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31.10.2008 Ärzte deuten Symptome oft falsch

München - Die Diagnose der Multiplen Sklerose verzögert sich oft unnötig um bis zu zehn Jahre. Der Grund: Ärzte führen die Symptome der chronisch-entzündlichen Krankheit fälschlich auf andere gesundheitliche Probleme zurück - vor allem auf starkes Übergewicht, Rauchen und verschiedene Gefäßkrankheiten. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher der University of Manitoba in der aktuellen Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift "Neurology" (Online-Vorabmeldung).

Das Team verglich die Krankengeschichten von knapp 9000 Männern und Frauen, bei denen Ärzte eine Multiple Sklerose (MS) festgestellt hatten. Wenn die Betroffenen vor der Diagnose unter Muskel- oder Gelenkschmerzen, Diabetes, Bluthochdruck oder anderen Beschwerden litten, verzögerte sich die Diagnose der MS und das Risiko, zu diesem Zeitpunkt bereits schwer behindert zu sein, stieg.

"Unsere Studie zeigt, dass Ärzte, die chronisch Kranke behandeln, neue neurologische Symptome wie Taubheit und Kribbeln nicht leichtfertig bestehenden Beschwerden zuordnen sollten", sagt Studienleiterin Ruth Ann Marrie. Neben physischen Faktoren, könnten auch psychische Erkrankungen auf die falsche Fährte führen, so die Medizinerin weiter.

Multiple Sklerose ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung, die das gesamte zentrale Nervensystem befallen kann. Sie tritt meist schubweise auf, verläuft jedoch bei jedem Patienten anders. (fs)

Quelle: netdoktor.de, 30.10.08


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30.10.2008 Adipositas und Begleiterkrankungen zögern Diagnose um Jahre hinaus

Winnipeg - Die Frühsymptome einer multiplen Sklerose werden häufig falsch interpretiert, wenn die Patienten bereits wegen anderer Erkrankungen in ärztlicher Behandlung sind. Eine Studie in Neurology (2008; doi: 10.1212/01.wnl.0000333252.78173.5f) zeigt ferner, dass auch bei Übergewichtigen die Diagnose häufig erst spät gestellt wird.

Die Frühsymptome der multiplen Sklerose können subtil sein. Häufig stehen Störungen der Sensibilität wie Kribbeln oder Taubheitsgefühle am Anfang. Wenn die Patienten dies dem Arzt mitteilen, besteht die Tendenz die Beschwerden auf bereits bestehende Erkrankungen zurückzuführen, beklagt Ruth Ann Marrie von der Universität von Manitoba in Winnepeg, die das Krankenregister der North American Research Committee on Multiple Sclerosis ausgewertet hat.

Von den 8.983 dort registrierten Patienten litten 2.375 bereits zwei Jahren nach der Diagnose an Behinderungen. Die Befragung ergab, dass diese Personen häufig übergewichtig waren und an anderen Erkrankungen litten. Für die Adipositas ermittelte Marrie ein um 38 Prozent erhöhtes Risiko auf mittelschwere Behinderungen zum Zeitpunkt der Diagnose, für Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen war das Risiko sogar um um 51 Prozent erhöht.

Patienten mit Erkrankungen des Bewegungsapparates hatten 81 Prozent häufiger als andere zu Beginn der Erkrankung bereits schwere Behinderungen, bei Patienten mit mentalen Erkrankungen war das Risiko um 62 Prozent erhöht. Die Dauer der Verzögerungen bis zur Diagnose gibt Marrie mit einem bis zehn Jahre an. Sie forderte die Ärzte auf, häufiger als bisher an die Möglichkeit einer multiplen Sklerose zu denken.

Quelle: rme/aerzteblatt.de, 30.10.08


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27.10.2008 Psoriasismedikament bei multipler Sklerose wirksam

Basel - Ein zur oralen Behandlung der Schuppenflechte (Psoriasis vulgaris) zugelassenes Medikament könnte auch bei der multiplen Sklerose wirksam sein. In einer Phase-II-Studie im Lancet (2008; 372: 1463-72) senkte der Fumarsäureester die Krankheitsaktivität in der Kernspintomografie erheblich. Sein klinischer Stellenwert wird aber erst nach dem Abschluss der laufenden Phase-III-Studie bekannt sein.

Dimethylfumarat, ein Ester der Fumarsäure, wurde 1995 in Deutschland (als Fumaderm®) zur Behandlung der Psoriasis vulgaris zugelassen. Anfangs ein wenig belächelt, ist es heute ein anerkanntes und kostengünstiges Antipsoriatikum. Die Beliebtheit des "natürlichen" Medikaments - Fumarsäure ist Zwischenprodukt im Zitronensäurezyklus und Nebenprodukt im Harnsäurezyklus - wird allerdings durch häufige gastrointestinale Beschwerden eingeschränkt.

Sie dürften dem Einsatz bei der multiplen Sklerose nicht notwendigerweise im Wege stehen, wenn sich die Ergebnisse der jetzigen Studie bestätigen sollten. Es handelt sich um eine Dosisfindungsstudie an 257 Patienten im Alter von 18 bis 55 Jahren mit schubförmig verlaufender multipler Sklerose. Diese erhielten über 24 Wochen Placebo oder BG00012, eine orale Formulierung von Dimethylfumarat, in einer Tagesdosis zwischen 120 mg und 720 mg.

In der höchsten Dosierung verringerte sich ab der 12. bis zur 24. Woche die mittlere Gesamtzahl neuer GdE-Läsionen (primärer Endpunkt der Studie) im Vergleich zu Placebo (1,4 vs. 4,5) um 69 Prozent. Auch die Anzahl neuer oder sich vergrößernder T2-hyperintenser und T1-hypointenser Läsionen (sekundäre Endpunkte) wurde reduziert.

Der Rückgang der jährlichen Rezidivrate um 32 Prozent (0,44 gegenüber 0,65 für Placebo) verfehlte allerdings das Signifikanzniveau. Die Studie war aber auch nicht mit Blick auf diesen klinischen Endpunkt hin konzipiert worden, berichtet die Gruppe um Ludwig Kappos vom Universitätsspital Basel.

Die Editorialisten Prof. Per Soelberg Sørensen und Dr. Finn Sellebjerg vom dänischen MS-Forschungszentrum an der Universitätsklinik Rigshospitalet in Kopenhagen sehen in der oralen Verfügbarkeit einen Vorteil der Fumarsäure gegenüber den derzeitigen Medikamenten.

Für die Akzeptanz bei den Patienten dürfte aber die Frage der Verträglichkeit von ebenso großer Bedeutung sein. In der derzeitigen Studie klagten in der höchsten Dosierung 40 Prozent der Patienten über Hautreaktionen ("Flushing"), 21 Prozent über Kopfschmerzen und 16 Prozent über Nausea.

Der nächste Schritt besteht in einem direkten Vergleich mit etablierten Therapien. Seit Juni 2007 läuft bereits eine Phase III-Vergleichsstudie gegen Glatirameracetat. Die Ergebnisse werden erst im November 2010 vorliegen.

Quelle: rme/aerzteblatt.de, 27.10.08


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23.10.2008 Leukämiemittel wirkt bei multipler Sklerose

Cambridge - Bei Patienten mit multipler Sklerose im Anfangsstadium scheint eine einmal jährliche Therapie mit dem Leukämiemedikament Alemtuzumab den Krankheitsverlauf sehr günstig zu beeinflussen. In einer Phase-II-Studie im New England Journal of Medicine (2008; 359: 1786-1801) war der monoklonale Antikörper der derzeitigen Standard-Therapie mit einem Beta-Interferon deutlich überlegen. Es kam jedoch zu schweren Komplikationen, die nach Einschätzung eines Editorialisten den Einsatz des Medikamentes derzeit noch infrage stellen.

Alemtuzumab war der erste monoklonale Antikörper, der in der Medizin eingesetzt wurde. Er wurde von Pathologen der Cambridge Universität in England bereits in den 80er-Jahren entwickelt, worauf der Präparatename - Cam-path 1 - (für Cambridge Pathology) hinweist. Als MabCampath® wurde Alemtuzumab Anfang der 90er-Jahre (in Deutschland 1991) zur Behandlung der chronisch lymphatischen Leukämie (CLL) eingeführt.

Seine Wirkung beruht auf der Bindung von CD52, einem Protein, das in großer Zahl auf der Oberfläche von leukämischen, aber auch gesunden Leukozyten vorkommt. Angegriffen werden CD4- und CD8-T-Zellen, die über viele Monate ausgeschaltet werden, während sich die B-Zellen rasch erholen.

Dass Alemtuzumab auch bei der multiplen Sklerose, die zu den Autoimmunerkrankungen unter Beteiligung der T-Zellen gehört, wirksam sein könnte, wurde früh erkannt. Es wurde jedoch schnell klar, dass die Leukozyten-Depletion mit schweren Komplikationen erkauft wird, zu denen Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse zählen.

Das jetzt erneut erwachte Interesse gründet sich auf offene Studien, in denen Alemtuzumab nicht nur das Fortschreiten der multiplen Sklerose verlangsamte. Bei einigen Patienten kam es sogar zu Rückbildungen der Behinderungen. Dies führte zu einer Phase-II-Studie, in der Patienten im Frühstadium der Erkrankung behandelt wurden, und zwar in der Hoffnung, dass die frühe Therapie den Krankheitsverlauf langfristig günstig beeinflussen werde.

Bei den Teilnehmern der jetzt publizierten Phase-II-Studie lag der Erkrankungsbeginn keine drei Jahre zurück. Bei allen war eine schubförmig verlaufende multiple Sklerose nach den McDonald Kriterien diagnostiziert worden mit einem Behinderungsgrad von 3,0 oder weniger auf der EDSS-Skala (Expanded Disability Status Scale).

Die Patienten wurden auf zwei Gruppen randomisiert. Sie erhielten entweder eine derzeitige Standardtherapie mit Interferon beta 1a (drei subkutane Injektionen pro Woche) oder Infusionen mit Alemtuzumab, die jährlich wiederholt werden sollten. Die ersten Patienten wurden im Dezember 2002 behandelt, doch schon im September 2005 wurden die Alemtuzumab-Infusionen suspendiert.

Der Grund waren drei schwere Fälle einer immunen thrombozytopenischen Purpura (ITP), an deren Folgen einer der Patienten starb. Bei der späteren Untersuchung aller Patienten wurden weitere ITP-Fälle erkannt, sodass die Häufigkeit dieser Komplikation drei Prozent betrug (ein Prozent unter Beta-Interferon).

Während die ITP überraschend kam, hatten die Autoren mit dem Auftreten von Schilddrüsenfunktionsstörungen gerechnet. Am Ende sollten 23 Prozent der Patienten davon betroffen sein (drei Prozent unter Beta-Interferon). Auch die Rate der Infektionen war mit 66 vs. 47 Prozent erhöht.

Dennoch ist das Team um Alastair Compston von der Cambridge Universität fest entschlossen, die Wirksamkeit von Alemtuzumab in einer Phase-III-Studie weiter zu untersuchen. Der Grund ist die außerordentlich hohe Wirksamkeit gegen die multiple Sklerose. Endpunkt war hier die anhaltende Akkumulation von Behinderungen (sustained accumulation of disability).

Gemeint ist eine Verschlechterung der EDSS-Werte um 1,5 bei einem Ausgangswert von 0 oder eine Verschlechterung um 1,0 bei einem Ausgangswert von 1,0. Diesen Endpunkt erreichten unter der Interferontherapie 26,2 Prozent der Patienten, unter Alemtuzumab dagegen nur 9,0 Prozent (Hazard Ratio 0,29; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,6-0,54). Und die jährliche Rezidivrate (annualized rate of relapse) ging von 0,36 auf 0,10 zurück, was einer Hazard Ratio von 0,26 (0,16-0,41) entspricht.

Das heißt, die Häufigkeit von Rezidiven wurde um 74 Prozent gesenkt und das gegenüber der derzeitigen Standardtherapie. Noch wichtiger ist der Befund, dass die Verbesserungen im EDSS, die in den ersten Monaten erzielt wurden, über die gesamte Beobachtungszeit von drei Jahren erhalten blieben.

Hieran knüpft sich die Hoffnung, dass eine frühzeitige aggressive Therapie die Patienten möglicherweise ganz vor den Spätfolgen der Erkrankungen schützen kann. Ob dies gelingt, ist für den Editorialisten Stephen Hauser von der Universität von San Francisco (NEJM 2008; 359: 1838-1840) derzeit überhaupt noch nicht abzusehen. Klären können dies erst die Langzeiterfahrungen und der Vergleich mit anderen neueren Ansätzen, zu denen Natalizumab und seit kurzem auch Rituximab gehören.

Quelle: rme/aerzteblatt.de, 23.10.08


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26.09.2008 Forscher finden neuen Therapie-Ansatz gegen Autoimmunkrankheiten

ERLANGEN (dpa). Forscher der Universität Erlangen-Nürnberg haben nach Angaben der Hochschule ein Enzym entdeckt, mit dessen Hilfe sich Autoimmunreaktionen im menschlichen Körper unterdrücken lassen. Die Studie Hoffnungen auf neue Möglichkeiten bei der Bekämpfung von Erkrankungen wie Multipler Sklerose oder Arthritis, teilte die Universität am Freitag mit.

Die Forscher der Arbeitsgruppe um Professor Falk Nimmerjahn hätten einen Erfolg versprechenden Therapieansatz gefunden, der eine Fehlsteuerung des Immunsystems und damit die schädigende Wirkung der Antikörper blockiere, die zu chronischen Erkrankungen führen kann. Sie hätten ein bakterielles Enzym identifiziert, das die Zuckerseitenkette des Antikörpers entfernt.

Das Zuckermolekül ist Bestandteil jedes Antikörpers. Fehle die Zuckerseitenkette, könne der Antikörper nicht funktionieren und verliere seine entzündliche Wirkung. Bisher sei es der Wissenschaft noch nicht möglich gewesen, diese Schwachstelle der Antikörper gezielt anzugreifen. Im Tiermodell sei es den Wissenschaftlern nun gelungen, eine Reihe von Autoimmunerkrankungen erfolgreich zu unterdrücken.

Quelle: Ärzte Zeitung online, 26.09.08


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18.09.2008 Multiple Sklerose weiter verbreitet als befürchtet

Erste weltweite Studie soll Ursachen für die Erkrankung aufdecken

Genf - Eine groß angelegte Studie, die entscheidende Fragen zur Multiplen Sklerose ein für alle Mal klären soll, wird am kommenden Donnerstag der Öffentlichkeit vorgestellt. Durchgeführt haben die erste weltweite Studie zu diesem Thema die Weltgesundheitsorganisation WHO www.who.int und die Multiple Sclerosis International Federation (MSIF) www.msif.org/de . Derzeit ist noch unerforscht, was genau eine multiple Sklerose auslöst. Die Studie geht jedoch davon aus, dass viel mehr als die geschätzten 1,3 Mio. Menschen betroffen sein dürften. Die Wissenschaftler fordern, dass die Regierungen mehr in Information und Unterstützung investieren, um die Lebensqualität der Patienten zu verbessern.

Multiple Sklerose tritt typischerweise bei jungen Erwachsenen auf und kann zu einer schweren gesundheitlichen Beeinträchtigung führen. Zu den Symptomen gehören Schmerzen, der Verlust des Gleichgewichts, Muskelkrämpfe, Lähmungen und eine allgemeine Erschöpfung. Die Krankheit hat trotz intensiver Forschung viele ihrer Geheimnisse noch nicht Preis gegeben. Es ist laut BBC noch immer nicht geklärt, was sie wirklich verursacht, warum Frauen doppelt so wahrscheinlich daran erkranken oder warum sie in kälteren Ländern soviel verbreiteter ist als in wärmeren. Die Studie hat herausgefunden, dass, obwohl die meisten Erkrankungen in der entwickelten Welt auftreten, jedes teilnehmende Land - egal ob reich oder arm - Fälle von MS aufzuweisen hatte.

MSIF-Generaldirektor Peer Baneke betonte, dass die Diagnose einer Multiplen Sklerose sehr schwer sein kann. Eigentlich seien Neurologen erforderlich, die die einzelnen Krankheitsbilder voneinander abgrenzen können. Zusätzlich sei eine spezielle medizinische Ausrüstung erforderlich, die für finanziell schlechter ausgestattete Gesundheitssysteme nicht zugänglich ist. MRI-Scanner sind in den Entwicklungsländern auch heute noch Mangelware. "Es muss viele Betroffene geben, von denen wir einfach nichts wissen."

Ein weiterer zentraler Aspekt der Studie konzentriert sich auf die Erfahrungen von MS-Patienten. In vielen Ländern leiden sie unter Stigmata und den verbreiteten Missverständnissen. Bei der 36 Jahre alten Indonesierin Kanya Puspokusumo etwa wurde die Krankheit im Jahr 2001 diagnostiziert. Manche Menschen hätten allen Ernstes geglaubt, dass MS und Aids ähnliche Krankheiten seien, berichtet sie. Auch die Erklärungen, dass eine Übertragung von einem Menschen zum anderen nicht möglich sei, hätten ihre soziale Isolation nicht beendet.

Quelle: pressetext.austria, 18.09.08 - 10:15


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16.09.2008 Viren können offenbar den Beginn einer Multiplen Sklerose triggern

Vieles spricht für Epstein-Barr-Viren als Kofaktoren bei MS: Einem ersten Krankheitsschub geht oft eine Aktivierung der Viren voraus.

Für virale Infektionen als Trigger von MS-Erkrankungen gibt es zahlreiche Hinweise. Daran hat Professor Bernhard Hemmer vom Klinikum rechts der Isar in München erinnert. So gab es auf den Färöer-Inseln vor 1940 praktisch keine MS-Erkrankungen, sagte Hemmer auf dem Neurologen-Kongress in Hamburg.

Erst, nachdem britische Soldaten im Zweiten Weltkrieg auf den Inseln gelandet waren, sei MS dort "eingeschleppt" worden. Krankheiten wie Borreliose, HIV, Masern oder Mumps konnten jedoch als Kofaktoren für eine MS ausgeschlossen werden - MS-Kranke waren davon nicht häufiger betroffen als Gesunde. Eine wichtige Beobachtung sei, dass etwa 85 Prozent der Kinder mit MS auch EBV infiziert sind, dagegen nur etwa die Hälfte der gesunden Kinder.

Der Unterschied bei Erwachsenen ist dagegen nicht mehr so deutlich, da sich die meisten Menschen im Laufe ihres Lebens mit EBV infizieren, jedoch seien praktisch alle MS-Kranken EBV-positiv (99 Prozent), bei den Gesunden ist der Anteil mit 92 Prozent etwas geringer.

Umgekehrt gilt: Wer nicht EBV-infiziert ist, hat nur ein äußerst geringes Erkrankungsrisiko. Diese ist um den Faktor 20 geringer als bei EBV-positiven Menschen, so Hemmer. Für EBV als wichtigen Faktor bei der MS-Entstehung spreche zudem, dass MS-Patienten eine erhöhte Antikörper-Aktivität gegen das Virus aufweisen. In retrospektiven Analysen von Serumproben konnte gezeigt werden, dass dieser Anstieg schon weit vor dem ersten MS-Schub stattfindet. Zudem scheint nach diesen Daten das Risiko für einen MS-Ausbruch um so höher, je höher der Antikörper-Titer gegen EBV ist.

Auf welche Weise EBV eine MS triggern können, ist jedoch noch unklar. Die Viren infizieren B-Lymphozyten und persistieren in Gedächtniszellen. Dort werden sie wieder aktiv, wenn sich die Gedächtniszellen an einer Immunantwort beteiligen. Es gebe Hinweise, dass EBV auch in Gliazellen eindringen.

Befunde einer italienischen Gruppe, dass praktisch alle B-Lymphozyten in MS-Läsionen EBV-infiziert seien, ließen sich jedoch von anderen Arbeitsgruppen nicht bestätigen, sagte Hemmer. Diskutiert wird, dass EBV bei genetisch empfindlichen Menschen zu immunologischen Kreuzreaktionen mit Myelin führt, oder dass die Viren autoreaktive B-Zellen außer Kontrolle geraten lassen.

Die beste Möglichkeit, die Bedeutung von EBV bei MS zu prüfen, wäre ein Impfstoff, so Hemmer. Eine Vakzine wird derzeit entwickelt - gegen EBV-induzierten Lymphknotenkrebs bei Immungeschwächten. (mut)

Quelle: Ärzte Zeitung, 15.09.2008


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18.08.2008 Ergebnisse aus Phase II: Laquinimod bei Multipler Sklerose

Die kürzlich publizierten Ergebnisse einer Phase-II-Studie zeigten, dass Laquinimod in einer bestimmten Dosierung die Krankheitsaktivität in der Kernspintomografie signifikant vermindern konnte.

Die Ergebnisse wurden von Dr. Giancarlo Comi (Mailand) und seinen Kollegen in der renommierten Fachzeitschrift The Lancet (2008; 371: 2085-92) veröffentlicht.

Gegenwärtig laufen zahlreiche Studien mit dem Ziel, ein in Tablettenform zu verabreichendes Medikament gegen MS zu finden. Dieses wäre ein großer Schritt vorwärts für MS-Erkrankte. Laquinimod wird oral verabreicht  es soll entzündungs-hemmende Wirkung haben. Die Substanz gehört chemisch zur Gruppe der Chinoline, die früher zur Bekämpfung der Malaria eingesetzt wurden.

An der Studie waren 51 Zentren aus neun Ländern beteiligt. 306 Patienten waren letztlich eingeschlossen. Sie wurden über 24 Wochen entweder mit 0,3 mg oder 0,6 mg Laquinimod oder Placebo behandelt. MRT- und klinische Untersuchungen wurden monatlich von Woche 12 bis 36 vorgenommen, um die Wirkung zu testen. Die Ergebnisse zeigten, dass in der 0,6-mg-Gruppe die kumulative Anzahl neuer Läsionen gegenüber Placebo um 40,4 % reduziert war. Bei der geringeren Dosierung allerdings gab es keine signifikanten Unterschiede zwischen der Wirkstoffgruppe und der Placebogruppe. Eine Schub-verminderung wurde nicht beobachtet  dazu war die Studie wohl auch zu kurz.

Das Medikament wurde in beiden Dosierungen gut vertragen. Als Nebenwirkungen traten Erhöhungen der Leberwerte auf: bei 23,4 % der 0,6-mg- Gruppe; bei 33 % in der 0,3-mg-Gruppe und auch bei 10,8 % der Placebogruppe. Bei einem Patienten kam es nach einem Monat der Therapie zu einer Thrombose in den Lebervenen (Budd-Chiari-Syndrom). Der Patient hatte allerdings dafür eine genetische Prädisposition und er konnte erfolgreich mit gerinnungshemmenden Medikamenten behandelt werden.

Eine endgültige Bewertung der Sicherheit sowie der Wirksamkeit von Laquinimod kann erst nach Vorliegen der Daten aus der inzwischen angelaufenen Phase-III-Studie vorgenommen werden, an der auch zahlreiche Zentren in Deutschland beteiligt sind.

Quelle: The Lancet
Redaktion: DMSG, Bundesverband e.V. - 18.08.08


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04.08.2008 Berichtigung: MS: Hirninfektionen unter Tysabri bisher ohne Todesfolge

Cambridge - Unter der Therapie mit dem Medikament Tysabri® (Wirkstoff: Natalizumab) sind erneut zwei Patienten an einer progressiven multifokalen Leukenzephalopathie (PML) erkrankt, die häufig tödlich endet. aerzteblatt.de hatte am Freitag irrtürmlicherweise berichtet, dass beide Patienten verstorben seien. Das ist nicht der Fall: Ein Patient ist hospitalisiert, der andere befindet sich in ambulanter Behandlung in einem stabilen Zustand.

Beide Patienten hatten Tysabri als Monotherapie erhalten. "Fall 1" hatte vorher keine anderen krankheitsmodifizierenden Medikamente erhalten. Im Rahmen der klinischen Vigilanz waren nach 17 Monaten Therapie mit Tysabri Zeichen und Symptome einer möglichen PML identifiziert worden. Die Untersuchungsbefunde, darunter eine Kernspintomografie und eine Untersuchung des Liquor cerebrospinalis, konnten den Verdacht anfangs nicht bestätigen.

Dennoch wurde ein Plasmaaustausch initiiert, der ambulant durchgeführt wurde. Schließlich wurde DNA des JC-Virus, des Erregers des PML, im Liquor cerebrospinalis nachgewiesen. Experten der Erkrankung kamen aufgrund des Gesamtbefundes zu dem Ergebnis, dass der Patient an PML erkrankt ist. Der Patient befindet sich nach Auskunft des Herstellers in einem klinisch stabilen Zustand und wird weiter ambulant betreut.

Der "Fall 2" war vor dem Beginn der Therapie mit Natalizumab bereits mit krankheitsmodifizierenden Medikamenten, darunter Azathioprin und Beta-Interferon behandelt worden. Nach 14 Monaten Monotherapie mit Tysabri kam es zu möglichen Erkrankungszeichen. Der Verdacht einer PML wurde dann durch eine Kernspintomografie und den DNA-Nachweis des JC-Virus im Liquor cerebrospinalis bestätigt. Der Patient ist derzeit hospitalisiert.

Die Bekanntgabe der beiden Erkrankungsfälle hatte zu einer Verunsicherung der Anleger der beiden Firmen Biogen Idec und von Elan geführt, deren Aktienkurse an mehreren Börsen spürbar zurückgingen. Zwei PML-Erkrankungen mit Todesfällen hatten Anfang 2005 zur zeitweiligen Rücknahme des Medikamentes in den USA geführt. Es wurde erst Mitte 2006 wieder zugelassen. Im gleichen Jahr wurde das Tysabri auch in Europa eingeführt.

Die Zulassung ist an strenge Bedingungen geknüpft, die unter anderem eine Vigilanz gegenüber neurologischen Zeichen und Symptomen der PML vorsehen. Ihr ist vermutlich die frühe Diagnose der PML bei den beiden Patienten zu verdanken. Der Hersteller Biogen versucht inzwischen gegenüber der Wirtschaftspresse die Wogen zu glätten. Eine Vertreterin erklärte, die Erkrankungen seien "antizipiert" worden. Eine erneute Rücknahme des Medikaments stehe derzeit nicht zur Diskussion.

Der behandelnde Arzt eines der beiden an PML erkrankten MS-Patienten erklärte gegenüber aerzteblatt.de, dass eine zwangsläufige Todesfolge nicht angenommen werden müsse, auch wenn diese nicht auszuschließen sei. Derzeit würden Therapiemassnahmen angewendet, die einen Erfolg erhoffen lassen. Eine Panik unter den Tysabri-Behandelten sollte jedoch auf jeden Fall vermieden werden.

Die Zulassungsbehörden haben sich noch nicht zu diesem Thema geäußert. Ihnen wird es obliegen, zu prüfen, ob die derzeitigen Sicherheitsmaßnahmen ausreichen, um Infektionen mit dem JC-Virus rechtzeitig zu erkennen. Das Ergebnis dieser Prüfung dürfte sicherlich vom weiteren Verlauf der beiden Erkrankungen abhängen.

Quelle: rme/aerzteblatt.de, 04.08.08


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01.08.2008 Neue Todesfälle unter Tysabri

Cambridge - Die Firma Biogen Idec teilt zwei Todesfälle unter der Therapie mit dem Antikörper Natalizumab (Tysabri®) mit, der bei der multiplen Sklerose eingesetzt wird. Als erstes reagierten nicht etwa die Zulassungsbehörden, sondern die Aktionäre. Die US-Kurse von Biogen Idec und von Elan fielen um 16 beziehungsweise 36 Prozent.

Tysabri war im November 2004 in den USA zugelassen worden, der Hersteller musste den Verkauf aber schon drei Monate später wieder einstellen, nachdem zwei Patienten an einer progressiven multifokalen Leukenzephalopathie (PML) verstorben waren. Der Verkauf von Tysabri wurde im Juni 2006 in den USA unter strengen Auflagen wieder zugelassen.

Ein Risikominimierungsplan ("Touch") soll verhindern, dass es zu weiteren PML-Erkankungen kommt. Auch in Deutschland, wo das Medikament 2006 zugelassen wurde, ist ein Patientenpass Pflicht. Die erneuten Todesfälle dürften dazu führen, dass zumindest die europäischen Behörden ihre Maßnahmen zur Patientensicherheit überprüfen werden. Beide Todesfälle traten in Europa auf.

Beim ersten Todesfall handelt es sich um einen Patienten unter der Ersttherapie, der Tysabri über 17 Monate als Monotherapie eingenommen hatte und dann an einer PML verstarb. Der zweite Patient hatte vorher andere Medikamente eingenommen und war nach 14 Monaten Monotherapie mit Tysabri gestorben.

Die PML lässt sich direkt aus dem Wirkungsmechanismus von Natalizumab ableiten. Der monoklonale Antikörper blockiert sogenannte Integrin-Rezeptoren auf der Oberfläche von Leukozyten. Dies verhindert den Übertritt der Abwehrzellen in das Gehirnparenchym. Auf diese Weise kann zwar der Autoimmunprozess an den Myelinscheiden der Neurone bei der Multiplen Sklerose gestoppt werden. Es stehen aber auch keine Möglichkeiten zur Abwehr von Krankheitserregern zur Verfügung, zu denen auch das JC-Virus gehört, das der Auslöser der PML ist.

Quelle: rme/aerzteblatt.de, 01.08.08


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30.07.2008 Neues MRT- Kontrastmittel ermöglicht im Tiermodell
                     Diagnose im frühen Krankheitsstadium


Im Tiermodell der Multiplen Sklerose (MS) haben Neuroradiologen und Neurologen der Universitätsklinika Heidelberg und Würzburg bislang meist unerkannt gebliebene Gewebeschäden mit Hilfe eines neuen Kontrastmittels in der Magnet-Resonanz-Tomographie sichtbar machen können. Die Wissenschaftler haben ihre Ergebnisse in der Online-Ausgabe der Fachzeitschrift "Brain" veröffentlicht.

Im frühen Stadium der Erkrankung ist eine medikamentöse Behandlung besonders erfolgreich. Bislang konnte eine frühe Diagnose jedoch meist nicht mit Sicherheit gestellt werden, insbesondere wenn keine oder nur wenige Entzündungsherde in der MRT zu finden waren. "Mit dem neuen Kontrastmittel konnten wir fünf bis zehn Mal mehr entzündliche Läsionen im Vergleich zu üblichen MRT-Bildern und Kontrastmitteln sichtbar machen", berichtet Professor Dr. Martin Bendszus, Ärztlicher Direktor der Abteilung für Neuroradiologie am Universitätsklinikum Heidelberg.

Bislang unerkannte Entmarkungsherde werden mit MRT sichtbar

Die MRT spielt eine entscheidende Rolle in der Frühdiagnose der MS.
Die Wissenschaftler aus Heidelberg und Würzburg untersuchten mit dem neuen Kontrastmittel Gehirn und Rückenmark von Tieren zu unterschiedlichen Zeitpunkten des Krankheitsverlaufs und fanden deutlich mehr entzündliche Läsionen als mit herkömmlichen Kontrastmitteln. Gewebeuntersuchungen der Läsionen zeigten, dass es sich hierbei tatsächlich um Entzündungsherde handelte. Insbesondere im Rückenmark oder im Sehnerv, die zu den schwer zu untersuchenden Nervenregionen zählen, war die Diagnostik mit dem neuen Kontrastmittel deutlich überlegen.

Neues Kontrastmittel reichert sich besser in MS-Läsionen an

Die Ergebnisse der Studie könnten die Behandlungsergebnisse bei MS entscheidend verbessern helfen. "MS ist die häufigste Ursache für Berufsunfähigkeit und Behinderung im jungen Erwachsenenalter", erklärt Professor Bendszus. "Neue Therapien haben einen positiven Einfluss auf den Krankheitsverlauf, werden jedoch häufig nicht rechtzeitig eingesetzt, da die Diagnose MS oft erst im fortgeschritteneren Stadium gestellt werden kann."

Das neue Kontrastmittel Gadofluorine M stellt MS-Läsionen vermutlich besser da, weil es besonders gut an bestimmte Bestandteile der Zellumgebung (extrazelluläre Matrix) in den entzündlichen Herden bindet. Dadurch reichert es sich in höherer Konzentration in den Läsionen an.

Das nächste Ziel der interdisziplinären Arbeitsgruppe ist nun die Weiterentwicklung des neuen MRT-Kontrastmittels für eine Anwendung in der klinischen Routine. Bislang ist das Kontrastmittel noch nicht zugelassen. Für die geplante klinische Anwendung sind weitere präklinische Untersuchungen erforderlich.

Quelle: journalMED


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29.07.2008 Multiple Sklerose mit neuem Kontrastmittel früher erkennbar

HEIDELBERG (dpa). Die Krankheit Multiple Sklerose soll künftig mit einem neuen Kontrastmittel deutlich früher zu erkennen sein. Wie das Universitätsklinikum Heidelberg mitteilte, konnten Forscher aus Heidelberg und Würzburg damit bei Versuchstieren Gewebeschäden sichtbar machen, die im Magnetresonanz-Tomografen (MRT) meist unerkannt bleiben.

Im Vergleich zu üblichen MRT-Bildern seien fünf- bis zehnmal mehr entzündliche Läsionen zu sehen gewesen, schilderte Martin Bendszus, Ärztlicher Direktor der Abteilung für Neuroradiologie. Eine möglichst frühe Diagnose ist wichtig für eine wirkungsvolle Behandlung der Nerven-Erkrankung.

Im frühen Stadium ist eine medikamentöse Behandlung der bislang unheilbaren Multiplen Sklerose (MS) besonders erfolgreich. Bisher konnte eine frühe Diagnose jedoch meist nicht mit Sicherheit gestellt werden, insbesondere wenn keine oder nur wenige Entzündungsherde im Kernspin-Bild zu finden waren. Details zu ihren Untersuchungen zu dem neuen Kontrastmittel Gadofluorine M beschreiben die Forscher aus Heidelberg und Würzburg im Fachjournal "Brain" (online vorab veröffentlicht).

Das neue Kontrastmittel ist noch nicht zugelassen. Es soll für die klinische Anwendung weiterentwickelt werden. Dafür sind laut Mitteilung weitere Untersuchungen erforderlich.

In Deutschland sind rund 120 000 Menschen an MS erkrankt. Die Ursache der chronisch entzündlichen Erkrankung des zentralen Nervensystems ist unbekannt. Meist beginnt sie im jungen Erwachsenenalter, Frauen sind häufiger betroffen. Gekennzeichnet ist die MS durch vielfältige entzündliche Herde, in denen die Nervenfasern die schützenden Markscheiden verlieren.

Quelle: Ärzte Zeitung online, 29.07.2008


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07.07.2008 Teva Pharmaceutical verfehlt Studienziel bei

JERUSALEM (Dow Jones)--Der israelische Pharmahersteller Teva Pharmaceutical Industries Ltd hat bei einer Studie seines Multiple-Sklerose-Medikaments "Copaxone" einen Rückschlag erlitten. Eine Phase-3-Studie habe gezeigt, dass die Verdopplung der Dosis auf 40 mg keine Verbesserung der Rückfallrate bringe, teilte das Unternehmen am Montag mit.

Die Ergebnisse der Studie sind eine Enttäuschung für den weltgrößten Generikahersteller, der gehofft hatte, das Wachstum in der Behandlung Multipler Sklerose mit einer Verdopplung der Dosis zu unterstützen. Im vorbörslichen Handel gaben die Aktien daraufhin um 6% auf 44,36 USD nach.

Die Abgabe der kleineren Dosis ist in 51 Staaten zugelassen, darunter Nordamerika und Europa. In Europa wird das Medikament von Teva und Sanofi-Aventis SA vermarktet.

Im Mai hatte Teva von einem 35%-igen Anstieg des Copaxone-Umsatzes auf 542 Mio USD im ersten Quartal berichtet. Multiple Sklerose ist die verbreitetste Ursache neurologischer Leiden bei jungen Erwachsenen und betrifft mehr als eine Million Menschen weltweit.

Von Donna Kardos, Dow Jones Newswires; +49 (0) 69 29725 104; unternehmen.de@dowjones.com


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03.07.2008 MS-Patientin will Kind - postpartum ist mit Schub zu rechnen

Von der Multiplen Sklerose sind mehrheitlich junge Frauen betroffen. Viele davon wünschen sich Kinder und kommen mit der Bitte nach Beratung in die Praxis. Was ist den Patientinnen zu raten?

DIE PATIENTIN

Bei einer 29-jährigen Patientin wurde vor fünf Jahren eine schubförmige MS diagnostiziert, nachdem sie eine Sehnervenentzündung und fünf Monate später eine Hemihypästhesie der linken Körperhälfte erlitten hatte. Das MRT zeigte damals mehrere periventrikuläre Signalanhebungen, zwei davon mit Gd-Anreicherung in der kontrastmittelverstärkten T1-Wichtung. Die Patientin wurde mit einem Interferon-beta-Präparat behandelt, mit dem sie gut zurechtkam. Innerhalb der letzten Jahre ereigneten sich zwei sensible Schübe mit guter Rückbildung unter intervenöser Kortisongabe. Bei der Patientin besteht ein Kinderwunsch. Sie legt ein aktuelles kraniales MRT vor, das mehr als neun periventrikuläre Herde in der T2-Wichtung zeigt, von denen jedoch keiner Kontrastmittel aufnimmt.

Grundsätzlich bestehen aus neurologischer Sicht keine Einwände gegen eine Schwangerschaft, da der schicksalhafte Verlauf der Multiplen Sklerose insgesamt nicht negativ beeinflusst wird. Die Studie PRIMS an 227 Frauen hat dies recht gut belegt [1]. Einer im Vergleich zur Schubrate vor der Schwangerschaft reduzierten Schubhäufigkeit während der Schwangerschaft, insbesondere im 2. und 3. Trimenon, steht eine erhöhte Wahrscheinlichkeit gegenüber, innerhalb der ersten drei Monate nach der Geburt einen Schub zu erleiden. Betrachtet man Schwangerschaft und Postpartalperiode gemeinsam, verändert sich der Krankheitsverlauf also nicht. Auch in Langzeitstudien gab es keine Hinweise für einen negativen Einfluss der Schwangerschaft auf den Verlauf oder den Grad der Behinderung, wobei der längste Beobachtungszeitraum zehn Jahre umfasste.

Welche Entbindungsmethode ist anzuraten? Sollen Mütter mit MS stillen?

Eine aus vorherigen Studien berichtete Zunahme der Schubrate bei spinaler Anästhesie konnte in der PRIMS-Studie nicht bestätigt werden. Es ließ sich keinerlei Erhöhung eines Risikos von Schüben nach Epiduralanästhesie oder auch durch Entbindung mittels Sectio erheben. Somit ist die Wahl der Form der Entbindung und eventuell dafür nötiger unterstützender Maßnahmen allein von den geburtshilflich-gynäkologischen Gegebenheiten in Übereinstimmung mit den Wünschen der Schwangeren abhängig.

Das Stillen des Neugeborenen ist Patientinnen mit MS ebenso möglich wie Müttern ohne diese Erkrankung. Ein vermuteter positiver Effekt des Stillens auf die Erkrankung konnte in Studien allerdings nicht belegt werden.

Wie ist die Kortisongabe bei einem Schub in der Schwangerschaft zu bewerten?

Bei einem Schub während der Schwangerschaft ist die hoch dosierte Kortisongabe im ersten Trimenon nicht unumstritten, da es experimentelle Hinweise auf eine mögliche negative Auswirkung auf Wachstum und Entwicklung des fetalen Nervensystems gibt. Dagegen ist eine Steroidtherapie in den späteren Trimestern sowie in der Stillzeit - mit ausreichendem zeitlichem Abstand zum Stillen - durchaus möglich. Die Gabe sollte stets in enger Abstimmung mit den Kollegen der Gynäkologie erfolgen.

Das primäre Ziel sollte allerdings sein, den Krankheitsverlauf einer MS-Patientin mithilfe von Immunmodulatoren vor Eintritt einer Schwangerschaft zu stabilisieren. Kommt es zu einer Schwangerschaft während einer instabilen Phase der Erkrankung, besteht die Möglichkeit einer IVIG-Gabe zur Schubprophylaxe.

Was ist zur immunmodulatorischen Therapie in der Schwangerschaft zu raten?

Kommt es bei einer MS-Patientin während einer Therapie mit einem Interferon-beta-Präparat oder Glatirameracetat zu einer Schwangerschaft, so empfehlen wir nach wie vor, die Behandlung zu stoppen. Da es jedoch keine Evidenz für ein erhöhtes Risiko für Komplikationen oder fetale Missbildungen bei Eintritt einer Schwangerschaft unter Interferon-beta und Glatirameracetat gibt, ist es - im Einklang mit den jeweiligen Produktinformationen - vertretbar, die Basistherapie erst nach Auftreten einer Schwangerschaft abzusetzen. Eine prophylaktische Therapiepause ist nicht notwendig. Dagegen sollte unter einer Therapie mit Natalizumab oder Mitoxantron keine Schwangerschaft eintreten. Bei einer Therapie mit Mitoxantron sollten auch mindestens sechs Monate zwischen Therapieende und Beginn einer Schwangerschaft eingehalten werden.

Für die eingangs beschriebene Patientin bedeutet das, dass sie ihren Kinderwunsch ohne Einschränkung realisieren kann. Bei stabilem Verlauf sollte die Interferontherapie fortgesetzt werden, bei Eintritt der Schwangerschaft ist das Medikament abzusetzen. Ein Wiederbeginn ist nach Beendigung der Stillzeit möglich. Möglicherweise auftretende Schübe während Schwangerschaft und Stillzeit können - nach strenger Indikationsstellung - mit intravenösem Kortison behandelt werden.

Dr. Ines-Christine Kanter, PD Dr. Mathias Mäurer, Neurologische Klinik, Universitätsklinikum Erlangen

[1] Pregnancy in Multiple Sclerosis, Brain 2004;127:1353-60

Quelle: DNP - Der Neurologe & Psychiater 7/08


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27.06.2008 MS - nicht immer liegt's am Immunsystem

Schwund von Oligodendrozyten sowie Fehler im Aufbau der Myelinscheide können Entmarkung auslösen

JENA. Bei einem Viertel der MS-Patienten sind Autoimmunreaktionen offenbar gar nicht der primäre Grund für die Entmarkung. Dies könnte erklären, weshalb ein Teil der Patienten auf MS-Therapeutika nicht gut anspricht.

Von Thomas Müller

Multiple Sklerose verläuft bekanntlich sehr heterogen. Sowohl der klinische Verlauf, als auch die Befunde in der Bildgebung können bei den einzelnen Patienten sehr unterschiedlich sein. Große Differenzen gibt es auch beim Ansprechen auf einzelne Arzneien. Möglicherweise steckt hinter den einzelnen MS-Formen jeweils eine andere Pathogenese. Darauf hat Professor Wolfgang Brück vom Institut für Multiple-Sklerose-Forschung der Uni Göttingen hingewiesen.

Aufgrund der Analyse von Gewebe aus MS-Läsionen lassen sich vier Subtypen der Demyelinisierung histopathologisch gut unterscheiden, sagte Brück beim Neuropädiatrie-Kongress in Jena. Zwei davon sind durch Autoimmunreaktionen bedingt. Sie kommen bei etwa 75 Prozent der MS-Patienten vor. Bei dem übrigen Viertel liegt offenbar eine erhöhte Vulnerabilität der Oligodendrozyten vor und keine primäre Autoimmunreaktion, so Brück bei einem von Merck Serono unterstütztem Symposium. Die Subtypen im Einzelnen:

Durch T-Zellen und Makrophagen vermittelter Verlauf: Aktivierte T-Zellen und Makrophagen dringen über die Blut-Hirn-Schranke ins Gehirn ein und starten einen zellulären Angriff auf das Myelin direkt oder schädigen die Markscheide indirekt über toxische Mediatoren.

Humoral vermittelter Verlauf: Hier findet man Antikörper gegen Myelin an den Markscheiden. Die Antikörper aktivieren das Komplementsystem der erkrankten Patienten und schädigen durch eine Komplement-vermittelte Lyse Myelin und Oligodendrozyten. Makrophagen bauen schließlich die geschädigten Myelinscheiden ab.

Distale Oligodendrogliopathie: Bei dieser Form werden zwei Proteine in der Myelinscheide nicht mehr regulär produziert. So schwindet das Myelin-assoziierte Glykoprotein (MAG), das innen an der Kontaktstelle zum Axon liegt. Gleichzeitig wird vermehrt Myelin-Oligodendrozyten-Glykoprotein (MOG) produziert. Dieses Protein liegt an der Außenseite der Myelinscheide. "Irgendwann scheinen die Oligodendrozyten diesen Fehler zu bemerken und begehen Selbstmord", so Brück. "Der Prozess läuft praktisch ohne Entzündungsreaktion."

Primäre Oligodendrozyten-Degeneration: Eine sehr seltene Form, die bisher ausschließlich bei Patienten mit primär progredienter MS beobachtet wurde. Dabei ist auffällig, dass die Oligodendrozyten hier nicht in den Plaques zugrunde gehen, sondern in der normalen weißen Substanz. "Offenbar gehen zuerst die Oligodendrozyten kaputt, und es kommt dann erst sekundär zu einer Entmarkung", so Brück. Der Tod der Oligodendrozyten löst somit erst eine Demyelinisierung und damit die Plaque-Entstehung aus. Weshalb die Oligodendrozyten zugrunde gehen, ist noch unklar.

Da bei einem Viertel der MS-Patienten offenbar keine primäre Autoimmunreaktion besteht, könnte dies erklären, weshalb bestimmte Patienten auf Immunsuppressiva und -modulatoren nicht gut ansprechen. Im Prinzip müsste für jeden der vier Subtypen eine spezifische Therapie entwickelt werden, so Brück.

Unabhängig von der Pathogenese gibt es jedoch auch zahlreiche Gemeinsamkeiten bei den MS-Formen. So kommt es schon bei einem ersten MS-Schub durch die Entmarkung zu einer irreversiblen Durchtrennung von Axonen.

Eine Zerstörung von etwa einem Drittel der Axone im Läsionsbereich kann das Gehirn noch kompensieren. Brück erinnerte daran, dass die massivsten Axonschäden bereits in den ersten Jahren einer MS auftreten. Dies sollte Grund genug sein, mit einer Therapie möglichst früh zu beginnen.

Quelle: Ärzte Zeitung, 27.06.08


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20.06.2008 Tablette gegen Multiple Sklerose vielversprechend

Wirkung von Laquinimod in Scans sichtbar

Mailand (pte/20.06.2008/10:00) - Ein neues Medikament gegen Multiple Sklerose in Tablettenform hat bei klinischen Tests viel versprechende Ergebnisse erzielt. Wissenschaftler der Università Vita-Salute http://www.unisr.it haben mit Scans sichtbar gemacht, dass Laquinimod die Anzeichen der Aktivität der Krankheit verringert. Zusätzlich soll es von Patienten mit der schubförmig wiederkehrenden Form der Krankheit zu vertragen werden. Experten gehen laut BBC davon aus, dass ein Medikament in Tablettenform ein entscheidender Fortschritt sein könnte. Alle derzeit auf dem Markt befindlichen Wirkstoffe müssen injiziert werden. Details der Studie wurden in The Lancet http://www.thelancet.com veröffentlicht.

Bereits zur Verfügung stehende Medikamente wie Glatiramer-Azetat oder Beta-Interferon konzentrieren sich auf die durch Multiple Sklerose verursachten Entzündungen. An der aktuellen Studie nahmen 51 Forschungszentren in neun Ländern teil. Jeder der 300 teilnehmenden Patienten hatte im vergangenen Jahr zumindest einen Krankheitsschub erlitten. Ihre MRI-Scans zeigten zumindest in einem Bereich durch die Entzündungen hervorgerufene Schädigungen. Die Patienten erhielten entweder eine tägliche Dosis von 0,3 oder 0,6 Milligramm Laquinimod oder ein Blindpräparat. Die Wirkung wurde durch Scans des Gehirns und des Rückenmarks festgestellt. Diese Tests wurden neun Monate lang alle vier Wochen durchgeführt.

Es zeigte sich, dass im Vergleich mit dem Blindpräparat, Patienten, die die höhere Dosis des Medikaments erhalten hatte, eine um 40 Prozent geringere Schädigung aufwiesen. Die geringere Dosis schien keine signifikante Wirkung zu haben. Nur zwei Patienten litten unter Nebenwirkungen. Obwohl ist ernst waren, verschwanden die Symptome nachdem die Einnahme gestoppt worden war. Laura Bell von der MS Society http://www.mssociety.org.uk betonte, dass für MS-Patienten jetzt Grund zur Hoffnung bestehe, da sich derzeit mehrere oral einnehmbare Medikamente in den letzten Stadien klinischer Tests befänden. "Je früher eine sichere Tablette auf den Markt kommt, desto besser."

Quelle: pressetext.austria, 20.06.08


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20.06.2008 Novartis erhält Zulassung für Interferon

NÜRNBERG (ars). Die Europäische Union hat das Arzneimittel Extavia® zur Therapie bei frühen und wiederkehrenden Formen der Multiplen Sklerose zugelassen.

Es enthält den Wirkstoff Interferon beta-1b, mit dem seit über 15 Jahren weltweit MS-Patienten behandelt werden: Er zögert Schübe entscheidend hinaus. Entwickelt wurde er von Chiron, vermarktet von der Bayer-Schering Pharma AG als Betaferon®.

Als Novartis Chiron übernahm, bekam Novartis von Bayer-Schering die Rechte, das Interferon als eigene Marke zu vertreiben. Die Einführung des Medikaments sei spätestens für die erste Jahreshälfte 2009 geplant, teilt das Unternehmen Novartis mit..

Quelle: Ärzte Zeitung, 20.06.08


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20.06.2008 Positive Ergebnisse zum Wirkstoff Laquinimod

Mailand - Alle bisherigen Medikamente zur vorbeugenden Basistherapie bei der multiplen Sklerose sind nur parenteral wirksam. Laquinimod könnte dagegen als Tablette eingenommen werden. In einer randomisierten Studie im Lancet (2008; 371: 2085-2092) hat der Immunmodulator die Krankheitsaktivität in der Kernspintomografie signifikant vermindert.

An der Studie beteiligten sich an 51 Zentren aus neun Ländern (aus Deutschland Bochum) 720 Patienten mit schubförmiger remittierender multipler Sklerose (RRMS). Sie wurden über 24 Wochen entweder mit 0,3 mg oder 0,6 mg Laquinimod oder Placebo behandelt. Wie Giancarlo Comi von der Vita-Salute Universität Mailand und Mitarbeiter mitteilen, wurde die kumulative Zahl der Gadolinium-markierten Läsionen in der Kernspintomografie von 4,2 (im Placebo-Arm) auf 2,6 gesenkt, was einer Reduktion um 40 Prozent entspricht.

Das deutet auf eine Wirkung hin, belegt sie indes nicht. Zwar gehört die Vermeidung neuer Läsionen in der Kernspintomografie heute zu den anerkannten Parametern für Diagnose und Verlauf der Erkrankung. Dass sie aber nicht immer zuverlässig sind, zeigt sich nach Ansicht der Editorialisten Mark Keegan und Brian Weinshenker von der Mayo Clinic in Rochester darin, dass in der aktuellen Studie unter der niedrigen Dosierung von 0,3 mg/die keine Wirkung erzielt wurde  im Gegensatz zu den ersten klinischen Studien, in denen die niedrige Dosis in der Kernspintomografie eine Wirkung zeigte (Lancet 2008; 371: 2059-2060).

Offene Fragen ergeben sich auch zur Sicherheit. Bei einem Patienten kam es unter der Therapie zu einem thrombotischen Verschluss in den Lebervenen (Budd-Chiari Syndrom). Der Patient hatte zwar eine genetische Prädisposition (Heterozygotie auf Faktor V Leiden), aber er konnte erfolgreich mit Antikoagulanzien behandelt werden.

Der Fall zeigt jedoch, dass eine endgültige Bewertung erst nach Vorliegen der Phase-III-Studie zu erwarten ist, die im Oktober 2007 begonnen wurde und an der zahlreiche Zentren in Deutschland beteiligt sind. Ebenfalls angelaufen ist eine Phase-III-Studie zu Fingolimod, einem weiteren oral verfügbaren Wirkstoff. Viele Patienten dürften eine Alternative zu den bisherigen Medikamenten begrüßen, die entweder subkutan (Interferone, Glatiramer) oder intravenös (Mitoxantron, Natalizumab) appliziert werden müssen.

Quelle: rme/aerzteblatt.de, 20.06.08


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18.06.2008 MS-Therapie auch zwischen den Schüben

Studie mit 900 Patienten

MÜNCHEN (wst). Klinische Schübe sind bei schubförmig remittierender Multipler Sklerose (MS) nur die Spitze des Eisberges. Schätzungsweise 90 Prozent der entzündlichen destruktiven Prozesse verlaufen im ZNS subklinisch. Um so wichtiger ist, sofort nach der Diagnosestellung und unabhängig von der klinischen Schubfrequenz zu behandeln.

Auch ohne wiederholte Schübe verlieren MS-Patienten mit Beginn ihrer Erkrankung pro Jahr im Schnitt etwa einen Esslöffel funktionelles Hirngewebe, hat Dr. Tjalf Ziemssen vom MS-Zentrum Dresden berichtet. Sobald nach ersten Symptomen MRT- und Liquordiagnostik für eine schubförmige aktive MS sprechen, sollte deshalb konsequent behandelt werden, so Ziemssen auf einer Veranstaltung des Unternehmens Biogen Idec in München.

Für Patienten mit schubförmiger MS, die trotz Beta-Interferon-Therapie weiterhin eine per MRT-bestätigte hohe Krankheitsaktivität haben oder bei denen eine neu manifestierte Erkrankung ungewöhnlich rasch fortschreitet, gibt es inzwischen eine weitere vielversprechende Therapieoption: Den humanisierten Antikörper Natalizumab (Tysabri®), so Professor Ralf Gold von der Neurologischen Universitätsklinik Bochum. Auf der Veranstaltung wurden Daten einer aktuellen Nachauswertung der AFFIRM*-Studie mit über 900 Patienten mit schubförmiger MS vorgestellt. Die Patienten hatten alle vier Wochen eine einstündige Infusion mit Natalizumab oder Placebo bekommen. Mit Natalizumab blieben 37 Prozent über mindestens zwei Jahre frei von jeder klinischen und MRT-befundeten Krankheitsaktivität. Mit Placebo waren es nur 7 Prozent.

Studiendaten sowie Protokolle von weltweit bislang über 36 000 mit Natalizumab behandelten Patienten hätten eine herausragende Risiken-Nutzenrelation des Mittels ergeben, sagte Gold.

*AFFIRM: Natalizumab Safety
and Efficacy in Relapsing-Remitting MS

Quelle: Ärzte Zeitung, 18.06.2008


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17.06.2008 Tipps zur Natalizumab-Therapie bei MS

MRT-Befund erforderlich, der nicht älter als drei Monate ist / Quiz hilft bei der Patienten-Aufklärung

MÜNCHEN (wst). Für bestimmte Patienten mit schubförmiger Multipler Sklerose (MS) kommt eine Therapie mit dem monoklonalen Antikörper Natalizumab infrage. Auf einer Veranstaltung in München gaben Neurologen Tipps, die Sicherheit der Anwendung zu verbessern.

Natalizumab (Tysabri®) ist etwa für Patienten geeignet, die durch einen initial besonders rasch voranschreitenden Verlauf (mindestens zwei Schübe pro Jahr) oder durch eine hohe Krankheitsaktivität trotz Interferon-Therapie auffallen. Eine Reihe von Vorsichtsmaßnahmen verbessert im Anwendungsalltag die ohnehin vergleichsweise günstige Risiken-Nutzen-Relation, hat Dr. Tjalf Ziemssen vom MS-Zentrum des Universitätsklinikums Dresden berichtet.

Voraussetzung für die Therapie mit dem Antikörper ist ein MRT-Befund, der nicht älter als drei Monate ist. Dieses Referenz-MRT ist auch wichtig, um im Therapieverlauf Verdachtsmomente auf eine zwar sehr seltene, aber ernste iatrogene progressive multifokale Leukoenzephalopathie abzuklären. Wichtig ist auch, mögliche Kontraindikationen wie Tumoren und reduzierten Immunstatus zu klären.

Notwendige Abstände zu einer immunrelevanten Vortherapie werden diskutiert. Klare Studiendaten fehlen noch, so Ziemssen. Als vorläufige Richtschnur gilt, dass vor Beginn einer Therapie mit Natalizumab für Vortherapien folgende Washout-Phasen einzuhalten sind: Basistherapeutika wie Interferon oder Glatirameracetat maximal sechs Wochen, Azathioprin mindestens drei und Mitoxantron mindestens sechs Monate. Entscheidender als starre zeitliche Abstände sei jedoch ein ausreichend erholter Immunstatus, so Ziemssen auf einer Veranstaltung von Biogen Idec.

Um sicher zu gehen, dass Patienten die notwendige Aufklärung zur Natalizumab-Therapie verstanden haben, müssen sie an Ziemssens Zentrum ein "Natalizumab-Quiz" befriedigend absolvieren. Hilfe durch Natalizumab-erfahrene Patienten wird gefördert und ist besonders während der ersten Infusion die Regel. Da Überempfindlichkeitsreaktionen sowie wirksamkeitsabschwächende Antikörperbildungen gegen Natalizumab meist am Anfang auftreten, sollten zumindest die ersten drei Infusionen an erfahrenen Zentren erfolgen. Danach kann an geschulte niedergelassene Neurologen delegiert werden, so Ziemssen. Wichtig sei, zwischen häufigen, aber harmlosen unspezifischen Infusionsreaktionen und den bei vier Prozent der Patienten auftretenden echten Hypersensitivitätsreaktionen zu unterscheiden. Kommt es während der Therapie zu einem klinischen MS-Schub, ist eine befristete Hochdosis-Kortisontherapie ohne Verschiebung weiterer Natalizumab-Infusionen angezeigt, so Ziemssen. Eine Verstärkung der unerwünschten Wirkungen sei dabei in seinem Zentrum noch nicht beobachtet worden.

Quelle: Ärzte Zeitung, 17.06.2008


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11.06.2008 MS-Forscher auf der Spur eines möglicherweise nützlichen Parasiten

Neue Möglichkeiten für die Therapie der Multiplen Sklerose erhoffen sich amerikanische Forscher von der Untersuchung der Eier eines Darmwurms, eines harmlosen Parasiten.

Das Konzept der geplanten Studie basiert auf der so genannten "Hygiene-Hypothese", laut der in unterentwickelten Ländern mit niedrigen Hygienestandards deshalb weniger Menschen an MS erkranken, weil bei ihnen durch den frühen Kontakt mit Infektionsauslösern das Immunsystem "trainiert" wird, was auch bei der Abwehr von Attacken auf das Gehirn und das Rückenmark bei MS helfen soll.

Andersherum wird spekuliert, dass in hochentwickelten Ländern mit guter oder gar übertriebener Hygiene das Immunsystem zu Überreaktionen neigt und unter anderem auch MS auslösen kann. Die Richtigkeit dieser Hypothese ist aber bislang nicht bewiesen.

Für die an der University of Wisconsin, Madison, geplante Studie sollen rund 20 Patienten rekrutiert werden. Die Untersuchung wird von der National MS Society unterstützt, die auch Forschungsgelder zur Verfügung stellt.

Nach Angaben der Wissenschaftler haben Studienmodelle mit MS-ähnlichen Erkrankungen bei Nagern und vorläufige klinische Studien zu Morbus Crohn gezeigt, dass ein Gebräu mit den Eiern des Darmwurms Angriffe des Immunsystems in andere Bahnen lenkt und zu einer Besserung dieser Erkrankungen führt.

Deshalb soll nun untersucht werden, ob die Darmwurmeier sich auch bei der schubförmig remittierenden MS positiv auswirken. Für die erste Phase der Studie ist geplant, dass fünf Patienten, die für MS zugelassene Medikamente nicht einnehmen wollen und weitere Kriterien erfüllen, das Gebräu mit den winzigen Eiern des Parasiten erhalten.

Diese reifen dann im Körper der Patienten bis zur Größe einer Wimper heran. Wenn sie den Dickdarm erreichen, interagieren die Larven mit dem Immunsystem und sterben ab. Verdauungsprobleme durch das Trinken der Lösung mit den darin enthaltenen Darmwurmeiern erwarten die Wissenschaftler nicht.

Die Studienteilnehmer sollen dann sieben Monate nachbeobachtet werden. Dabei wird vor allem darauf geachtet, wie viele neue, aktive Bereiche mit Myelinschädigungen in der Magnetresonanztomographie zu sehen sind.

Wenn sich das Vorgehen in dieser ersten Phase als sicher und wirksam erweist, werden 15 weitere Patienten in eine sich dann über Jahre hinziehende Studie aufgenommen. Sofern das Verfahren auch dann noch als effektiv eingeschätzt wird, besteht das langfristige Ziel darin, seinen genauen Mechanismus zu bestimmen, so dass möglicherweise eine angenehmere Darreichungsform etwa in Form einer Tablette entwickelt werden kann.

Quelle: National MS Society, 11. April 2008


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10.06.2008 Studie: Zytostatikum bremst multiple Sklerose

Baltimore - Ist eine hoch dosierte Chemotherapie mit dem Zytostatikum Cyclophosphamid eine Therapieoption für Patienten mit aggressivem Verlauf einer multiplen Sklerose? In einer offenen US-Studie in den Archives of Neurology (2008; 65: doi: 10.1001/archneurol.65.8.noc80042) wurde die Krankheitsaktivität bei den meisten Patienten vermindert. Auch die Zahl der Läsionen in der Kernspintomografie ging deutlich zurück.

Die Stickstoff-Lost-Verbindung Cyclophosphamid gehört zu den Zytostatika, die aber durch ihren Angriff auf Abwehrzellen auch eine immunsupprimierende Wirkung entfaltet. Es wird deshalb - durchaus mit Erfolg - bei Autoimmunerkrankungen wie dem systemischen Lupus erythematodes eingesetzt. Bei der multiplen Sklerose, die ebenfalls zu den Autoimmunerkrankungen gehört, waren die Ergebnisse lange Zeit unterschiedlich, berichtet Chitra Krishnan von der Johns Hopkins Universität in Baltimore.

Folglich wurde die Dosis erhöht und in jüngster Zeit hatten mehrere Gruppen über Erfolge bei einer ablativen Dosierung berichtet. Sie ist jedoch wegen der Notwendigkeit einer nachfolgenden hämatopoetischen Stammzelltherapie mit einer hohen Therapiemortalität von fünf bis 15 Prozent verbunden. Außerdem wurden Hirnatrophien beobachtet. Beides spricht gegen die breite Anwendung dieser Therapie.

In Baltimore entschied man sich deshalb für eine etwas niedrigere Cyclophosphamiddosis, nach der sich das Knochenmark spontan (wenn auch mit Unterstützung des Wachstumsfaktor Filgrastim) erholt. In einer ersten Studie wurden neun Patienten mit einem aggressiven Verlauf einer schubförmig remittierenden multiplen Sklerose behandelt, bei denen konventionelle Therapien nicht zum Erfolg geführt hatten. Die Patienten erhielten an vier aufeinander folgenden Tagen intravenös jeweils 50 mg/kg Cyclophosphamid appliziert. Sechs Tage später erhielten sie zur Unterstützung der Knochenmarkerholung 5µg/kg/die Filgrastim.

Inzwischen sind im Mittel 23 Monate vergangen. Der erste Erfolg der Therapie bestand darin, dass alle Patienten sie überlebten und niemand eine Hirnatrophie oder sonstige unerwartete Komplikationen entwickelte. Die Therapie war jedoch nicht nur  einigermaßen  sicher, sie scheint auch wirksam zu sein, so weit man das in einer offenen Studie an neun Patienten bei einer Erkrankung wie der multiplen Sklerose überhaupt feststellen kann: Der Kurzke-Score (EDSS) verbesserte sich um 2,11 Punkte (minus 40 Prozent) und die Zahl der Läsionen in der Kernspintomografie (mit Gadolinium) ging von 6,5 auf 1,2 zurück (minus 82 Prozent).

Für Krishnan ist das ein klarer Erfolg der Therapie, auch wenn die Tatsache, dass zwei Patienten mittlerweile wieder einen schweren Schub erlitten, zeigt, dass Cyclophosphamid den Krankheitsverlauf sicher nicht beendet. Der Erfolg der Therapie dürfte jetzt davon abhängen, ob sich für weitere Studien jene Patienten auswählen lassen, bei denen die Therapie am ehesten anschlägt. Krishnan vermutet, dass dies bei Patienten mit einem aggressiven Verlauf der Erkrankung der Fall ist, bei denen die permanenten Behinderungen noch nicht allzu ausgeprägt sind.

Quelle: rme/aerzteblatt.de, 10.06.08


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10.06.2008 Psoriasis und Multiple Sklerose in Pathogenese
                     vergleichbare Autoimmunerkrankungen


Immunmodulation als Langzeittherapie bestätigt

Die Psoriasis als Autoimmunerkrankung entsteht durch einen Irrtum des Immunsystems. Untersuchungen haben gezeigt, dass Autoimmunerkrankungen in den Grundmechanismen vergleichbar sind: alle verursachen chronische Entzündungen im Körper, die sich je nach Erkrankung an verschiedenen Geweben manifestieren können. Experten gingen auf die molekularen Grundlagen von Erkrankung und Therapie ein. Besonderes Augenmerk galt dabei dem Haut-Biologic Efalizumab, das durch seinen immunmodulatorischen Wirkansatz eine Langzeittherapie der Plaque-Psoriasis ermöglicht.

Derzeit stehen zur systemischen Behandlung der Psoriasis vier Biologics zur Verfügung. Eine Sonderstellung unter ihnen nimmt als T-Zell-Modulator Efalizumab ein: Es ist ein Biologic, das gerade für die Langzeittherapie ansprechender Patienten mit Psoriasis vulgaris geeignet ist. Im vierten Jahr seiner Zulassung belegen mehr als 34.000 Patientenjahre Erfahrung die Wirksamkeit und Sicherheit des Präparats. Efalizumab verhindert zielgerichtet die Aktivierung sowie das Einwandern der T-Zellen in die Haut, so Professor Dr. Kristian Reich, Hamburg. Zusätzliches Plus: Ein aufwändiges Monitoring beispielsweise des TBC-Risikos ist nicht notwendig.

Eine Reihe von Autoimmunerkrankungen ist in ihrer Pathogenese durchaus vergleichbar, so PD Dr. Sigbert Jahn, Darmstadt. Es werden drei wesentliche Etappen der Krankheitsentstehung beobachtet: (a) Aktivierung autoreaktiver T-Lymphozyten in den peripheren Immunorganen (z. B. Lymphknoten) und Auswandern in das Zielgewebe durch die Endothelschicht der Blutgefäße; (b) spezifische Re-Aktivierung der eingewanderten T-Lymphozyten im Gewebe, (3) Ausschüttung von entzündungsfördernden Mediatoren, nachfolgend zell- und gewebeschädigender Angriff. Die Psoriasis und die Multiple Sklerose stellen zwei, in ihrer Pathogenese vergleichbare Autoimmunerkrankungen dar, mit dem wesentlichen Unterschied, dass der autoreaktive Angriff auf unterschiedliche Organsysteme stattfindet.

Zu den Hauptmerkmalen der Autoimmunerkrankungen zählt die Chronizität, d. h. das Auf und Ab von Krankheitsschüben (Rezidiven) und Phasen relativer Ruhe (Remission). Durch die jahrelange Entzündungslast, unter der die Patienten leiden, kommt es offenbar gehäuft zu entzündlichen Begleit- oder Folgeerkrankungen. Dazu gehört u. a. auch die Atherosklerose, resultierend in einem deutlich höheren Risiko z. B. bei Psoriasis-Patienten, einen Herzinfarkt zu erleiden. Dass eine chronische Entzündung Folgeerkrankungen hervorrufen und nur eine systemische Langzeitbehandlung das Risiko hierfür senken kann, ist Vielen nicht ausreichend bewusst, so Jahn. Wichtig sei es daher, bei mittelschwerer bis schwerer Psoriasis einen Paradigmenwechsel von der klassischen Schubbehandlung zur langfristigen Therapie zu vollziehen, so Jahn weiter.

Quelle: journalMED


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10.06.2008 ENS Meeting 2008: Frühzeitige Behandlung der Multiplen Sklerose
                     kann Krankheitsverlauf verzögern


Neueste Erkenntnisse zu Diagnose und Therapie neurologischer Erkrankungen diskutieren mehr als 3.000 Experten beim Jahreskongress der Europäischen Neurologengesellschaft ENS in Nizza. Ein Schwerpunktthema: Multiple Sklerose. Rund 400.000 Menschen in Europa haben die chronisch-entzündliche Erkrankung Multiple Sklerose (MS). MS ist die häufigste neurologische Erkrankung, die im jungen Erwachsenenalter zu bleibender Invalidität führt. Bei vielen Betroffenen wird die Erkrankung immer noch zu spät erkannt. Mit dramatischen Folgen, denn Studien zeigen, dass eine frühzeitige Therapie mit Beta-Interferonen oderGlatirameracetat die entzündlichen Prozesse deutlich bremsen kann. Nicht in allen Ländern Europas haben Betroffene Zugang zu den wirksamen Therapien, vor allem nicht im Frühstadium, kritisieren Experten beim ENS-Kongress.

"Erst seit 15 Jahren gibt es überhaupt Behandlungsmöglichkeiten, durch die der Verlauf der Erkrankung günstig beeinflusst werden kann", berichtet Prof. Dr. Giancarlo Comi bei der Jahrestagung der Europäischen Neurologengesellschaft (ENS) in Nizza. Besonders wichtig sei, dass möglichst frühzeitig mit der Behandlung der Multiplen Sklerose (MS) und speziell mit Maßnahmen gegen die bei diesem schweren Leiden auftretenden entzündlichen Prozesse begonnen werde, so der Direktor der Abteilung für Neurologie am Krankenhaus San Raffaele in Mailand (Italien). Von MS sind in 28 europäischen Ländern (25 EU-Mitglieder - ohne Bulgarien und Rumänien - plus Island, Norwegen und die Schweiz) rund 400.000 Menschen betroffen. "Die wirksamen Therapien sollten allen MS-Patienten frühzeitig und bestmöglich zur Verfügung gestellt werden", fordert Prof. Comi.

CIS-Patienten wird in manchen Ländern eine hochwirksame Therapie vorenthalten

Dies sei bei weitem nicht immer der Fall, kritisiert der Experte. Probleme gebe es hier vor allem im Frühstadium der MS, beim Auftreten von so genannten Clinically Isolated Syndromes (CIS). Mögliche erste Symptome einer MS sind Sehstörungen wie "Schleiersehen" oder "Doppeltsehen" als Folge einer Entzündung der Sehnerven. Auch Sensibilitätsstörungen, wie Taubheit oder Kribbeln in einem der Gliedmaßen oder eine belastungsabhängige Schwäche der Beine sind häufige Frühsymptome. Von einem CIS wird gesprochen, falls die Erkrankung mit einem klar definierten einzelnen derartigen Symptom beginnt. CIS-Patienten haben ein massives Risiko, an MS zu erkranken: Bei 90 Prozent von ihnen wird innerhalb von zwei Jahren nach Auftreten der ersten Symptome MS diagnostiziert.

"Wenn bereits bei Vorliegen eines CIS mit der Therapie mit Beta-Interferonen oder Glatirameracetat begonnen wird, kann das Risiko, dass es zu weiteren, nicht mehr rückgängig zu machenden Nervenschädigungen kommt, um rund 40 Prozent gesenkt werden. Das wird durch umfassende Studien belegt", betont Prof. Comi. "Leider gibt es aber immer noch Länder, die CIS-Patienten aus ökonomischen Gründen die Kosten diese Behandlung nicht vergüten und so zahlreichen Betroffenen eine hochwirksame Therapie vorenthalten."

MS befällt das Zentrale Nervensystem, also Gehirn, Rückenmark und den optischen Nerv, und gilt als Autoimmunerkrankung - es werden aber auch zahlreiche weitere mögliche Ursachen diskutiert. Die Erkrankung ist dadurch gekennzeichnet, dass die Myelinscheiden oder Markscheiden, von denen die Nervenzellfortsätze oder Axone der Nervenzellen umhüllt werden, durch Angriffe körpereigener Abwehrzellen zerstört werden. Durch MS können an verschiedenen Stellen verstreut "multiple" - also vielfache - Erkrankungsherde auftreten. Dementsprechend kann MS fast jedes neurologische Symptom verursachen. Wenn beispielsweise das motorische System von MS betroffen ist, können Lähmungen der Arme und Beine bis hin zu einer vollständigen Lähmung auftreten. Besonders häufige Symptome sind Spastik, also eine erhöhte Eigenspannung der Skelettmuskulatur, Sprech- und Schluckstörungen, schnellere Ermüdbarkeit, depressive Störungen, Schmerzen und Störungen der Blasenfunktion.

30 bis 70 Prozent geringeres Risiko durch moderne Wirkstoffe

Als Wirkstoffe für die MS-Therapie haben sich immunmodulierende Substanzen bewährt, also solche, die Funktionen des körpereigenen Immunsystems verändern. Für die Basistherapie werden Beta-Interferone und Glatirameracetat eingesetzt. Für diese Wirkstoffe wurde in großen Anwendungsstudien gezeigt, dass sie das Risiko für das Auftreten weiterer Erkrankungsschübe um 30 bis 50 Prozent senken können. Auf dem Kongress in Nizza präsentieren Prof. Comi und Kollegen aus den USA, Deutschland und der Schweiz, Daten der ersten großen Studie, mit denen die Wirksamkeit der beiden Substanzgruppen direkt verglichen wurde - mittels Magnetresonanzaufnahmen (MR) des Gehirns. Bei vielen Vergleichsparametern stellten sich die beiden Behandlungsansätze als ähnlich effektiv heraus, berichtet Prof. Comi. Beta-Interferon trage aber stärker zu einer Reduktion der mit MR nachweisbaren Läsionen im Gehirn bei als Glatirameracetat.

Die MS verläuft im Anfangsstadium meist schubförmig als so genannte "schubförmig remittierende MS". Nach dem Abklingen akuter Entzündungsschübe können die Symptome dann zumindest teilweise wieder zurückgehen. Später wird die MS dann häufig "sekundär progredient". Das heißt, dass sich der Zustand der Patienten dann ebenso wie bei der primär, also von Beginn an progredienten MS langsam, aber kontinuierlich verschlechtert.

Ein neuerer Wirkstoff, der das Fortschreiten der Erkrankung in noch höherem Ausmaß, um bis zu 70 Prozent, verzögern kann, ist Natalizumab - allerdings besteht auch ein erhöhtes Risiko für schwere Nebenwirkungen. Auf der Konferenz in Nizza wird diese Substanz vom französischen Experten Prof. Christian Confraveux (Lyon) deshalb nur für Patienten empfohlen, die gegen Beta-Interferone und Glatirameracetat resistent sind sowie für bestimmte Fälle mit besonders schwerem Verlauf. Andere Wissenschafter kommen in ihrer Präsentation der Daten aus mehreren Natalizumab-Studien an rund 30.000 Patienten beim Kongress in Nizza zum Ergebnis, dass für die Substanz ein "günstiges Nutzen-Risiko-Profil vorliegt."

Bei besonders aggressiven Formen von MS kann schließlich auch die Anwendung der Immunsuppressiva Mitoxantron und Cyclophosphamid ratsam sein.

Der Kongress der European Neurological Society geht noch bis zum 11.6.2008.

Quelle: journalMED


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04.06.2008 Novartis erhält EU-Zulassung für neues MS-Mittel

Basel. sda/baz. Die EU-Kommission hat das Medikament Extavia des Basler Pharmakonzerns Novartis in der EU zur Behandlung von Multipler Skelorse (MS) zugelassen.

Novartis will das Mittel in der ersten Hälfte 2009 sowohl in der EU als auch in den USA auf den Markt bringen, wie das Unternehmen am Montag mitteilte.

Der Entscheid der EU-Kommission kam nicht überraschend. Der vorberatende Ausschuss der europäischen Arzneimittelbehörde hatte im März eine positive Einschätzung zum Medikament abgegeben.

Bei Extavia handelt es sich um den seit mehr als einem Jahrzehnt bekannten Wirkstoff Interferon Beta-1b. Novartis darf das vom deutschen Bayer-Konzern unter den Namen Betaferon und Betaseron vertriebene Medikament unter einer eigenen Markenbezeichnung auf den Markt bringen.

Novartis und Bayer hatten im Vorjahr einen Streit um Interferon Beta-1b beigelegt. Der Basler Konzern hatte die Rechte für eine eigene Version dieses Medikaments 2006 mit der Übernahme des US- Impfstoffherstellers Chiron erhalten.

Quelle: baz.ch, 04.06.08


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04.06.2008 FLORIMS: Neue MS-Studie gestartet

Flupirtin oral in schubförmig-remittierender Multipler Sklerose

Die Cecilie-Vogt-Klinik für Neurologie im HELIOS-Klinikum Berlin-Buch (wiss. Ltg. Frau Prof. Zipp) teilt mit, dass die FLORIMS-Studie gestartet wurde. In der Studie wird ein oraler Wirkstoff über 12 Monate in Kombination mit Beta-Interferon gegeben. Die Wirksamkeit dieser Kombination wird u.a. mittels MRT untersucht Teilnehmen können Patienten mit schubförmiger MS, die mit Interferon beta-1b behandelt werden.

Kontakt: Cordula Rudolph, 030-450-539040, cordula.rudolph[AT]charite.de, Stichwort "FLORIMS-Studie"

http://www.charite.de/neurobuch/index.php?tp=studien

Flupirtin as Oral Treatment in Multiple Sclerosis (FLORIMS)

http://clinicaltrials.gov/ct2/show/NCT00623415.

Quelle:


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26.05.2008 Welche Rolle spielen Chlamydien bei der Entstehung von MS?

Auch wenn eine Infektion mit Chlamydia pneumoniae, einem Verursacher der Lungenentzündung, keinen direkten Einfluss auf die Entstehung einer Multiplen Sklerose hat, scheint der Erreger zumindest bei einem Teil der Patienten ein wichtiger Kofaktor für die Entwicklung der Krankheit zu sein.

"Die Ursache der Multiplen Sklerose ist bislang unklar, allerdings deuten epidemiologische Studien auf ein Zusammenwirken von Infektionen und einer genetischen Veranlagung hin. Ein potenzieller Erreger, der mit der Entstehung der MS in Verbindung gebracht wurde, ist Chlamydia pneumoniae", erklären italienische Wissenschaftler in der Februar-Ausgabe der Zeitschrift Current Neurovascular Research.

Allerdings seien bislang alle Versuche fehlgeschlagen, das Bakterium oder Antikörper dagegen aus dem Liquor von MS-Patienten zu isolieren, bzw. einen eindeutigen Zusammenhang zwischen einer Infektion mit dem Erreger und einer MS nachzuweisen, schränken die Forscher ein.

"Dennoch konnte für eine Gruppe von MS-Patienten ein Zusammenhang zwischen einem positiven Antikörpernachweis im Liquor und der Krankheitsaktivität belegt werden: Vor allem Patienten mit progressivem Krankheitsverlauf und stoffwechselaktiven C. pneumoniae produzieren in ihrer Rückenmarksflüssigkeit Immunglobulin G mit einer hohen Affinität für den Erreger", schreiben die Autoren. Ein weiterer Hinweis auf die Bedeutung des Erregers sei die Tatsache, dass C. pneumoniae am Tiermodell MS auslösen könne, so die Wissenschaftler weiter.

"Diese zunehmende Fülle an Daten unterstützt zwar nicht die Hypothese, dass C. pneumoniae eine wichtige Rolle bei der Entstehung der MS spielt, deutet aber darauf hin, dass der Erreger bei einem Teil der MS-Patienten zu einer chronischen, anhaltenden Entzündung des Gehirns führen könnte und damit als Kofaktor für die Entwicklung der Erkrankung agiert. Deshalb sollte die tatsächliche Beteiligung von C. pneumoniae an der MS weiter aufgeklärt werden", plädieren die Forscher abschließend.

Quellen: Curr Neurovasc Res. 2008; 5(1): 60-70


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21.05.2008 Neue Therapie gegen MS in Sicht

Fumarsäureester BG-12 reduziert Hirnläsionen
Daten einer Phase-II-Studie mit 257 Patienten vorgestellt

FRANKFURT AM MAIN (ner). Mit dem Fumarsäureester BG-12 könnte es für MS-Patienten bald eine neue Therapie in Tablettenform geben. In ersten Studien ließen sich mit der Arznei im Vergleich zu Placebo Hirnläsionen reduzieren.

So kam es in einer Phase-II-Studie mit 257 Patienten mit schubförmiger Multipler Sklerose (MS) in Abhängigkeit von der Dosis zu einer Reduktion Gadolinium-aufnehmender Hirnläsionen.

Mit täglich 720 mg des oral verfügbaren Medikaments BG-12 war die Läsionsrate im Vergleich zu Placebo von Woche 12 bis Woche 24 um 69 Prozent niedriger: Durchschnittlich etwa 4,5 Läsionen waren in der Placebo-Gruppe beobachtet worden, in der Verumgruppe mit der höchsten Dosis waren es etwa 1,5 Läsionen, teilt das Unternehmen Biogen Idec mit. Die Studiendaten wurden jetzt auch auf einer Veranstaltung des Unternehmens in Frankfurt am Main vorgestellt.

Zudem verringerte sich die Schubrate um 32 Prozent (Nervenarzt 2, 2008, 212). Dieser Unterschied zu Placebo war wegen der kurzen Studiendauer jedoch nicht signifikant. Unerwünschte Wirkungen wie Kopfschmerzen, gastrointestinale Symptome, Hitzewallungen und Diarrhoe waren meist mild ausgeprägt und nahmen mit der Zeit ab. Schwere unerwünschte Wirkungen lagen im Placebo-Bereich. Das galt auch für die Infektionsrate.

Derzeit laufen zwei Phase-III-Studien, in die mehr als 2000 Patienten aufgenommen werden. Die Ergebnisse werden im Jahr 2010 erwartet. Gerechnet wird auch mit einer besseren Compliance der Patienten, denen bislang nur parenterale Arzneimittel zur Verfügung stehen.

Fumarsäure ist eine aliphatische Dicarbonsäure, die im menschlichen Stoffwechsel ubiquitär vorkommt. Fumarsäureester werden bereits seit langem bei Psoriasis angewendet. BG-12 ist im Unterschied dazu ein Ester der Fumarsäure (Dimethylfumarat) ohne Salze von Ethylhydrogenfumarat. Es wird im Körper rasch hydrolysiert und in einen aktiven Metaboliten umgewandelt. Der Wirkmechanismus beruht offenbar auf einer Kombination zytoprotektiver und antiinflammatorischer Effekte.

Quelle: Ärzte Zeitung, 21.05.08


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20.05.2008 Fresszellen gebändigt

Forscher finden Ansatz für bessere Therapien bei Multipler Sklerose

Von Patrick Kunkel

Erstmals haben Wissenschaftler die Funktionsweise eines gängigen MS-Medikaments entschlüsselt. Es besteht nun die Hoffnung auf nebenwirkungsarme Therapieansätze für MS-Patienten.

150 Kilometer Rennrad fährt Ramona Meyer - pro Woche. Manchmal auch mehr. Die drahtige, durchtrainierte Frau, die in Wirklichkeit anders heißt, lebt in Freiburg im Breisgau und arbeitet als erfolgreiche Journalistin. Sie leidet an Multipler Sklerose. Aber das wissen weder Arbeitskollegen noch Bekannte, nur ihre engsten Freunde sind eingeweiht. Vor acht Jahren wurde die Krankheit festgestellt, das sei wie ein Hammrschlag gewesen, sagt die 32-Jährige: taube Füße, Schwindel, Gleichgewichtsstörungen. Nach zwei Monaten verschwanden die Symptome wieder, dem ersten MS-Schub folgte kein weiterer. Bis heute nicht.

Ramona Meyer sagt, sie habe einfach Glück gehabt. Im Alltag der sportlichen Frau spielt die Krankheit heute keine Rolle mehr, sie merkt nur etwas von ihr, wenn sie sich jeden Morgen ihre übliche Spritze setzt. Tag für Tag, seit über sieben Jahren schon, subkutan, also unter die Haut. In der Spritze sind wenige Milliliter einer klaren Substanz, die Ramonas Meyers Immunsystem modifizieren soll. Denn die körpereigene Abwehr ist bei MS-Kranken fehlgeleitet und macht sich sozusagen über die eigenen Nervenzellen her. Der irrtümliche Angriff von Fresszellen des Blutes auf Strukturen des Zentralen Nervensystems führt zu Entzündungen und hinterlässt Narben (Verhärtungen), weshalb Nervenimpulse nicht mehr richtig weitergeleitet werden können.

Die Multiple Sklerose ist eine der häufigsten entzündlichen Erkrankungen des Zentralnervensystems (ZNS), an der in Deutschland etwa 120 000 Menschen leiden. Frauen sind häufiger betroffen als Männer, besonders im Alter zwischen 20 und 40 Jahren. Die MS gilt als die Krankheit der tausend Gesichter. Es gibt schubförmige oder fortschreitende MS; bei manchen Menschen bilden sich neurologische Symptome wie Seh- oder Gleichgewichtsstörungen zurück, bei anderen werden sie immer stärker. Und während die einen nach einem MS-Schub viele Jahre oder auch ein ganzes Leben lang schubfrei bleiben, verschlimmern sich die Krankheitszeichen bei anderen im Monatstakt.

Die klare Flüssigkeit, die sich Ramona Meyer jeden Tag spritzt, und der sie vermutlich ihren positiven Krankheitsverlauf verdankt, heißt Glatirameracetat. Doch die Funktionsweise des immunmodulatorischen Mittels kennen MS-Forscher bis heute nicht. Man arbeitet dran. Sie wissen nur, dass es funktioniert. Ähnlich im Dunkeln tappten die Mediziner auch bei dem anderen gängigen Wirkstoff, der bei rund 40 000 MS-Patienten in Deutschland eingesetzt wird: Den Beta-Interferonen, das sind Botenstoffe, die ebenfalls auf das Immunsystem einwirken. Jetzt aber, mehr als 50 Jahre nach der Entdeckung dieser Stoffe, ist es Forschern aus Freiburg, Göttingen, München, Hamburg, Zürich und Langen gelungen, deren Wirkungsweise im Zusammenhang mit entzündlichen Erkrankungen des zentralen Nervensystems aufzuklären.

Ein echter Durchbruch, denn die Forschungsergebnisse könnten einen effektiveren therapeutischen Einsatz des Wirkstoffs nach sich ziehen. So gilt die Therapie mit Beta-Interferon zwar als sehr effektiv, aber viele Patienten müssen die Behandlung abbrechen, da es zu Nebenwirkungen in Blut, Haut und Nervensystem kommen kann. Es besteht nun die Hoffnung auf gezieltere, nebenwirkungsarme Therapieansätze zur Behandlung dieser Erkrankung, sagt Marco Prinz, Neuropathologe des Universitäts-Klinikums Freiburg, der die Forschungsgruppe gemeinsam mit dem Immunologen Ulrich Kalinke vom Paul-Ehrlich-Institut in Langen leitet. Die Forscher berichten in der Mai-Ausgabe der Fachzeitschrift Immunity über die komplizierten Wirkmechanismen der Interferone. Bislang zumindest kommt deren Einsatz dem Abwurf einer Streubombe gleich: Das Interferon kann auf fast jede Körperzelle wirken, da sich der entsprechende Erkennungsrezeptor überall befindet, berichtet Kalinke. Das habe das Verständnis der Interferonwirkung im Gesamtorganismus erheblich erschwert. Im Tiermodell der Multiplen Sklerose konnten die Wissenschaftler den Interferonrezeptor verschiedener Zelltypen genetisch verändern und dadurch gezielt ausschalten. Die Wirkung auf bestimmte Blutzellen wie Lymphozyten oder Makrophagen (Fresszellen) oder auf Hirnzellen konnte so genau untersucht werden. Die Ergebnisse seien sowohl eindeutig als auch überraschend: Entscheidend für den Krankheitsverlauf sei die Wirkung von Interferon auf die Fresszellen des Blutes und des Gehirns. Dagegen spielt die Stimulation von Lymphozyten oder von Hirnzellen eine untergeordnete Rolle. Die Wissenschaftler konnten zeigen, dass Interferone dämpfend auf die Fresszellen des Blutes einwirken. Und wenn die Fresszellen des Immunsystems weniger gefräßig sind, kann das den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen.

Quelle: neues-deutschland.de, 20.05.2008


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16.05.2008 Harnsäurespiegel als Krankheits- oder Genesungsmarker bei MS

Die Bestimmung des Harnsäurespiegels kann nach Ansicht spanischer Wissenschaftler Aufschluss über die Krankheitsaktivität oder den Erfolg einer immunmodulierenden Therapie ergeben. Harnsäure gilt als Antioxidans, das vor Multipler Sklerose schützen kann: Gichtpatienten etwa leiden seltener unter MS.

Wie Angel L. Guerrero und Kollegen im European Journal of Neurology berichten, hatten sie von 83 Patienten mit schubförmig remittierender MS oder sekundär progressiver MS den Harnsäurespiegel zu drei verschiedenen Zeitpunkten bestimmt: während eines Schubes, während der daran anschließenden Genesungsphase sowie während der Genesungsphase unter Interferon-beta-Therapie.

Dabei fanden sie heraus, dass die mittleren Harnsäurewerte im Blut während eines Schubes deutlich niedriger waren im Vergleich zur Genesungsphase ohne Interferon-Therapie. Bei Patienten, die während der Genesungsphase nach einem Schub Interferon beta erhielten, war der Harnsäurespiegel hingegen signifikant höher als bei Patienten, die nach einem Schub keine immunmodulierende Therapie erhielten.

"Auch wenn wir nicht genau wissen, ob und wie Harnsäure an der Entstehung einer Multiplen Sklerose beteiligt ist, deuten unsere Ergebnisse darauf hin, dass der Harnsäurespiegel die Aktivität der Krankheit oder die Behandlungsresponse widerspiegeln", erklären die Autoren abschließend.

Quellen: Eur J Neurol. 2008 Feb


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07.05.2008 Phase-II-Studie mit Atacicept bei schubförmig verlaufender MS

Die vierarmige randomisierte, doppelblinde, plazebokontrollierte Multizentren-Studie wird die Sicherheit und Wirksamkeit von Atacicept bei Patienten mit schubförmig verlaufender Multipler Sklerose (RMS) über einen Behandlungszeitraum von 36 Wochen untersuchen. Primäres Ziel der Studie ist die Bewertung der Wirksamkeit von Atacicept bei der Reduzierung von Entzündungen des Zentralen Nervensystems bei RMS-Patienten aufgrund von häufigen MRT-Messungen.

Patienten mit Multipler Sklerose brauchen mehr Behandlungsmöglichkeiten. Unsere präklinischen Modelle haben die biologische Aktivität von Atacicept bei Multipler Sklerose gezeigt. Wir glauben, dass es gute Gründe für eine klinische Studie mit Atacicept bei RMS-Patienten gibt, denn auch in der medizinischen Literatur weisen immer mehr Daten auf die Bedeutung von B-Zellen und Antikörpern bei der Pathologie der Multiplen Sklerose hin, so Dr. Nicole Onetto, Senior Vice President und Chief Medical Officer von ZymoGenetics.

Rund 300 RMS-Patienten, die den Aufnahmekriterien entsprechen, erhalten nach dem Zufallsprinzip 36 Wochen lang entweder eine von drei subkutanen Dosierungen von Atacicept oder ein Plazebo. Die Patienten werden bis zur 48. Woche untersucht.

Atacicept enthält den löslichen TACI-Rezeptor, der an die Zytokine BLyS and APRIL bindet. Diese Zytokine gehören zur Familie der Tumor-Nekrose-Faktoren, die das Überleben von B-Zellen fördern und die Produktion von Autoantikörpern anregen, die an bestimmten Autoimmunerkrankungen wie systemischem Lupus erythematodes beteiligt sind. Aktuelle Daten deuten darauf hin, dass die BlyS- und APRIL-Level bei Patienten mit rheumatoider Arthritis, Lupus erythematodes, B-Zell-Erkrankungen und Multipler Sklerose erhöht sind. Es konnte gezeigt werden, dass Atacicept verschiedene Stadien der Entwicklung von B-Zellen beeinflusst und möglicherweise das Überleben von Zellen unterbindet, die für die Bildung von Antikörpern verantwortlich sind.

Quelle: journalMED, 07.05.08


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07.05.2008 Hoffnung für Multiple-Sklerose-Patienten

Multiple Sklerose: Eine bisher unheilbare Erkrankung, die zu schweren Behinderungen führen kann. Bisher, denn kanadische Forscher machten eine erstaunliche Entdeckung.

Die Diagnose ist für den Betroffenen niederschmetternd: Wer an Multipler Sklerose (kurz MS) erkrankt, weiss nicht, ob er zukünftig ein relativ unbeschwertes Leben führen wird oder den Alltag mit massiven körperlichen Einschränkung bewältigen muss. Eine über sieben Jahre andauernde Studie des Wissenschaftlers Dr. Mark Freedman von der Universität Ottawa in Kanada gibt den rund eine Million MS-Patienten nun Grund zur Hoffnung: Mehrere von Freedmans MS-Patienten erhielten eine Knochenmark-Stammzellen-Transplantation, eine Behandlung, die sonst bei Leukämiekranken durchgeführt wird - mit Erfolg: «Nicht ein einziger der behandelten Patienten hatte in den vergangenen sieben Jahren einen Rückfall», berichtet Freedman in einem Interview mit dem Newsdienst «Reuters».

Freedman, der auf die Behandlungsmöglichkeiten der heimtückischen Autoimmunerkrankung spezialisiert ist, zerstörte das Knochenmark der behandelten Personen und damit ihr Immunsystem. Danach wurden den Probanden aus Knochenmark gewonnene, blutbildende Stammzellen transplantiert. «Ursprünglich versuchten wir, das Immunsystem neu zu 'starten'», erklärt der Forscher.
Wenn die Diagnose MS einmal von einem Arzt gestellt wurde «ist der Zug schon abgefahren», so Freedman und ergänzt: «Wir dachten, wir könnten das Immunsystem einem Restart unterziehen und könnten so die Krankheitsentwicklung genau beobachten. Dieser Versuch scheiterte.»

Freedman und sein Team gingen ursprünglich davon aus, dass die Zerstörung des Knochenmarks die Symptome der Patienten innerhalb eines Jahres verbessern würde. Doch die für MS charakteristischen Entzündungsherde, die im Verlauf der Krankheit Schädigungen der Nervenzellen im Gehirn verursachen, remittierten, sich also zurückbildeten: «Wir konnten eine Verbesserung an den geschädigten Stellen erkennen», bestätigte der Mediziner.

Nun bleibt für Freedman und sein Team nur noch die Frage nach dem «Warum» - denn bisher ist unklar, welchen Ursachen der Prozess zu Grunde liegt. Deshalb wird der Wissenschaftler seine Forschungen fortsetzen: «Wir versuchen herauszufinden, was die Reparatur der zerstörten Nervenzellen hervorruft».

Quelle: www.20min.ch 07.05.08; 15:47


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29.04.2008 Positive Effekte körperlichen Trainings bei MS sind belegt

Effekte auf Mobilität nachgewiesen / Bessern sich auch endokrine Parameter?

Nicht nur wer gesund ist, bleibt durch Sport länger fit. Auch bei Krankheit ist Bewegung oft ein wesentlicher Therapiebaustein. So auch bei Multipler Sklerose (MS).

Wichtiges Behandlungsziel bei MS ist, die Gehfähigkeit und damit die Selbstständigkeit der Patienten so lange wie möglich zu erhalten und zwar durch Medikamente ebenso wie durch gezielte Physiotherapie. Ein Cochrane-Review aus dem Jahr 2005 etwa belegt, dass körperliches Training bei MS die Mobilität fördert und sogar die Fatigue reduzieren kann.

Gerade Gangstörungen schränken MS-Patienten stark ein. Die Betroffenen gehen langsamer, machen kürzere Schritte und haben eine längere Doppelbelastungsphase. Für sie ist es dadurch etwa schwierig, eine Fußgänger-Ampel in der meist kurzen Grünphase zu überqueren. Da zudem die Gehstrecke limitiert ist, ist der Aktionsradius stark eingeschränkt. Außerdem besteht die große Gefahr zu stürzen. Aufgrund des häufig progredienten Verlaufs benötigt jeder zweite MS-Patient nach im Schnitt 15 Jahren Erkrankungsdauer eine Gehhilfe.

Gerade in den vergangenen Jahren wurde nun verstärkt untersucht, wie sich die motorischen Defizite mittels Physiotherapie verbessern lassen, wie Ziegler vom Neurologischen Krankenhaus München berichtet (Nervenheilkunde, 26, 2007, 1088). Der Erfolg der Maßnahmen wurde dabei mit standardisierten Testverfahren ermittelt. Die Ganggeschwindigkeit wurde etwa mithilfe des MS Functional Composite (MSFC) erhoben, bei dem die benötigte Zeit für eine 7,62 m lange Gehstrecke gestoppt wird. Zur Messung von Kraft, Spastik und Gleichgewicht gibt es den "Six-Spot-Stepp-Test". Dabei werden fünf Holzzylinder in definiertem Abstand möglichst schnell mit dem Fuß umgestoßen.

In einer Studie wurde so nachgewiesen, dass sich bei MS-Patienten, die dreimal wöchentlich jeweils maximal 30 Minuten auf dem Laufband trainierten, nach einem Monat Ganggeschwindigkeit und -ausdauer verbessert hatten. Bewiesen wurde auch, dass mittels Ausdauer-Krafttraining bei MS-Patienten Muskelmasse aufgebaut und damit der Gang stabilisiert werden kann. Dazu hatten Patienten über einen Zeitraum von 15 Wochen kombinierte Arm- und Beinübungen gemacht. Die Teilnehmer übten dreimal wöchentlich 40 Minuten lang.

In der Übungsgruppe verbesserten sich signifikant die isometrische Kraft der Knieextensoren, die Gehfähigkeit, Mobilität und die Fähigkeit zur Körperpflege. In zwei weiteren Studien wurde der Effekt eines 7- und eines 14-wöchigen klassischen Krafttrainings an Geräten für die Bein- und Rumpfmuskulatur geprüft. In beiden Studien verbesserten sich Kraft, Ganggeschwindigkeit und -ausdauer. Die Fatigue nahm sogar ab. Aber auch ohne Geräte lässt sich ein wirkungsvolles Krafttraining machen, wie eine andere Studie ergeben hat: Alltagsaktivitäten wie Treppensteigen, Aufstehen vom Stuhl, Zehenspitzen- und Fersenstand wurden dabei in einem systematischen Übungsprogramm trainiert.

Ziegler rät aufgrund dieser Erkenntnisse, dass MS-Patienten zwei- bis dreimal wöchentlich über einen Zeitraum von jeweils 20 bis 30 Minuten trainieren sollten. Die Hauptmuskelgruppen sollten dabei mit 50-70 Prozent der Maximalkraft angespannt werden.Der Forscher weist noch auf einen zweiten Effekt durch ein moderates, körperliches Langzeittraining hin, nämlich einen positiven Effekt auf immunologische und endokrine Parameter. Auch gebe es erste Belege für die Ausschüttung von Nervenwachstumsfaktoren durch körperliches Training. In weiteren Studien müsse nun untersucht werden, wie effektiv die verschiedenen Therapien bei unterschiedlichen Krankheitsstadien sind. Bereits bekannte Behandlungsformen könnten so optimiert und neue Physiotherapien entwickelt werden.

Tipps bei Spastik, Tremor und Ataxie

Spastik und daraus resultierende Muskelverkürzungen lassen sich mit aktiven und passiven Muskeldehnungen mit oder ohne Gewichtsbelastung therapieren. Bereits ein einmaliges 20-minütiges Fahrradfahren ohne Widerstand senkt die Spastik über das Training hinaus.

Ein Haltetremor lässt sich verbessern, indem zunächst der aktive Arm durch eine Unterlage unterstützt und diese dann schrittweise reduziert wird, sodass die Anforderung an die statische Muskelarbeit steigt. Der Intensionstremor kann durch Kühlung gebessert werden: Der Patient taucht etwa vor einer Unterschrift seinen Unterarm eine Minute lang in Eiswasser oder trägt 15 Minuten lang eine Kühlmanschette.

Bei Stand- und Gangataxie können spezielle Übungen wie Einbeinstand, Liniengang oder Stehen und Gehen auf unebenem Untergrund den Körperschwerpunkt zu stabilisieren helfen. Aufwendiger ist das Training mittels Posturografieplatte. Dabei erhält der Patient visuelles oder akustisches Feedback über seine Schwankungen und kann sich so selbst korrigieren. (stü)

Quelle: Ärzte Zeitung, 29.04.08


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28.04.2008 Langzeittherapie nach dem zweiten Schub

Bei Kindern und Jugendlichen orientiert sich die MS-Therapie an der bei Erwachsenen / Kontrollierte Studien fehlen

JENA. Bisher gibt es für Kinder mit MS keine evidenzbasierte Therapie. Beobachtungen und erste offene Studien deuten jedoch darauf, dass eine Akuttherapie mit Steroiden und eine Langzeittherapie mit Interferonen ähnlich gut wirksam und verträglich sind wie bei Erwachsenen. Eine Langzeittherapie erwägen Ärzte bereits bei einem zweiten MS-Schub.

Zur Therapie von Kindern mit MS gibt es derzeit noch keine prospektiven kontrollierten Studien. Daran hat die Neuropädiaterin Professor Jutta Gärtner aus Göttingen beim Kongress in Jena erinnert. "Wir halten uns daher bislang an die Therapierichtlinien bei Erwachsenen", sagte Gärtner auf einem von Merck Serono unterstützten Symposium. So werde oft die Dosis für Erwachsene auf das Körpergewicht von Kindern umgerechnet. Werde bei Erwachsenen jedoch ein früher Beginn einer immunmodulatorischen Therapie gefordert, so sei man damit bei Kindern etwas vorsichtiger, sagte Gärtner.

Beim ersten Schub bekommen ihre Patienten zunächst nur eine Akuttherapie mit Methylprednison, bei Versagen dieser Behandlung, dann eine Plasmapherese. "Kommt ein zweiter Schub, empfehlen wir eine regelmäßige Verlaufskontrolle", so Gärtner. Je nach Schwere des Schubs und Einstellung der Eltern werde eine immunmodulatorische Langzeittherapie begonnen.

Bei mehr als zwei Schüben wird auf jeden Fall eine Langzeittherapie empfohlen, wenn das Schub-Intervall weniger als zwei Jahre beträgt - und dies ist häufig der Fall: Von 126 Kindern und Jugendlichen mit MS, die an der Uniklinik Göttingen in den vergangenen Jahren behandelt worden waren, hatten insgesamt 64 eine Langzeittherapie erhalten, und zwar 58 mit Interferonen, 2 mit Glatirameracetat und vier mit Immunglobulinen. Letztere würden inzwischen nicht mehr verwendet, da man Interferone bevorzuge. Bei nur neun Patienten brachten Immunmodulatoren keinen Erfolg, hier wurde mit Azathioprin und Mitoxantron immunsupprimiert. Auch mit Natalizumab seien bei solchen Patienten Erfolge erzielt worden. Bei nur zwei Patienten versagte die Akuttherapie, bei ihnen war eine Plasmapherese nötig.

"Zur Langzeittherapie verwenden wir am häufigsten Interferone", so Gärtner. Sie würden nach ihren Beobachtungen ähnlich gut vertragen wie bei Erwachsenen, auch sei der Therapieerfolg vergleichbar.

Gestützt werden solche Beobachtungen durch eine retrospektive Analyse von 51 Kindern und Jugendlichen, die mit Interferon beta-1a (Rebif®) behandelt wurden. Die Kinder waren alle zwischen 7 und 16 Jahren alt. Sie erhielten meist die gleiche Dosis in der gleichen Frequenz wie Erwachsene (22 bis 44 g). Insgesamt reduzierte sich die Schubrate mit der Therapie um mehr als die Hälfte von 1,9 Schüben auf 0,8 Schübe pro Jahr, der EDSS-Wert blieb bei 48 Patienten stabil. Die Therapie wurde ähnlich gut vertragen wie bei Erwachsenen. Das Medikament ist inzwischen für Kinder ab zwölf Jahren zugelassen.

Diagnose bei Kindern mit MS

MS-Symptome bei Kindern und Jugendlichen unterscheiden sich klinisch nicht wesentlich von denen bei Erwachsenen. Poly- und monosymptomatische Schübe treten nach Angaben von Professor Jutta Gärtner zum Krankheitsbeginn ähnlich oft auf. Häufig sind visuelle Störungen und eine Hirnstammsymptomatik. Zur Diagnose werden ebenfalls die Mc-Donalds-Kriterien verwendet - danach gilt eine MS etwa als gesichert bei mindestens zwei Schüben und zwei im MRT nachweisbaren Läsionen oder zwei Schüben, einer Läsion und positivem Liquorbefund (oligoklonale Banden). Allerdings treten oligoklonale Banden bei Kindern mit MS wesentlich seltener auf als bei Erwachsenen.

Auszuschließen sind bei Kindern vor allem post- und para- infektiöse Enzephalitiden, Leukodystrophien und Leukoenzephalitiden - sie können ebenfalls zu einer Demyelinisierung führen. Mitochondriopathien erinnern über ihren schubförmigen Verlauf oft an eine MS, und Tumoren sehen im MRT mitunter ähnlich aus wie MS-Läsionen. (mut)

MS bei KindernVon den etwa 100 000 Patienten mit MS in Deutschland sind etwa fünf Prozent Kinder und Jugendliche. Weniger als ein Prozent der MS-Patienten haben eine "True Childhood MS", sind also bei Krankheitsbeginn bis zu zehn Jahre oder jünger. Insgesamt erkranken nach Schätzungen jedes Jahr 200 Kinder und Jugendliche in Deutschland neu an MS. Etwa zwei Drittel der Patienten sind Mädchen. Die Krankheit verläuft bei Kindern und Jugendlichen fast ausschließlich schubförmig. (mut)

Ärzte Zeitung, 28.04.2008


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23.04.2008 Kinn kurzfristig taub - MS war Ursache

Numb-Chin-Syndrom erwies sich als MS-Frühsymptom bei einer klinisch sonst unauffälligen jungen Frau

BASEL (ner). Trigeminale Sensibilitätsstörungen kommen bei Patienten mit Multipler Sklerose (MS) häufig vor. Selten können sie auch Erstmanifestation einer MS sein. Daran erinnern Kollegen am Beispiel einer jungen Frau mit Numb- Chin-Syndrom.

Die 34-jährige Patientin war als Notfall in das Universitätsspital Basel eingewiesen worden, weil sie seit fünf Tagen ein Taubheitsgefühl am Kinn bemerkt hatte, das sich allmählich ausdehnte.

Die klinischen Untersuchungen von Internisten und Neurologen waren weitgehend unauffällig, abgesehen von einem hypästhetischen Areal von drei mal drei Zentimeter Ausdehnung am Kinn mit Beteiligung der Unterlippe links. Das berichtet eine Arbeitsgruppe um Professor Achim Gass von der Neurologie des Baseler Krankenhauses (Dtsch Med Wochenschr 133, 2008, 76).

Auf Trigeminus-Beteiligung ergaben sich keine Hinweise

Es ergaben sich vor allem keinerlei Hinweise auf eine ausgedehnte Beteiligung des Nervus trigeminus oder anderer Hirnnerven. Auch die ausgedehnte Labordiagnostik blieb weitgehend unauffällig. Resultate der Lumbalpunktion waren mehr als fünf oligoklonale IgG-Banden und ein erhöhter IgG-Index von 1,3. Allerdings blieben die Serologien auf neurotrope Erreger, vor allem auf Borrelien, negativ.

MRT zeigte eine Läsion bei faszikulären Trigeminusfasern

Erst per MRT fielen eine symptomatische Läsion im Verlauf der faszikulären Fasern des N. trigeminus auf sowie zwölf weitere supratentorielle T2-hyperintense Hirnparenchymläsionen. Bei der Kontroll-MRT vier Monate später fanden sich neue T2-hyperintense Läsionen, die eine subklinische entzündliche Erkrankung anzeigten. Daraufhin äußerten die Neurologen den Verdacht auf eine Multiple Sklerose.

Eine MS ließ sich zwar auch nach der wiederholten MRT formell nicht beweisen. Dennoch leiteten die Kollegen daraufhin eine immunmodulierende Therapie mit Beta-Interferon ein, um den Krankheitsverlauf zu bremsen. Das hypästhetische Areal am Kinn und an der Unterlippe hatte sich zu diesem Zeitpunkt bereits spontan zurückgebildet.

Sensibilitätsstörung im Bereich des Nervus alveolaris inferior

Das erstmals im Jahre 1930 beschriebene Numb-Chin-Syndrom (NCS) beruht auf einer Sensibilitätsstörung im Bereich des Nervus alveolaris inferior, aus dem der N. mentalis entspringt. Die Störung kann viele Ursachen haben, etwa zahnärztliche oder kieferorthopädische Eingriffe, neoplastische Infiltrationen, oropharyngeale Infektionen oder Entzündungen wie Borreliose, Sarkoidose, Arteriitis temporalis sowie Kollagenosen.

Bei MS sind Sensibilitätsstörungen oder Neuralgien im Versorgungsgebiet des N. trigeminus häufig. Als Erstmanifestation der MS sei das Numb-Chin-Syndrom allerdings erst selten beschrieben worden, so Gass und seine Kollegen.

Sie empfehlen, derartige Symptome stets als klinisches Alarmzeichen zu werten und in Abhängigkeit von der Anamnese nach lokalen Prozessen sowie nach zentralen entzündlich-demyelinisierenden Veränderungen zu suchen.

Quelle: Ärzte Zeitung, 23.04.08


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18.04.2008 Wirkungsweise von Interferonen bei Multiple Sklerose aufgeklärt

Gemeinsame Pressemitteilung des Universitätsklinikums Freiburg und dem Paul-Ehrlich-Institut, Langen

Ergebnisse werden in der Fachzeitschrift Immunity veröffentlicht

Eine Gruppe von Forschern aus Freiburg, Göttingen, München, Hamburg, Zürich und Langen konnte im Tiermodell erstmalig nachweisen, wie Interferone, insbesondere Interferon-beta, den Verlauf von Multiple Sklerose (MS) beeinflussen und was die molekularen Mechanismen dafür sind. In der Mai-Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift Immunity berichten die Forscher über ihre Ergebnisse. Wissenschaftler unter der Leitung von Professor Dr. Marco Prinz, Direktor der Neuropathologie des Universitätsklinikums Freiburg und von Dr. Ulrich Kalinke, Leiter der Abteilung Immunologie am Paul-Ehrlich Institut Langen, sind federführend an diesem Forschungsprojekt beteiligt.
Mehr als 50 Jahre nach der Entdeckung der Interferone ist es den Forschern gelungen, die Wirkungsweise dieser Botenstoffe im Zusammenhang mit entzündlichen Erkrankungen des zentralen Nervensystems aufzuklären. Dies macht Hoffnung für einen effektiveren therapeutischen Einsatz von Interferonen.
Die Multiple Sklerose ist eine der häufigsten entzündlichen Erkrankungen des Zentralnervensystems (ZNS). Frauen im Alter zwischen 20 und 40 Jahren sind häufiger als Männer betroffen. In Deutschland gibt es etwa 120.000 Menschen, die an MS erkrankt sind. Man nimmt an, dass die MS eine Autoimmunerkrankung ist, bei der Blutzellen irrtümlicherweise Strukturen des ZNS angreifen und dadurch die Entzündung hervorrufen. Zirka 40.000 Patienten werden in Deutschland mit Interferon-beta behandelt, um das Immunsystem zu regulieren und das Fortschreiten der Erkrankung zu stoppen. Obwohl die Therapie zunächst sehr effektiv ist, müssen viele Patienten die Interferon-beta Behandlung abbrechen, da es zu Nebenwirkungen in Blut, Haut und Nervensystem kommen kann.
"Unsere Ergebnisse stellen einen Durchbruch für das Verständnis der Interferonwirkung bei MS dar. Es besteht nun die Hoffnung, neue zellspezifischere und nebenwirkungsarme Therapieansätze zur Behandlung dieser Erkrankung zu entwickeln", so Prinz. Im Tiermodell der Multiplen Sklerose haben die Wissenschaftler die Ergebnisse in jahrelanger Forschungsarbeit erhalten. "Das Hauptproblem zum Verständnis der Interferonwirkung im Gesamtorganismus bestand darin, dass das Interferon auf fast jede Körperzelle wirken kann, da der entsprechende Erkennungsrezeptor sich überall befindet", berichtet Kalinke.
Die Forscher veränderten den Interferonrezeptor genetisch so, dass es nun möglich war, diesen spezifisch entweder nur auf bestimmten Blutzellen, wie Lymphozyten oder Makrophagen, oder nur auf Hirnzellen auszuschalten. Die Ergebnisse waren sowohl eindeutig als auch überraschend: Die Wirkung von Interferon auf Makrophagen und Mikroglia, die Fresszellen des Blutes und des Gehirns, waren für den Verlauf der Erkrankung entscheidend. Dagegen spielt die Stimulation von Lymphozyten oder von Hirnzellen eine untergeordnete Rolle. Wie die Wissenschaftler weiterhin zeigen konnten, vermitteln Interferone eine dämpfende Wirkung auf die Makrophagen, was sich als entscheidend für die positive Beeinflussung des Krankheitsverlaufs herausstellte.

Die Studie finden Sie unter www.immunity.com

Kontakt:
Prof. Dr. Marco Prinz
Universitätsklinikum Freiburg
Abteilung für Neuropathologie
Tel.: 0761/ 270- 5105
Fax: 0761/ 270- 5050
E-Mail: marco.prinz@uniklinik-freiburg.de

Dr. rer. nat Ulrich Kalinke
Paul-Ehrlich-Institut Langen
Tel.: 06103 77 2003
Fax: 06103 77 1253
E-Mail: kalul@pei.de

Rudolf-Werner Dreier, Kommunikation und Presse
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau
18.04.2008


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17.04.2008 DJ Studie belegt gute Wirksamkeit von MS-Arzneikandidat von Bayer

DÜSSELDORF (Dow Jones)--Der Medikamentenkandidat "Alemtuzumab" gegen Multiple Sklerose (MS) von BAYER ist offenbar noch etwas wirksamer als vorläufige Daten gezeigt hatten. Endgültigen Ergebnissen einer klinischen Phase-II-Studie zufolge, die am Mittwochabend in Chicago präsentiert wurden, verringerte sich das Risiko in der "Alemtuzumab"-Gruppe, einen erneuten Ausbruch der Krankheit zu erleiden, gegenüber der Vergleichsgruppe um mindestens 74%. Die andere Gruppe hatte das Mittel "Rebif" von Merck Serono erhalten.

Bisher war die Reduzierung mit "mindestens 73%" angegeben worden.

Das Risiko, dass sich eine Behinderung verschlimmerte, war gegen über der Vergleichstherapie um mindestens 71% vermindert. In den Eckdaten war im vergangenen Herbst noch von 70% die Rede gewesen. In der Präsentation bekräftige der Studienleiter, die seltene Nebenwirkung ITP, bei der es eine abnorme Blutungsneigung gibt, sei durch Bluttests zu kontrollieren und beherrschbar. Seit September 2006 habe es keine neuen Fälle von ITP gegeben. Derzeit laufen zwei klinische Phase-III-Studien mit "Alemtuzumab" gegen MS, in denen mit einem besonderen Programm auf Anzeichen von ITP geachtet wird.

Der monoklonale Antikörper "Alemtuzumab" ist bereits seit 2001 gegen Leukämie zugelassen. Die Bayer AG, Leverkusen, entwickelt ihn gemeinsam mit dem US-Unternehmen Genzyme auch gegen MS; beide Unternehmen wollen die Zulassung in dieser Indikation im Jahr 2011 beantragen. Im Jahr 2012 soll es dann auf den Markt kommen. Das Umsatzpotenzial beziffert Bayer auf 750 Mio bis über 1 Mrd EUR.

Quelle: http://www.ad-hoc-news.de/ 17. April 2008 | 07:40 Uhr


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17.04.2008 Neuer Ansatz für die Behandlung der Multiplen Sklerose

Multiple Sklerose ist eine der häufigsten Autoimmunerkrankungen des zentralen Nervensystems in Europa und Nordamerika. Mehr als eine Million Menschen sind derzeit weltweit davon betroffen. Bis heute existiert keine Therapie, die zur Heilung führt. Eine Entdeckung Würzburger Wissenschaftler lässt allerdings Hoffnung aufkommen: An Tieren gelang es ihnen, das Krankheitsbild deutlich zu lindern.

Sehstörungen, Taubheitsgefühle, Schmerzen, Müdigkeit, Lähmungen: Das Krankheitsbild der Multiplen Sklerose (MS) ist vielfältig. Auslöser sind vermutlich körpereigene Abwehrzellen, die fälschlicherweise im Gehirn und Rückenmark die Umhüllung der Nervenzellfortsätze angreifen. Je nach Ort dieser Attacken variieren die Symptome. Eine wichtige Rolle in diesem Prozess übernehmen so genannte T-Zellen, eine Gruppe von Überwachungszellen des Immunsystems. An ihnen haben Wissenschaftler der Universität Würzburg jetzt einen möglichen neuen Ansatzpunkt für eine Therapie entdeckt. Ihre Arbeit haben sie im Journal of Biological Chemistry veröffentlicht.

Den Wissenschaftlern der Würzburger Klinischen Forschungsgruppe für MS und Neuroimmunologie, Dr. Dr. Sven G. Meuth, Stefan Bittner und Professor Dr. Heinz Wiendl, ist es gelungen, auf T-Zellen einen neuen Typ von Ionenkanälen zu identifizieren. Ionenkanäle sind kleine Proteinstrukturen, die für die Aufrechterhaltung der Funktionen aller Körperzellen notwendig sind. Auf T-Zellen sind sie unverzichtbar für die Aktivierung und Zellteilung, vermutlich auch für ihre Entwicklung. Bislang waren zwei Kanalfamilien bekannt, deren Einfluss das Schicksal von T-Zellen maßgeblich bestimmt. Der neu entdeckte Typ verspricht nach Ansicht der Forscher aus der Universität Würzburg die Chance auf eine bessere Behandlung von T-Zell-vermittelten Autoimmunerkrankungen wie der Multiplen Sklerose. In ersten Versuchen gelang es den Wissenschaftlern durch eine gezielte Manipulation, beziehungsweise durch Ausschalten der Kanäle, die T-Zellen in ihrer Aktivität zu bremsen; nach den Eingriffen schütteten sie deutlich weniger Botenstoffe, so genannte Zytokine, aus, als im Normalzustand.

Inwieweit sich diese Ergebnisse bei der Behandlung der Multiplen Sklerose nutzen lassen, hat die Gruppe bereits am Tier untersucht. Dabei zeigte sich, dass die Krankheit weniger schwer und deutlich kürzer verlief, wenn die Ionenkanäle manipuliert worden waren. "Diese neu identifizierte Kanalfamilie stellt eine neue molekulare Zielstruktur dar, von der wir uns auch therapeutische Möglichkeiten versprechen", sagt Heinz Wiendl. Jetzt untersuchen die Wissenschaftler T-Zellen von MS-Patienten in unterschiedlichen Krankheitsstadien, um genauer zu verstehen, wann die Beeinflussung des Kanals therapeutisch hilfreich sein könnte. "Unsere Daten weisen darauf hin, dass wir über den neu definierten Mechanismus in der Lage sein könnten, gezielt auf *schädliche Entzündungszellen* einwirken zu können", fassen die Forscher vorsichtig ihre Ergebnisse zusammen. Doch sie sind zuversichtlich, dass ihre Entdeckung bedeutsame Auswirkungen haben wird. Neben weiteren Experimenten zur Funktion und Rolle des Kanals im Rahmen von Autoimmunerkrankungen wie MS streben die Wissenschaftler jetzt eine klinische Studie an, um das therapeutische Potenzial des Kanals weiter aufzuschlüsseln.

Meuth SG, Bittner S, Meuth P, Simon OJ, Budde T, Wiendl H. TWIK-related acid-sensitive potassium channel-1 (TASK-1 and TASK-3) critically influence T-lymphocyte effector functions. Journal of Biological Chemistry 2008, 28. März.

Kontakt: Dr. Dr. Sven Meuth, T: (0931) 201-23569, E-Mail: Meuth_S@klinik.uni-wuerzburg.de

Universität Würzburg - 17.04.2008, 10:24 Uhr


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15.04.2008 Ursache epileptischer Anfälle bei MS aufgeklärt

Bei MS-Patienten treten epileptische Anfälle drei- bis sechsmal so häufig auf wie in der Allgemeinbevölkerung. Auslöser für das Anfallsleiden könnten neuesten Erkenntnissen italienischer Wissenschaftler zufolge entzündliche Läsionen (Verletzungen) im Kortex sein.

Wie die Forscher im Journal of Neurology berichten, hatten sie bei der Untersuchung von 20 Patienten mit schubförmig remittierender MS und epileptischen Anfällen in rund 90 % der Fälle, also bei 18 Patienten, entzündliche Läsionen innerhalb des Kortex entdeckt. Bei einer Vergleichsgruppe von 80 MS-Patienten, die hinsichtlich Alter, Geschlecht, Krankheitsdauer und EDSS-Wert mit der ersten Gruppe vergleichbar waren, aber keine Anfälle hatten, fanden die Wissenschaftler nur in 39 Fällen (48 %) solche Läsionen.

"Die Patienten mit Epilepsie zeigten fünfmal mehr intrakortikale Läsionen als die MS-Patienten ohne Epilepsie. Außerdem war das Ausmaß der Läsionen bei ersteren sechsmal so groß wie bei den Patienten ohne Anfälle", schreiben die Forscher weiter.
"Unsere Befunde deuten darauf hin, dass MS-Patienten, die unter epileptischen Anfällen leiden, stärker ausgeprägte Entzündungen im Kortex besitzen als MS-Patienten ohne Epilepsie. Diese intrakortikalen Entzündungen könnten deshalb für das Auftreten der epileptischen Anfälle bei Multipler Sklerose verantwortlich sein", schlussfolgern sie.

Quellen: J Neurol. 2008 Jan 31


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25.03.2008 Hepatotoxizität des Multiple-Sklerose-Medikaments Tysabri®

London - Nach der US-amerikanischen Arzneimittelagentur FDA warnt jetzt auch die europäische Behörde EMEA vor Leberschäden bei der Therapie mit dem Medikament Tysabri.

Der EMEA liegen 29 Berichte von Leberschäden bei Patienten vor, von denen zwei Drittel als schwerwiegend eingestuft werden. Nach Angaben des Herstellers haben seit der Einführung in den USA (November 2004, Europa Juni 2006) weltweit 24.000 Patienten das Medikamente erhalten.

Zugelassen ist es zur Behandlung der schubförmig verlaufenden multiple Sklerose, und zwar als krankheitsmodifizierende Monotherapie bei Versagen einer Interferontherapie oder als primärer Ansatz bei Patienten mit besonders rasch fortschreitender schubförmiger Erkrankung.

Die Leberschäden sind bei einigen Patienten bereits nach der ersten Gabe des Medikamentes aufgetreten, das in der Regel alle vier Wochen als intravenöse Infusion verabreicht wird. Bei einigen Patienten, bei denen sich die Leberprobleme nach dem Absetzen des Medikamentes zwischenzeitig gebessert hatten, traten die Nebenwirkungen nach einer erneuten Re-Exposition wieder auf.

Tysabri darf nur von Fachärzten eingesetzt werden. EMEA fordert diese auf, die Leberwerte der Patienten regelmäßig zu kontrollieren. Die Patienten müssen über die Möglichkeit von Leberschäden aufgeklärt werden und sollen wissen, dass sie im Verdachtsfall (Gelbfärbung der Haut oder ungewöhnliche dunkle Färbung des Urins) sofort ihren Arzt aufsuchen müssen.

Quelle: rme/aerzteblatt.de, 25.03.08

Zusätzliche Infos:
Info EMEA
Fragen/Antworten EMEA
FDA-Warnung vom Februar 2008
Deutsches Ärzteblatt: Nachrichten "Schwere Leberschäden durch Natalizumab"


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17.03.2008 Warum sich bei MS kaum neue Nervenzellen bilden

Berlin - Warum sich im Gehirn nach Schädigungen zum Beispiel durch Schlaganfall, Multiple Sklerose und anderen Erkrankungen keine neuen Nervenzellen bilden, haben Wissenschaftler vom Institut für Zell- und Neurobiologie der Charité und dem Institut für Rekonstruktive Neurobiologie in Bonn ermittelt. Sie berichten darüber in der Zeitschrift Nature Cell Biology http://dx.doi.org/10.1038/ncb1700

"In einem gesunden Gehirn werden bei einem Erwachsenen permanent neue Nervenzellen aus Stammzellen gebildet. Nach einer Schädigung des Hirns jedoch produzieren die Stammzellen kaum mehr Nervenzellen, sondern stattdessen vermehrt Gliazellen", hieß es aus der Charité - Universitätsmedizin Berlin.

Nach den Untersuchungen der Arbeitsgruppe hängt dies mit dem sogenannten oxidativen Stress zusammen. Die Forscher haben dessen Bedingungen künstlich hergestellt und beobachtet, dass die Aktivität eines Enzyms namens SIRT1 steigt.

"Dieses Enzym kann man sich als eine Art Wegweiser vorstellen, der den Zellen vorgibt, in welche Richtung sie sich entwickeln sollen", sagte Orhan Aktas aus der Arbeitsgruppe. Bei Schädigungsprozessen, die zu oxidativem Stress führen können, zeige der Wegweiser in eine andere Richtung: statt der Nervenzellen würden Gliazellen produziert.

In künftigen Projekten wollen die Wissenschaftler nun herausfinden, wie sich die Zellproduktion steuern und die Erkenntnisse therapeutisch nutzen lassen. Bis dato seien die Möglichkeiten der Nervenzellenregeneration noch begrenzt. Die Entdeckung der Charité-Forscher könnte die vorhandenen Ansätze jedoch ein entscheidendes Stück weiterbringen.

Quelle: hil/aerzteblatt.de, 17.03.08


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29.02.2008 Schwere Leberschäden durch Natalizumab

Rockville - Die Gabe des Immunmodulators Natalizumab (Tysabri®) kann zum Teil schwere Leberschäden auslösen. Dies teilten die Hersteller Biogen Idec und Elan jetzt den US-Ärzten in einem von der FDA veranlassten "Dear Healthcare Professional"-Brief mit.

Tysabri® wurde in den USA im November 2004 zur Behandlung der multiplen Sklerose zugelassen. Im Februar 2005 mussten die Hersteller es wieder zurücknehmen, nachdem drei Patienten eine progressive multifokale Leukoenzephalopathie entwickelt hatten. Nachdem sichergestellt war, dass diese schwere Virusinfektion eine seltene Komplikation ist, kam das Medikament im Juli 2006 wieder auf den Markt. In Europa wurde es im August 2006 zugelassen. Bis Ende 2007 wurden nach Herstellerangaben 21.000 Patienten behandelt.

Der FDA sind seit 2004 insgesamt 28 Fälle von Leberschädigungen gemeldet worden, davon vier schwerwiegende. Alle Patienten haben nach Angaben der Hersteller überlebt. Keiner benötigte eine Lebertransplantation. Die Fachinformation warnt jedoch vor möglichen tödlichen Komplikationen, die bei einem gleichzeitigen Anstieg von Leberenzymen und Gesamtbilirubin zu befürchten seien.

Die Leberschädigungen traten frühestens sechs Tage nach der ersten Dosis auf. Bei einigen Patienten wiederholte sich die hepatotoxische Reaktion nach einer Reexposition, was nach Ansicht der FDA klar für eine kausale Assoziation spricht.

Die Ärzte werden aufgefordert, die Patienten auf das Risiko einer Hepatotoxizität hinzuweisen. Im Fall einer Unverträglichkeit muss das Medikament sofort abgesetzt werden. Der Hinweis wurde anlässlich der Indikationserweiterung in die Fachinformation aufgenommen. Das Medikament darf in den USA seit kurzem auch zur Behandlung des Morbus Crohn eingesetzt werden.

Links zum Thema
Warnhinweis der FDA
Dear Healthcare Professional-Brief

Quelle: www.aerzteblatt.de - © rme/aerztebatt.de - 29.02.08


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25.02.2008 Kein Zusammenhang zwischen MS und Impfungen

Multiple Sklerose tritt nach Impfungen nicht gehäuft auf

NEU-ISENBURG / LANGEN (gvh). Neue Studiendaten widerlegen erneut den Verdacht, dass Impfungen das Risiko für Autoimmunerkrankungen wie Multiple Sklerose (MS) erhöhen. Darauf weist das Paul-Ehrlich-Institut in Langen hin.

So wurde in einer französischen Fall-Kontroll-Studie keine Verbindung zwischen einer Hepatitis-B-Impfung und einem erhöhten Risiko für MS gefunden. In der Untersuchung wurden Daten von 143 MS-kranken Kindern und Jugendlichen im Alter unter 16 Jahren analysiert.

Die Ergebnisse wurden mit Daten von 1122 Kontrollpersonen gleichen Alters, Geschlechts und Wohnorts verglichen (Arch Pediatr Adolesc Med 161, 2007, 1176).

Ergebnis: Binnen drei Jahren vor dem ersten MS-Schub wurden 32 Prozent der MS-Kranken gegen Hepatitis B geimpft. Die Impfrate bei den Kontrollpersonen war in diesem Zeitraum nahezu identisch. Auch binnen sechs Monaten vor dem ersten MS-Schub ergab sich keine erhöhte Hepatitis-B-Impfrate im Vergleich zu den Kontrollpersonen. Ein erhöhtes Risiko für MS durch Impfung sei daher unwahrscheinlich.

Das Paul-Ehrlich-Institut zitiert die Ergebnisse einer Metaanalyse zum MS-Risiko nach vorheriger Tetanusimpfung (Neurology 67, 2006, 212). Bei den Geimpften sei das Risiko für eine MS sogar signifikant (um etwa ein Drittel) reduziert gewesen.

Quelle: Ärzte Zeitung, 25.02.08


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20.02.2008 Rauchen und Multiple Sklerose

GRONINGEN/BUFFALO (MedCon) - Vorsichtige Entwarnung für MS-Patienten, die gerne mal zur Zigarette greifen: Abgesehen von den bekannten Gesundheitsrisiken soll Rauchen keinen negativen Einfluss auf die Progression der Multiplen Sklerose oder das Entstehen eines progressiven Krankheitsverlaufs haben. Dies geht zumindest aus einer aktuellen Studie hervor.

"Frühere Studien haben gezeigt, dass Raucher ein erhöhtes Risiko haben, eine Multiple Sklerose zu entwickeln. Eine Studie ging sogar davon aus, dass rauchende MS-Patienten ein höheres Risiko haben, eine sekundäre Progression zu entwickeln, nach der die Erkrankung gleichmäßig und dauerhaft fortschreitet", schreiben Dr. Marcus W. Koch und Kollegen von der Universität Groningen in den Niederlanden. Tatsächlich erlaubten diese Studien aber nicht zu beurteilen, ob Rauchen bei MS tatsächlich mit einer schlechteren Prognose verknüpft sei, so Wissenschaftler weiter.

Koch et al. hatten deshalb den Einfluss des Rauchens auf die Progression und das Auftreten von Behinderungen bei 364 MS-Patienten untersucht, von denen 264 Raucher waren. Dabei fanden sie heraus, dass weder hinsichtlich des Auftretens einer Behinderung noch hinsichtlich der Geschwindigkeit, mit der sich verschiedene Behinderungen entwickelten, ein Unterschied zwischen Rauchern und Nichtrauchern bestand.

Deutlich weniger optimistisch äußerte sich hingegen Prof. Robert Zivadinov von der Universität Buffalo, USA; auf dem 23. Kongress des Europäischen Komitees für die Behandlung und Erforschung der Multiplen Sklerose (ECTRIMS) Mitte Oktober in Prag. Danach riskieren MS-Patienten, die zum Glimmstängel greifen, stärkere Gehirnschrumpfungen und damit eine Verschlimmerung ihrer Erkrankung.

Zivadinov et al. hatten 368 MS-Patienten magnetresonanztomografisch untersucht, darunter aktive und ehemalige Raucher sowie Nichtraucher. Sie fanden heraus, dass Raucher signifikant höhere Behinderungswerte und geringere Hirnvolumina hatten als Nichtraucher. Darüber hinaus bestand ein deutlicher Zusammenhang zwischen der Zahl der pro Tag gerauchten Zigaretten und einem geringeren Volumen des Neokortex, der bei Menschen als Zentrale der höheren geistigen Leistung dient. Zwischen aktiven und ehemaligen Rauchern bestand kein Unterschied.

"Rauchen scheint die Schwere der MS zu beeinflussen, die Atrophie des Gehirns zu beschleunigen und die Blut-Hirn-Schranke bei MS-Patienten durchlässig zu machen", sagte Zivadinov. "MS-Patienten sollten deshalb aufhören zu rauchen oder wenigstens ihren Konsum einschränken, um sich soviel Gehirnfunktion wie möglich zu bewahren."

Neurology 2007; 69: 1515-1520, ECTRIMS 2007, Prag

Quelle:


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20.02.2008 Malignes Melanom nach Tysabri®-Behandlung

2 Patientinnen haben kurze Zeit nach Beginn einer Behandlung mit Tysabri® ein malignes Melanom entwickelt. Die Patientinnen litten an einer multiplen Sklerose.Wie im New England Journal of Medicine berichtet, waren bei beiden Patientinnen Naevi vorhanden, die kurz nach Beginn der Tysabri-Behandlung maligne entarteten.Die erste Patientin, eine 46-jährige Frau, hatte schon seit längerer Zeit ein Naevus an der Schulter.

Kurz nach der ersten Tysabri®-Infusion wurde eine schnelle Veränderung des Naevus gesehen. Mit weiteren Untersuchungen konnte ein malignes Melanom mit metastatischen Ablegern in den regionalen Lymphknoten diagnostiziert werden.

Bei der zweiten Patientin, eine 45-jährige Frau, war ein Melanom am Augenbulbus bereits bekannt. Dieser Befund wurde über Jahre hinweg regelmässig untersucht und seit 1999 war die Ausdehnung des Naevus unverändert. Familiär bestand eine Belastung mit malignen Melanomen, die beim Vater und beim Bruder diagnostiziert wurden. Nach mehreren Tysabri®-Infusionen kam es zu einer .starken Zunahme der Grösse des bekannten Naevus, das dann als okuläres Melanom diagnostiziert wurde.

Bisher war ein ähnlicher Fall nur aus einer vorherigen Studie mit Natalizumab (Tysabri) bekannt. Der Patient entwickelte während der Behandlung mit Tysabri® ein Melanom, welches zu seinem Tod führte.

Es ist noch unklar, ob der Zusammenhang zwischen Melanom und Tysabri®-Behandlung zufällig ist oder ob man mit einer neuen Nebenwirkung des Pharmakons rechnen muss.

Schwerwiegende Komplikationen im Zusammenhang mit Tysabri® sind schon früher aufgetreten.

Im Februar 2005 musste das Pharmakon in den USA aus dem Handel genommen werden, nachdem 3 Patienten in einer klinischen Studie an einer seltenen viralen Infektion des Gehirns erkrankten.

Im Juni 2006 ist das Medikament wieder für die Behandlung der Multiplen Sklerose und neuerdings auch des Morbus Crohn zugelassen mit entsprechenden Warnhinweisen über das bekannte Risiko einer progressiven multifokalen Leukoenzephalopathie (PML).

Die Autoren des Berichtes sind der Ansicht, dass Patienten mit Multipler Sklerose vor Beginn einer Behandlung mit Tysabri®, und alle 6 Monate danach, durch einen Dermatologen untersucht werden sollten, um das mögliche Vorhandensein von verdächtigen Veränderungen festzustellen.

The New England Journal of Medicine, Feb. 7, 2008; vol 358: pp 557-567. Vetrovec, G.W. The New England Journal of Medicine, Feb. 7, 2008; vol 358: pp 634-637

Die Nejm Info HIER

Quelle: www.neurologie.ch, 13.02.08


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14.02.2008 Rituximab bei MS: B-Zell-Depletion als neuer Therapieansatz

San Francisco - Alle bisherigen Therapien bei der multiplen Sklerose zielen - mehr oder weniger erfolgreich - darauf, die Attacke der T-Zellen auf die Myelinscheiden im zentralen Nervensystem zu verhindern. Nach den Ergebnissen einer Phase 2-Studie im New England Journal of Medicine (2008; 358: 676-688) könnte ein Angriff auf die B-Zellen ebenfalls wirksam sein. Zwei Kurzinfusionen mit Rituximab erzielten bei Patienten mit schubförmig-remittierender multipler Sklerose (RRMS) eine ungewöhnlich gute und lang andauernde Wirkung.

Rituximab wurde ursprünglich zur Behandlung von Krebserkrankungen entwickelt. Der monoklonale Antikörper erkennt das Antigen CD20 auf B-Zellen und beseitigt diese. Diese B-Zell-Depletion ist eine erfolgreiche Therapie beim Non-Hodgkin-Lymphom (ein B-Zell-Tumor). In dieser Indikation wurde MabThera® in Deutschland bereits 1998 zugelassen. Seit Kurzem ist Rituximab auch zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis zugelassen, in dessen Pathogenese B-Zellen ebenfalls eine Rolle spielen. Die rheumatoide Arthritis ist eine Autoimmunerkrankung, sodass die Idee, das Medikament auch bei der multiplen Sklerose (und einer Reihe anderer Autoimmunerkrankungen) zu evaluieren auf der Hand lag.

An einer vom Hersteller gesponserten multizentrischen Studie beteiligten sich an 32 Zentren in den USA und Kanada 104 Patienten mit RRMS. Zwei Drittel erhielten eine Einmaltherapie mit Rituximab (verteilt auf zwei Kurzinfusionen), die anderen wurden mit Placebo behandelt. Wohl im Hinblick darauf, dass während der Studie andere Therapie abgesetzt wurden, wurden Patienten mit wenigen Läsionen (0,3 im Durchschnitt) auf den Placebo-Arm verteilt, während die Patienten, die Rituximab erhalten sollten, deutlich mehr Läsionen (2,1 im Durchschnitt) hatten.

Wie zu erwarten, nahm die Zahl der (gadolinium-verstärkten) Läsionen in der Kernspintomografie (primärer Endpunkt der Studie) im Placebo-Arm der Studie tendenziell zu. Unter Rituximab kam es dagegen zu einem deutlichen Rückgang. Die Gesamtzahl der Läsionen wurde bis zur Woche 24 um 91 Prozent reduziert. Neue Läsionen traten kaum noch auf, berichten Stephen Hauser von der Universität San Francisco und Mitarbeiter. Diese Wirkung hatte noch 48 Wochen nach der Gabe von Rituximab noch Bestand. Auch die Zahl der klinischen Schübe nahm deutlich ab: von 34,3 auf 14,5 Prozent nach 24 Wochen und von 40,0 Prozent auf 20,3 Prozent nach 48 Wochen.

Das sind sicherlich Ergebnisse, die zu Hoffnungen berechtigen, auch wenn sich Wirksamkeit und Sicherheit der Therapie noch nicht abschließend beurteilen lassen. Sie sind Gegenstand einer größeren Phase-III-Studie mit 439 Patienten, die im August dieses Jahres abgeschlossen sein soll.

Abstract der Studie
Pressemitteilung der Universität San Francisco

Quelle: rme/aerzteblatt.de, 14.02.08


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14.02.2008 MS-Patienten: Kiffen verlangsamt das Denken

Nicht wenige Patienten mit Multipler Sklerose (MS) rauchen Cannabis, weil sie sich davon eine Besserung ihrer Symptome versprechen. Es sieht allerdings so aus, als ob sie im Gegenzug mit kognitiven Einbußen rechnen müssten.

Cannabinoide stehen im Ruf, unter anderem die Spastizität von MS-Patienten zu verbessern. Nun gibt es zwar randomisierte und kontrollierte Studien, die einen Nutzen bei Symptomen des unteren Harntrakts und bei zentralen Schmerzen belegen, aber was die Spastizität betrifft, hat eine große Studie keinen Effekt gefunden. Nichtsdestotrotz gibt es einen nicht unerheblichen Anteil von MS-Patienten, die Cannabis auf die "klassische" Art - nämlich rauchend - anwenden. Dabei scheren sich die Kiffer nicht um die bekannten psychoaktiven Wirkungen wie Delirium, Psychosen und Angstzustände und machen sich keine Gedanken über mögliche kognitive Einbußen, die ohnehin im Verlauf einer MS-Erkrankung auftreten können.

Kanadische Psychiater wollten das genauer wissen. Da eine kontrollierte prospektive Studie mit "Straßen"-Cannabis ethisch kaum zulässig sein würde, screenten sie eine Kohorte von 140 Patienten aus einer MS-Ambulanz in Toronto und fanden darin zehn Patienten, die angaben, zum Zeitpunkt der Untersuchung, d.h. jedenfalls noch im Monat vor der Befragung, Cannabis geraucht zu haben. Diese zehn Patienten waren signifikant und im Mittel um beinahe zehn Jahre jünger als die übrigen, aber sie wurden mit jeweils vier Nicht-Cannabis-Rauchern bezüglich Alter und anderen relevanten Parametern gematcht. Alle 50 Patienten wurden mit DSM-IV und der Neuropsychological Battery for MS (NPBMS) untersucht, ergänzt um den Symbol Digit Modalities Test (SDMT), der vor allem Verarbeitungsgeschwindigkeit, Arbeitsgedächtnis und nachhaltige Aufmerksamkeit misst.

Zum einen waren in der Gruppe der Cannabis-Raucher signifikant mehr Patienten mit einer psychiatrischen Diagnose nach DSM-IV, zum anderen zeigten sie im SDMT im Mittel eine langsamere Verarbeitungszeit (p = 0,006); das galt für sämtliche Versuche bei den Aufgaben des Tests (p = 0,001). Bezüglich der NPBMS gab es keine Unterschiede zwischen den Gruppen.

Angesichts der geringen Patientenzahlen ist die Stringenz der Resultate bemerkenswert, auch wenn sie in größeren Kollektiven und mit pharmakologisch geprüften Cannabinoiden kontrolliert werden sollten. Offenbar, so das vorläufige Ergebnis, riskieren kiffende MS-Patienten Einbußen bei ihren kognitiven Fähigkeiten. [jn]

Ghaffar O & Feinstein A: Multiple sclerosis and cannabis. A cognitive and psychiatric study. Neurology 2008; [Epub ahead of print February 13, 2008].

Quelle: medizin-online - die Plattform für Ärzte und Apotheker, DNP, 14.02.08


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05.02.2008 Therapie gegen MS noch nach zehn Jahren effektiv

Langfristig können immer noch neun von zehn Patienten selbstständig gehen /
Schubrate ist um 80 Prozent reduziert

MÜNCHEN (wst). Patienten mit schubförmiger Multipler Sklerose (MS) profitieren langfristig von einer Therapie mit Glatirameracetat. Bei einer über zehn Jahre fortgesetzten Behandlung sind nach dieser Zeit immer noch neun von zehn Patienten in der Lage, selbstständig und ohne Gehhilfe zu gehen.

Das belegen die Daten der unbefristeten offenen Verlängerungs-Phase der Zulassungsstudie für Glatirameracetat (Copaxone®), die inzwischen bis zu zwölf Therapiejahre umfasst. Für das Langzeit-Follow-up wurden insgesamt 232 Patienten berücksichtigt, die in den letzten zwei Jahren vor Therapiebeginn durchschnittlich etwa 1,2 MS-Schübe pro Jahr hatten, hat Professor Judith Haas bei einer Veranstaltung von Sanofi-Aventis und TEVA in München berichtet.

Diese Schubrate war im ersten Therapiejahr mit Glatirameracetat in etwa halbiert. Bei den Studienteilnehmern, die die Therapie zehn Jahre regelrecht fortgeführt hatten, war im zehnten Therapiejahr - im Vergleich mit den zwei Jahren vor Therapiebeginn - die mittlere Schubrate um 80 Prozent reduziert.

Für die Patienten entscheidender als die Beeinflussung der Schubrate sei jedoch der Effekt auf die Progression der neurologischen Behinderungen, betonte Haas vom Jüdischen Krankenhaus Berlin. Beurteilt anhand der von 0 bis 10 Punkte reichenden EDS-Skala waren bei zehnjähriger Behandlung mit Glatirameracetat etwa 60 Prozent der Patienten stabil geblieben, oder es hatten sich ihre Behinderungen sogar reduziert. Neun von zehn Patienten konnten nach wie vor ohne Gehhilfe und selbstständig gehen.

Wie bereits berichtet, hat sich Glatirameracetat in drei direkten Vergleichsstudien zur Behandlung bei schubförmiger MS den Beta-Interferonen als ebenbürtig erwiesen. Da Glatirameracetat und die Beta-Interferone ihren Nutzen über unterschiedliche Wirkmechanismen erreichen, liege die Frage nahe, ob durch eine Kombination beider Therapieprinzipien ein gesteigerter Nutzen zu erwarten sei, so Professor Ralf Gold vom Institut für Multiple Sklerose Forschung der Universität Göttingen. Hier lägen jedoch tierexperimentelle Befunde vor, nach denen eine solche Kombination sogar deutlich weniger positive Effekte habe als jede Komponente für sich.

Quelle: Ärzte Zeitung, 05.02.08


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04.02.2008 Neue Substanz blockiert T-Zell-Zirkulation

PRAG (hem). Die Wirkungen der neuen Substanz Fingolimod scheinen über eine reine Immun- modulation hinauszugehen. Zusätzlich werden neuroprotektive Effekte erwartet.

Fingolimod (FTY720) ist eine immunmodulierende Substanz, die in den T-Zell-Haushalt eingreift. Die Substanz bindet an den Sphingosin-1-Phosphat (S1P)-Rezeptor-1 von Lymphozyten und hindert sie damit am Austritt aus den Lymphknoten. Fingolimod wird derzeit vom Unternehmen Novartis für die orale MS-Therapie entwickelt.

Wie Professor Ludwig Kappos aus Basel auf einer Veranstaltung des Unternehmens berichtet hat, kehren etwa zwei Drittel der zirkulierenden T-Zellen in die Lymphknoten zurück. Dort erfüllen sie auch Antigen präsentierende Aufgaben. Werden aktivierte T-Zellen an ihrer weiteren Zirkulation gehindert, können sie auch nicht mehr ihre destruktiven Wirkungen entfalten. Fingolimod hindert reversibel etwa 70 Prozent der Lymphozyten an ihrer Zirkulation.

Fingolimod verbessert Funktion der Blut-Hirn-Schranke

Da Fingolimod aufgrund seiner lipophilen Eigenschaften in der Lage ist, die Blut-Hirn-Schranke zu überwinden, kommen darüber hinaus noch zusätzliche Wirkungen in Betracht. Nach Angaben von Professor Howard L. Weiner aus Boston in den USA scheint der S1P-Rezeptor bei verschiedenen Zellen des ZNS von Bedeutung zu sein. So fördere die Bindung von Fingolimod an Rezeptoren von Astrozyten in experimentellen Untersuchungen deren Stützfunktion und bessere damit die Blut-Hirn-Schranke. Ferner ließ sich das Überleben von Oligodendrozyten verbessern, was Repair-Mechanismen bei geschädigten Myelinstrukturen fördern sollte.

Quelle: Ärzte Zeitung, 04.02.08


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04.02.2008 Interferon-Therapie wird besser verträglich

Studie mit neuer Formulierung von Interferon beta-1a s.c. vorgestellt /
Lokale Hautirritationen nur noch bei 30 Prozent der MS-Kranken

PRAG (hem). Für die MS-Therapie ist eine neue Formulierung von Interferon beta-1a s.c. (Rebif®) entwickelt worden. Die Injektionsverträglichkeit ist damit verbessert und die Immunogenität verringert. Die Häufigkeit lokaler Hautreaktionen lässt sich um zwei Drittel reduzieren. MS-Experten erhoffen sich damit eine bessere Compliance.

Auch wenn sich erst nach neun bis zwölf Monaten abschätzen lässt, ob eine Interferon-Therapie erfolgreich ist, brechen 26 Prozent aller Patienten mit Multipler Sklerose ihre Behandlung schon innerhalb von drei Monaten wieder ab. Darauf hat Professor Heinz Wiendl von der Universitätsklinik in Würzburg bei einer Veranstaltung von Merck Serono hingewiesen. Nach einem Jahr seien sogar fast die Hälfte aller Patienten ohne Therapie.

Die wichtigste Ursache für einen vorzeitigen Therapieabbruch ist für Wiendl, dass die möglichen Therapieeffekte falsch eingeschätzt werden. Die meisten Patienten hätten unrealistisch hohe Erwartungen, die von vornherein nicht erfüllt werden können.

So glaubten viele MS-Kranke, auch schon bestehende neurologische Defizite ließen sich noch beheben. Mit zunehmender Enttäuschung werde häufig die ganze Therapie infrage gestellt, lokale Hautreaktionen etwa nach den Injektionen gewännen zusehends an Bedeutung. Vor allem Patienten in Remission und ohne akuten Leidensdruck ließen sich dann nur schwer für eine kontinuierliche Therapie motivieren, sagte Wiendl beim ECTRIMS-Kongress in Prag.

Die lokalen Hauterscheinungen nach den Interferon-Injektionen sind auf eine immunologische Reaktion an der Injektionsstelle zurückzuführen, wie Privatdozent Dr. Sigbert Jahn von Serono berichtet hat. Eine Verbesserung verspricht hierbei die neue Interferon-beta-1a-Formulierung: Sie kommt bei der Herstellung ohne fetales Kälberserum aus. Auch könne für die Abfüllung auf Fremdeiweiße verzichtet werden; die stabilisierende Zugabe von Humanserumalbumin sei nicht mehr nötig.

Dieser Zusatz war bislang erforderlich, um ein regelrechtes Festkleben des Wirkstoffes an den Behältnissen zu verhindern. In einer Studie mit 260 Patienten traten mit der neuen Formulierung lokale Hautirritationen wie lokalisierte Erytheme und Brennen nur bei knapp 30 Prozent der Patienten auf, mit der bisherigen Formulierung traf das für 84 Prozent der Patienten zu. Auch Hautausschläge waren mit der neuen Formulierung von Interferon beta-1a seltener (5,4 versus 12 Prozent).

Quelle: Ärzte Zeitung, 04.02.08


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04.02.2008 Therapie lohnt schon nach erstem MS-Schub

Bei frühem Therapiestart mit Interferon beta-1b entwickeln Patienten seltener eine klinisch gesicherte MS

PRAG (hem). Neue Studienergebnisse stützen die Forderung von MS-Experten nach einem möglichst frühen Start der MS-Therapie. Die Dreijahres- Daten der Studie BENEFIT* belegen, dass der Vorsprung, den MS-Kranke bei früher Therapie haben, bei einem späteren Therapiebeginn nicht mehr aufzuholen ist..

In der BENEFIT-Studie wurde die Therapie schon bei einem ersten Verdacht auf MS bei einem klinisch isolierten Syndrom (CIS) mit auffälligem MRT-Befund begonnen. Die Patienten erhielten jeden zweiten Tag Interferon beta-1b (Betaferon®) 250 ¼g s.c. oder Placebo.

Die Placebo-kontrollierte Behandlungsphase wurde spätestens nach 24 Monaten abgebrochen. Wenn schon vorher ein zweiter Schub auftrat oder eine MS klinisch gesichert wurde (CDMS), wurde den Studienteilnehmern allerdings gleich Verum empfohlen. Nach Abschluss des Placebo-kontrollierten Studienabschnittes hatten alle Patienten die Möglichkeit, an einer Nachbeobachtungsstudie teilzunehmen. Die initiale Verblindung wurde dabei nicht aufgedeckt.

Schon die Auswertung des Placebo-Arms nach zweijähriger Studiendauer habe interessante Aufschlüsse gebracht, so Professor Xavier Montalban aus Barcelona bei einer Veranstaltung von Bayer Schering. So entwickelten 45 Prozent der CIS-Patienten innerhalb von zwei Jahren eine CDMS (mit Verum: 28 Prozent). Legte man die McDonald-Kriterien für die MS-Diagnose zugrunde, ergab sich sogar eine Konversionsrate von 85 Prozent (mit Verum: 69 Prozent).

Dieser Vorsprung durch einen frühen Therapiestart lässt sich durch eine später eingeleitete Interferontherapie nicht mehr aufholen, belegen die Dreijahres-Daten. Eine MS nach den McDonald-Kriterien hatten nach insgesamt drei Studienjahren 85 Prozent der Patienten aus dem ursprünglichen Placebo-Arm und 74 Prozent der Patienten mit früher Interferon-Therapie. Eine klinisch determinierte MS hatten 51 Prozent der Patienten mit später Therapie, aber nur 37 Prozent der Patienten mit frühem Therapiestart.

Auch bei der Progression der Behinderungen ergab sich ein ähnlich ausgeprägter Nutzen der frühen Therapie: Bei nur 16 Prozent wurde innerhalb von drei Jahren eine Progression beobachtet, dagegen bei 24 Prozent der Patienten mit spätem Therapiestart.

BENEFIT: Betaferon in newly emerging multiple sclerosis for initial treatment. Publikation: Lancet 370, 2007, 389.

Diagnose-Kriterien zum MS-Verlauf

Klinisch isoliertes Syndrom (CIS): Erster klinischer MS-Schub mit positivem Befund bei Magnetresonanztomografie (MRT).

McDonald-Kriterien: MRT-Nachweis der Dissemination des neuronalen Schadens.

Klinisch determinierte Multiple Sklerose (CDMS): Mindestens ein weiterer MS-Schub, neurologische Läsionen und Zunahme des Wertes auf der Skala EDSS (Expanded Disability Status Scale) von mindestens 1,5 Punkten oder ein Gesamtwert von über 2,5 Punkten auf dieser Skala.

EDSS-Progression: Eine Zunahme des EDSS-Wertes um mindestens einen Punkt. Die Progression bleibt mindestens sechs Monate bestehen. (mut)

Quelle: Ärzte Zeitung, 04.02.08


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01.02.2008 Wie Blutwäsche bei MS helfen kann

Hans-Georg Mertens Preis an RUB-Neurologen:
Wie Blutwäsche bei MS helfen kann

Wenn bei MS sonst nichts mehr hilftVerfahren kann vor bleibenden Schäden schützenWenn Patienten mit Multipler Sklerose bei einem starken Schub auch hoch dosiertes Cortison nicht mehr hilft, kann ein Blutwäscheverfahren schlimme Folgen häufig verhindern. Für ihre Arbeiten zu dieser Plasmapherese bei MS werden Prof. Dr. Ralf Gold, Direktor der RUB-Neurologie im St. Josef Hospital, und sein Göttinger Kollege Prof. Dr. Wolfgang Brück mit dem mit 5.000 Euro dotierten Hans-Georg Mertens Preis ausgezeichnet. Der Preis wird von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie und der Deutschen Gesellschaft für Neurologische Intensivmedizin bei deren Jahrestagung in Wiesbaden am 1. Februar verliehen.

90 Prozent der Patienten erleiden Schübe

Die Multiple Sklerose ist auch heute noch nicht heilbar, aber durch moderne Immuntherapie deutlich besser beeinflussbar als früher. Trotzdem treten immer noch akute Verschlechterungen, sog. Schübe, auf. 90 Prozent der an Multipler Sklerose erkrankten und meist jungen Patienten leiden unter der schubförmigen Verlaufsform. Traditionell wird ein Schub nach Ausschluss anderer Ursachen und bei schwerwiegender Beschwerdesymptomatik mit hoch dosierten Cortison-Präparaten behandelt, bei Bedarf auch wiederholt. Was kann man aber tun, wenn die Wirkung von Cortison ausbleibt?

Blutwäsche entfernt Eiweißablagerungen

In den letzten sieben Jahren haben sich Prof. Gold, damals noch an der Neurologischen Universitätsklinik Würzburg und später Leiter des MS Instituts in Göttingen und Prof. Brück, Direktor des Instituts für Neuropathologie an der Universität Göttingen, mit dieser Frage intensiv beschäftigt. An sog. diagnostischen Biopsien von schwer verlaufenden Schüben hat Prof. Brück zeigen können, dass sich Ablagerungen von Antikörpern (Eiweißprodukten) finden. Erfahrungsgemäß reagiert so eine Ablagerung nicht auf Cortison, aber auf Blutwäscheverfahren (Plasmapherese), die Eiweißstoffe und Entzündungsprodukte entfernt. "In verschiedenen, teils gemeinsamen Arbeiten konnten wir zeigen, dass bei rascher Durchführung der Plasmapherese, das heißt innerhalb von spätestens sechs Wochen nach Beginn des schweren Schubes, bis zu 70 Prozent der Patienten unter der Blutwäschebehandlung entweder völlig beschwerdefrei werden oder zumindest einen weitgehenden Rückgang ihrer Symptome erfahren", so Prof. Gold.

Drei Patienten im Monat in der RUB-Klinik St. Josef Hospital

Seit August 2006 ist Prof. Gold an der Neurologischen Klinik des St. Josef Hospitals tätig, wo durchschnittlich drei Patienten mit schweren MS-Schüben monatlich durch Plasmapherese behandelt werden. Die Behandlung erfordert im Allgemeinen einen Katheter in einer größeren Vene des Körpers und wird nur stationär durchgeführt. Bei ausschließlich schleichendem Krankheitsverlauf kommt die Behandlung nicht in Frage.

Weitere Informationen
Prof. Dr. Ralf Gold, Neurologische Klinik der Ruhr-Universität Bochum im St. Josef-Hospital,
Gudrunstraße 56, 44791 Bochum, Tel.: 0234/509-2410, Fax: 0234/509-2414, ralf.gold@rub.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, idw, 01.02.08


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26.01.2008 MS-Symposium "State of the Art 2008" - Psychosoziale Aspekte der MS

Luzern (ots) - Heute fand im KKL in Luzern das 10te MS-Syposium "State of the Art" der Schweiz. MS-Gesellschaft, organisiert von den Professoren Jürg Kesselring und Ludwig Kappos, statt. Es nahmen rund 70 Neurologen sowie Fachleute aus anderen medizinischen Berufen teil. Im Mittelpunkt der Tagung stand das Thema "Psychosoziale Aspekte der MS".

MS-Symposium

Am heutigen MS-Symposium "State of the Art 2008" im KKL in Luzern präsentierten namhafte Spezialisten aus ganz Europa ihre neusten Informationen zur Diagnostik und Behandlung der Multiplen Sklerose. Am Nachmittag fanden praxisnahe Workshops zu verschiedenen Themen statt, am morgen Referate. Das MS-"State of the Art" wurde im Auftrag des Wissenschaftlichen Beirates der Schweizerischen Multiple Sklerose Gesellschaft von den Professoren Jürg Kesselring und Ludwig Kappos organisiert. Es nahmen rund 70 Neurologen sowie Fachleute aus anderen medizinischen Berufen teil.

"Die psychosozialen Aspekte der MS"

Unter dem Überthema "Psychosoziale Aspekte der MS" präsentierten die Redner ihre Erkenntnisse. Dazu gehörten ein Referat zu den Auswirkungen einer kognitiv-verhaltenstherapeutischen Intervention auf die Lebensqualität und den Krankheitsverlauf von MS-Betroffenen, eine Analyse der Berechnungsmodelle für die Kosten der MS in verschiedenen Krankheitsstadien sowie die Präsentation eines neuen Verfahrens zur Erfassung der krankhaften Ermüdbarkeit (Fatigue) und Möglichkeiten ihrer Linderung.

Weitere Referenten zeigten Lücken in der psychologischen, sozialen, spirituellen und direkt körperlichen Betreuung der Betroffenen auf oder präsentierten neue Ergebnisse zum Thema Schwangerschaft und MS.

Prof. Jürg Kesselring, Präsident der MS-Gesellschaft, sprach zum Thema Schmerzen bei MS und Prof. Ludwig Kappos, Präsident des Wissenschaftlichen Beirates der MS-Gesellschaft, stellte in seinem Referat die neuesten, teilweise noch nicht publizierten Ergebnisse gerade abgeschlossener Therapiestudien vor.

Die Themen der Workshops am Nachmittag waren "Symptomatische Behandlung und Rehabilitation bei MS", "Diagnose und Behandlung von psychiatrischen und kognitiven Störungen" sowie "Behandlungsstrategien bei Therapieversagen".

Sämtliche Abstracts der Referenten finden Sie in Englisch unter:
http://www.ms-state-of-the-art.ch/program.html zum Download bereit.


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24.01.2008 Interferon beta und Glatirameracetat gleichauf

Krankheitsverlauf bei schubförmig verlaufender Multipler Sklerose wird durch zwei Therapien ähnlich günstig beeinflusst

PRAG (hem). Subkutan injiziertes Interferon beta-1a und Glatirameracetat scheinen den Krankheitsverlauf bei Patienten mit schubförmig verlaufender Multipler Sklerose (MS) ähnlich positiv zu beeinflussen. Das legen die Ergebnisse der Studie REGARD× nahe, die auf dem MS-Kongress ECTRIMS in Prag vorgestellt wurden.

In die offene Multicenter-Studie wurden 764 Patienten aufgenommen. Sie wurden über 96 Wochen randomisiert mit subkutanen Injektionen von Interferon beta-1a (Rebif® 44 ¼g; dreimal pro Woche) oder von Glatirameracetat (Copaxone® 20 mg; einmal täglich) behandelt. Beim primären Studienendpunkt, der Zeit bis zum ersten Schub, ergab sich kein signifikanter Unterschied. Mit dem Interferon-Mittel vergingen 495 Tage bis zum ersten Krankheitsschub, mit Glatirameracetat 432 Tage.

Studienleiter Professor Daniel Mikol von der Universität von Michigan in Ann Arbor gab jedoch zu bedenken, dass die Aussagekraft der Ergebnisse eingeschränkt sei. Denn innerhalb der Beobachtungszeit von 96 Wochen hätten nur 34 Prozent der Teilnehmer mindestens einen MS-Schub bekommen; bei der Entwicklung des Studiendesigns sei man jedoch davon ausgegangen, dass mindestens 63 Prozent in diesem Zeitraum von mindestens einem neuen MS-Schub betroffen sein würden.

Statistisch signifikante Unterschiede gab es jedoch für die im Studiendesign definierte Subgruppe von Patienten mit einem Behinderungsgrad von maximal zwei in der Skala EDSS (Expanded Disability Status Score). Diese 418 Studienteilnehmer bekamen mit dem Interferon-Präparat signifikant später einen neuen Krankheitsschub (nach mehr als 655 Tagen) als bei Therapie mit Glatirameracetat (nach 346 Tagen).

×REGARD: REbif® versus Glatiramer Acetate in Relapsing MS Disease

Quelle: Ärzte Zeitung, 24.01.2008


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22.01.2008 Initiale Progression bei MS - später Behinderung

Acht-Jahres-Daten / Aus Progressionsverlauf sind Rückschlüsse auf künftigen Behinderungsgrad möglich

PRAG (mal). Für Patienten mit schubförmiger Multipler Sklerose, die an klinischen Studien teilnehmen, ermöglicht die in dieser Zeit dokumentierte Entwicklung des Behinderungsgrades eine für knapp ein Jahrzehnt gültige Prognose.

Eher günstige Verläufe und langfristig wenig ausgeprägte Behinderungen haben dabei MS-Kranke ohne eine mindestens sechs Monate anhaltende Progression der Behinderungen während der laufenden Studie.

Diesen Schluss lassen die Daten von 160 Patienten zu, die an einer Studie teilgenommen hatten und bei denen acht Jahre nach Studienbeginn erneut Daten erhoben wurden. Ihr initialer Behinderungsgrad nach EDSS lag zwischen 1 und 3,5 Punkten. Die ursprünglich in die Verum-Gruppe aufgenommenen 79 Patienten hatten mindestens zwei Jahre lang Interferon beta-1a i.m. (Avonex®) erhalten.

Nach den jetzt vorliegenden Daten wurde bei 45 Patienten (18 Verum- und 27 Placebo-Patienten) innerhalb der ersten beiden Jahre eine anhaltende Progression des Behinderungsgrades festgestellt, definiert als mindestens sechs Monate anhaltende Verstärkung des Behinderungsgrades um mindestens einen Punkt in der EDSS. 84 Prozent dieser Patienten hatten nach acht Jahren klinisch bedeutsame neurologische Behinderungen entsprechend 4 oder mehr Punkten in der EDSS.

Ohne initiale Progression des Behinderungsgrades traf dies nur für 44 Prozent der Studienteilnehmer zu, wie das Team um Professor Richard Rudick aus Cleveland im US-Staat Ohio beim ECTRIMS in Prag berichtet hat (Poster 195). Ähnliche Ergebnisse gab es bei einem EDSS-Grenzwert von mindestens 5 Punkten (73 versus 33 Prozent), 6 (67 versus 24 Prozent) oder 7 Punkten (38 versus 2 Prozent).

Insgesamt war nach achtjähriger Beobachtungszeit der Anteil der Patienten, die einen bestimmten EDSS-Behinderungsgrad erreicht hatten, nach Placebo-Therapie größer als nach Verum-Therapie. So hatten zum Beispiel 65 Prozent der Placebo-Patienten einen EDSS-Punktwert von mindestens 4 erreicht, aber nur 44 Prozent der Verum-Patienten. Und: Patienten mit einem initialen EDSS-Wert von höchstens 2 Punkten hatten nach acht Jahren signifikant seltener einen EDSS-Wert von mindestens 4 (37 versus 74 Prozent) oder mindestens 5 Punkten (29 versus 60 Prozent) als Studienteilnehmer mit initial über 2 EDSS-Punkten.

Quelle: Ärzte Zeitung, 22.01.2008


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18.01.2008 MS-Mittel ähneln sich in Wirksamkeit

Glatirameracetat mit Interferon-beta-Präparaten verglichen / Studiendaten von insgesamt mehr als 3000 Patienten

MÜNCHEN (wst). Bei Patienten mit schubförmig verlaufender Multipler Sklerose (MS) ist die Prognose umso besser, je früher immunmodulatorisch behandelt wird. Dabei sind nach drei neuen Studien die Therapien mit Glatirameracetat und mit Interferon-beta-Präparaten ähnlich effektiv.

Ergebnisse dieser drei randomisierten Studien hat Professor Ralf Gold vom Institut für Multiple Sklerose Forschung der Universität Göttingen bei einer Veranstaltung von Sanofi-Aventis und TEVA in München vorgestellt.

In der Studie REGARD× waren 764 MS-Patienten 96 Wochen lang mit subkutanen Injektionen von Interferon beta-1a (Rebif®, 44 Mikrogramm, dreimal pro Woche) oder von Glatirameracetat (Copaxone®, 20 Milligramm täglich) behandelt worden. Beim primären Endpunkt, der Zeit bis zum ersten MS-Schub, gab es zwischen den beiden Therapien keinen signifikanten Unterschied: Mit dem Interferon-Mittel vergingen 495 Tage bis zum ersten MS-Schub, mit Glatirameracetat 432 Tage.

In der Studie BECOME× hatten 75 Patienten bis zu zwei Jahre lang subkutane Injektionen von Interferon beta-1b (Betaferon®, 250 Mikrogramm, alle zwei Tage) oder von Glatirameracetat (20 Milligramm täglich) bekommen. Primärer Endpunkt war die mit monatlichen MRT-Aufnahmen erfasste mittlere Zahl der aktiven Läsionen im ZNS. Auch hier gab es zwischen den beiden Therapieoptionen keinen signifikanten Unterschied.

In der Studie BEYOND× wurden 2244 MS-Patienten einer von drei Studiengruppen zugeordnet. Die drei Therapieoptionen waren: 250 Mikrogramm Interferon beta-1b alle zwei Tage (Standarddosierung), 500 Mikrogramm Interferon beta-1b alle zwei Tage (doppelte Standarddosierung) oder 20 Milligramm Glatirameracetat täglich. Auch in dieser Studie schnitt die Therapie mit Glatirameracetat ähnlich gut ab wie die mit dem Interferon-Präparat. Im Vergleich zum Jahr vor Aufnahme in die Studie, in dem die Patienten durchschnittlich noch 1,6 MS-Schübe gehabt hatten, war die Schubrate nach zweijähriger immunmodulatorischer Therapie um knapp 80 Prozent reduziert. Zwischen den drei Studienarmen gab es keine signifikanten Unterschiede.

Aufgrund dieser neuen Studienergebnisse rät Gold, Patienten mit Multipler Sklerose unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Applikationsfrequenz der MS-Therapeutika und des unterschiedlich akzentuierten Nebenwirkungsprofils entscheiden zu lassen, welche Option sie bevorzugen. Bisher sei es nicht möglich, bereits vor dem Beginn der Behandlung abzusehen, von welcher Therapieoption jeder einzelne MS-Patient am meisten profitiere, sagte der Göttinger MS-Experte.

×REGARD: REbif versus Glatiramer Acetate in Relapsing MS Disease
×BECOME: BEtaseron versus COpaxone in MS with triple-dose Gadolinium and 3-T MRI Endpoints
×BEYOND: Betaferon/Betaseron Efficacy Yielding Outcomes of a New Dose

Quelle: Ärzte Zeitung, 18.01.2008


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15.01.2008 Übersicht zu MS bei Kindern

Eine praxisrelevante Übersicht über die Diagnostik und Therapie bei Kindern und Jugendlichen mit Multipler Sklerose geben Professor Uwe Zettl und Dr. Johannes Buchmann aus Rostock sowie Dr. Wolfgang Köhler aus Wermsdorf.

Die Erkrankung wird in dieser Altersgruppe nicht länger als selten angesehen. Zumindest müsse sie oft in differenzialdiagnostische Erwägungen einbezogen werden, so die drei Herausgeber. Sie weisen darauf hin, dass die Erkrankung bei Kindern und Jugendlichen weit weniger gut erforscht ist als bei Erwachsenen und therapeutische Optionen nicht ohne Weiteres übertragen werden können.

Das Buch ist inhaltlich klassisch aufgebaut mit Kapiteln von der Ätiologie bis hin zur Reha. Komplexe Sachverhalte werden mit Hilfe farbiger Grafiken erklärt. Textkästen, Übersichten und das Sachwortverzeichnis erlauben ein rasches Nachschlagen und Auffinden des Gewünschten. Es gibt auch Adresslisten von Selbsthilfeorganisationen sowie eine Übersicht über die Expanded Disability Status Scale, womit der Grad der Behinderung bestimmt wird. (ner)

Uwe K. Zettl, Wolfgang Köhler, Johannes Buchmann (Hrsg.): Multiple Sklerose im Kindes- und Jugendalter. Georg Thieme Verlag 2007, 112 Seiten, broschiert, Preis: 29,95 Euro, ISBN 978-3-13-133321-6

Quelle: Ärzte Zeitung, 15.01.2008


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10.01.2008 Standarddosis Interferon beta-1b ist optimal

BERLIN (mal). Für die Therapie bei schubförmig verlaufender Multipler Sklerose ist Interferon beta-1b in der Standarddosierung (250 Mikrogramm s.c. jeden zweiten Tag) optimal dosiert. Das bestätigt die Studie BEYOND×. Aufgrund der Studienergebnisse werde die Bayer Schering Pharma AG von der Beantragung der Zulassung einer 500-Mikrogramm-Dosierung Abstand nehmen, hat das Unternehmen mitgeteilt.

In der Studie BEYOND wurden 2244 zuvor nicht behandelte MS-Patienten einer von drei Studiengruppen zugeordnet. Die drei Therapieoptionen waren: 250 Mikrogramm Interferon beta-1b jeden zweiten Tag (Betaferon®, Standarddosierung), 500 Mikrogramm Interferon beta-1b alle zwei Tage (doppelte Standarddosierung) oder 20 Milligramm Glatiramer-acetat täglich.

Im Vergleich zum Jahr vor Aufnahme in die Studie, in dem die Patienten durchschnittlich noch 1,6 MS-Schübe gehabt hatten, war die Schubrate unter immunmodulatorischer Therapie (zwei- bis dreieinhalbjährige Beobachtungsdauer) um knapp 80 Prozent reduziert. Zwischen den drei Studienarmen gab es keine signifikanten Unterschiede. Zudem hätten unter der Standarddosierung von Interferon beta-1b nur 13 Prozent der Patienten die Therapie abgebrochen, so der Hersteller. Unter der 500-Mikrogramm-Dosierung sei dies bei 19 Prozent, unter Glatirameracetat bei 17 Prozent der Fall gewesen.

×BEYOND: Betaferon/Betaseron Efficacy Yielding Outcomes of a New Dose

Quelle: Ärzte Zeitung, 10.01.2008


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08.01.2008 Phase-II-Studie mit Ofatumumab bei Multipler Sklerose geplant

Details einer geplanten Phase-II-Studie mit Ofatumumab (HuMax-CD20(R)) zur Behandlung von rezidivierend-remittierender Multipler Sklerose (RRMS) wurden bekannt gegeben: Ca. 324 Patienten werden in diese Studie aufgenommen, die von Genmab in Kooperation mit GlaxoSmithKline (GSK) durchgeführt wird. Der Beginn der Studie ist für das erste Quartal 2008 vorgesehen.

Ofatumumab ist ein vollständig humaner monoklonaler Forschungsantikörper der nächsten Generation, der auf ein spezifisches Epitop des CD20-Rezeptors auf der Oberfläche von B-Zellen abzielt. Dieses Epitop des CD20-Rezeptors unterscheidet sich von jenem, an das andere derzeit verfügbare bzw. sich in Entwicklung befindliche Anti-CD20-Antikörper anbinden.

Die doppelblinde randomisierte Studie besteht aus zwei Teilen. Teil A umfasst ca. jeweils 36 Patienten in drei Kohorten mit Dosiserhöhung (100 mg, 300 mg bzw. 700 mg Ofatumumab), die auf Ofatumumab bzw. Placebo randomisiert werden. Ein unabhängiger Datenüberwachungssausschuss (Independent Data Monitoring Committee - IDMC) ist für die Beurteilung der Sicherheit jeder Folgekohorte vor Übergang zur nächsten Kohorte verantwortlich. Nachdem alle Patienten aus Teil A eine MRT in Woche 4 durchlaufen haben, evaluiert der Datenüberwachungsausschuss die Daten, bevor mit Teil B der Studie begonnen wird.

Teil B erstreckt sich über eine 48-wöchige Behandlungsdauer und umfasst ca. 288 Patienten. Die Patienten werden auf eine Behandlung mit 100 mg, 300 mg bzw. 700 mg Ofatumumab oder Placebo randomisiert. Nach Woche 24 erhaltenPatienten mit aktiver Dosis eine erneute Behandlung mit derselben Dosis Ofatumamab bzw. Placebo. Patienten mit Placebo erhalten Ofatumumab in der vertragenen Höchstdosis aus Teil A.

Ziel der Studie ist die Beurteilung der Sicherheit und Verträglichkeit von drei Ofatumumab-Dosen sowie die Beurteilung der Dosis-Response von Ofatumumab auf die Krankheitsaktivität in der MRT bei Patienten mit RRMS. Primäre Endpunkte sind die Sicherheit und Gesamtanzahl neuer Gd-verstärkter Läsionen von Woche 8 bis Woche 24.

Quelle: journalMED, 08.01.2008


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