglichen Arbeit, Freizeitaktivitäten und Heimaktivitäten reduziert werden. Durch ein 3-Stufen-Programm wird der MS-Betroffene Schritt für Schritt an das eigenständige Energie-Management herangeführt.

    Ursachen der Müdigkeit

    Die potentiellen Ursachen und Effekte der MS-Müdigkeit werden im Weiteren definiert. Asgangspunkt ist das Erkennen des Problems " Müdigkeit". Es wird dann unterschieden zwischen primären und sekundären Schlafstörungen, normaler Müdigkeit, psychologischer Gesundheit (Angst, Stress, Depression, andere), Umwelteinflüssen (physische, soziale, institutionale, kulturelle), Multipler Sklerose (primäre MS-Müdigkeit, sekundäre MS-Müdigkeit, Schmerz) und physikalischer Gesundheit (iatrogene Ursachen, mit der Krankheit assoziierte Erkrankungen).
    Um "MS-Müdigkeit" von anderen Müdigkeiten zu unterscheiden werden diverse Kriterien angefügt, es sind dies:
  • ein leichtes Aufkommen der Müdigkeit
  • sie verhindert eine längerdauernde physikalische Funktionalität
  • sie wird durch Hitze verschlimmert
  • es kommt zu Interferenzen mit Verantwortungen, die zu übernehmen sind
  • sie verursacht häufig Probleme.

    Oder wie es Krupp et al. ausdrückt: Die MS-Müdigkeit ist das Gefühl von körperlicher Müdigkeit und Energiemangel, welches sich aber eindeutig von Traurigkeit oder Schwäche unterscheiden lässt.

    Die Müdigkeit wird nicht mit MS verknüpft, wenn sie aufgrund von Stresssituationen, längerer körperlicher Anstrengungen, körperlichem Training, des Biorhythmus" oder Depressionen ausgelöst wird. Diese Unterscheidungen der pathophysiologischen Mechanismen verschiedener Ursachen der Müdigkeit werden meistens nicht oder ungenügend gemacht. Allerdings können verschiedene Ursachen für die Müdigkeit durchaus zur gleichen Behandlungsstrategie führen.

    Verschiedene Dimensionen der MS-assoziierten Müdigkeit

    Physikalische Gesundheit :

    Bevor angenommen wird, dass die Müdigkeit alleine durch MS verursacht ist, sollen gründliche Untersuchen bezüglich Anämie, Infektionskrankheiten, Hypo- oder Hyperthyroidismus, kardiovaskulären Erkrankungen und Leberstörungen. Dies mag einem erfahrenen Kliniker selbsterklärend sein, aber allzuoft werden diese Aspekte bei der Evaluation MS-Betroffener nicht berücksichtigt.

    Iatrogene Ursachen:

    Viele Medikamente lösen Müdigkeit aus, der Guideline bietet eine Aufstellung mit Prioritäten der am häufigsten applizieren Medikamente bei MS. Medikamente sollten wenn immer möglich ersetzt werden, falls die Lebensqualität zu stark beeinflusst wird.

    Psychologische Gesundheit:

    Die Abhängigkeit der Müdigkeit von Depressionen und umgekehrt wird diskutiert.

    Der Schlaf:

    Zusammenhänge zwischen den bei MS-Patienten häufig vorkommenden Schlafstörungen und Müdigkeit während dem Tag werden diskutiert.

    Multiple Sklerose:

    Primäre und sekundäre MS-Müdigkeit werden diskutiert. Müdigkeit kann schon in einem frühen Stadium der Erkrankung auftreten, manchmal auch in Abwesenheit von neurologischen Symptomen. Es gibt Studien, welche eine parallele Entwicklung der fortschreitende Erkrankung und der Müdigkeit vermuten lassen.

    Die Verteilung der Verantwortlichkeit von zentralen und peripheren Mechanismen für die MS-Müdigkeit ist noch unklar und bedarf weiterer Forschung. Die Assoziation von chronischem Schmerz und Müdigkeit ist ebenfalls noch nicht abgeklärt. Eine Studie lässt vermuten, dass die Müdigkeit den Schmerz verstärkt.

    Umwelteinflüsse:

    Der starke Einfluss der Hitze auf die Müdigkeit ist in ihrem Mechanismus noch nicht geklärt. Die demyelinisierten Axone und die dadurch verstärkte Empfänglichkeit für Signale, scheint aber eine wichtige Rolle zu spielen.

    Therapie:

    Die Behandlung der Müdigkeit mit Amantadin zeigt in Kurzzeitstudien bei bis zu 40% der wenig bis moderat körperlich behinderten MS-Erkrankten eine signifikante Reduktion der Müdigkeit. Amantadin wird zudem generell gut vertragen. Es existieren keine Langzeitstudien unter Amantadintherapie. Es gibt Berichte die eine Toleranzenwicklung anzeigen.

    Die Behandlung mit Pemolin einem zentralnervösem Stimulans kann eine effektive Kurzzeitbehandlung darstellen. Aber bei der empfohlenen Dosierung von 75mg pro Tag sind die Nebenwirkungen signifikant. Niedrigere Dosierung scheint nicht den erwünschten Effekt zu erbringen. Es gibt keine Langzeitstudien mit Pemolinverabreichung. Pemolin kann eine Alternative für amantadinresistente Patienten darstellen.

    Andere Medikamente, wie SSRI"s oder Aminopyridin werden bis heute noch nicht von Experten empfohlen.

    Aerobic Exercise als Therapie der Müdigkeit kann bei wenig körperlich behinderten MS-Betroffenen Vorteile bringen. Für wenig bis moderat körperlich Behinderte wird die kardiovaskuläre Fitness, die Kraft und der allgemeine Gesundheitszustand verbessert.

    Kühltherapie: Die klinische Signifikanz für einen Vorteil bezüglich der Müdigkeit ist nicht klar. Es konnten aber durch Kühltherapien die neurologischen Funktionen verbessert werden.

    Energieökonomisierungs-Strategien (EES: Energy effectivness strategies): In der Praxis die bestetablierteste Methode um Müdikeit zu reduzieren.

    Es stehen also noch zahlreiche konsequente Studien zur Therapie der Müdikeit aus, die in Zukunft wegweisend für die Forschung sein sollten.

    Quelle:
    09.02.2000 -- medpoint.ch -- The Portalsite of the Swiss Health community!


  • 07.02.2000 Rolle der Magnetresonanztomographie

    Die MRT hat eine etablierte Rolle als Ergänzung der klinischen Untersuchung bei der Diagnose und auch in der Beurteilung von Therapieeffekten im Rahmen klinischer Studien. Weiterhin kontrovers ist jedoch ihre Bedeutung bei klinischen Entscheidungen in der Betreuung einzelner MS-Patienten.

    Um die vorhandene Evidenz zusammenzufassen und den jetzt möglichen Konsens zu definieren, fand in Basel am 27.und 28.3.98 ein europäisches Experten-Meeting statt.

    Pathoanatomische Korrelationen

    Hyperintense Zonen in T2-und Proton-Density-gewichteten Bildern geben mit hoher Sensitivität, aber geringer Spezifität, Auskunft über Ödem, entzündliche Infiltrationen, Gliose und, in geringem Ausmaß, Demyelinisierung. Hypointense Herde in T1-gewichteten Sequenzen korrelieren enger mit Schädigungen der zellulären Matrix (Demyelinisierung, Axonschädigung) und zeigen oft permanente Schäden an. Gadolinium-anreichernde Herde in T1-gewichteten Sequenzen entsprechen Zonen gestörter Blut-Hirn-Schrankenstörung und akuter entzündlicher Aktivität. Neuere Verfahren wie Magnetization Transfer Imaging, MR-Spektroskopie und volumetrische Erfassung der Atrophie von Gehirn und Rückenmark versprechen engere Korrelationen zu den für Behinderung relevanten Anteilen der MS-Pathologie.

    Wertigkeit der MRT bei der Diagnose

    MRT sollte immer zusammen mit der Klinik gewertet werden. Sie kann die Diagnose sichern helfen durch Nachweis örtlich, aber auch zeitlich (Gd-aufnehmend vs. nicht-aufnehmend) verschiedener Läsionen sowie durch Ausschluss anderer Pathologien. Sie kann helfen, verschiedene Verlaufsformen zu differenzieren.

    Prognostischer Wert

    Bei Erkrankungsbeginn:
    Anzahl der T2-Herde korreliert mit früher Bestätigung der Diagnose und früher eintretender klinischer Beeinträchtigung.

    Bei etablierter MS:

    Im Querschnitt signifikante, aber niedrige (0.2-0.4)Korrelation von T2-Läsionsvolumen und klinischen Skalen. Etwas besser mit neuropsychologischen Befunden. Anzahl Gd-anreichernder Herde korreliert mit Schubrate in den folgenden 1-2 Jahren, jedoch nicht signifikant mit Änderung des Behinderungsgrades. Ebensowenig findet sich eine Korrelation von T2-Volumen und späterer Änderung des Behinderungsgrades. Querschnittskorrelation von T1-hypointensen Herden und Behinderung zum Zeitpunkt der Untersuchung zwischen 0.5 und 0.7.Höhere prädiktive Werte sind für Befunde mittels Magnetization Transfer Imaging, MR-Spektroskopie (NAA-Minderung) sowie volumetrischer Atrophie-Erfassung beschrieben, brauchen jedoch weitere Bestätigung.

    MRT als Hilfe zur Indikation von therapeutischen Maßnahmen

    MRT ist nur Hilfe, die primäre Entscheidungsgrundlage ist die sorgfältige klinische Evaluation! Bei klinisch eindeutig erfüllten Kriterien für eine Therapieeinleitung wird eine MRT nichts zusätzlich beitragen. Ebenso wird man bei klinisch eindeutig stabiler Situation nicht wegen eines deutliche Aktivität zeigenden MRT eine Behandlung einleiten, vielleicht aber die Patienten engmaschiger klinisch überwachen. In Grenzsituationen kann ein MRT den Ausschlag für oder gegen Therapie mitbedingen. Allgemeiner akzeptierte Kriterien für solche Entscheidungen müssen noch erarbeitet werden.
    Bei Therapien, die in Studien einen ausgeprägten Effekt auf das MRT gezeigt haben (insbesondere Interferone), kann der Vergleich zwischen Ausgangsbefund und Befund im Verlauf Hinweise auf die Wirksamkeit auch im Einzelfall geben. Voraussetzung ist optimale Vergleichbarkeit durch standardisierte, qualitativ hochwertige Aufnahme-Technik entsprechend den publizierten Richtlinien für klinische Studien, ggf. auch zentrale Auswertung in spezialisierten Zentren. Zu berücksichtigen ist auch die natürliche Fluktuation der im MR sichtbaren entzündlichen Aktivität (Schnappschuß-Effekt), die mehr ins Gewicht fallen kann, weil häufige MRs meist aus finanziellen Gründen nicht machbar sind. Es ist zu hoffen, daß die sorgfältige Analyse kürzlich abgeschlossener oder noch laufender prospektiver Therapiestudien in Zukunft die Eignung von MRT-Untersuchungen in der Steuerung von Therapiemaß- nahmen verbessern hilft.

    Quelle:
    07.02.2000 -- medpoint.ch -- The Portalsite of the Swiss Health community!


    17.01.2000 Nur etwa jeder siebte MS Kranke erhält Interferon

    Frankfurt am Main (SAW). In Deutschland sind über 120 000 Menschen an Multipler Sklerose erkrankt. Nach 15 Jahren Krankheitsdauer wird etwa die Hälfte von ihnen schwerbehindert sein. Trotz dieser erschreckenden Bilanz erhalten immer noch viel zu wenige MS-Patienten eine effektive Therapie. Nur etwa jeder siebte Patient wird frühzeitig immunmodulierend behandelt, obwohl damit die Progression der Erkrankung günstig beeinflußt werden kann.

    Darauf hat Privatdozent Dr. Peter Rieckmann von der Klinischen Forschungsgruppe für Multiple Sklerose und Neuroimmunologie der Universitätsklinik Würzburg bei einer Pressekonferenz in Frankfurt am Main hingewiesen.

    Bereits in frühen Erkrankungsstadien treten bei der schubförmigen MS außer entzündlichen Läsionen auch strukturelle Schäden des zentralen Myelins und eine Degeneration der Axone auf. Dabei hat nur etwa jede zehnte dieser Veränderungen - je nach Lokalisation im ZNS - unmittelbare klinische Folgen. Der Axonuntergang führt aber, unabhängig davon, ob er Ausfallsymptome verursacht, bereits in frühen Stadien zu einer Hirnatrophie, die zu diesem Zeitpunkt mit einem Betainterferon noch aufgehalten werden kann, sagte Rieckmann bei der vom Unternehmen Biogen unterstützten Veranstaltung. Dies habe eine Studie mit dem Betainterferon-Präparat Avonex® ergeben, in der die MS-Patienten mit Kernspintomographie untersucht wurden. Insgesamt 68 MS-Patienten waren zwei Jahre lang mit wöchentlichen i.m.-Injektionen des Medikaments in einer Dosierung von 1 Million Einheiten behandelt worden, 72 Patienten erhielten Plazebo. Das Ergebnis: Am Ende der Studie war die Abnahme des Hirnparenchyms in der Verumgruppe signifikant geringer ausgefallen als in der Placebogruppe.

    Diese Daten legen einen frühen Behandlungsbeginn mit immunmodulatorischen Substanzen nahe, meint Rieckmann. Wann also anfangen zu behandeln, womit und wann wieder aufhören? Zu all diesen Fragen hat die MS-Therapie-Konsensus- Gruppe (MSTKG) Stellung genommen (Nervenarzt 70, 1999, 371).

    Betainterferone gelten demnach als Basistherapeutika für die immunmodulierende Therapie bei schubförmiger MS. In Deutschland gibt es derzeit drei zugelassene Präparate dieser Art: Betaferon®, Avonex® und Rebif®. In drei großen randomisierten doppelblinden placebokontrollierten Studien konnten mit allen drei Präparaten die Schubfrequenz und die kernspintomographisch gemessene Krankheitsaktivität signifikant gesenkt werden, sagte der Neurologe. Die Behandlung sollte möglichst frühzeitig nach Diagnosestellung beginnen.

    Bei leichter Behinderung oder wenn die Betainterferone nicht vertragen werden, kann alternativ Glatirameracetat (Copaxone®) angewandt werden. Auch intravenös injizierbare Immunglobuline und Azathioprin kommen für die initiale immunmodulierende Therapie in Frage.

    Wie werden die Interferone gehandhabt? Wenn ein Präparat nicht vertragen wird, kann auf ein anderes umgestellt werden. Wenn das zuerst verwendete Präparat nicht effektiv ist, kann ein anderes Betainterferon, das öfter oder in höherer Dosierung appliziert wird, gegeben werden. Wie lange Interferone verordnet werden sollten, konnte die Konsensusgruppe noch nicht endgültig beurteilen. Rieckmann empfiehlt jedoch: "Solange es dem Patienten nutzt, er also keinen weiteren Schub erleidet, und solange er das Interferon verträgt, sollte er es auch bekommen."In der Praxis aber werden die Konsensus-Empfehlungen derzeit noch nicht konsequent umgesetzt. Etwa ein Drittel aller MS-Patienten wird nämlich nur vom Hausarzt betreut, und dem sind die Interferone oft schlicht zu teuer. Manche Bezirks-KVen haben die Interferontherapie aus dem Budget herausgenommen, so daß sie als Praxisbesonderheit deklariert werden kann.

    Quelle:
    17.01.2000 -- Ärzte Zeitung Online - die einzige Tageszeitung zur Gesundheit